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XXI. Jahrgang.

Marburg, Mittwoch, 14. Juli 1886.

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XXII.

Frau v. Hochberg, Valentine und Baron Hartenstnn hielten sich seit etwa acht Tagen in dem vielbesuchten Bade­orte Ems auf. Schon seitdem die drei Reisegefährten Baden- Badiu verlassen, hatte die Baronin eine von Tag zu Tag mehr hervortretende Aenderung im Wesen und Benehmen ihrer Adoptivtochter wahrgenommen, die sie mit Besorgnis erfüllte. Valentineus früher so liebenswürdiges, offenes Wesen hatte einem verschlossenen Ernst, ja beinahe kalter Zurückweisung dem Baron gegenüber wenigstens, Platz gemacht. Dieser sah die Hoffnung, Valentinens Herzzu gewinnen, von Tag zn Tag mehr schwinden; und doch konnte er sich zu einer Trennung nickt entschließen, hoffte er doch immer noch auf eine ihm günstige Aenderung in des jungen Mädchens Stimmung. Mit ängstlicher Scheu vermied fie jedes Alleinsein mit ihm, und selbst die Baronin vermochte

gerade einen Weltnamen sich errungen hat, eingehen läßt, weil die Fabrikation die Kosten nicht mehr deckt. Tas sind betrübende Belege für die Folgen der zu hoch ge­spannten internationalen Produktionskraft. Die Handels­kammer in Breslau empfiehlt eine Verminderung der Produktion, eine Zurückführung derselben auf das wirk­liche Bedürfnis. Das Rezept ist sehr bitter, man denke daran, daß der verringerte Betrieb nicht nur dem Fabri­kanten, sondern auch dem Arbeiter geringeren Verdienst bringt, immerhin ist aber die Einschränkung noch zweck­mäßiger, als eine Fabrikation lediglich für Remisen und Niederlagen, in denen die lagernden Produkte schließlich Kapital und Zinsen verzehren und den Verdienst erst recht illusorisch machen. . . . L

Gerade in einer mißlichen Zeit, tote ui der jetzigen, erscheint manchem ein solches Radikalmittel zu gewagt; aber es bleibt immer das einzige, das Verlaufen der Flut­welle der Ueberproduk ion zu beschleunigen und bessere Preise zu erzielen. Es wird eine vorsichtige Anwendung der Produktionseinschränkung auch schon darum zu em­pfehlen sein, weil das Ende einer fortgesetzten Neberpro- duktion schließlich ein Jndustriekrach sein muß, der alle Industriestaaten betreffen und erst recht schlimme Zustande schaffen würde. Eine Versammlung von Brennereibesitzern in Leipzig hat den Beschluß gefaßt, von der nächsten Kampagne ab die Produktion um 20 Prozent einzu- schränkeu. Würde früher schon in dieser Weise vorge­gangen sein, so wäre die Spirituskrisis, nicht so weit ge­diehen, wie sie gediehen ist; aber es ist immer besser noch, das man etwas Gutes spät lhut, denn gar nicht. Das gilt für die gesamte Industrie nicht nur Deutschlands, sondern aller Staaten.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Juli. DerReichs-Anzeiger" ver­öffentlicht die Bestimmungen, nach welchen dieKaiserliche Normal-Aichungskommission" bis auf Weiteres für Dampf­kessel-Sicherheitsapparate, welche durch das Schmelzen einer Metallegirung in Thätigkeit treten, den Schmelzpunkt der Legirung beglaubigen wird. Zur Beglaubigung werden nur Segnungen für solche Dampfkessel-Licherheitsapparate zugelassen, welche von dem Herrn Staatssekretär des Innern für geeignet erachtet und demgemäß der Kaiser­lichen Normal-Aichungs-Kommifsion bezeichnet worden sind. Mit Bezug auf § 20 des Gesetzes über Markenschutz vom 30. November 1874 macht der Reichskanzler (in Vertretung von Bötticher) unterm 7. Juli a. c. bekannt, daß zwischen dem Deutschen Reich und Serbien durch Aus­wechselung von Erklärungen der beiderseitigen Regierungen eine Uebereinkunft dahin getroffen worden, daß in Bezug auf die Bezeichnung der Waren oder die Verpackung der letzteren, sowie bezüglich der Fabrik- ober Handelsmarken die Angehörigen des Deutschen Reichs in Serbien und die serbischen Staatsangehörigen in Deutschland denselben

Man hatte ursprünglich die Absicht gehabt, dis in den Oktober hinein den B-such bei Heimbccks auszudehnen, aber die plötzliche heftige Erkrankung von Hedwigs jüngstem Kinde machte auf des Arztes Rat die ungesäumte Abreise der Familie Biela nötig, welche auch die beiden alteren Kinder Heimbecks mit sich nahm, um diese von der Krankheit deS jüngsten zu schützen. Nur durch die aufopfernde Pflege Hedwigs und Waldemars, unterstützt durch den trefflichen Arzt, gelang es, der Krankheit völlig Herr zu werden. In­zwischen war der November ins Land gekommen, so säumte man denn nicht länger, die Heimreise nach der Residenz B.

Wenn es überhaupt möglich und denkbar war, so hatte die erste und gefährliche Krankheit, welche eines von Wal­demars und Hedwigs Kindern dem Rande des Grabes so nahe führte, die Liebe der Eltern zu einander noch fester

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- nnd Feiertagen. Quarial- Lbonnenrents-Preis bet der Expedition 2»/. Ml., bei den Postämter 2 ®IL 50 Pfg. cexcl. Bestellgeld). JnlertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Renamen für die Zeile

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d Annoncen-Bureaux ron Haaseustein undVogler in Franlfurt a. M, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudol i Mosse in Frankfurt a M, Berlin,Nünchenund

Sein; G. L. Daube und Co. n ranf urt a. M., B el n, Ha nover u.Paris

j 25 Pfg._______________________________________________

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

Schutz wie die eigenen Staatsangehörigen genießen sollen, daß ferner die Angehörigen des einen Landes, um in dem anderen ihren Marken (Namen, Firmen und Waren­zeichen) ben Schutz zu sichern, bie in diesem Laube durch Gesetze ober Verorbnungeu vorgeschriebenen Bebingungen unb Förmlichkeiten zu erfüllen haben. Die Uebereinkunft soll vom Tage ihrer Bekanntmachung an in Anweiibuug treten. DasAmtsblatt" des Reichs-Postamts" ver. öffentlicht folgenbe Verfügung vom 8. Juli c.: Das Pub­likum ist, wie wahrgenommeu worden, anscheinend durch unrichtige Zeitungsnotizen, zu der irrigen Annahme ver­anlaßt, baß seit dem 1. Juli die äußerste Wortlänge bei Telegrammen auf 10 Buchstaben für das Wort einge­schränkt sei. Dies ist unrichtig. Die äußerste Wortlänge bei gewöhnlichen Telegrammen im europäischen Verkehr beträgt nach wie vor 15 Buchstaben. Die Einschränkung auf 10 Buchstaben findet nur bei Telegrammen in soge­nannter verabredeter Sprache unb, wie bisher, bei außer­europäischen Telegrammen statt. Tie Verkehrsanstalteir wollen es sich angelegen sein lassen, auf Berichtigung deS vorgekommenen Irrtums sofort und in thunlichst durch­greifender Weise hinzuwirken. Nach einer Verfügung des Kultusministers haben bie Gemeinden die Genehmigung desselben einzuholen, wenn sie einen Ausländer als Lehrer anstellen wollen. Die bezüglichen Berichte der genannten Behörden sind durch Vermittelung der Regierungspräsidenten bezw. der Herren Oberpräsidenteu einzureichen, welche sich darüber zu äußern haben, ob der Anstellung des Aus­länders Bedenken vom landespolizeilichen Gesichtspunkte aus entgegenstehen. In letzterer Beziehung ist zu beachten^ daß nach § 9 des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1870 eine von den genannten Behörden vollzogene oder bestätigte Bestallung' für einen in den Schuldienst angenommenen Ausländer die Stelle der Naturalisationsurkunde vertritt,, mithin die Staatsangehörigkeit begründet, sofern nicht ein entgegenstehender Vorbehalt in der Bestallung ausgedrückt wird. Die Regierungspräsidenten beziehungsweise. die Oberpräsidenten haben daher in allen denjenigen Fällen, in welchen bie Naturalisation bes betreffenden Ausländers nach den von dem Minister des Innern getroffenen all­gemeinen Anordnungen nicht ohne dessen Genehmigung zu erteilen ist, an die beiden Minister be& Innern unb des Kultus gemeinschaftlich zu berufen. Durch die gesamte Tagespresse machte kürzlich die Mittei­lung die Runde, der Unterrichtsminister lasse jetzt eine bereits am 5. September 1884 ergangene Verfügung, be­treffend die Ausübung der Jagd seitens der Volksschullehrer, bekannt machen. Diese Verfügung datiert erst vom 5. Sep­tember 1885 und ist an die Bezirksregierung von Aachen gerichtet. Infolge der Verfügung haben jetzt die Landräte in jedem einzelnen Falle, in welchem von Lehrern auf Er­teilung eines Jagdscheins Antrag gestellt wird, an die vor­gesetzte Bezirksregierung zn berichten, damit diese nach den vom Minister hervorgehobenen Gesichtspunkten Entscheidung

sich das Benehmen Valentinens nicht zu ei klären. Daß sie des jungen Mannes Liebe zurückweisen würde, schien Fran von Hochberg undenkbar. Hatte sie zuweilen anerkennend von ihrem Neffen gesprochen, seinen Charakter, seine guten Eigenschaften, seine Herzensgüte, sein umfassendes W.ssen ins hellste Licht gestellt, so hörte Valentine ihr anscheinend teilnahmslos zu und fand niemals ein Wort der Erwiderung.

Valentine wußte, daß sie nur die Adoptivtochter der Frau von Hochberg sei; diese hatte ihr einst, als sie ge­nügend herangewachsen, mitgeteiit, daß sie die Tochter ihrer liebsten Freundin sei und sie die Baronin sich des elternlosen Kindes von seiner Geburt an angenommen, weil der Himmel ihr eigene Kinder nicht beschieden und sie stch nach einem Wesen sehnte, das sie um ihrer selbst willen lieben würde. Das Bild in dem Medaillon sollte sie als das eines nahen und lieben Verwandten ansehen. Wir erinnern den Leser daran, daß bei Di ff nun g des Medaillons nur das Ponrait Alfreds sichtbar war und daß zur Ent­hüllung desjenigen von Valentinens Mutter die Berührung einer versteckten, nur dem Grafen Biela bekannten Feder nötig war, und weder Valentine, noch auch Frau v. Hochberg von dem Vorhandensein eines zweiten Portrasts in dem Medaillon auch nur die entfernteste Ahnung hatten.

Bisher hatte Valentine sich mit dieser Auskunft begnügt doch fitzt schien es der Baronin, als ob sie zuweilen über ihre Herkunft grüble, und sie täuschte sich nickt. Eines Tages, nach einer ihre Verlegenheit verratenden Einleitung, bat sie ihre Mama inständigst, flehentlich, ihr doch Alles mitzuteilen, was sie über ihre Eltern wisse.

Frau v. Hochberg war überrascht und verwirrt und ver­mochte ihre Bewegung nicht ganz zu verdecken. Valentine entging das nicht: die höchste Unruhe zeigte sich auf ihrem Gesicht. (Fortsetzung folgt)

Bestellungen» das III. Quartal auf bie Oberh. Zeitung werben von allen Postämtern, auf bem Lande auch von ben Lanbpostboten, sowie von unserer Agentur in Kirchhain unb Erpebition noch fortwährend angenommen.

Ueberproduktion und Produktions- Verminderung.

Die HanbelSkammerberichte über bas Jahr 1885, welche jetzt bekannt gegeben werden, heben fast durchgängig her­vor, daß bas Wirtschaftsjahr 1885 ein befriedigendes nicht mar, weil die Ueberproduktion, welche auf dem Weltmarkt ebenso, wie auf dem deutschen Markte herrscht, zu großen, unabwehrbaren Einfluß ausübte und einen sehr bedeutenden Preisdruck nach sich zog. So sagt, um nur ein Beispiel herauszuziehen, die Breslauer Handelskammer in ihrem Bericht: In der Eisenindustrie ermöglichte erst der erhöhte Bedarf Ende März die volle Beschäftigung der Werke, doch schon int Mai sahen sich die Industriellen infolge Abnahme der Aufträge zu den weitgehendsten Konzessionen genötigt, so daß bei niedrigster Notierung in ben Sommer­monaten das Geschäft etwas befriebigenber sich gestaltete, im Herbst und Winter aber zu ungenügender Beschäftigung der Werke führte. Die im allgemeinen günstigen Berichte für das Jahr 1884 über ben Gang der Textilindustrie wurden vom zweiten Quartal 1885 ab durch eine sehr unerfreuliche Wendung der Geschäftslage, die sich in ben Sommer- unb Herbstmonaten noch mehr verschlechterte, getrübt. Infolge Ueberhäusung der Lager und mangeln­den Absatzes, besonders in bunt gewebten baumwollenen Stoffen, trat Arbeitsmangel ein, dem eine teilweise Lohn- produktion folgte; nur die Maschinenweberei hielt ihre Akkordlöhne fest, kürzte jedoch bisweilen bie, Arbeitszeit. Die Klage unserer Industriellen über gedrückte Preise, Mangel an Absatz unb geringen Verdienst, sind zunächst auf bie Massenprobuktiou unb bie kaufmännische Tendenz zurückzuführen, ben Generalunkosten beim Betriebe eines Etablissements einen möglichst geringen Einfluß auf bie Herstellungskosten dadurch einzuräumen, daß man sie auf eine große Produktion verteilt, was wohl einerseits Be­triebsvergrößerungen, andererseits aber Rückgang des Ab­satzes oder nicht gleichmäßige Entwicklung desselben zur Folge hat. Es bleibt unseren Gewerbetreibenden daher nur zu empfehlen, die Produktion auf das Maß des Be­dürfnisses zurückzuführen, sie also zu vermindern, außer­dem aber jede Gelegenheit zur Förderung des Export­handels wahrzuuehmen.

So die Breslauer Handelskammer, deren Bericht dem fast aller anderen gleichen Körperschaften, bie lokalen Ver­hältnisse beachtet, entspricht. Es finb nur recht wenige Artikel, deren sich bie Ueberproduktion nicht bemächtigt hat und die deshalb noch florieren. Einen tiefen Eindruck hat es ja auch gemacht, daß die bekannte Borsigsche Fabrik in" Berlin die Herstellung von Lokomotiven, wodurch die Fabrik

Geschichtskalend-r.

14. Juli.

1683. Kiuprili Mustapi;a, des Sultans Muhamed IV. Großvezir, beginnt mit 200000 Manu die Belagerung von Wien. , .

1762. Peter HI. wird von Alexis Dilon erdrosselt. 1789. Das Volk stürmt die Bastille in Paris.

1800. Napoleon erficht den entscheidenden Sieg über die Oesterreicher unter Melas bei Marengo.

1807. Die Franzosen besiegen die Russen und Preußen in der Schlacht bei Friedland in Preußen.

1864. Uebergang der Oesterreicher über den westlichen Liuifiord. ________

Jur Schatten des Lebens.

Roman von P. Felsberg.

(Fortsetzung.)

-Offen gestanden/ sagte eines Tages der alte Herr von Bergen, .so habe ich mir die Zukunft vor siebzehn Jahren gewünscht, damals in Genf, als wir unsere musi­kalischen Abenoe hatten und ich die Liebe Heimbecks zu Hedwig entstehen sah. Ich dachte da so manchmal bei mir, daß Alfred doch ein ganz prächtiger Mann für unsere Helene sei, und glaubte auch, daß fie selbst so dachte nicht wahr, Kind? . . ."

Flüchtige Röte bedeckte Helenens Antlitz, doch glück- strahlend nickte sie dazu bejahend.

Der Kunst und Sorgfalt eines tüchtigen dortigen Arztes und der belebenden Gebirgsluft war es zuzuschreiben, daß Emiliefür immer gefeit gegen Krankheit" wie der Doktor sich ausdrückte, in der That blühend und munter den Vier- waldstädter See zu Ende des Sommers verlaffen konnte.

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