Telegraphische Depeschen.
München, 1. Aug. Fürst Bismarck machte den hier anwesenden Mitgliedern des Königlichen Hauses, dem Prinzen Arnulf, der Prinzessin Gisela und dem Herzog Max, ferner den Ministern Lutz und Crailsheim Besuche und empfing deren Gegenbesuche. Der Prinz-Regent machte um 123 ♦ Uhr dem Reichskanzler einen Besuch. Zu dem Diner beim Prinz-Regenten waren geladen: Fürst und Fürstin Bismarck, der preußische Gesandte Graf Werthern, die Minister v. Lutz und v. Crailsheim, der Generaladjutant General v. Freyschlag, der Flügeladjutant v. Lerchenfeld und Geheimrat Rottenburg.
Bayreuth, 1. Aug. Franz Liszt ist gestern abend HVt Uhr gestorben.
[Franz Liszt war am 22. Oktober 1811 zu Raiding bei Oldenburg in Ungarn geboren. Sein Vater, Gutsverwalter des Fürsten Esterhazy, war selbst sehr musikalisch und leitete den Knaben an, welcher schon im neunten Jahre bei einem Konzert großen Erfolg errang. Infolge eines zweiten Konzerts wurde ihm von ungarischen Magnaten ein Jahresstipendium von 600 Gnlden zu Teil. Die Eltern übersiedelten 1821 nach Wien, wo der junge Klavierspieler Unterricht bei Czernt und Salieri nahm; 1823 ging er nach Paris, wo er bald Liebling der feinsten Salons wurde. Reisen durch Eagland und die französischen Departements brachten ihm einen weiten Ruf ein. 1827 starb sein Vater und nun mußte er nicht nur für sein, sondern auch für den Lebensunterhalt der Mutter, welche inzwischen nach Paris übergesiedelt war, sorgen. Rach Ausbruch der Julirevolution schrieb er eine „Symphonie rövolutionnaire“, während er bereits früher (1825) eine Oper „Don Sanche" zur Aufführung in der Akademie Royale, aber ohne weiteren Erfolg, gebracht hatte. Paganini's Auftreten (1831) beeinflußte seine ganze spätere Richtung. Von 1833—35 lebte er zurückgezogen in Genf, ging von da nach Paris und 1837 nach Italien, wo er bis Ende 1839 blieb. Hier hatte er bekanntlich intime Beziehungen zur Gräfin d'Ägoult (als Schriftstellerin unter dem Namen Daniel Stern bekannt), welche ihm drei Kinder schenkte, von denen eines. Cosima, nachmals die Gattin Richard Wagner's wurde. Von 1840 bis 1848 machte er ruhmreiche Kunstreisen durch ganz Europa und ließ sich in letzterem Jahre in Weimar als Hof-Kapellmeister nieder. Hier wurde er der Mittelpunkt eines Kreises von Schülern und Anhängern, welcher für die Bestrebungen der Richard Wagner'scheu Musik eifrig «intrat. 1859 gab Liszt seine Stellung freiwillig auf, ging nach Rom, wo er 1865 in den geistlichen Stand trat und von da ab als Abbs lebte. Ja neuerer und neuester Zeit lebte er namentlich in Pest und Bayreuth. Von seinen Werken möge hier nur an die Orchesterwerke: Symphonie „Dante"; „Faustsymphonte"; „Tasso"; „Orpheus"; „Prometheus"; „Mazeppa"; „DieHunnenschlacht"; „Hamlet"; „Die Ideale"; „Gaudeamus igitur*; dann an die Oratorien: „Die heilige Elisabeth"; „Christus" rc. erinnert werden. Auch als Schriftsteller hat sich Liszt bekanntlich vielfach bekundet. Liszt's Leistungen als Klavier- Virtuose werden allen Denen, welche den Meister gehört, unvergeßlich bleiben.]
Bayreuth, 1. Aug. Die Beerdigung Franz Liszts fandet am Dienstag Nachmittag und zwar, auf den ausdrücklichen Wunsch des Verstorbenen, auf dem hiesigen Friedhöfe statt.
Bav Gastein, 1. Aug. Die Kaiserin von Oesterreich fuhr gestern abend unmittelbar nach ihrer Ankunft mit der Gräfin Mailath nach dem Badeschlosse, um Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm einen Besuch abzustatten. Der Kaiser befand sich gerade in seinem Arbeitskabinett, die Kaiserin verweilte etwa 25 Minuten im Badeschlosse. Der Kaiser begleitete die Kaiserin bis in das Vestibüle, küßte ihr die Hand und verabschiedete sich auf das herzlichste von ihr.
Bad Gastein, 1. Aug. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm machte heute mittag der Kaiserin von Oesterreich in der Villa Meran einen Gegenbesuch und verweilte daselbst etwa ’/♦ Stunden.
London, 1. Aug. Gestern abend kam es in Belfast zwischen Orangisten und Nationalisten zu Schlägereien, wobei von beiden Teilen mit Steinen geworfen wurde. Die Polizei war genötigt, mit der Waffe einzuschreiten. Eine Anzahl von Personen wurde verwundet, ein Knabe getötet. Gegen Mitternacht war die Ruhe wieder hergestellt.
Petersburg, 1. Aug. Der Erzherzog und die Erzherzogin Karl Ludwig wurden bei ihrer Ankunft in Peterhof von dem Kaiser und der Kaiserin, dem Großfürsten- Thronfolger, sowie den übrigen Mitglieder der kaiserlichen Familie am Bahnhofe, auf welchem eine Ehrenwache aufgestellt war, empfangen. Vom Bahnhofe fuhren der Kaiser mit dem Erzherzoge und die Kaiserin mit der Erzherzogin nach dem großen Palais, in welchem die österreichischen Herrschaften während ihres Aufenthaltes wohnen. Gegen 8 Uhr abends fand daselbst bei den Majestäten Familientafel statt. — Das „Journal de St. Pötersbourg" erinnert anläßlich der Ankunft des erzherzoglichen Paares an die freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen dem russischen Hofe und dem Erzherzog und seiner Gemahlin feit der Krönung in Moskau bestehen und sagt, die hohen Gäste könnten sich versichert halten, bei dem Hofe und der russischen Gesellschaft den herzlichsten Empfang zu finden, ihr neuer Aufenthalt in Rußland werde die bisherigen freundschaftlichen Beziehungen noch befestigen.
Bukarest, 1. Aug. Der Ministerpräsident Bratiano ist nach Govora abgereist._________________________________
Urriversttäts - Chronik.
— Die Personal-Verzeichnisse der 20 deutschen Universitäten für das Sommer - Semester 1886 ergeben eine
Gesamtzahl der immatrikalierten Studenten von 28021, die sich in folgender Reihe verteilt: 1. Berlin 4434, 2. Leipzig 3060, 3. München 3035, 4. Halle 1518, 5. Breslau 1425, 6. Tübingen 1403, 7. Würzburg 1369, 8. Freiburg 1319, 9. Bonn 1293, 10. Göttingen 1076, 11. Heidelberg 1036, 12. Greifswald 1016, 13. Marburg 939, 14. Erlangen 909, 15. Königsberg 871, 16. Straßburg 846, 17. Jena 655, 18. Kiel 542, 19. Gießen 513, 20. Rostock 313. — Die Gesamtzunahme der Studierenden in den letzten Jahren ist eine sehr bedeutende. Im Sommer 1880 betrug die Zahl 20988, jetzt 28021, also 7033 mehr. Die Zunahme trifft die Theologen und die Mediziner. Evangelische Theologen 1880 : 2315, 1886 : 4683; katholische Theologen 1880: 638, jetzt 1197; Mediziner 1880: 4018, jetzt 8308. Dagegen haben die Juristen abgenommen, 1880 : 5201, jetzt 4914; die philosophische Fakultät ist nur um 100 gewachsen, 1880: 8816, 1886: 8919.
Vermischtes.
Hamburg, 28. Juli. Der Afrikareiseude Leut- nant Siegmund Israel ist hier wegen verschiedener Betrügereien verhaftet worden. Israel, der übrigens eine sehr dunkle Vergangenheit hat, gab sich hier als noch im Dienste der Cougo -G.sellschaft stehend aus, machte bedeutende Warenbestellungen, für die angeblich in Brüssel Zahlung erfolgen sollte, und blieb bis jetzt noch jeden Pfennig schuldig. Israels Familie hatte sich schon längere Zeit von dem abenteuerlichen Sohne losgesagt.
Frankfurt a. M., 27. Juli. Eine heitere Scene ereignete sich gestern am Neckarbahnhofe. Zwei Bauern, von denen der Eine eine Mahne mit Eiern auf dem Kopfe trug, gerieten in heftigen Streit. In seinem Zorn vergaß sich der Eierträgcr, riß seinen Korb vom Kopfe und schleuderte ihn samt Inhalt mit den Worten: „Da Du ..... ." gegen seinen Beleidiger. Die Eier gingen zum größten Teil zu Grund und klebte der Dotter und das Eiweiß an dem Costüm des Beworfenen. Das Schönste bei der Sache aber war, daß der Bauer noch volle Entschädigung für die Eier verlangte und da man sie ihm nttt gab, mit der Polizei drohte. — Eine alte Kartenschlägerin, welche vor einigen Tagen hier starb, hinterließ ihrem Manne ein Vermögen von nahezu 100000 Mk. Sie erhielt viel Besuch aus der vornehmen Damenwelt.
Aus Westfalen, 30. Juli. In Soest hatte dieser Tage der Unternehmer Oertel aus Stuttgart eine südafrikanische Kafferntruppe, b.stehend aus 14 Personen, zur Schau ausgestellt. Vorgestern abend ergriff diese Truppe, mit dem Häuptling an der Spitze, plötzlich die Flucht, und nur eine Hottentottin blieb krankheitshalber bei Herrn Oertel zurück. Die Uebrigen gingen querfeldein über Saffendorf nach Benninghausen. Hier wurden, nach der „F. Z." die afrikanischen Wilden von den aufgeregten Bauern umzingelt, gefangen genommen und mit Hülfe zweier Gendarmen nach Lippstadt ins Gefängnis transportiert.
— (Die Hungersnot inLabrador.) Den „Daily News" wird aus Montreal telegraphiert: Ein Eskimo, der einzige überlebende von 130 Einwohnern der Niederlassung von Okkuk (Labrador), erzählt, daß er eine ganze Woche lang vor dem 3. Juni nichts gegessen habe; bann habe er sich nebst seinen Genossen an die Leichen verschiedener Weißen und Indianer gemacht, aber die Folge dieser Ernährung sei eine furchtbare Dysenterie gewesen, so daß am 1. Juli nur noch 16 Personen am Leben waren, nachdem 25 Leichen aufgegessen worden waren. Die Ueberlebenden begaben sich nun auf einem Schlitten, der von Hunden gezogen wurde (die Ponnies waren bereits alle aufgegeffen), hinunter nach der Küste. Als sie am Cap Mugfore ankamen, verloren sie infolge eines Schneesturmes den Weg und wurden von einer Schar Bären angegriffen, welche alle Menschen, „mit Ausnahme von zweien, umbrachten. Tausende von Bären hätten die Lebensmittelvorräte tu Okkak geplündert, die Gräber aufgewühlt, um die Leichen zu verzehren, die Lebenden angegriffen und in die Flucht gejagt.
— Der Hofbankier, Geh. Rat von Cohn ans
Dessau, verlor Anfang Juni auf dem Anhalter Bahnhof iit Berlin eine Brieftasche mit 4475 Mark. Dem ehrlichen Finder, einem armen Wagenwärter, hatte Herr von Cohn bei Rückgabe des Geldes ganze zehn Mark als Finderlohn verabreicht. Damit ließ sich der Mann aber nicht abfinden, er hinterlegte vielmehr das Geld an zuständiger Stelle und beauftragte einen Rechtsanwalt zur Erlangung des gesetzmäßigen Finderlohnes mit der Wahrnehmung seiner Rechte. Der letztere hatte Herrn von Cohn unter Androhung eines Zivilprozeffes zur Zahlung von 183 Mark als Findeilohn aufgefordert und Herr von Cohn hat nunmehr gezahlt.
— (ErnWunder derUhrmacherkunst.) InNew- yoik ist gegenwärtig ein Uhrwerk ausgestellt, das ein Wunder der Mechanik genannt werden muß. Dasselbe ist von einem gewissen Manin konstruiert, eie Uhr umfaßt einen Raum von 5,50 Kubikmetern, wiegt 700 (?) Kilo und enthält 265 Räder. Sie fnnklioiiiert durch ein Pendel, welches von 12 Gewichten in Bewegung gesetzt wird. Das Werk bezeichnet die Sekunden, Minulen, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre. Es setzt 128 allegorische Figuren in Bewegung, die 50 Zentimeter hoch sind und die Lebensalter, die zwölf Apostel, Christus seine Jünger segnend, die vier Jahreszeiten, die Zeichen des Tierkreises rc. repräsentieren. Die Phasen des Mondes und die Drehung der Erde sind ganz genau durch kleine Räderwerke ausgedrückt. Ein Hahn kräht mit naturgetreuer Stimme jede Stunde ab, und viermal des Tages spielt ein automatisches Spielwerk zwölf Musikstücke.
— (Humor in den Bädern.) Der reiche Kommerzienrat S. und fein Schwiegersohn, der Kavallerie-Leutnant v. X.. weilen in Norderney. Kürzlich überraschte der alte Herr den Offizier, wie dieser in tief s Nachdenken versunken am Strande steht. „Nun, lieber Sohn", redet er ihn an, „worüber philosophieren Sie?" „Ich dachte soeben darüber nach", antwortete Herr v. X. träumerisch, „welche Aehnlichkeit der Mensch mit dem Meere hat!" „Sacre bleu !u rief der Kommerzienrat lachend, „worin gleichen Sie denn beispielsweise der Nordsee?" „Das kann ich Ihnen sagen", erwiderte melanckolisch der Kavallerie - Leutnant, „bei uns 5 oeien ist augenblicklich — Ebbe!"
— (Die Knute.) Wie ein russisches Blatt meldet, wurde dieser Tage tm Charkower Zentral - Gefängnis an dem Sträfling Osadtscherks und dessen Genossen, welche bei einem Fluchtversuche einen Gefängniswärter ermordeten, ein barbarisches Urteil ausgeführt. Osadtschenko und feine Genossen wurden nämlich zu hundert Knutenhieben und zu lebenslänglicher Deportation nach Sibirien verurteilt. Bei der Ausführung der Knutenftrare starb Osadtschenko. Seine Mitschuldigen lebten nach Empfang der Strafe zwar noch, aber sie wurden halbtot, ohne Hoffnung auf ein Aufkommen, in das Spital des Z-ntraliefönanisses gebracht.___________
Verlosungen.
174. Preußische Klassenlotterie. 4. Klasse. 30. Juli. 1 Gewinn von 30000 Mark auf Nr. 16035. 1 Gewinn von 15000 Mk. auf Nr. 73787. 3 Gew. von 6000 Mk. auf Nr. 71. 13569. 25335. 37 Gew. von 3000 Mark auf Nr. 1706. 4569. 8491. 9084. 14632. 15283. 21408. 25236. 27819. 28420. 29328. 34602. 36959.
38499. 41859. 41969. 43265. 43477. 45880. 47392.
48942. 53416. 57395. 62263. 62461. 65753. 66040.
68008. 74389. 75428. 77830. 78843. 80308. 81059.
84037. 89630. 92927. — 31. Juli. 1 Gewinn von 45000 Mark auf Nr. 26011. 1 Gew. von 30000 Mk. auf Nr.
32104. 3 Gew.
von 6000 Mk.
auf Nr. 53088. 72712.
88676. 45 Gew
. von 3000 Mk.
auf Nr. 3317. 10867.
13925. 14835.
15610. 15789.
15991. 16867. 19711.
21584. 22108.
22753. 25486.
25784. 31847. 32643.
35962. 37470.
38841. 42163.
45835. 46469. 46976.
47073. 50514.
51539. 52240.
52920. 53573. 58188.
60143. 62586.
62749. 63261.
68262. 69452. 69685.
72696. 76781.
77091. 79084.
80493. 83406. 87247.
90606._____________________________________________
Temperatur der Lahn 9 Uhr vormittags: 13,5 Grad R.
OeffeutlicheAnerkellnmlk!
Die Bonner Fahnenfabrik (Hof- Fahnenfabrik zu Bonn a. Rh.) hat dem Gesangverein Teutonia zu Nordeck eine Vereinsfahne geliefert, welche in Betreff der Ausführung keine Ausstellung zuläßt, und Jedermann, welcher die Fahne gesihen, nur Lob für die Fabrik hat. Die genannte Fabrik kann deßhalb allen Vereinen nur sehr em- pfohlen toerben. (3697
Nordeck, im August 1886.
Gesangverein Teutonia.
/Sonntag, den 29. und Montag, v den 30. d. M. wird in Nordick der Gesangverein Tentonia die Fahnenweihe in Verbindung mit der Sedanseier abhalten. Zu dieser Feier werden alle Freunve des Gesangs und gute Patrioten ergebenst eingeladen. Eintritt zum Festplatz frei. [3698
Nordeck, im August 1886.
, Gesangverein Tentonia.
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Älor 14 Tagen ist in meiner Woh- fö nung ein Schirm stehen geblieben. Gegen Erstattung der Jnsertionskosten ist derselbe bei mir abzubolen.
3704) Lonis Rühling.