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Irfid^nt täglich außer an Lerlta-?en nach Sonn- und Acierruzen. — Quartal- Lbouneinents-Preis bei der Lrpedition 21/, Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 Bfg. (erd. Bestellgeld). IosertionS,ieb2hr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg, Sonntag, 13. Juni 1886.
XXI. Jahrgang.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d Annoncen-Bureaur von Haasenstein undDogler in Frantfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien^ Rudoli Messe in Frankfurt a M-, Berlin,München und Köln; G. L. Daube und Co. n 'rantfurt a. M-, Berlin, Ha nover u.PariS.
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gearbeitet, war noch kein Raum für die großen Geister, für die Erfindungen der Neuzeit. Langsam, ganz langsam, hat sich aus dem regellosen Treiben der früheren Jahrhunderte Großes gebildet, das wieder größeres und immer größeres schuf, das die Menschheit zu anderen Grundsätzen und zu milderer Anschauung führte. Im Laufe von Jahrhunderten erst wurde die Zivilisation und die Kultur geboren, die wir jetzt haben, die Zivilisation, die alle Nationen umschlingt, die früheren blutigen Kriege mehr und mehr vermindert, hinwegreißt, was die Völker lange trennte. Und deshalb können wir mit gutem Recht sagen, unsere Zeit ist nicht schlechter geworden, nein, sie ist besser
Pfingstfest erinnert, ist das größte und folgenschwerste Ereignis, das je auf Erden sich zugetragen; aus dem kleinen Anfang hat sich die Macht entwickelt, welche der Menschheit die Wege weist. Die christliche Kirche hat lange zu kämpfen gehabt, bevor es ihr gelang, ihren milden Charakter allen Völkern auch nur unseres Erdteiles mitzuteilen, bis es dahin kam, daß die Religion der Liebe auch wirklich praktisch ausgeübt wurde; was wir Zivilisation, Kulturleben nennen, das ist das Christentum, das sind seine Lehren, welche der Menschheit in Wahrheit gegen früher einen neuen, besseren Geist gegeben haben. Der Kirche und ihrem Diener, der Zivilisation, ist cs gelungen, uns von Zuständen zu befreien, unter denen frühere Geschlechter schwer geseufzt, und uns Zustände zu geben, welche die Völker einander näher gebracht, sie zu gemeinsamer Erfüllung der Aufgaben wcrkthätiger Liebe bewogen haben. Wir erinnern hier nur an eine große Schöpfung unseres Jahrhunderts: An das „Rote Kreuz!", durch das unendlich viele Wohlthaten bereits geschaffen, das die weder stamm- noch sprachverwandten Völker einigt in dem Bestreben, den Geboten des Christentums gerecht zu werden. Daran erinnert uns die Pfingstfcier ganz besonders.
Christliche Kirche und Weltenlauf, wenn sie immer mit einander vereinbar wären, so wäre es gut; aber hier sind wir an der Grenze der Unmöglichkeit angelangt. Dann wäre die Menschheit frei von allen irdischen Schlacken. Aber dessen bedarf es auch nicht. Es genügt, wenn Volk an Volk mit Ernst die wahre Situation verteilt, wenn es vor allem die Lehre befolgt, in Frieden mit einander zu leben Der Friede bringt uns die herrlichsten Früchte des Kulturlebens und sichert eine dauernde Vertiefung der hehren Lehren der Zivilisation, ein immer wieder erneutes Fortschreiten auf dieser Bahn. Mancher mag meinen, es werde nicht viel mehr zu thun geben, wir seien weit, sehr weit gekommen. Wir sind weit gekommen, unsere Zeit schreitet rüstig vorwärts; aber auf ihrem Wege finden sich doch noch viele Begleiter, für die schon jetzt kein Raum mehr sein sollte. Aber mit trüben Erinnerungen soll das Fest nicht vergällt sein. Freuen wir uns zu Pfingsten alles dessen, was uns jahrhundertelanger Kampf zwischen Nacht und Tag gebracht, freuen wir uns der Erfolge unseres Zeitalters. Und in diesem Sinne wünschen wir allen Lesern ein frohes Fest für sich und ihr ganzes Haus.
Geschichtskalender.
13. Juni.
1469. Landtag am Spieß, auf welchem die heftigen und blutigen Streitigkeiten der beiden fürstlichen Brüder, des Landgrafen Ludwig IL von Niederhessen und des Landgrafen Heinrich HL von Oberhessen, diesmal in Betreff ihrer Parteinahme in den Fehden des Abts von Fulda mit den Riedesel (Heinrich hielt es mit Fulda, Ludwig mit den Riedesel), eine Ausgleichung erfuhren.
1570. Starb Johann von.Hatzfeld, der Letzte der Linie dieses Geschlechtes, welche an dem Stammorte, zu Hatzfeld, ihren Sitz hatte.
1636. Entsatz der Stadt Hanau, welche seit dem Anfänge des September 1635 von den Kaiserlichen, zuerst unter Oberst Götz, sodann unter Generalfeldwachtmeister Lamboi, belagert worden war, durch Landgraf Wilhelm V, von Hessen. Zum Andenken dieser Entsetzung feiert man in Hanau noch jetzt an diesem Tage das Samboifett in dem Köbeler Walde (jetzt Lamboiwald genannt, wie man dort auch eine Lamboibrücke hat), wo das Treffen begonnen hatte.
Pfingsten.
Am Pfingstfestmorgen voll lieblicher Pracht, An dem cs hell klinget und singet, Sei Fenster und Thür mit Maien bedacht, Durch die der Festesgruß dringet.
Vom hohen Kirchturm der Glockenruf, Des Vogels Sang und das Wanderlied, Die schallen hindurch durch das Maiengrün Weihen es ein, das Ffftgebtet.
Tas grünende Laub am schlanken Gezweig, Bewegt von des Windes leisem Weh'n, Es grüßt dem Frcudenboten gleich, Der stets ist gern im Hause geseh'n.
Die Sonne umschmeichelt das trauliche Laub, Sie kränzt es die festlichen Tage hindurch, Denn Maienschmuck steht es in des Himmels Hut Er wandelt ein Häuschen zur pfingstlichen Burg.
Es prangt so bescheiden am heimischen Heerd, Der zierlichen Maie festlicher Schmuck, Ein Zeichen des Friedens, den Pfingsten bescheert, Ein Mehrer gen alle List und Trug!
Die Maie begrüßt das junge Haupt, Sie steht die früheste Pfingsteslust, Die Maie beschattet das grauende Haar, Weckt einstigen Jubel in tiefster Brust.
Beschirmt, beschützt ist von Maien das Haus, Ihr Grün lacht zu uns so hoffnungsvoll, Es lockt so fröhlich: Hinaus, hinaus. Bringt Pfingsten Eures Dankes Zoll!
Hinaus, hinaus ins blühende Feld,
Pfingsten.
Wenn Pfingstfreude und Wanderlust die Köpfe ge- fangeu hält und Feststille und Festfriede in die Herzen einzieht, dann ist keine günstige Zeit zu einer langen Auseinandersetzung über Alltagssvrgen und Leiden. Alles wird vergessen, alles widmet sich ganz der Feier des „lieblichen Festes", und ist froh, froh sein zu können unter den Fröhlichen. Pfingsten ist uns das Fest, an dem all' und jede Sorge zu Hause gelassen wird, und damit sie sich nicht an die flüchtigen Fersen hefte, wird Thür und Fenster mit buschigem Maiengrün geschmückt, das ihr den Ausgang wehrt. Pfingstfreuve und Frohsinn, der läßt sich nicht beschreiben, der wird empfunden. Das ist die rechte Pfingstfeier, schlicht, einfach und. doch erhebend, gewaltig.
Wer da kann, der eilt zu Pfiugsten hinaus, in die freie Gottesnatur, sie ist auch ein Tempel für die Pfingstfeier. Alles strahlt uns in vollendeter Herrlichkeit entgegen, umwoben vom festlichen Frieden. Pfingsten offenbart
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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain.—Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.
Stunden den Park und befahl z. B. die Abänderung eines Durchblickes nach Neuendorf. Augenblicklich hat der Kaiser wie jecer Hausbesitzer in Neuendorf Einquartierung, 16 Mann. Die Zahl seiner Einquartierung ist indes schon manchmal bis zu 80 gestiegen. Nach Babelsberg gehen die Leute gern ins Quartier, denn sie behalten nicht nur ihr Traktament, sondern bekommen auch noch täglich 2 Mk. dazu. Bei der Enthüllungsfeier des Denkmals Friedrich Wilhelm IV. begab sich der Kaiser, der „N. Allg. Ztg." zufolge, nachdem das „Nun danket alle Gott" verklungen war, zunächst aus dem Kaiserzelt nach dem rechten Rondel, um von dort aus einen Blick auf das Profil des Königlichen Bruders zu gewinnen. Auf dem Gange zum Altar machte der König Halt und redete die Umstehenden, von tiefer Bewegung ergriffen, an: „Die heutige Feier ist gemischt von Freude und Trauer. Sie ist freudig, weil es Mir endlich gelungen, Meinem Königlichen Bruder dieses Denkmal der Dankbarkeit und Verehrung zu setzen. Traurig, weil sie Mich und uns alle an den großen Verlust mahnt, den wir durch seinen Heimgang erlitten. Er schied von uns in der Blüte der Jahre nach schwerem Leid, und nicht war es ihm beschieden, die reichen Früchte zu ernten, zu denen er den Samen gestreut." In gleichem Sinne sprach sich । Se. Majestät der Geistlichkeit und der Generalität gegenüber aus. Auch an die Deputation des Regiments König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches Nr. 2) richtete Se. Majestät pietätvolle erhebende Worte. Gegenüber Professor Calandrelli gab der König in huldvollen Worten seiner Anerkennung über die gelungene Ausführung des Denkmals Ausdruck und verlieh demselben zu Ehren des Tages das Ritterkreuz des Hohenzollernschen Hausordens. — Die Kaiserin hat aus Anlaß der Enthüllungsfeier des Denkmals Friedrich Wilhelm IV. dem Staatsminister v. Goßler folgendes Schreiben zugehen lassen: „Mit meiner Erwiderung Ihrer Mitteilung der bevorstehenden Enthülluiigsfeier des Denkmals des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm IV. verbinde ich den Ausdruck des Bedauerns darüber, daß ich an jenem festlichen Tage im Kreise der Königlichen Familie fehlen muß, die in pietätvoller Erinnerung das Standbild umgeben wird. Gern hätte auch ich an der Seite des Königs, meines Gemahls, durch meine Anwesenheit den Tribut treuen Andenkens dem Heimgegangenen dargebracht, welcher von der Nachwelt an der Stelle geehrt wird, die dauernd ein hohes Zeugnis seines erhabenen Sinnes ablegt. An schmerzliche Opfer durch meinen Gesundheitszustand gewöhnt, ist es mir dennoch Bedürfnis, aus der Ferne an einer Feier teilzunehmen, welche für mein Haus, wie für unser Vaterland die Erfüllung einer Pflicht dankbaren Gedenkens bekundet. Baden-Baden, den 8. Juni 1886. Augusta." — Der Bundesrat hielt am 10. d. Mts. unter dem Vorsitz dcs Königlich bayerischen Gesandten, Grafen von Lerchen- feld-Köfering, eine Plenarsitzung ab. In derselben wurde beschlossen, in der zwischen dem Fürsten von Waldeck und
1877. Großherzog Ludwig IH. von Hessen stirbt kinderlos, ihm folgt feine Neffe, Ludwig IV. in der Regierung.
1878. Zusammentritt des Berliner Kongresses, wegen der leidigen „Orientalischen Frage", und nachdem Rußland bis Konstantinopel siegreich vorgedrungen war.
14. Juni.
1848. Erstürmung des Zeughauses in Berlin.
1849. Treffen bei Kirchheimbolanden, in welchem die Mainzer Freischärler unter der Führung des Advokaten Zitz von den Preußen in die Flucht geschlagen werden.
1859. Der Priuzregeni von Preußen, nachmaliger Deutscher Kaiser, läßt zwei Drittel des preußischen Heeres mobil machen, um — wenngleich seine Regierung der österreichischen abgeraten hatte, sich in den Kampf gegen Louis Napoleon einzulassen — die französische Ucbermacht zu brechen. Schon bet dieser Gelegenheit zeigte sich der innere Konflikt zwischen Oesterreich und Preußen, das sich nicht unter die Botmäßigkeit des Hauses Habsburg stellen wollte. Der Prinz-Regent wollte selbständig handeln und verlangte, daß ihm die Oberleitung des Krieges überlassen werde, den Preußen hauptsächlich hätte auszufechten gehabt. Darüber Depeschen über Depeschen, denn Oesterreich verlangte den Beistand quasi als Pflicht eines Vasallen, und willigte lieber in einen schimpflichen Frieden, als den wohlmeinenden Vorschlägen Preußens nachzugeben.
1866. Der Antrag Oesterreichs beim deutschen Bunde, auf eine unverzügliche Mobilisierung des Bundesheeres, kommt trotz Preußens Protest zur Abstimmung, und wird mit 9 gegen 6 Stimmen angenommen.
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geworden; das rastlos fortschreitende Kulturleben hat Wunder gewirkt. Und das sehen wir am besten zu Pfingsten, wo wir frei jetzt hinausschweifen können nach nah und fern, befreit von den Fesseln, die einstmals bestanden. Gotteserde und ihre Schönheiten sind allen geöffnet.
Und was ist der Träger alles Kulturlebens, aller Zivilisation, die uns Verhältnisse geschaffen, die unsere Vorfahren auch nicht entfernt haben ahnen können? Es ist das Institut, die Einrichtung, zu deren Feier das Pfingstfest bestimmt ist, die christliche Kirche, die Religion der Liebe. 1^1 Die Errichtung der christlichen Kirche, an die uns das
laust» un6 so recht den Segen und den heilsamen Einfluß ' * unseres Kulturlebens. Wir freuen uns über die herrliche Gottespracht; aber wo wäre sie, wenn Volk gegen Volk noch wie in früheren Jahrhunderten in wilder Fehde so häufig gegen einander wütete, zerstörte und Verwüstung schaffte, wo jetzt alles gedeiht. Die Dampfkraft führt uns im Nn in entfernte Strecken, alle Schönheiten des Erdteils sind geöffnet für den, der sie in Augenschein nehmen will. Das wäre unmöglich gewesen früher, denn unter dem Treiben, in der Gährung, aus denen sich nach Jahrhunderten endlich unser modernes Zeitalter heraus-
D-trtsches Reich.
Berlin, 11. Juni. Einen neuen Beweis für die Rüstigkeit des Kaisers, schreibt die „Voss. Ztg.", gab der gestrige Tage. Von 9 bis 10V, Uhr sah man den Monarchen am Fenster stehen und Vorträge entgegennehmen. Erst dann zog sich der Kaiser zurück, um sich zur Enthüllungsfeier umzukleiden. Im Park und Schloß Babelsberg ordnet der Kaiser heute noch wie vor 50 Jahren jede Veränderung persönlich an. Kürzlich durchfuhr er drei
In die herrliche Flur, den schattigen Wald,
Hinaus, dorthin, wo der Friede wohnt, Wo aller Lärm so still verhallt.
Am Pfingstfestmorgen voll lieblicher Pracht,
An dem es hell klinget und singet,
Sei Fenster und Thür mit Maien bedacht,
Durch die der Festesgruß bringet:
Das Pfingstfest, das lieblichste Fest im Jahr,
Ihr mögt es gut hegen und pflegen,
Es ladet Euch zu sich, begeht es wobl,
Es bringt Euch Erquickung und Segen!
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