Rr. 255
Marbuvg, Sonnabend, 30. Oktober 1886.
GkHeWe Mmg
Durchs Lebe« erzöge«.
Novelle von Th. Hempel.
(Fortsetzung.»
Mit Neid sah fie einen Arzt und eine Pflegerin näher treten, die beide beordert waren, die Nacbt bei Wellmer zu wachen und folgte ihrem Vater zum Wagen, ihrem ge- preßun Herzen in einem Strom von Thränen Luft machend. ...Mit Sehnsucht wurden fie zu Hause erwartet. Erstaunt bltckle die Baronin aus ihre Tochter, die mit dem Ausrufe: „Noch lebt et!* in der Mutter Arme sank und an dem treuen Herzen ihren Schmerz und ihre Sorge aussprecheud, Mischen all ihrem Jammer hindurch immer von Neuem in die Worte ausbrach: „Er zürnt mir nicht mehr, er liebt mich.*
, Wenn auch der Unfall die Baronin aufs Tiefste betrübte, so war es doch ein süßer Trost für fie, die gänzliche Umwandlung ihrer Tochter zu sehen. Schon dämmerte der Morgen, als die Familie fich ttennte, um noch für kurze Zett die Ruhe zu suchen.
In Annas Herz war bei allem Leid eia tiefer Friede
- Hohn und Verachtung hatte sie einst Judith an- geklagt, daß sie zuerst mit Worten Uriel Acosta ihre Liebe gesiand, als er verflucht, ausgestoßen von seinen Glaubens- ?E"ossen, verfolgt von einem zelotischen Priester, einer Zu- Haltlosigkeit, des Elends, entgegen ging mrd Judith wußte sich längst angebetet von dem Manne, dem geHebt!?era<t>tUB9 “““ trof' jubeInb S»rief: Auch sie hatte zuerst einem Manne ihre Gefühle ae- f™n' Ne auch nur einen Anhalt, daß fie erwidert War er ft auch nur eine einzige Linie aus den steifen Formen des geselligen Verkehrs hcrausgetreten, hatte ihr le-in wärmeres Gefühl gezeigt? Hatte er fie nicht der allen Angriffen mit höflicher, kalter Ruhe zurückgewiesen, ohvr ie schmerzlich berührt zu scheinen?
Als sie au seiner Seite kniete, an jenem unvergeßlichen da lag irdisches Glück ihr so fern, sie hatte nichts gesucht, als seine Verzeihung, um den verlorenen Frieden wieder zu erlangen.
®te ^h ih" vor sich, schon fast wie ein Verklärter schaute er mit strahlenden Augen bereits hinüber in eine bessere Welt. Da vergaßsie, was hinter ihr lag,' sie glaubte sich losgelost von irdischen Rücksichten, sie sprach aus, was ^Jch "liebe ^Dich!*" ßippen kommen dürfen, das Wort: „^W°rum hatte fie fich nicht genügen lassen an seiner Ver- zeihung? Wußte fie, ob er ihr mehr geben konnte? Aus Mitleid vielleicht mit ihrem tiefen Schmerz hatte er sie ftine Geliebte genannt; denn er dachte an keine Zukunft mehr, ruhig und gefaßt erwartete er den Tod, mit dem Leben hatte er abgeschlossen. Melleicht würde er sie auch jetzt uochim Unklaren lassen über seine Gefühle, er würde fie selbstloser Gute au sein Herz nehmen, au seiner Hand fie sicher durch da» Leben führen, nie aber ihre Liebe ,u
Ä2fleM' boi“ h°tte fie ihn zu schwer gekränkt, zu tief beleidigt. (Fortsetzung folgt.)
Oberhessische Zeitung nebst deren Beiblättern entgegengenommen.
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___________ Die Exped. d. Oberh. Ztg.
Wirtschaftliche Bauten.
Während in Deutschland neue Bollbahnen kaum mehr gebaut werden, und die schaffende Thätigkeit.auf diesem Gebiete sich wesentlich auf die Ergänzung und Verbesserung der vorhandenen Bahnhofs-und Geleiseanlagm, sowie auf den Ausbau des Sekundärbahnnetzes beschränkt, herrscht auf dem Gebiete der Hydrotechnik das regste Leben. Insbesondere wird auf die Förderung der Schiffahrt durch Neuanlagen m der umfassendsten Art Bedacht genommen Das gilt sowohl von der See-, als der Binnenschiffahrt.
Reben dem Nord-Ostsee-Kanal und den großen Hafenanlagen Hamburgs und Bremens steht eine wesentliche Verbesserung und Erweiterung der Häfen von Altona und Geestemünde in Aussicht. Ter Emdener Hafen erfährt aus Anlaß der Einführung des Ems-Jahde-Kanals gleichfalls eine erhebliche Verbesserung; ein weiterer, noch umfassenderer Ausbau desselben ist in Verbindung mit dem Bau des Kanals von Dortmund nach der Ems in Aus- ficht genommen. Die Einrichtung von Vorrichtungen zur direkten Verladung der Kohlen aus den Eisenbahnwagen m das Seeschiff, welche der Seeschiffahrt dieselben Dienste leisten soll, wie die Kippvorrichtungen in den großen Rhein- Hafen der Binnenschiffahrt, ist nach dem Vorgänge Rotterdams für Bremerhaven in Anwendung gebracht. Auch in Emden denkt man an eine solche Einrichtung. Eine verbesserte Beleuchtung der Emseinsahrt wird in Verbindung mit den Niederlanden vorbereitet, und die Beseitigung der in der Beleuchtung der Ostseeküste an der Westseite der Znsel Rügen noch vorhandenen Lücke durch Errichtung eines Lenchtturms ans Hidoensoi geplant.
Bremen trägt sich mit dem kühnen Plane, durch Vertiefung der Unterweser nach dem am Clyde bewährten Verjähren Seeschiffen von 5 Metern Tiefgang den Zugang zu der Stadl selbst zu ermöglichen. In technischen Kreisen hofft man, daß mit der Zeit auf diesem Weae sich noch eine größere Fahrtiefe werde erreichen lassen. Einen
1870.
30. Oktober. Gefechte bei Le Bourget und Dijon.
Geschichtskaleirver.
30. Okrob er.
1611. Gustav Adolf tritt 18 Jahre alt die Regierung von Schweden an.
1697. Der zwischen Ludwig XIV. und Kaiser und Reich abgeschlossene Frieden zu Ryswik beendigt des Ersteren dritten Raubkrieg.
1813. Napoleon schlägt den bayerischen General Grafen Wrede b-i Hanau.
1864. Im Frudeu zu Wien tritt der Köifiz Christian IV. von Dänemark alle seine Rechte an die Herzogtümer Schleswig - Holstein und Lauenburg an den König von Preußen und den Kaiser von Oesterreich ab.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d | Blattes, sowied-Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magd-- urg und Wien; Rudol' Masse in Frankfurt a M., Berlin,P> ünchen und Köln; G. L. Daube und Lo. ii rantfurt a. M., * Hn, (ja nev-r u. Paris.
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Der Oder - Spree - Kanal wird alsbald in Angriff genommen werden. Mit demselben ist indessen die Wasserstraße »on_ dem schlesischen Montanrcviex bis zur Elbe i "och nicht fertig; es fehlt die obere Strecke von Breslau bis ins Kohlenrevier, sowie die Verbindung der Oberspree mit der jungst kanalisierten Unterspree durch Berlin hindurch. Beide Unternehmungen bieten erhebliche Schwierigkeiten und fordern namhafte Kosten. Die obere Oder muß mittels 8—12 Stauwehren kanalisiert, bei Kosel ein großer Hafen angelegt und endlich die Wafferstrecke durch die überaus enge L-tadt Breslau oder um dieselbe herum gelegt werden. Beide Unternehmungen befinden sich noch im Stadium der technischen Vorbereitung. Dasselbe gilt von der Kanalisierung der Fulda bis Kassel, durch welche man die bisher ttn Verkehr wenig beachtete Korrektion der oberen Weser nutzbar zu machen hofft. Dagegen steht die Inangriffnahme der Korrektion der Ilmenau von Lüneburg bis zur Elbe bevor. Die Kanalisation des Mains und die große städtische Hafenanlage in Frankfurt sind beendet und eröffnet worden. Das Bild, welches wir wr« 'tthend zu entrollen versuchten, ist noch keineswegs er- eingezogeu; sie fühlte sich wieder frei von Schuld, denn er batte ihr verziehen. Demütig legt- sie des Geliebten Zürnst in Gottes treue Laterhand und faßte den festen Vorsatz, auszuharren in Geduld, es dankbar zu genießen wE ihr dereinst noch Glück beschieden sei, mit Ergebung auchdasschwerste Los zu tragen; immer und immer wieder durchlebte sie die wenigen Minuten des Glückes, die 9r vn seinem Schmerzenslager zu weilen vergönnt waren.
.7^" sEdem Menschenleben, mtt nur wenigen Ausnahmen fiA6tonhi^e,tM bA Kummcis und der Sorgen, in denen E°s die schweren Stunden des Tages ausdehnen unv wo die schlaflos durchwachten Nächte kein Ende zu hn^sm j$eiiIen' ®® önll der goldne Sonnenstrahl das vom Weinen gerötete Auge berührt, wo des freundlichen Mondes mildes Licht keine Ruhe in das geängstete Herz zu ÄS'-,”“ 611 M f<Ä
-Führung, Schwache und Mutlosigkeit die moralischen Tratte lahmen.
-C£ Mit Freudenthränen hatte fie die »berußt, daß Wellmer die Ueberstedelung nach ertragen habe und sein Zustand nicht ganz hoffnungslos sei. Als aber Woche auf Woche dahiu- Ä9s.Ä"b nne wirkliche Entscheidung zu bringen, als sie v-n sn T1 bem<. herzlichen Gruß begnügen mußte, den ihr der Vater von den sehr kurzen Besuchen heimbrachte, nn2hHAbf*5PeflTrgestattet wurden, da wurde es ihr unendlich schwer, in Geduld auszuharren und die Hoffnung ans kommende bessere Tage nicht zu verlieren.
Sie kamen, Wellmers Jugendkraft siegte und wenn er °uch noc^ matt und schwach war: seine baldige Genesung U"d mtt ihr sein Besuch standen in sichrer Aussicht.
Mtt Sehnsucht hatte Anna von Tag zu Tag des Wiedersehens geharrt und sich mit den glänzendstens Farben aus- gemalt, tote fie ihn begrüßen wollte, als seine Braut. Aber ft naher der heißersehnte Zeitpunkt kam, mit desto größerer Befangenheit dachte fie daran, desto schwerere Zweifel stiegen in ihr ans über ihr gegenseitiges Veihältniß. “
schöpfend; es liefert aber auch so den Beweis vonRührig- kett und von dem energischen Vorwärtsstreben auf diesem wichtigen Verkehrsgebiete, das dem deutschen Handel und der Industrie zum Vorteile gereichen wird.
D-«tsches Reich.
Berlin, 28. Okt. Das Befinden des Kaisers ist das "?orerfreullchste. Auch gestern und heute unternahm Aller- hochstderselbe wieder Spazierfahrten. Morgen beabsichtigt der Kaiser sich zur ^agb nach Hubertusstock in der Schorf- Jetbe zu begeben, doch wird die Stunde der Abreise dort- hln erst heute abend definitiv festgesetzt werden. Außer dem Könige und dem Prinzen Georg von Sachsen werden auch die Prinzen Albrecht und Heinrich voll Preußen an derselben teilnehmen und den Kaiser dorthin begleiten. — ®er Kronprinz wird, wie nun definitiv feststeht, am 7.
FrauKronprinzessin mit denPrinzessinnen- Tochtern Viktoria, Sophie und Margarethe dagegen erst am 18 n. Mts. in Berlin wieder eintreffen und dann sofort ihren Wrnteraufenthalt im hiesigen Krvnprinzlichen Palais nehmen. — Die als bevorstehend angekündigte Er- nennung des Unterstaatssekretärs Herrfurth zum Staatssekretär des Reichsschatzamts scheint auf Hindernisse qe- ftofeeu zu fein. Dagegen wird jetzt der BundeSrats-Bevoll- machligte eines süddeutschen Staates genannt. — Fm Verfolge seines ftüheren Erlasses, betreffend die Einführung aneerweiter Vorschriften über die Ausbildung und Prüfung E den Staatsdienst im Baufache hat der Minister der öffentlichen Arbeiten hinsichtlich der zur Zeit bereits vor- handenen Regleruiigsbauführer und Regierungsbaumeister des Hochbau-, Ingenieurbau- und Mafchinenbaufachs Bestimmung getroffen. Diejenigen Regierungs - Bauführer, welche innerhalb der festgesetzten Fristen die Baumeister- Prufung abzulegen beabsichtigen, haben ihre Ernennung zum Königlichen Regierungsbauführer bei derjenigen Be- ^orde uachzusuchen, in deren Bezirk sie beschäftigt sind oder zuletzt beschäftigt waren. Mit der Ernennung finden die Bestimmungen des § 37 der eingangs erwähnten Vor- schriften auch auf diese Bauführer sofort Anwendung. Vom 1. April k. Js. ab werden nur Königliche Re- glerungsbaufuhrer zur Baumeister - Prüfung zugelaffen. Königliche Reglerungsbauführer, welche die bestimmten Endtermine zur Ablegung der Baumeister-Prüfung unbenutzt verstreichen lassen oder der Vorschrift, daß sie einen Urlaub rjobe Nicht von ihrer vorgesetzten Behörde angewiesene Beschäftigung nachzusuchen haben, zuwiderhandelii, werden ^Ührerliste definitiv gestrichen und verlieren das Recht, sich als Königliche Regierungsbanführer zu bezeichnen. Die vor Erlaß der gedachten Prüfungs - Vor- schriften ernannten Regierungs-Baumeister haben, sofern
.. . - . v- —j von der Kaufmannschaft in
Königsberg vorbereitete Projekt der Herstellung einer kunft- lichcn Rinne durch das Haff von der Pregelmündung nach , ch. Pillauertief. DaS Unternehmen ist allerdings recht kosispielig und wird kaum durchzuführen fein ohne Staats- htt/e. Staatssekretär von Bötticher hat in Königsberg bekanntlich gesagt, das Projekt werde erwogen werden, und es bleibt nun abzuwarten, was weiter geschieht. Allzu- fchnell wird es mit der Ausführung jedenfalls kaum gehen.
Von Anlagen zur Hebung der Binnenschiffahrt sind vor allem die großen preussischen Kanalbauten zu nennen. Der Dortmund-Ems-Kanal kann zwar erst, so lesen wir un „Hamb. Korr.*, in Angriff genommen werden, wenn bei gesetzlichen Bedingung der unentgeltlichen Hergabe des Grundes und Bodens, die nach Lage der Dinge nicht leicht |.u, knüllen ist, genügt sein wird. Inzwischen beschäftigt üch, die Bauverwaltung mit der Lösung der schwierigen Ausgabe, wie der Kanal durch das von Bahnen, seine industriellen und bergbaulichen Anlagen so stark in Anspruch genommene Gebiet zwischen Dortmund und dem Rhein bis an, diesen und an die großen Rheinhäfen Ruhrort und Duisburg hinweggeführt werden soll. Ruhrort ist durch Einrichtung des Kaiserhafens bereits wesentlich erweitert worden; der Hafen besitzt eine Ausdehnung von etwa 8 Kilometern und ist im stände, noch einen erheblichen Futchs des schon beinahe 50 Millionen Zentner betragenden Verkehrs zu bewältigen; der Hasen von Duisburg dagegen, welcher im Besitz einer Aktiengesellschaft sich befindet, soll erheblich erweitert werden. ' 1
MT Für die Monate November und Dezember I ähnlichen Zweck verfolgt das werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Königsberg vorbereitete Projek Landpostboten) Bestellungen auf die vwr' u "