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Marburg, Freitag, 28. Mai 1886.

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(Fortsetzung.)

Äo ‘ iOf v Die Gesellschaft war ziemlich zahlreich: zwei bekannte oi3/'10* Aelige Familien aus der Residenz und mehrere Herren aus U118 Genf, unter denen auch der Komponist Heimbeck sich befand.

Bald hatte die Gesellschaft in den verschiedenen Wagen sich

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3m Schatten des Lebens

Roman von P. Felsberg.

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Geschichtskalender

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1883. Enthüllung der Statuen Wilhelm und Alexander von Humboldt'S in Berlin.

rburg, 40.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Mai. Das Erscheinen des Kaisers bei der Eröffnung der Jubiläums-Ausstellung, sein gutes Aus­sehen und seine Rüstigkeit, überhaupt der lebhafte Anteil, den der Kaiser an der Feierlichkeit genommen hat, ist in Berlin das Gespräch des Tages. Das erste, was man von Festgenoffen hören kann, ist immer die Bewunderung, wie rüstig der Kaiser aufgetreten ist, welchen ehrfurchts­vollen Eindruck seine kurzen, klaren, allenthalben in dem Festraum vernehmbaren Worte gemacht haben. — Das pro­visorische Berliner Lokalkomitee für die deutschnationale Ausstellung im Jahre 1888 genehmigte sämtliche Anträge des geschäftsführenden Ausschuffes. Die Ausgaben wurden auf 8 Millionen, die Einnahmen aus 3V, Millionen ver­anschlagt; zur Deckung der Differenz beantragten am 14. Mai Oberbürgermeister von Forckenbeck und der Präsident der Aeltesten der Kaufmannschaft bei dem Reichskanzler, aus Reichsmitteln eine Beihilfe von 3 Millionen ä fonds perdu zu gewähren. Das Komitee beschloß, sofort bei den städtischen Behörden zu beantragen, ihm den Treptower Park unent­geltlich für die Ausstellung zu überlasten gegen Zusicherung der Wiederherstellung des früheren Zustandes, sowie unter der Voraussetzung der Bewilligung des erbetenen Reichs­beitrages eine Beihilfe von 2 Millionen aus städtischen Mitteln zu gewähren. — Die Kommission des Abgeordneten­hauses zur Vorberatung des Antrages des Abgeordneten Seer auf Annahme eines Gesetzentwurfs, betreffend die Ab­änderung der königlichen Verordnung vom 17. März 1839, betreffend den Verkehr auf den Kunftstraßen, und der könig­lichen^ Verordnung vom 12. April 1840, betreffend die Modifikation des § 1 der Verordnung vom 17. März 1839 wegen des Verkehrs auf deii^unststraßen, besteht aus fol­genden Abgeordneten: Cremer (Teltow), Dr. Fornet, von Colmar . Meyenburg, Vorsitzender, v. Kalckreuth, Schmidt (Sagan), Wunderling, Schriftführer, Seer, Knebel, Stell­vertreter des Vorsitzenden, Kraemer < Heilsberg), Limbourg, Metzner (Frankenstein), Schriftführer, Graf Strachwitz, Drawe, Maager. — Die Budgetkommission des Reichstags setzte gestern abend die Beratung des Servistarifs fort. Bezüglich der Vororte von Köln einschließlich Kalk wurde beschloffen, die Petitionen dem Reichskanzler zur Berück- sichtigung zu überweisen. Wegen der Lage im Jndustrie- bezirk wurde Botrop in die 3. und Osterfelde in die 4. Klaffe erhoben. Für Hagen konnten nicht dieselben Ver­hältnisse wie bei Bochum als vorherrschend angesehen werden, also wurde Hagen in der 2. Klasse belassen. Die Petition

lftchen Heine ochen, n als D dcs- j ver- 1 das aber : oder herr­sche, 1 auf» durch söge- ehetlt iten= ) reibe Ber- wo» folgt. : den

Auch für den Monat Jrmi nehmen alle Postanstalten Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

nebst ihren Beiblättern entgegen, ebenso in hiesiger Stadt die Expedition.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. 6. Kreise Marburg u. Kirchhai». - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition7 Markt 21. — Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Ang. Koch.

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von Hirschberg i. Schl, soll dem Reichskanzler zur Er­wägung event. Berücksichtigung überwiesen werden, ebenso die Petitionen von Lissa und Marburg. Abgelehnt wurde bie_ Berücksichtigung der Petitionen von Magdeburg, Mi- litsch, Montabaur, Ramslau, Oels und Oeynhausen. Die Petition von Pfaffendorf wird dem Reichskanzler empfohlen. Plauen wurde in die erste Klaffe versetzt, Rathenow in die zweite, dagegen wurde die Berücksichtiaung abgelehnt für die Petitionen aus Reu-Ruppin, Reinerz, Sagan, Schalke, Schönebeck, Stade und Arnswalde; Rheine und Vilbel wurden zur Berücksichtigung dem Reichskanzler em­pfohlen, und schließlich Stimm, Altstadeu und Dümpten ihrer Petition entsprechend in die dritte Klasse versetzt. — Die Kommission vertagte darauf die Fortsetzung der Be­ratung bis zum Abende des Tages, an welchem die Ple­narsitzungen wieder ausgenommen werden sollen. — Die „Rational-Ztg." schreibt: Von Arbeiterversammlungen ist jetzt nicht viel zu berichten: denen, die bemerkenswert hätten werden können, war die Genehmigung versagt. Vorgestern waren infolge von Nichtgenehmigung nur drei Arbeiterversammlungen: eine öffentliche Tischlerversamm­lung, eine öffentliche Versammlung der Steinträger und eine Mitgliederversammlung des Fachvereins sämtlicher im Tischlergewerk beschäftigten Berufsgenossen angesagt, aber auch diese erhielten die Genehmigung nicht. Von den zu gestern abend angesetzten Arbeiterversammlungen haben die Genehmigung nicht erhalten: die öffentliche Versammlung der Böttchergesellen (Tagesordnung: Der Stand des Streiks in Hamburg und Itzehoe. Bietet die Organisation Vor­teile für den Arbeitgeber? Werden die Arbeiten nach dem Tarif bezahlt?), die öffentliche Versammlung sämtlicher Luxuspapier-Präger und Papier-Schläger, in welcher ein Herr Schröter über „Organisation" sprechen wollte, und die öffentliche Schneiderversammlung, welche Herr Pfeiffer ausgeschrieben hatte (in derselben sollte ein Vortrag über die jetzige Lage in der Gewerkschaftsbewegung gehalten und die Arbeitsverhältniffe in einigen Werkstätten be­sprochen werden). Es war außerdem eine Versammlung des Arbeiler-Bezirksvereins für den Westen Berlins ange­zeigt, in welcher Dr. Lütgenau über „die Stellung des Antisemitismus zum Judentum" referieren sollte. Auch sie fand die hohe obrigkeitliche Bewilligung nicht. — Wie der „Köln. Ztg." gemeldet wird, haben neuesten Bestim­mungen zufolge fortan in Preußen bei der Verheiratung Subalternoffiziere 2500 Mk., Hauptleute zweiter Klaffe 1800 Mk. Jahreseinkommen nachzuweisen.

— Ueber den mutmaßlichen Fortgang der Arbeiten des Preußischen Landtags berichten die „Berl. Pol. Nachr.": „Nach den bis jetzt getroffenen Dispositionen wird im Abgeordnetenhause außer den dritten Lesungen der Kanal-, Nord-Ostsee-Kanal- und 30 Millionen-Vorlage in der laufenden Woche auf Erledigung der zweiten Lesungen des Nachtragsetats, der Kommunalbesteuerung der Offiziere und des Gesetzentwurfs Kropatscheck wegen Gleichstellung

verteilt; Hedwig und Helene faßen plaudernd noch allein in dem ihrigen, der Abfahrt harrend, als Herr v. Bergen sich zu ihnen setzte und auch Heimbeck aufforderte, neben ihm Platz zu nehmen.

Schnell rollten nun die Wagen von dannen. Eine sehr lebhafte Unterhaltung entspann sich in demjenigen, in welchem sich die beiden Freundinnen befanden. Helene war aus­gelassen heiter, ihre witzigen Schlagworte und die gutmütige Liebenswürdigkeit ihres Vaters übten bald ihren Einfluß auch auf Hedwig. Sie sah nicht, wie oft und wie lange der Blick des jungen Künstlers an ihrem durch die Erregung des Augenblicks fein geröteten Antlitz hing; sie bemerkte nicht, wie oft ihre Augen sich begegneten und wie die fetnigen dann ein Strahl der Verklärung belebte. Wie sollte auch der bescheidene, anspruchslose Künstler die Auf­

merksamkeit der reichen, jungen Dame auf sich ziehens —

Mochte es dieser Gedanke sein, welcher das schmerzliche

Zucken im Gesichte des jungen Mannes hervorriess

Doch nun sah auch er sich mit ins Gespräch gezogen, und all sein Interesse schien sich jetzt in den Antworten, die er auf die Fragen der beiden jungen Damen bereit hatte, zu konzentrieren. — Endlich ward Nyon erreicht. Nachdem die während der Fahrt etwas durchfrorene Gesellschaft sich erwärmt und restauriert hatte, ward das alte, unbewohnte Schloß besichtigt. Hedwig befand sich in einem Kreise junger Damen, der durch die humoristischen Einfälle und Vergleiche Helenens in steter Lachlust erhalten wurde.

„Was treibt denn mein Kobold das" rief Herr von Bergen hinzutretend.

„Ich suche nach irgend einer geheimen Pforte,* erwiderte Helene, indem sie mit dem Finger anklopfend die Wände entlang ging. „Es ist mir doch gerade so, als müsse dieses schaurige Gemach ein Geheimnis bergen, als habe hier der

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undVogler in Frankfurt a. M , Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ a M., Berlin,München und Köln; G. L. Daube und Go. n »rankfurt o. M-, Bcrl n, Ha novcr ».Paris.

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Expedition 2* 1 * * * */* Mk., bei den Postämter 2 Mk. 50 Pfg- (erd. Bestellgeld). JnferLionsgebüdr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Seiiamen für die Zeile 25 Pfg.

1037. Kaiser Konrad U. hebt die Belagerung von Mailand, der damals festesten Stadt Europas, auf, nachdem ihm dessen Bürger am 19. Mai eine blutige Niederlage be- ‘ reitet hatten nnd zieht sich nach Pavia zurück.

k 1474. Ueberfall von Fulda durch hessische Truppen.

1568. Erbvertrag der vier Söhne des Landgrafen Philipp des Großmütigen; eine für die staatsrechtlichen Verhält- „ J“ffe der hessischen Häuser, historisch wichtige Handlung. 16/4. Das deutsche Reich erläßt eine Kriegserklärung an Frankreich, nachdem dessen Heere unter Turemie in Süd­deutschland plündernd und verwüstend arg genug gehaust hatten. Der große Kurfürst von Brandenburg, der, um den französischen Verheerungen im eigenen Lande zu wehren, am 10. Juli 1673 mit Frankreich einen Neu­tralitätsvertrag abgeschlossen hatte, eifdien nach dieser Kriegserklärung, von Holland und Spanien mit Geld unterstützt, sofort wieder mit 16000 Mann kriegstüchtigster Streiter, auf dem Kriegsschauplatz.

1794. Schlacht bei Kirchweiler; die Preußen schlagen die Franzosen.

der Lehrer an den uichtstaatlicheu höheren Lehranstalten mit denen an den Realschulen gerechnet. Das Gesetz über die Kommunalbesteuerung der Offiziere wird keine erheb­lichen Erörterungen veranlassen, vielleicht selbst en bloc angenommen werden; auch der letztgedachte Gesetzentwurf ist in der Kommission seiner bedenklichsten Bestimmungen entledigt und auf die Regelung der Einkommens- und Pensionsverhältnisse beschränkt worden; doch bleibt immer­hin die daraus für die Kommune und die Staatskasse sich ergebende Mehrbelastung nicht ohne Bedenken. Der Nach­tragsetat dagegen wird voraussichtlich wegen der zur Be­kämpfung des Polonismus dienenden Positionen desselben zu erheblichen Debatten Anlaß geben. Für den Mittwoch der nächsten Woche steht die Erörterung des Antrages von Hammerstein, betreffend das Verhältnis des Staates zur evangelischen Kirche, und am 5 Juni die Endabstim­mung über das Lehreranstellungsgesetz bevor. Wie außer den dritten Lesungen der erwähnten drei Gesetze die Tages­ordnung für die vier übrigen Sitzungstage der nächsten Woche sich gestalten wird, hängt davon ab, wann die drei noch in den Kommissionen befindlichen Gesetzentwürfe über die Kantongefängniffe, die Städteordnung für Nassau und den Verkehr auf Kunftstraßen an das Plenum zurück­gelangen. — Das Herrenhaus wird ohne Zweifel alsbald das erwähnte Lehreranstellungsgesetz in Beratung nehmen, weil dasselbe auch dort einer zweiten Abstimmung nach einundzwanzigtägiger Frist bedarf. Wenn vielleicht auch im Herrenhause die Meinung überwiegen sollte, daß es zur Durchführung desselben einer Abänderung des Ar­tikels 112 der Verfassung nicht bedarf, so wird man doch erwägen müssen, daß eine Meinungsverschiedenheit zwischen beiden Häusern über diesen Punkt nur zu leicht eine end­lose Verzögerung der Session oder ein Scheitern des Gesetz- entwurss zur Folge haben könnte, und sich daher den Ver­fassungsbedenken des Abgeordnetenhauses akkomodieren."

— Dem Reichstage ist über die Anordnungen, welche von dem königl. preußischen Staatsministerium auf Grund des § 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Be­strebungen der Sozialdemokratie unter dem 20. d. Mts. mit Genehmigung des Bundesrats getroffen worden sind, folgender Rechenschaftsbericht zugegangen: Das königlich preußische Staatsministerium hat auf Gruud des § 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 2l. Oktober 1878 mit Genehmigung des Bundesrats für die Stadt Spremberg, den Gemeinde­bezirk ©tarnen und den Gutsbezirk Kolonie Heinrichsfeld unter dem 20. d. M. die in der Anlage wiedergegebeneil Anordnungen getroffen. Dieselben sind durch den Reichs­anzeiger und auf die für landespolizeiliche Verfügungen vorgeschriebene Weise bekannt gemacht worden. Sie be­ruhen auf folgenden Gründen: Unter der zahlreichen Fabrikbevölkerung der Stadt Spremberg hat die sozial­demokratische Partei seit längerer Zeit viele Anhänger, welche durch eine feste Organisation unter einem Partei- letzte Akt eines finstern Dramas gespielt .... — Hört! — klingt das hier nicht hohl?' — rief Helene plötzlich und versuchte ein großes, altes Gemälde etwas von der Wand abzuheben, doch mochte der Haken, an welchem dasfelbe hing, durch Rost und Alter zerfressen und gelodert, nur dieser leichten Bewegung geharrt haben, um samt seiner Last den Halt zu verlieren, ober waren andere Einwirkungen vor- Händen; genug, das sehr große Bild schwankte und war im Begriff herabzufallen. Ein Schrei ward ausgestoßen — das Bild hätte Helene im Fallen gefährlich verletzen können; ein kräftiger Arm, ein schneller, sicherer Griff jedoch hatten noch rechtzeitig den Fall verhindert!, das Bild gegen die Wand gedrückt, und mit Hülfe der anderen anwefenden Herren ward es langsam zu Boden gelassen. Helene, blaß und zitternd, rief: „Ich danke Ihnen, Herr Heimbeck! — Doch, mein Gott!" setzte sie geängstigt und besorgt hinzu, „ich glaube, Sie haben sich verletzt —?!“

„Ich habe mir höchstens den Arm ein wenig verstaucht; beruhigen Sie sich, mein gnädiges Fräulein, es wird nur unbedeutend sein,' entgegnete Heimbeck, dessen Arm durch die so plötzlich im Fall von ihm anfgehaltene schwere Last wirklich verletzt schien.

Die Gesellschaft, durch diesen Vorfall etwas verstimmt geworden, beschloß zurückzukehren. Helene machte sich während der Heimfahrt Vorwürfe, durch ihren Vorwitz Veranlassung zur Unterbrechung der Anfangs so heiteren Partie gegeben zu haben. HeimbeckS Arm begann anzuschwellen und der junge Künstler schien heftige Schmerzen zu leiden, die er vergebens zu verbergen suchte. Bei Ankunft in Bergens Landhaus ward sofort ein Diener zum Arzte geschickt, der eine sehr schmerzhafte Verrenkung fonftatierte und die nö­tigen Mittel verordnete. Heimbeck schied deßhalb unter all, festigen Dankes- und Beileids-Verfichernngen. Auch Hedwig

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