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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- AbonnementS-Preis bei bet toebition 2*/< Mk., bei Jen Postämter 2 Mk. 50 Bfg. «rcl. Bestellgeld). KisertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. AeLamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg, Sonntag, 6. Jnni 1886.

XXI. Jahrgang.

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Anzeigen nimmt entgegen die Erpebition b- BlatteS, sowie b.Annoncen-Bureaur von Haasenstein unbVogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg unb Wien; Rubolf Mosse in Frankfurt a M-, Berlin,München und Köln; ®. L. Daube und So n '-«antfurt a. M., B rl n, Ha nover u.Paril-

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Auch für den Monat J««i nehmen alle Postanstalten Bestellungen aus die

Oberhesfische Zeitung

nebst ihren Beiblättern entgegen, ebenso in hiesiger Stadt die Expedition.

Deutsches Reich.

Berti«, 4. Juni. Der Bundesrat beschloß, dem An­träge des Ausschusses, betreffend die Errichtung einer physikalischen Reichsanstalt, zuzustimmen, ferner der vom Reichstage am 7. April' beschlossenen Abänderung des Paragraphen 187 des Gerichtsverfassungs-Gesetzes nicht zuzustimmen. Die Branntweinsteuer - Kommission des Reichstages trat heute auf Grund der Beschlüsse der ersten Lesung in die zweite Beratung ein. Die Beschlüsse der ersten Lesung beschränkten sich auf Feststellung einer Kon­sumtionsabgabe von 0,25 Mk. für das Liter reinen Alkohols und die Verpflichtung zur Entrichtung derselben, sobald der Branntwein aus der steuerlichen Kontrolle in den freien Verkehr tritt. Alle weiteren Bestimmungen über die Ausübung dieser Kontrolle u. s. w. waren ge­strichen. Außerdem waren nur noch die Bestimmungen über die Maischraum- und Branntweinmaterialsteuer, also Erlaß von 10 Prozent Steuer wegen des Steigraums u. s. w. in erster Lesung zur Annahme gelangt; auch die Erhöhung der Eingangszoll- und Uebergangsabgabe war gestrichen. Die nationalliberalen Mitglieder der Kom­mission hatten heute ihre Abänderungsvorschläge aus der ersten Lesung wiederholt, die auf Feststellung der Kon­sumtionsabgabe zu 0,60 M. und Erhebung derselben beim ersten Käufer resp. Raffineur u. s. w. ausgingen. Zu­nächst nahm heute der Finanzminister v. Scholz das Wort zu eineroffenen und ehrlichen Erklärung", wie er wört­lich sagte. Er skizzierte zuförderst die Zwecke der Re­gierungsvorlage; dann ging er auf das Verhalten der Kommission über, welche diese Vorlage einstimmig abge­lehnt habe. Die Vorlage sei nicht gescheitert an der mangelnden Darlegung des Bedürfnisses, sondern daran, daß die Steuer in keiner Form eine Majorität gefunden habe. Der konservative Gesetzentwurf habe zwar ein an­gemessenes Angebot in bezug auf die Höhe der Steuer gemacht, aber die Sicherung der landwirtschaftlichen In­teressen zu . sehr betont, und darin liege der Grund, warum die Kommission sich nicht ernstlich mit dem Gesetzentwürfe beschäftigt habe. Die nationalliberalen Mitglieder hätten das Angebot in der Höhe der Steuer noch weiter herab­gesetzt und im übrigen die Steuer nach Maßgabe der Eventualvorlage gestaltet. Auf der Basis dieses Gegen­antrags der nationalliberalen Mitglieder ließe sich eine Ver­ständigung mit den verbündeten Regierungen erwarten, wenn das Entgegenkommen noch etwas weiter gehen würde.

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Geschichtskalender.

6. Juni.

1676. Paul Gerhard, vorzüglicher Dichter geistlicher Lieder stirbt zu Lübben. Seine Kirchenlieder findet man heute noch in jedem deutschen Gesangbuche.

1861. Graf Cavour, italienischer Staatsmann, und ver­dient um sein Vaterland, stirbt.

1867. Attentat aus den Kaiser von Rußland in Paris durch den Polen Perowski.

1871. Der Handelsvertrag zwischen Deutschland und Frank­reich tritt wieder in Kraft.

7. Juni.

1398. Brannte der Dom zu Fulda, welcher schon zweimal abgebrannt und wieder aufgebaut worden war, durch einen Blitzstrahl entzündet, ab. Man sah dies damals als ein göttliche Srafgericht an, weil der damalige Abt von Fulda, Johann von Merlau, entweder so eben oder das Jahr zuvor, auch den Frauen die Erlaubnis gegeben hatte, das Grab des BonifaciuS zu besuchen;, während diese Grabstätte bisher für die Frauen ein verbotener Ort gewesen war.

1571. Wurde auf Befehl des Landgrafen Wilhelm IV. der Anfang des regelmäßigen Steinkohlenbergbaues am Meisner gemacht. Zu diesem Anfang bedurfte man da­zumal nureinen Gulden oder dreißig."

1840. König Friedrich Wilhelm HI. von Preußen, Vater Kaiser Wilhelms, stirbt, nachdem er als Herrscher zwei und vierzig Jahre lang den preußischen Staat in größtem Verfall und in glänzendstem Auftteten gesehen. Das preußische Volk betrauerte ihn seines einfach bürgerlichen Wesens willen, erwartete jedoch bei seinem Tod, daß nun mit ihm auch eine alte Zeit dahin sei und eine neue voll höheren Strebens anbreche, und begrüßte daher mit

Die Mitglieder des Zentrums hätten nur 0,25 Mk pro Liter geboten, aber unverständlicherweise jede Ausgestaltung des Gesetzes abgelehnt; sie hätten also keinen fertigen Ge­setzentwurf gebracht und ihr Standpunkt sei damit auch ein lediglich negativer geworden. Die deutschfreisinnigen und sozialdemokratischen Mitglieder der Kommission hätten von ihrem negativen Standpunkt aus ihre Freude daran gehabt, daß die Regierungsvorlage und auch jeder Gesetz- Entwurf gescheitert sei. Bei diesen Ergebnissen in den Kommissionsverhältnissen halte die Regierung es nicht für angezeigt, die Bedürfnissrage, wie sie gestellt worden, aus­führlich zu erörtern. Der Minister forderte schließlich die Kommission auf, doch jetzt noch eine Verständigung und ein positives Resultat zu erzielen und nicht mit leeren Händen vor den Reichstag zu treten. Uebrigens habe er Auftrag gegeben, in bezug auf die dritte gestellte Frage (für welche Mehrbedürfnisse, in welcher Höhe und in welcher Reihenfolge sollen speziell in Preußen die Ueber- weisungen aus der zu erhöhenden Branntweinsteuer ver­wendet werden?, insbesondere, in welchem Umfange sind in Preußen Ueberweisungen aus Reichs- bezw. Staats­steuern an die Kommunen und Kommunalverbände in Aussicht genommen?) eine Denkschrift ausarbeiten zu lassen. Abgeordneter Rickert erwidert, daß es Lache der Reichsregierung sei, gleich im Anfang der Verhand­lungen das Bedürfnis darzulegen und damit nicht zu warten, bis der Reichstag und die Kommission ihre Ge­neigtheit erklärt hätten, die Steuer zu bewilligen. Er freue sich, daß der Reichstag nicht auf ein solches Verfahren eingegangen sei. Minister v. Scholz entgegnet, daß ja die Reichsregierung sofort bei Einbringung der Vorlage die Bedürfnisfrage eingehend erörtert habe; an der mangelnden Darlegung des Bedürfnisses sei die Vorlage nicht in der Kommission gescheitert, sondern daran, daß die Steuer in gar keiner Form eine Mehrheit finden konnte. Abg. Mosler weist den Vorwurf zurück, daß seine Partei nur einen negativen Standpunkt eingenommen habe; das sei ganz unrichtig. Das Zentrum habe eine Steuer von 0,25 Mk. pro Liter gleich anfänglich bewilligt, und was die nähere Ausgestaltung der Steuer angehe, so hätten sich vier von den Mitgliedern des Zentrums für den Even­tualentwurf der Regierung erklärt und in der Sitzung am Dienstag auch für den Buhl'schen Eventualentwurf ge­stimmt. Der vom Finanzminister dem Zentrum genmchte Vorwurf sei daher grundlos. Minister von Scholz er­widert, daß er sein Urteil über das Auftreten des Zentrums aus der Sitzung am Mittwoch geschöpft habe, in der sämt­liche Mitglieder des Zentrums gegen die §§ 3 u. ff. der Regierungsvorlage und des Buhl'schen Amendements ge­stimmt und so dazu mitgewirkt hätten, Alles zu Falle zu bringen. Abg. ö. Mirbach (kons.) äußerte sich dahin, daß seiner Ansicht nach wohl nichts mehr zustande kommen ro Tbe. Seine Freunde vermöchten sich nicht mit den Amen-

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freudiger Hoffnung den Sohn des Verstorbenen, Friedrich Wilhelm IV., als feinen Nachfolger.

1843. Friedrich Hölderlin, sehr begabter Dichter, stirbt, nachdem sein Geist seit Jahren schon durch Wahnsinn nmnachtet ist.

1866. Infolge der einseitigen Einberufung der Stände von Holstein durch Oesterreich, rückt der prußifche Statt­halter von Schleswig, der General Edwin von Man­teuffel, in Holstein ein, um Preußen seinen Mitbesitz an diesem Herzogtum zu wahren.

1871, 150 Brandstifter von Paris werden in Versailles erschossen.

Im Schatten des Lebens.

Roman von P. Felsberg.

(Fortsetzung.)

Zitternd vor Anfregng schritt die Gräfin in ihrem Gemach auf und ab. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie eine solche Sprache gehört, und noch dazu von ihrem eigenen, bis dahin so gefügigen und ihrem Willen unterwürfigen Sohne! Wie konnte fie diese Schmach, dies unerhörte Bettagen Alfreds vergelten? In ohnmächtiger Wut ballte sie die Hände, zerbiß sich fast die Lippen, und Thräne», welche die Empörung über die ihr widerfahrene Schmach ihr auspreßte, rieselten an ihren Wangen herab. Auch ihre Pläne mit Hedwig wollte er durchkreuzen . . . Wenn es ihr nur möglich wäre, wenigstens diese Pläne durchzu­führen . .Vielleicht," dachte sie,willigt er darein, wenn ich ihm sein Kind zurückgebe . ." Doch dieser Gedanke verwehte fast eben so schnell, als er ihr gekommen war; nie hätte ihr Stolz ihr das Geständnis gestattet, daß wirklich sie die Urheberin der That gewesen fei.Nein, niemals;" rief sie beinahe laut;lieber will ich meinem Plan mit Hedwig entsagen, als das thun!" Irgend einer Gewißheit

dements des Zenttums und der Nationalliberalen zu be­freunden. Diese Amendements genügten ihnen nicht, weil die Interessen des Branntweinbetriebs und der Landwirt­schaft dabei nicht ausreichend gewahrt seien. Uebrigens seien die Konservativen weit davon entfernt, unbedingt alle Einzelheiten ihres Gesetzentwurfs aufrecht zu erhalten, vielmehr durchaus bereit, manches, z. B. die Kontingentie­rung, gegen Austausch des Antrages Uh den, ferner die Ausschließung jedes neuen Brennereibetriebes von der Versorgung des Inlandes aufzugeben, wenn ihnen nur die Genossenschaften zugestanden würden. Zu einer weiteren Bearbeitung des Projekts fehle es aber jetzt an Zeit, und könne dieser Gegenstand daher erst in der Herbstsession zum Austrag kommen. Abg. Singer (Sozialdemokrat, heute neu beigetreten) widersprach jeder Bewilligung einer Branntweinsteuer, weil diese Steuer auf die ärmsten Klaffen gelegt werde. Weise man ein Bedürfnis des Reiches nach, so sei auch seine Partei bereit, eine neue Steuer zu be­willigen. Abg. Graf Sttachwitz (Zentrum > meinte, daß der gemeinsame Gedanke, welcher alle Parteien zur Ab­lehnung der Vorlage bestimmt hätte, der gewesen sei, daß die Vorlage zu sehr die Interessen der Landwirtschaft schädige. Er sei von der schädigenden Wirkung so sehr überzeugt, daß er auch gegen eine Steuer von nur 25 Pfg. pro Liter stimmen werde. Abg. Mycielski (Pole) sprach sich in ähnlichem Sinne aus. Die Generaldebatte wurde hiernach geschlossen. In der Lpezialdiskussion empfahl Abg. Buhl kurz sein Amendement zu § 1 (60 Pfg. Steuer). Daran schloß sich die Abstimmung. § 1 der Vorlage und nach dem Buhl'schen Anträge wurden gegen resp. 10 und 8 Stimmen abgelehnt. Damit war die ganze Vorlage gefallen. Es wurde nun noch die Ab­stattung eines schriftlichen Berichts an das Plenum durch den Abg. Spahn (Zentrum) beschlossen. Am 22. Juni soll dieser Bericht von der Kommission festgestellt werden.

In betreff der Avancementsverhältnisse der Super- numeraxe und der ans dem Supernumeriat hervorgegangenen Beamten der Verwaltung der indirekten Steuern war kürz­lich die Nachricht verbreitet, daß von feiten des Finanz­ministeriums zwei neue Anordnungen getroffen seien, durch deren eine die in das Zoll- und Steuerfach eintretenden Offiziere besonders bevorzugt würden, während nach der anderen die Stellen der Hauptamtsdirigenten in der Regel nur mit Regierungsaffefforen zu besetzen sein sollten. Dazu wird jetzt in dem Organ des Finanzministers, denBer­liner Politischen Nachrichten", bemerkt:Diese Meldung entspricht den thatsächlichen Verhältnissen keineswegs. Was zunächst die Offiziere betrifft, so müssen diese ebenso gut wie alle anderen Anwärter zunächst in der Grenzaufsicht angestellt werden, um darin die technischen Kenntnisse und die Qualifikation für höhere Stellen zu erwerben. Es ist aber zugleich, in billiger Berücksichtigung der sozialen Stellung und des meist erheblich höheren Lebensalters der

über die Urheberschaft oder ihren Anlett an dem Kindesraub hatte er weder, noch konnte er ihn ihrer Ansicht nach er­langen. Auch wegen der von ihr unterschlagenen Briefe der alten Margaretha an Alfted machte sie sich keinerlei Skrupel; es waren einfache, gewöhnliche Briefe gewesen, die leicht durch den täglichen Postverkehr, wie das ja ost genug vorkommt, verloren gegangen sein konnten. Behörd­licherseits verfolgen ließ sich deren Verbleib nicht wohl. Sie klingelte und ließ den Intendanten Rabe rufen. Mit ihm wollte ste beraten.

XII.

Nachdem Rode sich überzeugt hatte, daß ihm seine Beute seineGoldgrube", verloren sei, durchkreuzten, während er langsam auf der Landstraße hinritt, allerhand Gedanken fein Hirn. Unmöglich konnte er doch all den herrlichen Luftschlössern entsagen, die er auf den zuversichtlichen reichen Gewinn, den ihm das Kind bringen werde, gebaut hatte. Er schmiedete nun Pläne, um seinen Complicen Rabe zu täuschen, ihm den Verlust ihres Raubes zu verbergen. Wo aber sollte er ein Kind hernehmen, das er Rabe zeigen könnte, falls dieser, wie zu erwarten, in einigen Tagen käme, um sich, wie er gesagt, zu vergewissern, daß die Beute in Sicherheit sei?

Seine Frau mußte ihm hier Rat schaffen. Bei diesem Gedanken spornte er sein Pferd zu schnellerem Trab an. Nach einiger Zeit hatte er denn die Station erreicht, auf der feine Frau ihn bereits erwartete. Sie war eine noch ziemlich junge, einfach bäuerlich gekleidete Fran. Ihr Gesicht, das früher einmal recht hübsch gewesen fein mußte, drückte Erstaunen aus, als fie Rode allein kommen sah.

Nun, wo ist denn das Kind, das Du mitbringen wolltest?'

Still, Frau!" raunte er ihr zu;mach nicht solch Heidengeschrei! Ich werde Dir das schon noch erklären.