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Marbttvg, Freitag, 21. Mai 1886.

XXI. Jahrgang.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal» Abonnements-Preis bei der Expedition 21/. Mk.. bei den Postämter 2 Mk. 50 8fg. (erd. Bestellgeld). Insertionsgebabr für die zespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Hoasenstein undVogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und 3Bien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M-, Berlin,München und Köln; G. L. Daube und Co. n Frankfurt a. M., B rl n, Ha nover u.PariS.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. -. Kreise Marburg u. Kirchhain. -Illustriertes Sonntagsblatt.

Expeditton: Markt 21. Redaltton, Druck und Verlag von Joh. äug. Koch.

Der neue König von Spanien.

Spanien hat wieder einen König: Der Witwe des so plötzlich verstorbenen Königs Alfonso XII. ist am Montag ein Sohn geboren, welcher allerdings erst nach 18 Jahren der wirkliche Nachfolger seines zu früh verschiedenen Vaters werden wird. Bis dahin führt die Königin Witwe Marie Christine, bekanntlich eine österreichische Prinzessin, für den kleinen König die Regentschaft. Die Königin hat ihrem Gemahl früher nur zwei Töchter geschenkt, von denen die fünfjährige Prinzessin von Asturien bisher als spanische Kronprinzessin galt. Wäre das nachgeborene Kind eben­falls ein Mädchen gewesen, so würde die Prinzessin Königin geworden fein, da in, Spanien mangels männlicher Nach­kommen auch die weiblichen zur Thronfolge berufen sind; nunmehr geht sie aber ihrer Rechte zu gunsten ihres kleinen Bruders verlustig. Es heißt zwar:Wehe dem Lande, besten König ein Kind ist!", aber doch ist die Geburt eiues männlichen Thronerben für die Monarchie König Alfonsos von großer Bedeutung und für die Dynastie ein besonderes Glück. Die Spanier halten nach den Erfahrungen, welche sie unter Isabella und deren Mutter Christine gemacht haben, von einem Frauenregiment wenig, und wenn das auch jetzt noch für lange Zeit bestehen bleibt, so ist doch bereits Aussicht auf eine Aenderung da. Wenn die Königin- Regentin bisher nicht so populär war, so wird fie es jetzt sicherlich in größerem Maßstabe werden, nachdem sie dem Lande einen König geschenkt.

Alfonso XII. war bei weitem kein großer, ausgezeichneter Herrscher, es wäre das beim Sohn der Königin Isabella schon mehr als ein Wunder gewesen, sicherlich aber war er ein für seine jungen Jahre überaus kluger und energischer Regent, der einen viel größeren Einfluß auf die Geschicke Spauiens im stillen ausübte, als öffentlich bekannt ge­worden ist. Alfonso war ferner ein maßvoller, von allen Extravaganzen freier Mann, was er bei Gelegenheit des Karolinenstreites gezeigt, ohne Furcht vor der launischen Menge und kühl ihren unberechenbaren Forderungen gegen­über. Er war, mit einem Wort, der beste Regent, den Spanien seit langer Zeit gehabt, ein Regent, der wirklich arbeitete und auf das Wohl seines Landes bedacht war, statt sich einfach auf Landeskosten zu amüsieren. Die spanische Nation ist sehr, sehr wetterwendisch, auch die spanische Armee ist nicht frei davon, aber namentlich auf die letztere hat die Person Alfonsos doch einen gewaltigen Eindruck hervorgerufen. Der König hatte einmal eine lange Ansprache an das Offizierkorps zu Barcelona, wo eine Revolte ausgebrochen war, gehalten, in der er an die Ehre der Offiziere appellierte. Das hat mau nicht ver- geffen. Kurzum, es ist wesentlich der Nachhall von der Wirksamkeit des Königs, welcher größere Unruhen nach seinem Tode bis jetzt verhütet, seiner Witwe eine ruhige Trauerzeit gesichert hat. Die Befürchtungen für den inneren Frieden des Landes, welche nach dem Tode des Königs laut wurden, haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet.

Es muß zugestanden werden, daß auch die Regierung des liberalen Ministerpräsidenten Sagasta, der früher für einen unentschloffenen Charakter galt, sich, wenn auch nicht in allen Einzelheiten, so doch im großen und ganzen be­währt hat. Unterstützt durch den letzten Ministerpräsidenten Alfonsos, den konservativen Eannovas del Castillo, der, was sehr hoch anzuschlagen ist, freiwillig seinen Platz ge­räumt uud der Königin Sagasta als seinen Nachfolger empfohlen hatte, hat die liberale Regierung dem spanischen Volke größere Freiheiten gewähren und an eine Reform und Aufbesserung der inneren Verhältnisse und der wirt­schaftlichen Zustände, die, sich zeitweise als recht bedenkliche herausstellten, herantreten können. Republikaner und Kar- listen haben etwas Wesentliches mit ihrer Agitation nicht auszurichten vermocht gegen ihn, und namentlich hat erst die Thronrede zur Eröffnung der Kortes, welche strenge Sparsamkeit in Aussicht stellte, einen recht guten Eindruck im Lande gemacht. Die Geburt des kleinen Königs wird mit der Stellung der Königin auch die ihrer Regierung befestigen, und es ihr ermöglichen, kräftig auf dem betre­tenen Pfade fortzuschreiteu. Die Regierung hat auf den Ehrgeiz von Parteiführern und Generalen wohl Rücksicht zu nehmen; aber von den Personen, welche als gefährliche Gegner der Monarchie auftreten konnte, ist doch keine mehr vorhanden, und die Abneigung, die noch mancher gegen das Frauenregiment in Madrid hatte, wird nunmehr, wenigstens teilweise, durch den Sohn Alfonsos beseitigt, dessen Geburt vor allem deshalb für Spanien ein freudiges Ereignis ist.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Mai. Die Subkommissiou der Budget- kommissiou des Reichstages zur Vorberatung des Servis- Tarifs beschloß die Ablehnung der von der Regierung beantragten Einreihung der Städte Breslau, Köln und Leipzig in die Klasse A zu empfehlen uud stimmte den Anträgen auf Versetzung von l 1 in der Vorlage genannten Orten in Klasse I, sowie auf Einreihung aller 32 in der Vorlage benannten Orte in Klasse II zu. Von den zur Aufnahme in Klasse III bezeichneten 64 Orten werden Bartenstein und Meseritz beanstandet, betreffs aller übrigen wird den Vorschlägen der Regierung beigestimmt, ebenso auch allen Vorschlägen der zur Aufnahme in Klasse IV bezeichneten Orteferner wird allen vorgeschlagenen Rück­versetzungen aus höheren Klassen in niedrigere zugestimmt. Die dem Entwurf eines Gesetzes über die Besteuerung des Branntweins beigegebene Begründung lautet in ihrem all­gemeinen Teile: In der Begründung des vom Reichstag unterm 22. Februar d. Js. vorgelegten Entivurfs eines Gesetzes, betreffend das Branntweinmonopol, ist bereits ausgeführt worden, daß die teils schon anerkannten, teils nicht länger zurückzudrängenden Mehrbedürfuiffe des Reiches uud die notorisch weit größeren Bedürfnisse der meisten Einzelstaaten, unter denen die umfassende und nachhaltige Erleichterung des Druckes der Kommunal- und

teilweise auch der Schullasten obenan steht, eine Wetter­führung der Reichssteuerreform, durch welche die Einnahme­quellen im Reich ergiebiger gestaltet werden, zur unab- weislichen Notwendigkeit machen, und daß es sich empfehlen wird, einen großen Schritt zur Erreichung des angestrebteu Zieles auf dem Gebiete der Branntweins, als eines, wie fast allseitig anerkannt, vorzüglichen Objekts der Besteuerung zu machen. Als das geeignetste Mittel, der Staatskasse vermehrte Einnahmen aus dem Branntwein zuzuiühreu und zugleich den schädlichen Folgen übermäßigen Brannt­weingenusses möglichst wirksam entgegenzutreten, muß noch jetzt die Einführung des Branntweinmonopols betrachtet werden. Nachdem indeß der hierauf gerichtete Gesetzent­wurf vom Reichstag abgelehnt worden ist, wird die ver­stärkte Heranziehung des Branntweins zur Tragung der Staatslasten auf einem anderen Wege herbeizuführeu sein, wenngleich auf diesem die durch das Monopol angestrebten Ziele sich nicht in gleichem Umfange und zum Teil über­haupt nicht erreichen lassen. Muß vom Monopol abge­sehen werden, so erscheint die Einführung einer Abgabe von dem zu Genußzwecken zur Verwendung kommenden Branntwein (Verbrauchsabgabe), neben welcher die gegen­wärtig bestehende Maischraum- und Materialsteuer mit einigen Abänderungen fortzuerheben sein würde, als die angemessenste Art der Besteuerung. Die Verbrauchsab­gabe kann auf eine doppelte Weise zur Erhebung gelangen, nämlich entweder in der Art, daß der Branntwein so­fort bei seiner Herstellung unter amtlichen Verschluß ge­nommen wird und die amtliche Kontrolle fortdauert, bis die Verbrauchsabgaben bezahlt und sichergestellt ist, so daß die Bezahlung oder Sicherstellung der letzteren zu geschehen hat, sobald der Branntwein aus der amtlichen Kontrolle in den freien Verkehr tritt, oder in der Art, daß dem Produzenten des Branntweins die freie Verfügung über denselben belassen, dagegen allen denjenigen Geschäfts­treibenden. welche Branntwein unmittelbar an Konsumenten verkaufen, die Verpflichtung auferlegt wird, auf Grund der von ihnen zu führenden Bücher für sämtlichen in ihr Geschäft aufgeilommenen Branntwein die Verbrauchsabgabe zu entrichten. Die erstere Erhebungsart gewährt- dem Staate die größtmögliche Sicherheit, daß von allem zum Verbrauch gelangenden Branntwein die Verbrauchsabgabe gezahlt wird; dagegen sind die alsdann erforderlichen Kontrollen sehr lästig sowohl für den Brennereibetrieb als für den gesamten Verkehr, indem es erforderlich sein würde, in den Brennereien verschließbare Sammelbassins aufzu­stellen, in welche der Branntwein sofort nach der Berei­tung geleitet wird, auch denselben bis zur Bezahlung oder Sicherstellung der Steuer in amtlich verschlossenen Lagern aufzubewahreu und jeden Transport von Branntwein amt­lich zu kontrollieren. Die zweitgedachte Erhebungsart bietet insofern eine geringere Sicherheit, als der Betrag der Abgabe wesentlich auf Grund der von den letzten Ver­käufern (Detaillisten, Schankwirten) zu führenden Bücher

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Geschichtskalenver.

21. Mai.

1341. Gründung der Neustädter Kirche zu Hofgeismar.

1500. Starb die erste Gemahlin des Landgrafen Wilhelm II., Jolanda, geborue Herzogin von Lothringen. Ihr einziges Kind, Wilhelm, starb vier Wochen vor ihr, nur wenig Tage alt. Die zweite Gemahlin des Landgr. Wilhelm II., die Mutter Philipps des Großmütigen, war Anna von Mecklenburg (starb 1525.)

1796. Erzherzog Karl von Oesterreich, vom saumseligen Wiener Hof endlich zum Ober-Feldherrn der Rheinarmee ernannt, kündigt den Franzosen den Waffenstillstand auf, um den Waffen-Unternehmungeu tu Italien, wo Bonaparte so glänzende Siege errungen, eine andere Wendung zu geben. Nun drangen die Franzosen am Ober- und Nieder­rhein in zwei Heereszügen in Deutschland ein.

1809. Pfingstsonntag, Schlacht bei Aspern und Eßlingen, welche zwei Tage währte. Mit ungeheuerer Erbitterung wurde von beiden Setten gekämpft;jeder gemeine Mann focht als ein Held, und die Feldherren wetteiferten mit den Soldaten an persönlicher Tapferkeit." Für die öster­reichischen Heere aber war der 21. Mai ein neuer Morgen des Ruhms, des Selbstvertrauens und des innern Kraft, gefühles. Napoleon war durch die kurz vorher rasch errungenen Stege bei Abensberg, Landshut, Eggmühl und Regensburg wahrhaft berauscht, und hatte in seinem Bulletin vom 30. April die tapfere österreichische Land­wehr verspottet, den Kaiser Franz als einenSchwach, köpf" und alsfalsch" bezeichnet, hatte Oesterreich mit demTiger, dessen Klauen' unter der Freundschaftsmaske sichtbar geworden", vergliche», und in demselben Aktenstück wieder mtt demEsel, dessen lange Ohren unter der

erborgten Löwenhaut immer wieder hervorseheu." Die Oesterreicher dienten ihm bei Aspern für diese unwürdige und abgeschmackte Ueberhebung, und lieferten ihm eine Schlacht, mit Heldenthaten des klassischen Altertums. Der Zauber von Napoleons Uuüberwindlichkeit ward hier gelöst.

1871. Die Truppen der Versailler Regierung bringen in Paris ein; Straßenkampf gegen die Insurgenten.

Im Schatten des Lebens.

Roman von P. Felsberg.

(Fortsetzung,)

Louise jedoch deren Schlafzimmer unmittelbar vor dem­jenigen Margarethens und des Kindes lag und mit diesem durch eine Thür verbunden war, die geöffnet blieb, konnte sobald nicht schlafen; sie saß, den Kopf in die Hand gestützt und die Arbeit im Schooß ruhend, am Fenster. Plötzlich schien es ihr, als hörte fie flüstern unter demselben, dann Schritte. Sie lauschte aufmerksam hinter ihrem Parterre» fenster.

Sollte er es sein?" flüsterte nun auch fie.Will er mich villeicht noch einmal sprechen?" Sie erhob sich und blickte verstshlen durchs Fenster, dessen Jalousten sie be­hutsam nur ein wenig öffnete. Sie erblickte in der Thai einen Mann mtter dem Fenster des etwas hohen Parterres der leise ihren Namen rief. Gleichzeittg glaubte fie jedoch auch die sich entfernenden Schritte eines Anderen zu hören. In dem Wartenden erkannte fie ihren Geliebten.

Komm einen Augenblick heraus, ich habe Dir eine freudige Nachricht mitzuteilen!" rief er ihr zu.

Louise wußte nicht recht, was sie thun sollte; es war schon spät und fie gedachte der Warnung Margarethens.

Die Neugier vielleicht auch ihre Neigung zu dem Manne besiegten indessen schließlich ihr Bedenken, fie rief dem Wartenden ein leisesIch komme" zu, schloß behutsam Fenster und Jalousien und eilte hinaus. An der Hausthür empfing sie der Geliebte, schloß sie in seine Arme und sagte:

Alles ist in Ordnung; morgen noch werde ich zu Deinen Eltern reisen, Dich zum Weibe verlangen und bald wirst Du bann ganz bie Meine sein!"

Louise überseltg wollte ihren Geliebten in ben Hausflur ziehen, doch er fürchtete, die alte Frau könne eS hören und sich bann unberufen in ihre Angelegenheiten mischen."

Die schläft schon fest," entgegnete sie.

Desto besser! Laß uns hier braußen ein wenig auf. unb abgehen."

Das leichtsinnige Mädchen mit seinem Arm umfassend, zog er die sich kaum Sträubende Wetter und weiter vom Hause fort, indem er sie durch seine Unterhaltung zu fesseln wußte, welche sich natürlich ausschließlich auf dem Gebiete ihrer gemeinsamen Zukunftsträume bewegte.

Louise, ganz begeistert von der Idee, daß sie nun bald Fran, und zwar eine reiche Frau sein, schöne Toiletten und selbst Dienstboten haben werde, bemerkte cs nicht, wie weit sie sich vom Hause entfernt hatten. Die Straßen waren menschenleer, das Pärchen schlenderte in zärtlichem Geplauder dahin, bis endlich Furcht ober erwachenbeS Pflichtgefühl Louise aus ihren Träumen rissen, sie sich ben Armen ihres Geliebten entwandt und aufs Höchste erstaunt, so wett vom Hause sich entfernt zu haben eiligst beit Rückzug dahin antrat. Sie fanb bie HanSthüre halb geöffnet und schalt sich unb ihren Leichtsinn, das Hans so lange allein gelassen zu haben; ihr Begleiter jedoch schloß ihr den Mund