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durch einen F.lsspalt, getrennt ward, zu dessen beißen Veiten sich die Locken bergartig emportürmten. Den einzigen Bart­schmuck des Gesichtes bildete eine fcingestricher.e schwarze L nie unter der Nase, die in einem sehr vorteilhaften Gegensätze zu dem weißgepuderten Haare stand. Das geistvolle Gesicht und die lebhaften dunklen Augen des nicht mehr ganz jungen, aber noch sehr stattlichen und trefflich konservierten Herrn erhielten dadurch besondere Frische und Ausdruck.

Schon der Umstand, daß der fleißige und gewissenhafte Minister sich um diese Stunde nicht in seinem Arbeitskabinett befand, hätte auf eine Unterbrechung seines regelmäßigen Lebensganges schließen lassen können, noch vielmehr verriet dies aber eine Hast und Unruhe, welche sich in seinem sonst so maßvollen Wesen kundgab.

Bald trat er vor den Spiegel, zupfte daS Jabot oder die Manschetten zurecht und musterte aufmerksam, aber nicht ohne eine Miene der Zufriedenheit seine äußere Erscheinung, dann schritt er zum Kamin, betrachtete das Zifferblatt der auf dem Marmorsims desselben stehenden Uhr und verglich damit die Taschenuhr, welche er aus der Tiefe seiner Weste hervorholle; ebenso oft blickte er auS dem Fenster in den nach der Straße zu durch eiu eisernes Gitter mit schön ver­ziertem Thorweg abgeschlossenem Hof, um zu sehen, ob die Karosse noch nicht vorqffahten sei. Die Zeit ward ihm sehr lang; noch fehlte eine halbe Stunde an dem Termine, zu welchem er selbst den Wagen bestellt hatte, um nach seinem unfern von Paris an der Marne belegeuen Landhause zu fahren, wo er den heutigen Tag mit einer ganz kleinen er­lesenen Gesellschaft zu verleben gedachte.

Die Zeiger der Uhr schienen heute von einer ganz be­sonderen Trägheit, sie rückten gar nicht von der Stelle, das Warten ward dem Marquis ganz uneittäglich; er streckte

die Hand nach der silbernen Glocke aus, um dem Diener herbeizurufcn und durch diese» dem Kutscher den Befehl zum sofortigen Anspannen zu übersenden, aber er zog sie wieder zurück. Ein Lächeln der Selbsttronie umspielte seinen feingeschnittenen, ausdrucksvollen Mund und er murm-lte, indem er seinem Spiegelbilde spöttisch zunickte: „Geduld, Geduld, mit allem Ungestüm schaffe ich sie nicht eine Minute vor der verabredeten Zeit herbei und schwer, wie das Warten hier zu ertragen ist, wird es an dem Orte, wo ich sie zu begrüßen hoffe, doch noch weit schwerer sein."

Die Marquis war noch unvermählt. Sehr jung in den Staatsdienst getreten, vom Könige zu den verschiedensten diplomatischen Sendungen verwendet, hatte Pomponne, der den Frauen durchaus nicht abhold war, wohl manch kleines galantes Abenteuer bestanden, aber sich nie ernstlich gefesselt gefühlt und allen Künsten, welche man zu diesem Zwecke gegeit ihn angewendet, immer mit großer Gewandtheit zu entgehen gewußt. Allein auch seine Stunde sollte schlagen; spät, aber um desto gewaltiger und unwiderstehlicher hatte ihn die Liebe zu der schöneu Athenais von Luhnes erfaßt, und diese hoffte er heute in seinem Schlosse Fernon als Gast zu sehen.

Bei Gelegenheit eines in Marly stattgehabten Festes war die Rede auch auf das herrliche Schloß tu Fernon gekommen und einige Schmeichler des Ministers hatten beteuert, es sei dem königlichen Lustschlosse ebenbürtig an die Seite zu s etzen. Pomponne hatte das bescheiden, aber doch mit einer Miene zurückgewiesen, welche die Begierde rege machen mußte, die Herrlichkeiten seines Sommersttzes zu schauen; als er sich bald allein neben Athenais befunden, hatte er es gewagt, sie einzuladen, einen Tag auf seiner Besitzung zu verleben.

(Fortsetzung folgt.)

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bestehenden Vorschriften über die Wertsberechnung für zwei Arten von Rechtsstreitigkeiten beschränkt. Was -die Be­stimmungen des Entwurfes, welcher das bestehende System der Gebührenrechnung beibehält, im einzelnen anbelangt, so entspricht ein großer Teil derselben Anregungen, welche aus Kreisen der Rechtsanwälte selbst ausgegangen sind. Der außerordentlichen Höhe der Gebührensätze bei Pro­zessen mit hochwertigem Streitgegenstände soll durch eine Ermäßigung des Steigerungesatzes bei den Wertklassen über 10000 Mk., sowie durch Einführung eines auf 500 Mark bemessenen Höchstbetrages des Einheftssatzes der Ge­bühr (nicht der Gebührenforderung überhaupt) begegnet werden. Ferner wird — und zwar hinsichtlich der Ge­richtskosten und der Rechtsanwaltsgebühren gleichmäßig — für Pacht- und Mietstreitigkeilen, sowie für Prozesse über Ansprüche aus einem außerehelichen Beischlafe eine ander- weite, auf eine Entlastung dieser Rechtsstreitigkeiten ab- zielende Art der Wertberechnmig für die Zwecke des Ge­bührensatzes in Aussicht genommen. Im übrigen hat der Entwurf die Einheitssätze des Tarifs unverändert gelassen und nur in einer Reihe von Einzelvorschriften die Herab­setzung der Gebühren für bestimmte Prozesse vorgesehen. Besondere Bedeutung beanspruchen zwei dieser Vorschläge: die Herabsetzung der Gebühr für eine nicht kontradiktorische Verhandlung,. d. h. allein bei den Landgerichten in erster Instanz für 47 bis 48 Prozent aller Verhandlungen — von fünf aus drei Zehnteile des Einheitssatzes, sowie der Wegfall einer Erhöhung der Verhandlungsgebühr für die Verhandlung nach stattgehabter Beweisaufnahme, ein Vor­schlag, dessen Bedeutung daraus erhellt, daß allein bei den Landgerichten in erster Instanz durchschnittlich jährlich über 50000 Beweisbeschlüsse erlassen werden. Andere Er­mäßigungen beziehen sich aus das Sühneverfahren, das Aufgebotsverfahren und das Konkursverfahren. Beson- sonders häufigen Klagen will die Herabsetzung der Ge­bühren für Erteilung eines Rates, sowie für Erhebung und Ablieferung von Geldern und Wertpapieren abhelfen. Als große Erleichterung wird es empfunden werden, daß der Entwurf die Schreibgebühren für kleine Schriftstücke, wie Briefe, Anzeigen, Mitteilungen, Anträge u. bergt, be­seitigt, indem er die zwei ersten Seiten jeden Schrift­stücks von der Gebühr frei läßt. Bei Schriftsätzen von mehr als 20 Seitdu sollen die Gebühren für die über-- schießenden Seiten auf die Hälfte ermäßigt werden. Zum Schluß ist als eine nicht unwichtige Be­

stimmung des Entwurfs noch die hervorzuheben, daß der Anspruch des Anwalts auf Fuhrkosten auf die wirklich verausgabten Beträge beschränkt wird, wenn es sich um Geschäftsreisen zu einem an der Gerichtsstelle wahrzunehmenden Termine innerhalb des Landgerichts­bezirks handelt, in welchem der Anwalt seinen Wohnsitz hat. Diese Vorschrift wird den vielfach laut gewordenen Klagen über die Verteuerung der amtsgerichtlichen Prozesse in wirksamer Weise begegnen.

Potsdam, 6. Nov. Im Marmorpalais ist heute

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, fowicd. Annoncen-Bureaux von Hoasenstein undVogler in Frankfurt a. M-, Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt » a M-, Berlin,München und W Köln; G. L. Daube und

So. n Frankfurt a. M , Berlin, Harnover u. Paris.

[Unbefugter Nachdruck verboten.) Gefallen.

Historische Erzählung von F. Arneselbt.

1.

In einem mit vergoldetem Stuck verzierten, mit gelber Seide ausgeschlagenen und mit Möbeln aus weißlackiertem goldbeschlagenen Holze und gelben Damastbezügeu ausge­statteten Salon seines im Stadtviertel von St. Germain in Paris belegeuen Hotels ging Simon Arnaud, Marquis von Pomponne, Minister der auswärtigen Angelegenheiten Seiner Majestät des Königs Ludwig XIV. auf und ab.

Der Marquis befand sich, obgleich es noch früh am Morgen war, schon in vollster Toilette. Ueber einer langen Schoßweste aus mattblauem Allas trug er den mit langen Schößen, breiten Taschen und golöenen Knöpfen versehenen goldgestickten Justaucorps aus dunkelblauem Sammet, dessen kurze Aermel sehr breite Aufschläge aus rotem Sammet haften. Das Jabot bestand aus reichgefälteten Brüsseler Spitzen, welche letztere auch den vom Rockärmel sreigelaffenen Unterarm bis zum Handgelenk bedeckten. Kurze Beinkleider, seidene ©trumpfe, ausgeschnittene Schuhe, sowie ein Ga­lanteriedegen an der Seite vervollständigten den durch kost­bare Steine in den Schuh, und Knftschnallen, sowie in der Busennadel noch bebeutnb gehobenen kleidsamen Anzug; die Krönung des Ganzen war aber die mächtige Allonge- perrücke, welche auf der Stirn durch einen Scheitel, wie

Geschichiskaiender.

9. November.

1848. Der König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen verlegt die Nationalversammlung von Berlin nach Branden« bürg a. H.

Deutsches Reich. * I

Berlin, 6. Nov. Der Kaiser, welcher die Reise nach Springe (zur Jagd) einer leichten Heiserkeit wegen auf- gegeben hat, empfing im Laufe des Vormittags eine Reihe militärischer Meldungen, sowie den Besuch des Prinzen Wilhelm und machte nachmittags eine Spazierfahrt. — t. Prinz Wilhelm ist von seinem Ohrenleiden wenigstens so­weit wieder hergestellt, daß er gestern zum erstenmale das Zimmer verlassen und heute wenigstens auf kurze Zeit nach Berliir fahren konnte, um seinen Kaiserlichen Groß­vater zu begrüßen, dem er nach der Rückkehr von den Sommerreisen noch nicht hatte seine Aufwartung machen können. — Prinz Heinrich wird am Dienstag nächster Woche Berlin verlassen, um nach Kiel zurückzukehren. — Zu den Mitte November stattfindenden Hofjagden in Letz­lingen wird sicherem Vernehmm nach außer dem Groß­fürsten Wladiniir von Rußland auch der Prinz Ludwig von Baiern, der älteste Sohn des Prinz - Regenten, nicht aber, wie fälschlich gemeldet, dieser selbst, hierher kommen. — Heber die Krankheit des Prinzen Wilhelm berichtet die in Halle erscheinende „Saale-Zeitung" nach Mitteilungen, die ihr aus der Umgebung des Prinzen zugegangen sind, daß sich derselbe täglich 6mal schmerzhaften Einspritzungen durch Ohr, Mund und Nase unterziehen muß, da sich zwischen dem kranken Ohr und der Nase Eiter angefammelt hat, der möglichst bald und gründlich beseitigt werden muß. Prinz Wilhem erträgt zwar die Schmerzen mit großer Geduld, ist aber, wie man sich denken kann, in gedruckter Stim- mung, wozu besonders die ihm auferlegte Unthätigkeit bei­trägt. Er ist Soldat mit Leib und Seele und hat sich nach feiner Ernennung zum Kvmrnendeur des Potsdamer Garde-Hufaren-Regiments mit größtem Eifer der Erfüllung feiner neuen vermehrten Berufspflichten gewidmet. Aber von diesem Zeitpunkte an ist er mit kleinen Unterbrechungen saft immer leidend gewesen und hat den Frontdienst nur selten in vollem Umfange versehen können. Die behan­delnden Aerzte versichern noch immer, daß bei einer ge­nauen Befolgung ihrer Vorfchristen und bei sorgsamer Schonung eine Gefahr nicht zu befürchten sei. Gleichwohl ist man in der Umgebung des Prinzen neuerdings nicht ohne ernste Besorgnisie. — Die Ober-Postdirektion giebt, wie ein Berichterstatter wissen will, am 1. Januar 1887 die neuen Briefmarken für die afrikanischen Kolonieen und Samoa in Zirkulation. Dieselben sind in der gleichen Farbe und Wertbezeichnung wie die deutschen Marken her- gestellt und tragen nur oben den Vermerk „Kolonie des Deutschen Reichs", unten „Afrika" oder „Samoa".

— Dem Bundesrate ist der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Gerichts- kosten-Gefetzes und der Gebührenordnung für Rechtsan­wälte zugegangen. Der Entwurf bezweckt eine Herab­setzung der gegenwärtigen Höhe der Prozeßkosten. Er sucht dieses Ziel im wesentlichen durch eine Ermäßigung der Rechtsanwalts-Gebühren zu erreichen, während er be­züglich der Gerichtskvsten sich auf eine Abänderung der

Ausland.

Wie«, 6. Nov. Der „Polit. Korrefp." wird aus Tirnowa telegraphiert, die Vorgänge in Burgas würden in den Kreisen, der Regierung sehr ruhig beurteilt. Major Panitza habe sich mit Vollmachten der Regierung behufs Wiederherstellung der gesetzlichen Ordnung nach Burgas begeben.

P-st, 6. Nov. Der König eröffnete die Delegationen im Thronsaale der Königsburg in feierlichster Weife. Be­züglich Bulgariens sagt die Thronrede: Die bedauerlichen Verwickelungen in Bulgarien, welche im Vorjahre mit dem Umstürze der Regierung in Philippopel ihren Anfang nahnten, geben neuerdings Anlaß zu ernsten Besorgnissen. Zwar ist es den vereinigten Bemühungen der Mächte ge­lungen, die Bewegung zu lokalisieren und die Wiederher­stellung legaler Zustände anzubahnen; die jüngsten Ereig­nisse in Sofia haben jedoch eine neue gefährliche Krise hervorgerufen, deren Entwickelung und, wie ich hoffe, fried« liche Lösung jetzt die volle Aufmerksamkeit meiner Regierung in Anspruch nimmt. Die Bemühungen derselben sind dahin gerichtet, daß bei der schließlichen Regelung der bul­garischen Frage, welche unter Mitwirkung der Mächte er­folgen muß, in dem autonomen Fürstentum ein legaler Zustand geschaffen werden müsse, welcher, den zulässigen Wünschen der Bulgaren Rechnung tragend, ebenso den be­stehenden Verträgen, wie dem Interesse Europas entspricht. Die vortrefflichen Beziehungen, in welchen wir zu allen Mächten stehen und die Versicherungen friedlicher Inten­tionen, die wir von allen Regierungen erhalten haben, laffen hoffen, daß trotz der schwierigen Lage im Oriente es gelingen wird, unter Wahrung der Interessen Oester­reich-Ungarns Europa die Segnungen des Friedens erhalten bleiben werden. Auf das Jrmere übergehend, hebt die Thronrede die Notwendigteit der Inanspruchnahme einer erhöhten Opferwilligkeit infolge der fortschreitenden Ent­wickelung der Waffentechnik hervor. In Bosnien und der Herzegowina zeigt die Verwaltung in allen Gebieten einen stetigen Fortschritt und beansprucht keinen Zuschuß mehr.- Im nächsten Jahr wird eine wiederholte Verminderung der Kosten der dortigen Truppen eintreten. — Der Präsident der ungarischen Delegation betonte in feiner Ansprache an den König, daß, wenn die unzertrennbaren Interessen des Thrones und der Monarchie es erheischen, und wenn es

Marburg, Dienstag, 9. November 1886.

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morgen eine Balkenlage des Dachstuhles in Brand geraten, das Feuer wurde jedoch alsbald gelöscht.

Weimar, 6. Nov. Heute nachmittag fand die kirch­liche Trauung des Herzogs Johann Albrecht von Mecklen­burg und der Prinzessin Elisabeth statt. Hieran schloß sich eine Cour und sodann Galatafel. Bei dieser brachte Se. Hoheit der Kronprinz das Wohl der Neuvermählten aus; ^r Großherzog trank auf das Wohl feiner Gäste.

Sigmaringen, 6. Nov. Der Fürst Leopold von Hohenzollern ist mit seinem zweitältesten Sohne, dem Prinzen Ferdinand, nach Rumänien gereift.

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-s Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. ö. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes SonnkagSblaft

« „ Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Strlag von Joh. Aug. Koch. .

Urscheint täglich außer au Werttagen nach Sonn- und Hei erlagen. — Quartal- AbonnementS-PreiS bei bei 1 fttebition 2‘/4 Mk., bei tat Postämter 2 Mk. 50 | efg. (excl. Bestellgeld; MertionSgebühr für bie gefooltene Zeile 10 Pfg. jkßamen für bie Zelle 25 Pfg.