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Marburg, Mittwoch, 6. Oktober 1886.
HI- Jahrgang.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Zllnstricrtes Sonntaasblatt
Expeditione Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang Ko» " *
folute Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage, sondern auch auf Annäherung seines Lebensniveaus an dasjenige der wohlhabenoen schichten der Bevölkerung besitzt. Zieht man endlich noch in Betracht, daß wenigstens in Deutschland unter dem Zeichen des praktischen Christentums die Gesetzgebung rüstig daran ist, den Arbeiter vor denjenigen besonderen Schäden zu bewahren, welche in der Vernichtung oder Schwächung seiner Arbeitskraft durch Krankheit/ Unfall, Alter oder Invalidität liegen, so wird man daran nicht mehr zweifeln können, daß die bestehende Staats- und Wirtschaftsordnung den Arbeitern, wenn auch nicht auf einmal, aber dafür sicher den wesentlichsten Teil derjenigen Vorteile verschafft, welche ihnen als Früchte der sozialdemokratischen Bestrebungen vorgespiegelt werden. Die auf den Umsturz dieser Ordnung gerichteten Bestrebungen der Sozialdemokraten würden daher nichts anderes heißen, als, um mit dem Sprichwort zu reden, die Henne schlachten' welche die goldenen Eier legt.
Etioal.
Die Tochter der Zarin.
kSchluß)
.Weshalb seufzen Sie?* fragte Elisawate, .ich habe ^hnen doch nicht Unreckt gethau?" — doch, Hoheit ahnen nicht, weshalb ich von Z it zu Zeit die Flucht ei greife, was h«r ia meiner Brust vorgehl!* erwiderte Uproxiu. Nun
suchen Siel* - .Ich darf nicht!* - „So befehle ich es Ihnen! — Nun al|o, wer könnte einer so einzigen blendenden Schönheit wiederstehen?* rief Upraxin, sich auf die Kniee werfend. „Ich liebe Sie, Hoheit, ich bete Sie an, wachen Sie mit mir, was Sie wollen!* Elisawate gab ihm einen leichten Backenstreich und begann laut zu lachen; „Welche neue Thorheil!* Für diesmal verzeihe ich Ihnen, wenn Sie aber nochmals fortbleitnn, oder mir Erklärungen dieser Art machen sollten, dann lasse ich Firnen einfach die Knute geben. Verstanden?*
Upraxin biß sich auf die Lippen, stand auf und begann zu frisieren, aber in der Tiefe seines Herzens regte sich beleidigter Stolz und Rachsucht. Er spürte und lauschte vergebens; er konnte nichts entbecfen, was ihm über die
Geschichtskalender.
6. Oktober.
1789. Ludwig XVI. bricht unter Begleitung des Pariser Pöbels mit der ganzen König!. Familie von Versailles nach Paris auf; Die Nationalversammlung folgt ihm.
Lo n rank'urt o. äff., rl n, Ha neo r u. Paris.
1870.
G-h'ckt d-r badisck"N Truppen bei
Anzeigen nimmt entgegeff die Expedition d Blattes^ sowied Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undPogler in Frankfurt a. M , Gaffel, Magdeburg und Dren; Rudol- Moff e in Frankfurt ♦ a M-, Berlin,Münchenund
Köln; G. L. Daube und
Deutsches Reich.
Berti«, 4. Oft. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Kultusministers vom 2. Oktober, durch welche die theologische Lehranstalt des Klerikalseminars Fulda als zur wissenschaftlichen Vorbildung für Geistliche geeignet erklärt wird. — lieber die neuesten Personalveränderungen im Auswärtigen Amt berichtet die «Voss. Ztg.« folgendes: „Zunächst wurde bekanntlich der Unterstaatssekretär Graf Herbert Bismarck zum Staatssekretär ernannt Dabei hat der jetzige Staatssekretär je- I doch seinen Rang als Wirklicher Geheimer Legationsrat j vorläufig noch beibehalten. Es ist ihm also, was sonst i immer der Fall, bei seiner Ernennung zum Staatssekretär i noch nicht die Würde eines Wirk!. Geh. Rates mit demPrädikate' Exzellenz verliehen worden. Aus der politischen Abteilung des. Auswärtigen Amtes ist ferner das älteste Mitglied derselben, Wirklicher Geheimer Legationsrat Lothar Bucher, ausgeschieden. In die politische Abteilung ist dagegen berufen oer Wirkliche Legationsrat Dr Kayser, vorher Mitglied der III. (Nechts>Äbteilung. Es befinden sich nun im Auswärtigen Amte neben dem Chef noch 5 Personen welche im Range der Räte I. Klasse stehen Unterstaatssekretär Graf v. Berchem, Direktor Reichardt, Direktor Hellwig und die beiden vortragenden Räte v. Holstein und Göring. Die handelspolitische Abteilung weist folgende Aenderungen auf: Der frühere Vortragende Rat Reichardt wurde zum Direktor derselben ernannt und der Wirkliche Legationsrat Gerlich als Generalkonsul nach Calcutta berufen; neu eingetreten sind die Wirklichen Legationsräte Gillet und Raschdau; Gillet war früher Generalkonsul zu Shanghai und leitete später die Verhandlungen über einen neuen Handelsvertrag mit der Türkei m Konstantinopel ; Raschdau war Konsul in Havanna; beide sind schon seit längerer Zeit als Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amte beschäftigt. Ueber die ständigen Hilfsarbeiter ist der bisherige Vizekonsul zu London, Dr. von Schwarzkoppen, berufen, auch sind die bisherigen Hilfsarbeiter, Dr. Cahn, früheren Verhälln sie der schönen Elisawate nur die geringste Aufklärung gegeben hätte. Seine kleinen Zerstreuungen im Haag wußte er sich nun auch versagen, nicht weil er ernstlich bte Änute fürchtete, aber weil er der Großfürstin keinen Anlag geben wollte, ihn seines Dienst s zu entheben. Nun hatte aber Upraxin im Haag eine Dame kennen gelernt, die sich Baronin von Rosenhoven nannte und für eine Schwedin auägab. Dieselbe machte vom e;ften Augenblick an, den Erdrück einer Abenteuerin auf ihn; da sie aber jung und "izend war, so hinderte ihn dies nicht im Mindesten, zu ihr in zärtliche B-ziehungen zu treten.
Da er Amsterdam nicht verlassen konnte, besuchte ihn die Baronin von Zeit zu Zeit hier, wo er eine zweite Wohnug gemietet hatte und die Doppelrolle Boulanger und Serbelint m,t Erfolg welterspi lte. Eines Abends, als sie zusammen plauderten, sagte plötzlich die Baronin: „Wer ist denn diese rufsifche Prinzessin, von der man so viel spricht, ist sie wirklich so schon, ist es unzweifelhaft, daß sie ein Anrecht a”T den Thron hat?* - „Gewiß ist nur, daß es eine ausnehmend hübsche Perssn ist, erwiderte Upraxin. „Ich möchte wetten, daß es keine Großfürstin, sondern eine Betrügerin ist,' warf die Baronin ein. „Um was wollen Sie wettens* Upraxin stutzte und sagte bann lächelnd: „Um hundert THaler!' - „Angenommen!* - „Sie müssen mir aber Gelegenheit verschaffen, die sogenannte „Prinzeisiu* zu sehen!* „Warum nickt,* erwiderte Upraxin, „in wenigen Tagen begrünt der Karneval, wir wollen uns vermummen und in ihr Haus eindringen. Sie muß das Maskenrecht anerkennen !*
So geschahs! Upraxin, als russischer Bauer gekleidet, und die Baronin von Rosenhoven im Kostüm einer vor-
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™e.rj^a^en°r Peitsch und Landesrat Stävie zu ständigen Elkledern aufgerück:; unter den Hilfsarbeitern erscheint M.der frühere Konsul Hellwig II. zu Porto Allegre. Cs ist wahrscheinlich, daß für Bulgarien außer in Sofia ?°ch die Errichtung eines zweiten Berufskonsulates zu Ruststhuk, wo stch bisher nur ein Wahlkonsul befand, in Vorfchlag ornrnt. Gerichtsass ssor v. Loeper hat bereits be-8f Konsulates zu Rustschuk übernommen: unb es ist ihm wahrend der Verwesung desselben die Ausübung der standesamtlichen Befugnisse für die Rcichs- aiigehorlgcn und Schutzgenoffen einschließlich der unter deutschem schütze lebenden Schweizer übertragen worden." — ^tzluig des Abgeordiietenhauses vom 16. März h s te-‘■» ®itm^ v. Goßler mit, daß nach dem im. Kultusimnistenum seit längerer Zeit ausgearbeiteten Entwurf, betreffend die Reform des Medizinalwesens, Vertreter des ärztlichen Standes bei den Medizinalbehörden zugelaffeii werden sollen, daß jedoch diese freie Vertretung der Aerzte nicht aus den beftehendeil Aerztevereinen ent- nommen werden könne, da dieselben bei diesem Zwecke nie t entsprechend zusammengesetzt feien, daß vielmehr hierzu von den Aerzten eine neue Standesorganisation geschaffen werten muffe, welche im Anschluß an die Kreis-' und Provnizialordnuug Wahlkörper zu bilden hätte, aus denen eine Vertretung sämtlicher Aerzte hervorgehcn könnte. T a nun nach einer weiteren, damals seitens des Kultusministers abgegebenen Erklärung auf eine baldige Durchführung der geplanten Medizinalreform nicht zu rechnen ist, so hak der Präsident des Deutschen Aerztebundes, Dr. Graf - Elber- feld sich inzwischen an den Fürsten Bismarck, als Präsidenten des preußischen Staatsministeriums, mit der Bitte gewendet, „auf dem Wege Königlicher Verordnung eine Vertretung der preußischen Aerzte zu schaffen, wie sie auch t1 . . J^rigen größeren Bundesstaaten bereits längere
Zett erifttert, und eine solche für Preußen durch einen tentwurf des Herrn Kultusministers eine durchführbare unb befriedigende Formulierung gefunden hat." Fürst ba"n biefe Eingabe befürwortend an den Kultusminister abgegeben. Man darf also gespannt dar- auf fe-n, schreibt die „Voss. Ztg ", ob jetzt die seit Jahren geplante Vertretung des ärztlichen Standes geschaffen werden wird. Es. liegt in der Absicht, eine ähnliche Einrichtung, Wie sie für bie Rechtsanwälte in den Anwaltskammern beM, ms Leben zu rufen. Jede Provinz soll eine Aerzte- kammer erhalten, deren, Mitglieder als Delegierte der einzelnen zugehörigen Regierungsbezirke gewählt werden, und ^ar *c“ aut. le 50 Wähler ein Delegierter kommen, ^le Wahlen ftnb nur gütig, wenn sich wenigstens die Halste der berechtigten Wähler an der Wahl beteiligt hat -rie Wahl geschieht durch versiegelte, den Rainen des zn Wah enden Arztes unb des Wählers enthaltende Stimm- zettel nach relativer Mehrheit. Die Provinzial - Aerzte- kammer konstituiert sich selbständig, wählt ihren Vorstand (einen Vorfitzenden und Stellvertreter, einen Schriftführer rlnbJ^t£teter) und regelt ihre Thätigkeit durch eine Gefchaftsordming.
nehmen Armenierin, wischten sich unter die luftigen Schaaren nnd ließen sich vorn Meuschenstrom zum Haufe der Groß- IrÄ/IC bem ,Eli,awaie saß auf dem mit farbigen Lampen ^leuchteten Balkon und sah vergnügt dem Getriebe zu. Die Baroniu betrachtete aufmerksam die Gesichtszüge der Grotzfurstiu, bann flüsterte sie ihrem Begleiter zu: „Ich werde meine W-tte gewinnen, es ist unmöglich, baß ich mich ^4-. ^ch kenne diese Person, es ist keine G.oßfürstiu.
Ihnen auch Beweise geben, aber ich muß sie überraschen, Aug in Ang ihr gegenüberstehen, sonst könnte Sie mir entfchlupfen und das Spiel von Neuem beginnen." Am folgenden Morgen kam Upraxin als Monsieur Bon- langer in das Toiletienzirnmer der Großfürstin, die ibn bereits ungeduldig erwartete. y
„Es wird mir nichts übrig bleiben, als Sie davon zu sagen ' begann sie, die Stirn runzelnd, „wie können Sie eine Dame meines Standes warten lassen?* — „Sie habcu Recht, erwiderte Upraxm, „man muß gegen Frauen jederzeit galant fein, was aber Ihren Stanb betrifft, Mademoiselle. s° ist cs damit wohl nicht so weit her!* — „Unverschämter!" ©tatt ber 4utoort fä lug Upraxin den Thürvorhang zurück und die Baronin von Rosenhoven trat rasch hervor. Eineu Moment standen die beiden Frauen schweigend einander gegenüber, bann begann die Baronin laut zn lachen, während Euiawate bis in bie Lippen bleich, bie Lehne eines Stuhles- umklammerte. „Die Baronin von Rosenhoven,* stellte Graff Upraxin spöttisch vor, „hier Ihre Hoheit die Großfürstiw Elisawate Romanowna.'
»Was, Hoheit,* rief bie Baronin noch immer lachend, i *e25e stk besser, sie ist feine Großfürstin, sondern einfach eine Abenteuerin!" - „Sie sind auch nicht bie Baroniu
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Das Interesse der Arbeiter an der Grhaltnna des Bestehenden.
Wenn Erhöhung des Arbeitslohnes und Verkürzung der Arbeitszeit eines derjenigen Ziele ist, welche die Sozialdemokraten durch Umwälzung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu erstreben vorgeben, ohne auch nur den Schein eines Beweises dafür liefern zu können, daß ein derartiges grundstürzendcs Experiment den erwarteten Erfolg haben werde, so ist, wie auf der Raturforfcherversaminlung in Berlin von Herrn I'r. Werner Siemens mit Recht hervorgehoben ist, daran zu erinnern, daß die Entwickelung, welche die Produktion '•infolge der Fortschritte der Natur- wlssenschasien genommen hat, ganz von selbst nach beiden Richtungen hin wirkt. Zugleich mit der mit der steigenden Kenntnis und Beherrschung der Naturkräfte stetig fortschreitenden Verbesserung derProduktionsmethoden, Maschinen und sonstigen Hülfsmittel ist es in den meisten Zweigen der Gütererzeugung zu einer erheblichen Verminderung der Kosten und damit des Preises der Ware gekommen, welche mit einer entsprechenden Vermehrung der Kaufkraft des Arbeitslohnes gleichbedeutend ist, mithin für den Arbeiter den Wert einer Steigerung des Letzteren besitzt. Wenn zugleich das Maß der menschlichen Arbeitskraft, welches zur Erzielung der gleichen Arbeitsleistung, der gleichen Menge von Waren erforderlich ist, in immer höherem Maße sich vermindert, so ist ebenso klar, daß damit die Aussicht auf eine durchschnittliche Herabsetzung der Arbeitszeit für eine nicht allzuferne Zukunft eröffnet wirb.
Rechnet man zu diesen natürlichen Wirkungen der von den Fortschritten in den Naturwissenschaften herrührenden Veränderungen in der Art der Gütererzeugung die ans- gleichende Wirkung hinzu, welche die mit der gegenwärtigen Entwicklung des Erwerbslebens verbundene Tendenz einer Verminderung der Erträge des Kapitals, des zinsbar, wie des in der Industrie und der Landwirtschaft angelegten, mit sich bringt, so erkennt man leicht, wie gerade in der modernen Gestaltung des wirtschaftlichen Lebens der Arbeiter volle Aussicht nicht nur auf Erleichterung und uh-