»r. us.
Marburg, Sonntag, 27. Juni 1886.
XXI. Jahrgang.
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WkrheWk ZeitW.
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Expedition: Marti 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
- Illustriertes Sonntagsblatt.
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Deutsches Reich.
Berlin, 25. Juni. Der Kaiser soll anfänglich in Ems beabsichtigt haben, früh morgens den Brunnen regelmäßig im Zimmer zu trinken, wenigstens sollen ihm die Aerzte einen dahin zielenden Rat erteilt haben. Einmal trank der Kaiser auch ein Glas Kesselbrunnen im Zimmer, erschien tags darauf jedoch wider Erwarten zur gewöhnlichen Stunde, zur Freude und Ueberraschung aller Anwesenden, selbst am Kesselbrunnen. Frau Rentner Thiel überreichte Sr. Majestät, wie sie dies seit Jahren gethan, das Glas auf silberner Platte, von einem Kranze umrankt. Nachdem der hohe Kurgast das erste Glas geleert, hielt er es prüfend gegen das Licht und bemerkte dabei, daß noch keine Zahl in dasselbe eingraviert sei, wie dies bisher stets vorher geschehen. Im Zurückgehen sagte der Kaiser deshalb zu Frau Thiel: „Die Zahl 18 wird ja
Geschichtskalender.
26. Juni.
1794. Der franz. General Jourdan erficht einen entscheidenden Sieg über die Alliirten bei Fleurus im Heuuegau.
1848. Der Arbeiteraufstand in Paris wird nach mehr, tägigem Kampfe vom General Cavaignac niedergeschlagen.
1858. Der nach der Eroberung von Kanton durch die Engländer geschlossene Vertrag von Tientsin öffnet die Chinesischen Häfen dem freien Handelsverkehr und sichert der christlichen Religion freie Ausübung in China.
1866. Nachtgefecht bei Podol zwischen Preußen und Oesterreichern.
27. Juni.
1612. Starb der Superintendent Johannes Strack zu Cassel. Vorher war er Pfarrer zu Schröck (richtiger Schrick, und noch richtiger Schrickde) und Bauerbach bei Marburg, welche Dörfer dazumal evangelisch waren, und es begegnete ihm das bekannte Ereignis, daß ihm zu Bauerbach am Palmsonntag beim Abendmahl Esfig statt des Weins untergeschoben worden, und er den Essig, ohne es zu merken, den Kommunikanten reichte, weshalb denn, wie die fabelhafte Sage hinzufügt, Bauerbach sich wieder zur katholischen Kirche zurück gewandt habe. So viel ist unzweifelhaft, daß die Rückkehr der Dorfschaft Bauerbach zur katholischen Kirche mit dem Essig des Bauern Weintraut zu Bauerbach nichts zu schaffen hat, sondern auf ganz andern Gründen beruht.
1800. Die Franzosen schließen mit den Engländern und dem Sultan einen Verttag, Aegypten zu räumen.
1866. Gefecht zwischen Preußen und Hannoveranern bei Langensalza. — In demsxlben Jahre Gefecht bei Trantenau zwischen Oesterreichern und Preußen. — In demselben Jahre Gefecht bei Nachod zwischen Preußen und Oester- retchern.
nun wohl bald in dieses Glas eingegraben werden!" Die Gläser erhalten nämlich die fortlaufende Nummer der Jahres- Anzahl, die der Kaiser in Ems den Brunnen getrunken hat. Kaiser Wilhelm ist also zum achtzehnten Male Emser Kurgast. — Ueber die am Mittwoch stattgehabte Plenarsitzung des Bundesrats liegt jetzt nachfolgender, ausführlicher Bericht vor: Zunächst gab der Vorsitzende, Staatsminister, Staatssekretär des Innern, v. Bötticher, im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers dem tiefen Bedauern Allerhöchstdesselben über den Hintritt Sr. Majestät des Königs Ludwigs II. von Bayern Ausdruck und gedachte ferner des am 13. d. Mts. erfolgten Ablebens des fürstlich waldeckischen Bevollmächtigten, Landesdirektors v. Saldern. Dem Entwurf einer Verordnung zu dem Gesetz über die Ausdehnung der Kranken- und Unfallversicherung vom 28. Mai 1885, dem Anträge Sachsens wegen erneuter Anordnungen auf Grund des § 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie für den Bezirk der Stadt und der Amtshauptmannschaft Leipzig und dem Anträge der Ausschüsse für Zoll- nnd Steuerwesen und für Handel und Verkehr, betreffend die Unterscheidung des Talgs und der unter Nr. 26 i des Zolltarifs fallenden Kerzenstoffe rc., wurde die Zustimmung erteilt und beschlossen, die Vorlagen: wegen zollfreier Ablasfung zum Schiffbau bestimmter Blei- und Zinkplatten und Zinknägel und, betreffend die Veranstaltung einer allgemeinen deutschen Industrieausstellung zu Berlin im Jahre 1888, sowie den Antrag Lübecks- auf Genehmigung einer von der Generalversammlung der Aktionäre der Kommerzbank zu Lübeck beschlossenen Statutenänderung den zuständigen Ausschüssen zur Vorberatung zu übergeben. Der Vorsitzende teilte mit, daß der schweizerische Bundesrat unter Berufung auf die Bestimmungen des Artikels 12 des Handelsvertrages zwischen Deutschland und der Schweiz vom 23. Mai 1881 die Anfrage an die kaiserliche Regierung gerichtet habe, ob sie geneigt sei, in Unterhandlungen wegen Revision dieses Vertrages einzutreten. Die kaiserliche Regierung habe hierauf eine bejahende Antwort erteilt. Die Versammlung nahm hiervon, von einer Uebereinkunft mit der Schweiz wegen Fortfalls der sog. Trau-Erlaubnisfcheine und von den durch das königl. preußische, bezw. das königl. bayerische Kriegsministerium aufgestellten Uebersichten der Ergebnisse des Heeresergänzungsgeschäfts für das Jahr 1885 Kenntnis. Endlich wurde über die Zulassung von Privat- Transitlagern für Sesamöl, über die dem Kaiser wegen Besetzung der Stellen eines Reichsanwalts und eines ständigen Mitgliedes des Patentamtes zu machenden Vor- fchläge und über die geschäftliche Behandlung von Eingaben Beschluß gefaßt. Eine Eingabe wegen Zulasiung von Privat - Transitlagern ohne Mitverschluß für Mineral - Schmieröle wurde dem Herrn Reichskanzler überwiesen. — Die „Berl.Polit.Nachr." schreiben: Schon in den Mottven zu dem Reichsgesetze vom 15. März d. I.,
28. Juni.
833. Kampf der Söhne Ludwigs des Frommen wider ihren Vater bei Colmar auf dem Lügenfclde.
1633. Siegreiches Treffen der Schweden (Hessen, Braunschweiger) mit den Kaiserlichen bei Oldendorf.
1675. Kurfürst Friedrich Wilhelm schlägt die Schweden bei Fehrbellin (d. 18. a. St.).
1813. Der Preußische Obrist v. Scharnhorst stirbt zu Prag an der in der Schlacht bei Groß-Görschen empfangenen Wunde.
1864. Die Preußen unter Prinz Friedrich Karl schreiten in der Nacht zum Angriffe auf die Insel Alsen.
1866. Gefecht bei Skalitz zwischen Preußen und Oesterreichern. — In demselben Jahre die Preußen siegen über die Oesterreicher bei Münchengrätz, Skalitz und Trautenau.
Im Schatte« des Lebens.
Roman von P. Felsberg.
(Fortsetzung.)
Graf Mela war allein zur Residenz gekommen. Er hatte einen Brief von seinem Agenten erhalten, der seine Anwesenheit als dringend notwendig hinstellte zur Verwirklichung eines Planes, öen er entworfen, um des geraubten Kindes Spur zu finden. Nach seiner Ankunft hatte er Herrn Schölte sogleich benachrichttgt und auf denselben Abend »och zu einer späten Stunde zu sich entboten. Der Agent stellte sich pünktlich ein.
„Meine Nachforschungen, Herr Graf," sagte nach ehrerbietigem Gruß^der Agent Schölte, „stellen es außer Zweifel, daß wir in Rabe und dem Wirt jener obscuren Kneipe, von welchem ich Ihnen in meinem letzten Berichte sprach, die Räuber Ihres Kindes zn suchen haben. Sie wünschen eine gerichtliche Untersuchung zu vermeiden und ich habe deshalb ans die Käuflichkeit jener Schurken meinen Plan
betreffend die Fürsorge für Beamte und Personen des Soldatenstandes infolge von Betriebsunfällen, ist, wie im Verfolg der neulichen Mitteilung bemerkt wird, hervorgehoben worden, daß, wenn das Reich auf diesem Gebiete vorgegangen sei, ohne Zweifel auch diejenigen Einzelstaaten, in welchen eine gleichwertige Fürsorge nicht besteht, diesem Beispiele alsbald folgen würden. Das Reichsgesetz bezieht sich auf in reichsgesetzlich der Unfallversicherung unterliegenden Betrieben angestellte Beamte. Zu diesen würden bei richtiger Auslegung des Gesetzes unzweifelhaft auch die mit der Beaufsichtigung dieser Betriebe betrauten Beamten zu rechnen sein, wenn sie einen mit dem Betriebe in Verbindung stehenden Unfall erleiden, wie z. B. die Gewerberäte, wenn sie bei Inspizierung einer Fabrik etwa ein Unfall infolge von Kesfelexplosion trifft. Aber es gibt zahlreiche Beamte, welche in einem reichsgesetzlich der Unfallversicherung unterliegenden Betriebe nicht beschäftigt, gleichwohl bei Ausübung ihres Dienstes einer großen Nn- fallgefahr ausgesetzt sind, wie Polizei-, Grenz-, Steuerbeamte und dergleichen. Das Reich hat solche Beamte nicht, konnte daher, auch für sie nicht Fürsorge treffen." Dagegen wird es für die an die reichsgefetzliche Beschränkung nicht gebundene Landesgesetzgebung der Erwägung bedürfen, ob es sich rechtfertigen läßt, die Wohlthaten der erhöhten Unfallsfürsorge nur den Betriebsbeamten nicht aber den im Sicherheitsdienste verunglückten Funktionären zuzuwenden. — Die „Neue Preuß. Ztg." schreibt: „So sehr man leider sich allmälig an die Beschlußunfähigkeit des Reichstags hat gewöhnen muffen, so sehr muß es ernstes Bedenken erregen, wenn diefelbe sich auch als eine Gepflogenheit des Abgeordnetenhauses einbürgern sollte. Wenn einer mit Diäten bedachten Körperschaft nach einer dreiwöchigen Ferienpause mehr als 60 Mitglieder zur Beschlußfähigkeit mangelt, wie dies gestern der Fall war, so kann die Entschuldigung einer allzu langen Session dafür doch keineswegs ausreichen. Der Antrag des Abg. Frhrn. v. Hammerstein konnte unter diesen Umständen wieder nicht zur Verhandlung gelangen und hat nunmehr auch wohl keine Aussicht dazu in dieser Session. Das ist gewiß bedauerlich: doch darf man nicht außer acht lassen, daß es dem Antragsteller wenig erwünscht sein kann, einen Gegenstand von so prinzipieller Bedeutung von einem beschlußunfähigen Hause und in Abwesenheit des, wie bekannt, in dienstlichm Geschäften in den Ostseeprovinzen weilenden Kultusministers zu verhandeln. Im übrigen ist es selbstverständlich, daß der Antrag beim Beginn der nächsten Session wieder eingebracht werden wird. Die Zwischenzeit wird nur dazu dienen, daß auch diejenigen Mitglieder des Abgeordnetenhauses, welche dem Antrag feindlich oder kühl gegenüber stehen, sich überzeugen können, wie man im Lande, soweit noch eine Spur kirchlichen Lebens vorhanden ist, frei von engen parteitaktischen Erwägungen zu dem Anträge des Abg. v. Hammerstein Stellung nimmt."
gebaut; allerdings etwas gegen meinen persönlichen Wunsch, dmn da Sie mit Vermeidung jeden Eklats nur Ihr Kind wieder erlangen wollen, so werden die beiden Bösewichte straflos ausgehen müssen."
„Mag sein," entgegnete der Graf, „wenn ich nur mein Kind habe."
„Nun wohl denn, so bitte ich Sie, heute Abend «och mü mir nach jenem Hause zu gehen, deun bei dem Wirt werden wir ohne Zweifel schneller unseren Zweck erreichen, als bei Rabe. Der Wirt ist dem Trunk ergeben und ich glaube, daß wir, nachdem er einigermaßen getrunken hat, leicht das aus ihm heraus bekommen können, was uns zu wissen nötig ist."
Alfred erklärte sich bereit und ging, um eine dem Abenteuer entsprechende Toilette zu machen, während Herr Schölte ihn im Vorzimmer erwartete. Bald darauf traten Beide den Weg zu Rodes Schänke an. Ein erstickender Tabaksqualm empfing sie beim Eintreten; alle Tische waren mit Leuten des gewöhnlichsten Schlages dicht besetzt. Es gelang ihnen indessen, unbemerkt noch einen Platz zu erlange».
„Heute können wir nichts unternehmen," flüsterte der Agent dem Grafen zu; „doch Sie können immerhin den Man» ins Auge fassen — der jetzt aus uns zukommt, ist der Wirt."
Rode war zu dem Tisch der Neuangekommenen getreten, um deren Wünsche entgegenzunehmen. Erstaunt blickte er auf den Grafen, dessen Aenßeres so entschieden, 'trotz der wenig entsprechenden Toilette, den Stempel seiner socialen Stellung ttug, daß Rode in ihm sofort einen außergewöhnlichen Gast vermutete.
Scharf — doch nicht so, daß eS auffallen konnte, hatte Alfred ihn gemustert und die Annahme Schottes, daß dieser Physiognomi Alles zuzutramu sei, durchaus bestätigt gesunde».
Und dieser Manu sollte ein Helfershelfer seiner Mutter