Marburg, Mittwoch, 4. August 1886.
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Wissenschaften hier gefunden, Kleinod. Sie
und würdiger Gelehrter, nützlicher, edler Studien, ein gutes Teil von dem, was das Wesen der deutschen Volksseele bildet, hat auch hier seinen vollkommendstcn Ausdruck gefunden. Und deshalb ist es auch, wie Eingangs schon hervorgehoben, kein pfälzisches Lokalfest, das am Neckar begangen wird, eö ist ein gutes, deutsches Fest, an dem die Nation innigen Anteil nimmt, das dem alten Ruhm neue Lorbeerblätter hinzufügt. Wie wenige andere Städte hat Heidelberg unter der schmachvollen Zerrissenheit des alten deutschen Kaiserreiches gelitten, nun begeht es sein Ehrenfest unter dem sicheren Schutz und Schirm des deutschen Kaiseraars, in Gegenwart des Heldensohnes unseres Heldenkaisers. Mag das ein glücklich Merkzeichen für die Zukunft sein, der Künder vieler froher Tage für Stadt und Universität Heidelberg, damit das Wort des Dichters Geltung behalte für jetzt und alle Zeiten!
Badeortes, auf denen nur der Flügeladjutant vom Dienst den Monarchen begleitet. Die laufenden Regierungs-Angelegenheiten erledigte Se. Majestät auch während seines diesjährigen Aufenthaltes in Gastein in gewohnter Weise. — Der Kronprinz wird von Heidelberg aus, wo er zu den Festlichkeiten erwartet wird, demnächst sich nach Schlangenbad begeben und voraussichtlich Ende der Woche wieder in Potsdam eintreffen. In seiner Begleitung auf dieser Reise befinden sich die persönlichen Adjutanten des Kronprinzen, Hofmarschall Graf Nadolinski, Leibarzt Dr. Schrader rc. — Der Minister Maybach ist von seiner Erholungsreise im Süden nach Berlin zurückgekehrt, jedoch nur, um sich zur weiteren Kräftigung seiner Gesundheit in ein Seebad zu begeben. — Wie die „Polit. Korresp." meldet, hat General v. d. Goltz mit der Pforte keinen neuen Vertrag abgeschlossen, sondern nur sich bereit erklärt, bis zu seiner eventuellen Abberufung nach Deutschland auf seinem jetzigen Posten in'der Türkei zu verbleiben. Anderweitige Nachrichten bestätigen dies mit dem Bemerken, der General stehe im Palais und auf der Pforte im besten Ansehen und erfreue sich der vollsten Würdigung seiner Dienstleistungen seitens der maßgebenden türkischen Faktoren. — Der chinesische Botschafter in London, Marquis Tseng, ist in Deutschland mit geradezu fürstlichen Ehren behandelt worden; an der Reichsgrenze wurde er offiziell begrüßt, in Salonwagen und Extrazügen befördert, von dem Fürsten Bismarck in jeder Weise ausgezeichnet. Dieser Empfang hat heute durch die Aufnahme, die der chinesische Staatsmann in Potsdam bei dem Kronprinzen gefunden hat, seinen krönenden. Abschluß erhalten. Daß die politischen Beziehungen zu China sehr gute sind, ist bekannt, indessen bringt man die Mission des Marquis Tseng namentlich mit den wirtschaftlichen Fragen in Zusammenhang, die in der letzten Zeit so viel von sich reden machten. Wenn Marquis Tseng in der That den Einfluß besitzt, der ihm von gut unterrichteter Seite zugeschrieben wird, so dürfte die von ihm nach Deutschland unternommene Reise sich von wirklicher Bedeutung erweisen. — Der französische Botschafter, Baron de Courcel, ist aus Paris wieder hier eingetroffen und hat die Leitung der Geschäfte übernommen. Nach allem, was hier zu erfahren ist, schweben die Verhandlungen über die Person seines Nachfolgers noch und ist insbesondere die bei der Ernennung von Botschaftern übliche Anftage, ob die Persönlichkeit des gewählten Diplomaten genehm wäre, hierher noch nicht ergangen. — Das Befinden des Fürstbischofs Dr. Robert Herzog von Breslau soll noch immer nicht ein solches sein, daß man alle Bedenken für beseitigt erachten könnte. Eine lieber» siedelung nach Schloß Johannesberg in österreichisch Schlesien scheint nicht möglich zu sein, so sehr dieselbe im Interesse des Leidenden gewünscht werden müsse. Wenn vor einiger Zeit, wie behauptet worden, in der That eine bemerkens-
Batd darauf trafen auch noch die erwarteten Besucher ein — Bergens und Heimbecks mit ihren Kindern. Valentine ward nun zunächst von Hedwig in Anspruch genommen, und Herr v. Bergen begrüßte die Verlorene und Wiedergefundene in herzlicher Weise. f
Man setzte sich nun zu Tisch nnd ungetrübteste Heiterkeit herrschte. Nach einiger Zeil erhob sich Herr v. Bergen, um in seiner Eigenschaft als „Senior der Versammlung- einen Toast auf das Wohlergehen der jungen Gräfin Biela und des ganzen gräflichen Hauses auszubringen, den er in seiner Weise mit zahlreichen humoristischen Anspielungen würzte. Es ward gar viel gelacht und gescherzt.
Beim Dessert proklamierte Graf Biela die Verlobung seiner Tochter Valentine mit dem Baron v. Hartenstein. Er knüpfte an diese Mitteilung einige tief empfundene Worte und erwähnte dann noch, daß ihm seine Tochter gefehlt habe in der ganzen Zeit, welche zwischen Wiege und Alter liege. „Schon seit einem halben Jahre ist sie eigentlich Braut,- schloß der Graf; „ihr kindliches Gefühl hat es ihr jedoch zur Pflicht gemacht, den wichtigsten Schritt ihres Lebens nicht ohne ihren Vater zu thun und ich lege nun die Hände der Liebenden gern und freudig in einander!-
Valentineus Hand, die zu seiner Rechten, und Leopolds Hand, der zu seiner Linken saß, in einander legend, schloß Graf Alfred: „Seid glücklich meine Kinder! — Mit der Wiederkehr des größte» christlichen Festes, am Weihnachtstage dieses Jahres, will ich Eure Hände zum unlöslichen Bunde vereinen. Bis dahin, mein lieber Herr Schwiegersohn beanspruche ich meine Tochter 1-
Valentine sank unter Frendenthränen an ihres Vaters Brust, Leopold drückte dem Grafen, in deffen Auge eine Thräne zitterte, bewegt die Hand und die ganze Tafelrunde hatte sich erhoben, um den Verlobten ihre Glückwünsche zu bringen.
Nur Weniges ist es, was wir unfern Lesern noch zu berichten haben, um doch in ihren Augen nach allen Richtungen hin als ein gewissenhafter Erzähler erscheinen zu können.
Wie Graf Alfred es gewünscht, so ward zum Weihnachtsfeste in glänzender Weise die Vermählung des Baron Leopold mit Gräfin Valentine Biela in B. gefeiert. War die Zeit, welche die Liebenden schon den Sommer über im innigsten Verkehr mit der gesamten Familie auf Schloß Nehrungen verlebt hatten, eine frohe, ungetrübte gewesen, so fanden sie letzt in ihrer endlichen Vereinigung nach so langem Harren und Sehnen das höchste Glück, das zwei wahrhaft guten nnd edlen Menschen hier auf Erden zu Teil werden kann.
Emilie war durch Frau von Sternberg adopttert und lebte den Lebensabend der alten Dame verschönernd und erheiternd, fortan glücklich mit ihr in Friedenau. Die alte Gräfin Biela blieb bet ihren Kindern, zeitweise auch auf den Gütern des Baron Hartenstein, zusammen mit Frau von Hochberg, der sie sehr zugethan war.
Es bleibt nur noch übrig, auch über das Schicksal zweier anderer in die Erzählung eingreifender Personen in Kürze zu berichte».
Rode starb im Newyorker Zuchthause. Total durch seine Trunksucht herabgekommen, fehlten ihm zuletzt die Existenz- mittel. Er ward zum Dieb, dann zum gewaltsame» Einbrecher und zu einer langjährigen entehrenden Strafe verurteilt. I» der schmachvollen Haft fehlte ihm sein Lebenselixier — der Branntwein — und fein ohnehin durch wüstes Leben aufgeriebener Körper widerstand nicht länger. Eines Morgens fand ihn der Wärter tot in seiner Zelle. Seine Frau, sowie sein ehemaliger Genosse und Verführer Rabe blieben verschollen.
Geschichtskalenver.
4. August.
1704. Die Engländer besetzen unter Anführung des Prinzen Georg von Hessen-Darm-adt Gibraltar für immer.
1789. Die französische Nationalversammlung beschließt in einer Nachtsitzung die Aufhebung der Feudalrechte.
1802. Napoleon Bonaparte wird zum lebenslänglichen ersten Konsul ernannt.
1870.
4. Angnst. Glänzender Sieg und Erstürmung von Weißenburg und des Geisberges.
Im Schatten des Lebens.
Roman von Felsberg.
(Schluß.)
Der Graf legte seinen Arm in den des jungen Mannes und führte ihn einem seitwärts des Schlosses gelegenen Blumenparterre zu. Er ahnte, zu welchem Zwecke jener die Unterredung suchte.
„Und Sie sind der Neigung meiner Tochter gewiß, Herr Baron?- schloß der Graf die Unterhaltung, als Beide nach einigen Minuten zur Gesellschaft zurückzukehren im Begriff standen.
„So gewiß, Herr Graf, daß wir bereits vermählt sein würden, wenn, wie ich Ihnen bereits mitgeteilt habe, Valentine nicht jene Bedingungen gestellt hätte. -
_ „Nun, mein lieber Baron,- sagte Alfred lächelnd, „dann wüsten wir wohl gleich heute die Verlobung vor der ganzen Familie proklamieren; doch fürs Erste dürfen Sie mir mein Kind noch nicht entführen, denn ich habe es so lauge entbehrt, daß ich es nun wenigstens doch auch kennen lernen muß.- Er drückte Leopold herzlich die Hand und Beide kehrten scheinbar ganz unbefangen zur Gesellschaft zurück.
Das Jubelfest in Heidelberg.
Jubiläen in einzelnen Städten pflegen nicht gerade immer begeisterten Wiederhall im ganzen Lande zu finden und geschieht dies einmal, so muß auch schon 'as Ereignis, welches begangen wird, eine außerordentliche Bedeutung haben. Das ist der Fall bei dem Jubelfest in Heidelberg, welches in dieser Woche am schönen Neckar zur Erinnerung an das 500jährige Bestehen der dortigen Universität im Beisein des deutschen Kronprinzen als Vertreter seines Kaiserlichen Vaters, des Großherzogs von Baden, zahlreicher hoher Würdenträger und Deputationen aus dem ganzen deutschen Reiche gefeiert toirb. Altheidel- bergs Lob lebt nicht nur in akademischen Kreisen, die schöne Sstldt, die einst so bitter für deutsche Uneinigkeit hat büßen müssen, ist Jedermann, wenigstens aus lebendigen Schilderungen, bekannt; Heidelberg ist eine gute Wohnstätte frischen und freien deutschen Geisteslebens und Strebend, und als stolze Geistesburg geachtet, nicht nur in Deutschland, sondern in allen Landen. Mit ihrem fünfhundertjährigen Bestehen ist die Heidelberger Universität zugleich die älteste Hochschule im neu geeinten deutschen Vaterland.
Fünfhundert Jahre sind verflossen, seit Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz die von ihm sehnlichst erwartete Bulle aus Rom erhielt, in der ihm Papst Urban VI. die Erlaubnis zur Gründung einer Universität, eines „Generalstudiums", wie es damals hieß, erteilte, fünfhundert Jahre, welche Stadt und Universität manchen Ruhm, aber auch manches sehr schwere Geschick bereitet haben. Zu Ausgang des 16. und am Anfang des 17. Jahrhunderts war Heidelbergs Blütezeit, wo kunstsinnige Fürsten in der Stadt walteten, welche die Universität sorgsam hegten und pflegten, für die Heranziehung berühmter Lehrer sorgten. Dann kam die Leidenszeit. Die Annahme der böhmischen Königskrone durch beit Pfälzer Kurfürsten Friedrich entzündete jenen entsetzlichen Krieg, welcher unter dem Namen des dreißigjährigen nur zu gut bekannt ist. Die Macht des „Winterkönigs" schmolz vor den Armeeen Herzog Maximilians von Bayern wie der Schnee vor der Sonne, die Schlacht am Weißen Berge vernichtete in kurzer Zeit die böhmische Königsherrlichkeit und warf das Land zu Füßen Kaiser Ferdinands nieder. Und dann erging die Rache des Siegers auch über die Pfalz und Heidelberg. Tilly zog mit den Scharen der katholischen Liga heran und eroberte Heidelberg. Den kostbarsten Schatz der Universität, die reichen Handschriften und Jnkuriablen- sammlung schickte er nach München, Herzog Maximilian von Bayern verehrte sie dann dem Papste. Die Wut des dreißigjährigen Krieges vernichtete gleichmäßig den Wohlstand der Pfalz und die Blüte der Hochschule. Mit welchem Eifer und in welch' großherzigem Sinne auch der Kurfürst Karl Ludwig nach dem westfälischen Frieden die
Deutsches Reich.
Berlin, 2. Aug. Se. Majestät der Kaiser und König erfreut sich, wie aus Gastein berichtet wird, des allererfreulichsten Wohlbefindens. Allerhöchstderselbe unternimmt bei dem jetzigen schönen Wetter täglich Spaziergänge auf bett Kurpromenaden und Ausflüge in die Umgegend des
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Verdienste, welche sich Heidelberg um die erworben, über die Pflege hinaus, die sie feiern wir diese Hochschule als ein deutsches ist für uns nicht allein die Stätte trefflicher
Wiederherstellung der Universität unternahm, von Dauer konnteu seine Bemühungen gegenüber der Kriegsfurie nicht sein, die der unersättliche Ehrgeiz Ludwigs XIV. immer von neuem entfesselte. Wie damals die Franzosen das Schwert und die Braud - Fackel über Heidelberg geschwungen, das ist unvergessen in unseren Geschichtsbüchern und im Munde unseres Volkes; von der Grausamkeit der Franzosen, von ihrer Raub- und Mordsucht, wird die Ruine des berühmten Heidelberger Schlosses erzählen, bis ihre letzte Mauer eingestürzt ist. Zu den Kriegsstürmen, die über die Universität hinsausten und die Studien oft Jahre lang unterbrachen, gesellte sich verhängnisvoll für ihre Entwickelung der Wechsel ihrer Landesfürsten. Von dem protestantischen Fürstenhause der Pfälzer ging Heidelberg an eine katholische Seitenlinie über, und damit bekam die Universität ein ganz anderes Bild. Eine bessere Zeit kam erst für Heidelberg und seine Universität, als sie zu Anfang dieses Jahrhunderts an Baden fiel, und nun ganz neu ausgestattet und mit wesentlichen Rechten bedacht wurde. Seitdem stieg Heidelbergs Glanz wieder, die Lehrer seiner Universität, der romantische Zauber seines Namens lockte Tausende und Abertausende und mit Recht singt deshalb der Dichter: „Alt Heidelberg, du feine, du Stadt an Ehren reich, am Neckar und am Rheine, keine
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. »och.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte-, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfutt a. Di., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ a M-, Berlin,München und Köln; G. L. Daube und Co. n rauk'urt o. M.» B-rlin, Ha noDtr u.PcxriS.
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