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Rr. 259.

Marburg, Freitag, 5. November 1886.

XXI. Ja-rgaug.

Sr cheirtt iüzlich außer an Sbedtogen nach Sonn- und Xei «tagen. Quartal- LZounementS-PreiS bei bet pebition 21/« Ml., bei b« Postämter 2 Ml. 50 Sg. (erd. Bestellgeld) sertionSgebühr für bit gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für bie Zeile ">5 Psg.

GrrMlhk jcitung.

Anzeigen nimmt entgegen bie Expedition b- Blatte», sowied-Annoncen-Bureaux von Haasenstein unbVogl« in Frankfurt a. M, Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M-, Berlin,München und Köln; G. L. Daube und 6o. n Frankfurt a. M-, Berlin, Hanno v« u. Pari».

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonutagsblatt.

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und B«lag von Joh. Ang. Loch.

1414.

1494.

1605.

1688.

von

Geschichtskalender.

5. November.

1757. Friedrich II. schlägt die Franzosen unter Soubise bei Roßbach, einem Dorfe an der Saale unweit Weißenfels.

1758. Entsetzt die Festung Neiße.

erhobene Anklage wurde von dem zuständigen Gerichtshöfe in Calbe a. S. zurückgewiesen, weil kein Grund zu der­selben vorliege, sodann dem Gerichtshöfe in Magdeburg zugewiesen, der die Untersuchung einleitete, aber in einem Kontumazialurteils (Löwe lebte im Auslande) den Ange­klagte freisprach. Das Obertribunal verurteilte ihn zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe wegen Beteiligung an den Verhandlungen und Beschlüssen des Parlaments in Stutt­gart, die auf denUmsturz des Deutschen Bundes" be­rechnet gewesen seien. Löwe lebte zwei Jahre in der Schweiz, zwei Jahre in London und 8 Jahre in Newyork (hier und in London die ärztliche Praxis ausübend), bis der Erlaß der Amnestie vom 11. Januar 1861 ihm, da das Urteil des Obertribunals gegen ihn rechtskräftig ge­worden war, die Rückkehr im Frühjahr 1863 ermöglichte; er war aber trotz der Amnestie genötigt, das preußische Bürgerrecht wieder zu erwerben. Seit Frühjahr 1867 ist er Mitglied des Reichstages, und zwar für den 5. Wahl­kreis Reg.-Bez. Arnsberg-Bochum. Lange Jahre gehörte er der Fortschrittspartei an; er verließ' dieselbe, als die Majorität in den siebziger Jahren sich weigerte, dem Mili- tärseptenat zuzustimmen, und wurde der Mittelpunkt einer kleinen liberalen Gruppe, die nach seinem Namen benannt wurde. Mit Ende des vorigen Jahrzehnt bewogen ihn die Interessen seines industriellen Wahlkreises Bochum, mit Lebhaftigkeit der Schutzzollbewegung sich anzuschließen; in der gegenwärtigen Legislaturperode schloß er sich auch for­mell der nationalliberalen Partei an. Seit einigen Jahren hinderte ihn jedoch fortgesetzte Kränklichkeit, sich an dem parlamentarischen Leben mit dem ftüheren Eifer zu be- teiligen.

München, 3. Roo. Der Prinz-Regent verfügte durch ein Handschreiben an das Kriegsministerium, daß der vor­malige Kriegsminister General z. D. Maillinger wegen geleisteter hervorragender Verdienste im Kriege und Frieden fortan in der Rangliste der aktiven Offiziere geführt werde.

Stratzbnrg, 3. Nov. Der Statthalter Fürst Hohen- lohc ist heute vormittag nach Paris abgereist.

Durchs Leben erzogen.

Novelle von Th. Hempel.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Und weißt Du auch, daß er uns wieder verlassen wird, eilig, als ob der Boden unter seinen Füßen brenne, daß er selbst mir, seinem besten Freunde, jeden Aufschluß darüber versagt. Anna, kannst Du mir vielleicht den Grund neunen?

,3ch bitte Dich, Ernst, laß das ruhen, ich weiß, daß er gern von hier fortgeht, daß er erleichtert aufathmen wird, wenn er den Verhältnissen entflohen ist, die ihn hier bedrücken, suche nicht, ihn zum Bleiben zu überreden, ich bitte Dich, thu es mir zu Liebe.«

So bist Du es, Anna, die ihn hinaustreibt in die Ferne. Matt und schwach wird er vielleicht noch einmal aufs Krankenlager znrückstnken, draußen unter fremden Menschen, wo keine treue Hand ihn pflegt, kein warmes Herz für ihn schlägt, und wir, um derentwillen er so viel leiden muß, wir«, die wir ihm alles danken, was wir sind und haben, wir lassen ihn gehen, ohne Mitleid, ohne Er­barmen I«

Ich bitte Dich, Ernst, quäle mich nicht so fürchterlich, ich kann nicht davon sprechen.«

Aber ich will davon sprechen. Ich will klar sehen, weuu

London, 3. Nov. Die Polizei gab gestern ganz bestimmte Befehle, jeden Aufzug oder eine größere An- sammlung von Menschen, ausgenommen bei der Lord­mayors-Prozession am 9. November, in den Straßen zu verhindern. Alle Ladenbesitzer wurden angewiesen, ihre Läden zu schließen und die Fenster, falls sie keine Fenster­laden besitzen, durch Bretter zu schützen.

Petersburg, 2. Nov. DasJournal de St. P." schreibt: Die gestern publizierte amtliche Kundgebung bezeichne die Grenzen der Geduld und Mäßigung Ruß­lands, welches von dem Wunsche beseelt sei, die Bulgaren nicht für die schlechten Handlungen ihrer Machthaber ver­antwortlich zu machen. Man müsse hoffen, die Macht­haber würden begreifen, daß sie nicht ungestraft auf diesem Wege verharren dürfen. Mit der Freilassung der Offiziere sei einer wichtigen Forderung des General Kaulbars genügt. Die Ratschläge, welche den derzeitigen Inhabern der Gewalt würden erteilt werden, dürften dieselben vielleicht zur richtigen Beurteilung der Lage und Interessen Bulgariens führen.

Konstantinopel, 3. Nov. Sir William White überreichte gestern dem Sultan in feierlichen Audienz seine Kreditive als interimistischer englischer Botschafter und hatte später eine Privataudienz beim Sultan.

Newyork, 3. Nov. Hewitt ist zum Bürgermeister von Newyork gewählt. (Eine ungefähre Vorstellung von dem Zahlenverhältnis gibt folgende früher eingegangene Depesche, welche sich aus 510 Wahlbezirke bezieht. Danach erhielt Hewitt 53607, George 39327 und Roosevelt 39 003 Stimmen. 302 Wahlbezirke waren noch aus­ständig.

Deutsches Reich.

Berti«, 3. Nov. Der Kaiser nahm heute vormit­tags militärische Meldungen entgegen, ließ sich von dem Geheimen^ Kabinettsrat von Wilmowski Vortrag halten und empfing nachmittags den Besuch der Herzogin Wilhelm von Mecklenburg und deren Tochter. In der morgigen Bundesratssitzung gelangt u. a. der Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gerichtskosten-Gesetzes und der Gebühren- Ordnung der Rechtsanwälte zur Vorlage. Der Reichs- Anzeiger" meldet: Domdechant Dr. Klein zu Limburg ist nach erfolgter Zustimmung der Königlichen Staatsregierung durch das Breve des Papstes vom 15. Oktober zum Bischof von Limburg ernannt; der König erteilte dem Bischof Klein mittels Urkunde vom 27. Oktober die nachgesuchte landesherrliche Genehmigung. Dem Bundesrat sind in Bezug auf die zwischen dem Fürsten von Waldeck und Pyrmont und den Waldeckschen Ständen schwebende Strei­tigkeit wegen Heranziehung des Dominial-Stammvermögens zur Bezahlung der Rothschildschen Tilgungsgelder noch weitere Schriftstücke des Landesdirektors von Waldeck vom 18. Oktober und des fürstlichen Kabinettsrates an den ersteren vom 13. Oktober d. Js. zugegangen. Der Bundes­rat hatte unterm 10. Juni beschlossen, den Streit der schiedsrichterlichen Entscheidung des Reichsgerichts zu unter­breiten, womit sich die Ständekammer einverstanden erklärt hatte. Dem Bundesrat ist ferner die Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landesverwaltung von Elsaß-Lothringen für das Etatsjahr 1885/86 mit dem Anträge zugegangen, die Etatsüberschreitungen vorbehaltlich der bei der Prüfung der Rechnungen sich etwa noch er­gebenden Erinnerungen zu genehmigen. In derBörsen- Zeitung" wird das Gerücht dementiert, daß Herr v. Bleich- röder bei seiner jüngsten Anwesenheit in Varzin mit dem Reichskanzler über eine neue oder veränderte Börsensteuer konferiert habe. Daß Bleichröder dem Fürsten Bismarck in Varzin einen Besuch abgestattet, sei nichts außerordent­liches, vielmehr bringe derselbe in jedem Jahre einen oder mehrere Tage als Gast des Reichskanzlers in Varzin oder Friedrichsruh zu, wie er auch im Berliner Palais des Fürsten zuweilen als Gast gesehen werde. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Der Abgeordnete Dr. Löwe (Calbe) ist gestern in Meran gestorben. Wilhelm Löwe, Dr. med. und praktischer Arzt in Berlin, war geboren am 14. Nov. 1814 in Olvenstedt bei Magdeburg. Evangelisch. Löwe besuchte das Domgymnasium zu Magdeburg, studierte und promovierte in Halle, war Mitglied des Frankfurter Par­laments 1848 für den Kreis Calbe und Präsident des Rumpf - Parlaments nach Uebersicdelung desselben nach Stuttgart. Die von der preußischen Regierung gegen ihn, wie gegen alle Teilnehmer an den Stuttgarter Beschlüssen

Hefferr-Naffair.

äRittbutg, 4. Nov. Mit seltener Einhelligkeit fand heute vormittag die Ersatzwahl unseres Kreises zum Ab­geordnetenhause statt., Herr Amtsgerichtsrat v. Stiern- b e r g erhielt 114 Stimmen, die liberalen Gegenkandidaten Bürgermeister Ruth von Bellnhausen 10 und Bürger- meifter Breit st adt von Hassenhausen 8 Stimmen; ab­gegeben waren überhaupt 133 Stimmen.

Marburg, 4. Nov. (Gemeinde - Ausschußsitzung.) ^n der gestern nachmittag stattgehabten Sitzung des Ge­meinde-Ausschusses waren anwesend die Herren: Bücking, Braun, Brauer, Dern, Euker, Gleim, Gold, Häuser, Höfner, Hillebrand, Fr. Keppler, L Muller, Fr. Müller, Niederehe, Römheld, Westerkamp und Herr Oberbürgermeister Schüler. Zu I. der Tagesordnung, betreffendFestsetzung der Straßen­fluchtlinie am Pilgrimstein vom Rudolfsplatz bis zur Schlachthausbrücke" wurde dem Ausschüsse ein hierauf es nicht für möglich, daß er mtog ließen könne und ich wollte nicht, daß Mitleid ihn an meine Seite kette.«

Noch weilt er bei uns« entgegnete Ernstwenn auch gegen seine Neigung, nur unseren dringenden Bitten nachgebend. Wenn Du ihn liebst, so laß ihn nicht von uns gehen.«

Komm schnell,« rief Anna fieberhaft erregt aus laß uns eilen, ehe er entflieht!

Die Sonne ist untergegangen; tiefer und tiefer senkt sich die Dämmerung hernieder. Der Vollmond behauptete seine Herrschaft für die kurzen Stunden der Sommernacht, herab- schaueud auf Gute und Böse, auf Erdenglück und Erden­leid. Freundlich lächelte er dem jungen Paare zu, das auf weinumrankter Veranda steht in feltger Vereinigung. Von fernen Armen umschlungen, ruht die glückliche Braut am Herzeu des Mannes, der sie sich zur Gefährtin erkoren hat für das ganze Leben:Du liebst mich wirklich« fragt AnnaDu hast mir alles verziehen, was ich that in blruder Eifersucht?«

Ja Anna, ich liebe Dich, Du warst meinem Herzen stets teuer. Als ich Dich schützen durfte vor den Beleidi­gungen eines Elenden, als Du auf einsamem Wege be­wußtlos in meinem Arme lagst, da bat ich Gott innig, daß es mir gewährt fein möge, Dich an meiner Hand durch das Leben zu führen. Ich hatte wenig Hoffnung, mein Flehe»' erhört zu sehen; aber die goldene Sternschnuppe, die am. Himmel herabsank, gab mir eine freundliche Zusage auf die bange Frage au die Zukunft. Dann kamen schwere dunkle Stunden. Dein Hochmut besiegte noch einmal die besseren Regungen Deines Herzens, Du wurdest die Braut eines Anderen und ich beschloß, nach heißem Kampfe, aus Deiner Nahe zu fliehen. Ob ich Frieden gefunden hätte ^_wenn auch Länder und Meere zwischen uns gelegen hätten? Ich glaube es nicht! Doch genug, lassen wir ruhen, "was hinter uns liegt! Die Sternschnuppe hat ihre wahrsagende Kraft bewahrt, ich habe gefuudeu, was ich mir ersehnt, ich halte Dich au meinem Herze»!« (Schluß folgt.)

Eröffnung des Kostnitzer Konzils.

Hans Sachs, der Dichter, wird zu Nürnberg geboren. Die Pulververschwörung zu London wird entdeckt. Der Prinz Wilhelm von Oranten, König Jakobs II. England Schwiegersohn, landet in England, der König flieht.

Ausland.

Bafel, 3. Nov. Der Kronprinz, welcher gestern abend, von Monza kommend, hier eingetroffen war, setzte heute vormittag über Karlsruhe seine Reise fort.

Pest, 2. Nov. Der StaatSkaffen-Ausweis des dritten Quartals ergibt an Einnahme 69 963 984 fl., gegen 1886 3 494 447 fl. weniger. Die Ausgaben betragen 78 495 715 fl., gegen 1886 8365640 fl. weniger. Das Gesamtergebnis der drei diesjährigen Quartale stellt sich um 7421506 fl. besser als im Vorjahre.

Ihr Beide jede Auskunft verwrigen. Durch die Mutter erfuhr ich, daß an jenem schrecklichen Abend eine Verstän­digung zwischen Euch stattgefunden hat, ich kann mich von der Ueberzeugnng nicht trennen, daß es abermals Dein Hoch­mut ist, der zwischen Euch trat. Bedenke, was Du thust, wenn Du dies edle Herz von Dir stößest, das in selbstloser Güte, in inniger Liebe zu Dir stets eine Entschuldigung fand für Deine ost nicht zu rechtfertigende Handlungsweise. Als seine Ehre nicht mehr ertrug, was Du an ihm thatest, da wendete er sich ab, um von uns zu gehen, für immer; nicht erbittert und voll Zorn, nein mit blutendem Herzen, noch immer voll tiefer Neigung für Dich, von Schmerz be- wegt, daß er Dich nicht erretten konnte, vor Dir selbst, daß Hochmut und Eitelkeit Deine guten und edlen Eigenschaften überwucherten. Das Schicksal wollte es anders, es gestattete ihm nicht hinauszuziehen in die Ferne, um in einem fernen Weltteile Dich zu vergessen, oder doch sich seinen Frieden zuruckzuerkämpfen, den ihm die Liebe zn Dir geraubt. Er mußte hier bleiben, mußte schweres Leid ertragen um unsertwillen. Mit Freuden erwarteten die Eltern die An- kunft in unserem Hause. Sie wußten von Dir selbst, daß Eure Herzen sich gefunden, sie sehnten sich, ihn zu begrüßen, den sie mst Freuden ihren Sohn neunen wollten! Er kommt au, bleich und verstört, nicht die Folgen körperlichen Leidens, sondern eines tiefen Seelenschmerzes in den düsteren Zügen ausgeprägt. Er kommt, um uns so schnell als möglich wieder zu verlassen, ob auch matt und leidend, er kann nicht wellen. Anna, was ist geschehen?«

Anna hatte sich von ihrem Sitze erhoben, sie hat ihres Bruders Arm ergriffen, starr, mit well geöffneten Augen schaut sie ihn au:

.Ist das wahr, was Du sagst?« - fragt sie ihn mll zitternder Stimme.Kanus möglich fein? Foltere mich »icht, sage mir noch einmal, daß es kein Traum ist. Liebt n mich wirklich? Ist er schon von uns gegangen, den Staub von feinen Fußen schüttelnd, um nie, nie mehr wieder- rukehren? Du weißt nicht, wie ich gelitten habe, ich hielt