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Nr. »2*.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Svertagen. Quartal- onnementS»Preis bei der

Expedition 21/« Mk., bei Postämter 2 Ml. 50 Pfg. (erd. Bestellgeld). InsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. BieKamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg, Mittwoch, 29. September 1886.

XXI. Jahrgang.

OImWslhk jcitmiii.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d LlatteS» sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstein undBogl« in Frankfurt a. M , Löffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M-, Berlin,München und Köln; G. 8. Daube und So- n rantturt c. M, B rl n, Ha nover u.PariS.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Lountagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Hum bevorstehenden vierten Quartal ersuchen wir die Bestellungen auf die Oberhessische Zeitung nebst deren wöchentl. Gratis-Beilagen: Amtl. Anzeiger für die Kreise

Marburg und Kirchhain

und

Illustriertes Sonntagsblatt soweit dieselbe durch die Post bezogen wird, recht bald bei derselben machen zu wollen, damit in der Übersendung keine Unterbrechung stattfindet.

Unsere Abonnenten in der Stadt Kirchhain wollen ihre Bestellungen bei unserer dortigen Agentur, Herrn Buch­binder Rindt daselbst, gef. machen.

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Haus........... 2.60

e) desgl. bei unserer Expedition ... 2.25

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Deutschland und Oesterreich.

Während durch Verhandlungen zwischen den Groß­mächten versucht wird, den Knoten der bulgarischen Frage durch Einigung über einen neuen Thronkandidaten für den bulgarischen Thron zu lösen, ist eine lebhafte Debatte über die Stellung Oesterreichs zu Deutschland und Ruß­land entstanden; also ein Zwischenfall ist eingetreten, der uns Deutsche ganz besonders interessiert. Während die englische Negierung tagtäglich im kühlsten Tone erklären läßt,die bulgarische Geschichte läßt uns kalt", hat sich weiter politischer Kreise in Oesterreich - Ungarn eine hoch­gradige Erregung bemächtigt, die selbst in Regierungskreisen als Verstimmung sichtbar ist. Man ist äußerst unmutig über Rußland wegen dessen Haltung in Sachen Bul-

Geschichtskalender.

29. September.

1227. Kaiser Friedlich II. wird vom Papste Gregor ix. in den Bann erklärt.

1560. Gustav Wasa stirbt in seinem 71. Lebensjahre; ihm folgt sein Sohn Erich XIV.

1713. König Friedlich Wilhelm I. von Preußen besetzt Stettin gegen die Schweden.

1756. Friedrich H», König von Preußen, fällt in Sachsen ein; Beginn des 7jährigen Krieges.

1833. König Ferdinand Vll. von Spanien stirbt, seine Witwe, Christine von Neapel, wird Regentin.

WEN da.

Von A- Gnevkow. .

(Fortsetzung.)

Ohne Scheu vor den Aufpassern seines Vaters trat er heut in die niedrige Hauslhür und gleich darauf in das armselige Stübchen der Mutter Marinka, aber vor seinen Blicken drohte es dunkel zu werden und sein Herz begann ängstlich zu klopfen, als er die alte Frau an dem großen Himmelbette sitzen sah und Jaguscha bemerkte, die mit fieberhaft geröteten Wangen und geschlossenen Augen auf demselben lag.

Der Schreck har sie so überkommen/ flüsterte die Alte dem jungen Manne zu, »sie kam mir schon heut in der Nacht wunderbar vor, so aufgeregt und anders wie sonst, daß ich mich beinahe fürchtete, mit ihr zusammen zu bleiben. Lauter ungereimtes Zeug hat sie gesprochen, von einem Priester, der sie in der Kirche getraut, vou dem Zorne der Heiligen, die sich von Joseph abgewandt und dem vergeblichen Gange, den sie unternommen hätte. Es war wohl unrecht, daß ich das Mädchen so spät in der Nacht von mir ließ aber ich hoffte so viel von dem Wege nach der Kirche, und nun hat

gariens, nur wenige Stimmen sprechen auch gereizt gegen Deutschland, weil dasselbe Rußland in Sofia unteostützte; sie kommen damit schließlich zu einem offenen Mißtrauens- Votum gegen das deutsch - österreichische Bündnis. Daß die österreichisch-ungarische Negierung als solche das Ver­halten Rußlands in Sofia nicht billigt, geht zur Evidenz aus der Thatsache hervor, daß die russisch-deutsche Note, welche die Vertagung des Prozesses gegen die Verschwörer fordert, von Oesterreich nicht unterzeichnet ist. Mag man sagen, was man will, eine unbedingte Einigkeit zwischen den Kaisermächten ist in dieser Frage nicht vorhanden.

Die Vorherrschaft Rußlands in Bulgarien gefährdet die Südgrenze des Kaiserstaates an der Donau in hohem Maße; das ist der Grund der österreichischen Verstimmung gegen Rußland, denn Rußland erstrebt diese Vorherrschaft an. Man sagt nun, bereits zu Anfang der Regierungs­zeit Fürst Alexanders war der russische Einfluß in Bul­garien der übermächtige, und damals hat doch Oesterreich- Ungarn keinen Protest erhoben. Mit diesem Einwand wird die Hauptsache nicht berührt. Damals konnte man zu Rußland noch Vertrauen haben; heute aber, wo die Verdrängung Alexander Battenbergs zeigt, daß in Peters­burg zur Machterlangung in Bulgarien alle Mittel will­kommen sind, selbst solche, auf deren Anwendung in Ruß­land der Galgen steht, heute, ist jedes Vertrauen zu Ruß­lands wahrer Friedensliebe verloren gegangen. Man kann es den Oesterreichern beim besten Willen nicht verdenken, daß sie gegen Rußland mißtrauisch geworden sind. Wie es dem Fürsten von Bulgarien ergangen, kann es zudem auch eines schönen Tages König Milan von Serbien gehen, und dann wäre der Krieg fertig. Oesterreich wird nicht nur, sondern muß Garanticen von Rußland für dessen Friedensliebe fordern; aber man hat an der Donau keinen Grund, Deutschland zu mißtrauen. Die deutsch - österrei­chische Freundschaft beruht auf festen, von beiden Kaisern genehmigten Vereinbarungen, die jüngst erst in Gastein erneuert sind. Beide Kaisermächte sind aufeinander an­gewiesen und deshalb werden auch beide zu einander halten müssen.

Die bulgarische Frage hat in ihrem Verlauf der Ueberrafchungen viel- g-b'ncht und wird wohl noch mehr bringen. Die Haltung, welche Fürst Bismarck in der­selben eingenommen, ist noch in mancher Beziehung der Aufklärung bedürftig, wenigstens der Erklärung, und diese wäre schon in der außerordentlichen Reichstagssession wohl durch den Kanzler erfolgt, wenn die Zeitverhältniffe volle Offenheit zugelasfen hätten. Es ist nicht anzunehmen, daß Fürst Bismarck die österreichischen Interessen wirklich Schaden nehmen lassen wird; denn jede Schwächung Oesterreichs schwächte auch das deutsch-österreichische Bünd­nis, mithin Deutschland selbst. Wir werden vor allen Dingen im Auge behalten müssen, weshalb die Allianz zwischen Wien und Berlin geschlossen wurde. Das war die Zeit nach dem Berliner Kongresse, als Rußland und

die späte Stunde Jaguscha verwirrt gemacht und wir werden viel Geld für den Doktor und Medizin ausgebeu müssen."

Die alte Frau schluchzte laut auf und Jaguscha wand sich unruhig auf ihrem Lager hin und her.

_ Stumm und trostlos ließ Michalek seine Augen auf dem Mädchen ruhen, das er krank zurücklaffen mußte, nun er fortreiste und während er ganz vergaß, daß der Wagen daheim vielleicht schon vor der Thür stand, murmelte er immer und immer wieder:Was soll nun werden, wenn ich von hier gehe?"

Und, als wolle Jaguscha eine Antwort auf die Frage des Geliebten geben, klang cs leise und klagend von den Lippen der Fiebernden:Ich werde sterben, Michalek, sterben mit dem Joseph zusammen, die Heiligen haben mir ein Zeichen durch ihren Priester gesandt."

Lauter schluchzte Mutter Marinka, das Mädchen öffnete für einen kurzen Augenblick die Lider und ließ den Blick teilnahmslos^ umherschweifen. Michalek aber stürzte fort, den langen Weg durchs Dorf hinunter und den Berg hinauf auf dessen Spitze, von grünen Tannen umgeben, das Schloß deS Grafen von S . . . lag.

Die Komteß wird helfe», wenn es Niemand sonst kann," dachte er mit tröstender Beruhigung, denn es war ihm eingefallen, wie oft die Geliebte des gütigen Rates der Gräfin gedacht hatte, ttnb er wollte nicht eher von dem Dorfe fort, bis er das Geschick Jaguschas in sicheren Händen wußte.

In dem Schlosse aber war es schwer für einen Fremden heut Zutritt zu erhalte», denn eine halbzerfetzte Trauerfahne wehte von dem Dache herunter und in einem großen hellen und möbelleeren Gemache des ersten Stockes lagen der Graf und seine Tochter auf den Knieen bei der Leiche, die im vollen Priesterschmucke dort aus einem Lager gebettet wurde,

Frankreich die allergrößte Lust hatten, über uns herzu­fallen. Oesterreich - Ungarn hat sich damals als echter Freund Deutschlands bewährt, es hat die Bündnistreue Deutschland bis auf den heutigen Tag bewahrt. Kann man denn an der Donau glauben, Deutschland würde das echte österreichische Gold mit dem schlechten russischen Me­tall vertauschen? Davon hätten wir den größten Nachteile Wir wiederholen es, die Ereignisse der letzten Wochen niachen noch manche Kommentare notwendig, aber sind diese gegeben, so werden, so hoffen wir, alle Wolken ge­schwunden sein, welche der Argwohn einen Moment sich ausmalten. Und dann noch eins, was auch das letzte Be­denken beseitigen muß: Kaiser Wilhelm hat den neuen Bündnisvertrag zwischen Oesterreich-Ungarn und dem Deut­schen Reiche in Wildbad-Gastein selbst vollzogen, und etwas, worüber das Auge des ehrwürdigen Monarchen wacht, das steht in guter Hut für alle Zeit.

Deutsches Reich.

»erlitt, 27. Sept. DieNordd. Allg. Ztg." wirft die Frage auf, welche Gründe den Fürsten von Bulgarien eigentlich zur schließlichen Abdikation bewogen hätten. Es sei klar, daß derselbe, wenn er in Bulgarien geblieben wäre, sich auf eine an Einstimmigkeit grenzende Majorität der Volksvertretung, noch sicherer aber auf die Begeiste­rung der bulgarischen Armee hätte stützen können. Die Zeitungen hätten die Unwahrheit verbreitet, daß ihn die Großmächte verdrängt hätten. Das Gegenteil sei wahr. Mehrere Großmächte, auch die Pforte, so lange sie an seine Aufrichtigkeit glaubte, hätten ihn ostensibel oder schweigend unterstützt; von keiner Großmacht, auch nicht von Ruß­land, sei irgend ein Schritt geschehen, der es dem Fürsten erschwert hätte, in Sofia zu bleiben. Als einziges von den Anhängern des Fürsten angeführtes Motiv figu-- riere die Abneigung des Auslands gegen den Fürsten. Dieselbe sei aber kein Novum gewesen. Der Fürst habe schon 5 bis 6 Jahre den Zorn des Auslands ohne Schä­digung der Interessen seines Adoptivvaterlandes ertragen zu können geglaubt.Wir erwarten danach von den die Sache der Bulgaren und des Hauses Battenberg vertreten­den Blättern, daß sie die Frage nach den Gründen, welche den Fürsten zur Abdikation zwangen, beantworten. Tot­schweigen wird sich die Frage nicht laffen; sie wird, wenn nicht durch die Preffe, durch die Verhandlungen im öster­reichisch-ungarischen Parlamente und im deutschen Reichs­tage ihre Beantwortung finden." Dem Reichsbank-Präsi­denten v. Dechend gingen anläßlich seiner heutigen Jubel­feier huldvollste Handschreiben des Kaisers, der Kaiserin und der Mitglieder des Reichsbankdirektoriums zu; gegen 50 auswärtige Bankdirektoren überreichten eine Glückwunsch- Adresse und eine prachtvolle Ehrengabe, in einem Tafel­aufsatze bestehend. Adressen und Ehreneingaben gingen ferner ein von der Deputation des Zentralausschusses der Reichsbank, von dem Aeltesten-Kollegium der Berliner Kauf-

als man sie am Fuße des Altais in der kleinen Kapelle auf dem Kirchhofe gesunden hatte.

Totenbleich und gebrochen durch freiwilligen Dienst und unablässige Sorge für Arme und Kranke war vor einigen Tagen der Bruder des Grafen, der Vikar von S . . . aus Warschau zur Heimat zurückgekommen, und mit einem Weh­rufe hatte ihn der Graf in die Arme geschlossen und seinen Blick unverweilt auf dem Antlitz des vor der Zeit Altge­wordenen ruhen lasse». Müde und hinfällig hatte sich der Geistliche au die Brust des Brude S geschmiegt, war dann aber plötzlich aufgefahren und znm großen Erstaunen des Grafen und der Komteß zur Thür hinausgeeilt und dort von einem Diener festgehalten worden, der ihn nach dem Gute seiner Verwandten geleitet hatte. Jener Diener teilte dem alten Grafen denn auch mit, daß er fürchte, der Vikar sei schwer erkrankt.

Am folgenden Tage hatte der Graf auch den Probst auS- dem Dorfe zum Schlosse heraufbitten lassen und sie hatten gemeinsam den Vikar beobachtet, ohne etwas Weiteres fest­stellen zu können, als daß der Geistliche unter einer noch unaufgeklärten Schwermut leide, die ihn verhinderte, Teil zu nehmen an den Gesprächen der Anderen und die es ver­mochte, daß er oft stundenlang vor sich hinbrüteud teil­nahmslos in der Gesellschaft faß.

Heute Morgen nun war der Probst schon zur frühen Stunde aufs Schloß beschieden worden und als er dem Rufe folgte, fand er den Grafen und die Komteß in fieber­hafter Aufregung, für die er erst Aufschluß fand, als er in ein Nebenzimmer geführt wurde und dort den Leichnam des Vikars erblickte. Zn der Nacht hatte er sich aus dem Hause entfernt und war erst, als man am Morgen sein Verschwinden bemerkt und ihn vielfach gesucht hatte, tot in. der kleinen Kapelle gefunden, in die er sich znr Verrichtung, eines Gebetes begeben. (Fortsetzung folgt.),