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Marburg, Sonntag, 9. Mai 1886.
XXI. Jahrgang.
Akfchrint täglich außer an Werktagen nach Sonn-und griettagen. — Quartal- Wionnements-Preis bei der Expedition 2>/< Mk.. bei kn Postämter 2 Mk. f.O Rfg. (ercf. Bestellgeld;.
Msertions^ebühr für die gehaltene Zeile 10 Pfg. ßkcklam n für die Zeile 95 Pfg.
WttWsche MW.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte-, sowie d.Annoncen-BureaUU von Haafenstein undVogler in Frankfurt a. M , Caffel, Magdeburg und Wien: Rudolf Moffe in Frankfurt a M., Berlin,Miinchen und Köln; G. L. Daube und Go. n Frankfurt a. Äk., B rl n, Ha nover u.Paris.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonutagsblatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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den Entwurf eines Gesetzes wegen Errichtung einem Seminars für orientalische Sprachen den Ausschüssen für Rechnungswesen und für Handel und Verkehr, den Entwurf einer Verordnung über die Berechtigung der niederländischen Flagge zur Ausübung der deutschen Küstenfrachtfahrt den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Justizwesen
Bestellungen für die Monate Mai und Juni auf die Oberhessische Zeitung und deren Beiblätter werden von allen Postanstalten und für hiesige Stadt von der Eipedition entgegengenommen.
Deutsches Reich.
Bertt«, 7. Mai. Heute nachmittag empfängt der Kaiser den neu ernannten außerordentlichen persischen Gesandten und bevollmächtigten Minister Mizza-Riza-Khan behufs Ueberreichung der Beglaubigungsschreiben in Antrittsaudienz. Als Vertreter des Auswärtigen Amts wird auf allerhöchste Bestimmung der Wirkl. Geh. Legationsrat Gras Berchem der Audienz beiwohnen. — In der gestern unter dem Vorsitz des Staatsministers, Staatssekretärs des Innern, von Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung nahm der Bundesrat von der zwischen Preußen und Braunschweig abgeschlossenen Militär-Konvention Kenntnis und überwies
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nJ zur Vorberatung. Hierauf wurden Eingaben, betreffend ® L. die Zollbehandlung mehrerer Gegenstände, eine Eingabe - wegen Doppelbesteuerung und Gesuche auf Zulassung zur 09% Schifferprüfung erledigt. — Die Ausschüße des Bundesrats 1 beschloßen heute, dem Plenum die Ablehnung der Beschlüsse
• des Reichstags zur Zuckersteuer-Vorlage und die Annahme
l einer neuen Zuckersteuer - Vorlage zu empfehlen. — Die anden Beratungen über die Branntweinsteuer - Vorlage beginnen tostest Mm Bundesrate am Sonnabend, mittags, und sollen dann so gefördert werden, daß in der nächsten Plenarsitzung des Bundesrats die Schlußberatung stattfinden kann. — In einem Artikel über die Konvertierung von 43 Prioritäten mit insgesamt 102 344000 Mark weisen die „Berliner Polit. Nachr." auf die Schwierigkeiten der Verwaltung so -zahlreicher kleiner Schuldtitel hin und bemerken: Mit der Konvertierung der 4prozentigen Konsols habe die Sache gar nichts zu thun, es liege nicht der geringste Anlaß vor, der Regierung ihre früheren bezüglichen Meinungsäußerungen hierüber in Erinnerung zu bringen. — Am 30. April 18 * 4 belief sich der Betrag des ausgegebenen Landespapiergeldes auf 184 298 529 Mk. Davon sind bis Ende März 1880 eingezogen und vernichtet 183145 HO Mk., so daß noch 1 153410 Mk. Landespapiergeld im Umlaufe sind. Der definitive Anteil der einzelnen Staaten an Reichskaffenscheinen beträgt 120000000 Mk., von denen 119 999930 Mark in Reichskassenscheinen auf die königlich preußische Kontrolle der Staatspapiere in Berlin 70 Millionen zur baren Zahlung auf die Reichshauptkasse für Rechnung der
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1139. Kaiser Friedrich Barbarossa schifft sich mit dem k Kreuzheer zu Regensburg auf btr Donau ein.
1476. Großer Braud in Frankenberg, l.bhast von einem Augenzeugen, dem Frankenberger Chronisten Wigand Gersteuberger, beschrieben. (Diese Schilderung werden wir demnächst nach dem Original abdrucken.)
1805. Friedrich von Schiller, der beliebteste und bekannteste deutsche Dichter, starb, kaum 45 Jahre alt, zu Jena.
1850. Fürsteukongreß in Berlin, von Preußen berufen, veranlaßt durch Oesterreichs Einberufung zu einer „außerordentlichen Plenarversammlung des Bundes" nach Frankfurt a. M., wodurch dieses Preußens Bestrebungen, bezüglich einer Reichsverfassung, zu durchkreuzen gedachte. Der Fürsteukongreß dauerte, bis zum 16. Masi und veranlaßte die Einsetzung eines provisorischen Fürstenkollegiums.
1864. See-Treffen bei Helgoland, zwischen österreichischen und dänischen Schiffen, welches einen für erstere günstigen Verlauf nahm.
1866. Das preußische Abgeordnetenhaus wird aufgelöst.
An demselben Tage forderte der deutsche Bundestag, Preuß.n solle über seine Rüstungen eine befriedigende Erklärung geben, worauf Preußen entgegnete: „es rüste nur zur Abwehr, und wenn der Bund nicht Sachsen und Oesterreich zur Abrüstung veranlasse, so sei es genötigt und verpflichtet, sein Bundesverhältnis der Selbsterhaltung unterzuordnen."
1873. Das preußische Abgeordnetenhaus genehmigt die sogenannten Maigesetze.
Sri» 103'/. 1011/. W- 102'/- 1033* 105-/. 104-/, 103’/. 69-/. 84-/, 102-/, 105-/» 102-/» 58-/» 79-/» 88-/.
304 97 218*/» 118-/, 70-/, 102-/, 101
Geschichtskalender
9. Waf.
königl. preußischen Kontrolle der Staatspapiere angewiesen sind. Der Maximalbetrag der den einzelnen Staaten zu gewährenden Vorschüsse in Reichskassenscheinen beläuft sich auf 54889 941,72 Mk. Davon sind auf die Reichshauptkasse 54 120 995,71 Mk. angewiesen. Auf die gewährten Vorschüsse sind bis Ende März 1886 36 593200 Mark zurückgezahlt, so daß die Vorschüsse noch 17 527 795,71 Mk. betragen. Von den gegenwärtig im Verkehr besindlichen 13 752795 Mk. Reichökassenscheinen sind 2 000013 Abschnitte zu 5 Mk , 1000039 Abschnitte zu 20 Mk. und 2150 520 Abschnitte zu 50 Mk. — Der Unterrichtsminister beabsichtigt, an allen preußischen Universitäten zahn- ä r z t l i ch e I n st i t u t e, ähnlich wie in Berlin, einzurichten. Nächstens soll ein solches in Breslau ins Leben tretend — Die Absicht, noch in der gegenwärtigen Session des Abgeordnetenhauses eine gesetzliche Regelung der Pensionierung der Mittelschullehrer herbeizuführen, dürfte, den „B. P. N." zufolge, aufgegeben sein. Bei den Beratungen der zu einer Initiative in^ dieser Richtung geneigten parlamentarischen Kreise habe sich ergeben, daß die anfängliche Annahme, es werde genügen, die Verordnung über die Pensionierung der Lehrer an den höheren Lehranstalten vom Jahre 1846 für den vorliegenden Zweck zu aptieren, sich als unzutreffend erwiesen hat. Man habe sich überzeugt, daß bei der Verschiedenheit der thatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse dieser Weg ungangbar, vielmehr eine vollständige Kodifikation der Materie, wie sie bei der Regelung des Pensionswesens der Volksschullehrer im vorigen Jahre stattfand, notwendig ist. Abgesehen von den wesentlich mit auf dem Gebiete der Kommunallasten liegenden Bedenken, welche die Staatsregierung gehindert haben, der im Vorjahre bei der Beratung des Lehrerpensionsgesetzes ausgesprochenen Erwartung durch Einbringung eines Gesetzentwurfs zu entsprechen, haben daher Erwägungen taktischer Natur den Entschluß herbeigeführt, trotz des im Vorjahre als dringlich anerkannten gesetzgeberischen Bedürfnisses, für die laufende Session von einer weiteren Verfolgung des Planes abzusehen, denn es erscheine bei der vorgerückten Zeit und der Menge und Bedeutung der ohnehin noch zu erledigenden Aufgaben ausgeschlossen, in derselben einen praktischen Erfolg zu erzielen, dagegen unerwünscht, den Beratungsstoff ohne Aussicht auf einen solchen zu vermehren.
Königsberg, 5. Mai. Gestern vormittag hatte sich eine Anzahl von Arbeitern vor dem Kneiphöfischen Rathause versammelt uud verlangte dort den Oberbürgermeister zu sprechen. Es waren gegen 300, die angaben, beim besten Willen keine Arbeit zu finden, und Hilfe und womöglich Zuweisung von Arbeit erbaten; sie benahmen sich dabei, wie ausdrücklich bemerkt werden muß, durchaus ruhig und anständig. Herr Oberbürgermeister Selke ließ Deputierte zu sich entbieten und verhandelte mit denselben ein-
Jm Schatten des Lebens.
Roman von P. Felsberg.
(Fortsetzung,)
„Ich werde mit Ihrer Milch vorlieb nehmen, schönes Schwarzauge, und für mein Pferd wird sich wohl auch etwas finden." Dies sagend, sprang er vom Pferde, trat ins Haus und in die Stube. Hier machte das Erblicken Hedwigs ihn allerdings etwas verlegen.
„Verzeihung!" stotterte er, trat zurück, trank das ihm gereichte Glas Milch und schwang sich dann sofort in den Sattel; indem er der Frau ein Geldstück in die Hand drückte, konnte er es nicht lassen, sie zu streicheln.
„Ich verkaufe keine Milch," sagte Frau Pelot, empört von des Fremden Dreistigkeit, gab ihm das Geld zurück und wandte ihm den Rücken.
„Thut man hier spröde?" murmelte er, blickte noch einmal nach dem Fenster zurück und ritt davon.
Schweigend hatte Hedwig den ganzen Vorgang gesehen und gehört. Sie hielt noch immer das sanft schlafende Kind.
„Wenn Sie bier allein bleiben," warnte sie die zurück- kehreude Fran, „so werden Sie dergleichen Zudringlichkeiten öfter ausgesetzt sein."
Sie übergab den Kleinen seiner Mutter.
„Sie haben Recht, gnädigste Komtesse," antwortete diese; „es wird das Klügste sein, ich befolge Ihren Rat und ziehe nach Genf, so schwer es mir auch wird."
„Ich werde mit Bekannten sprechen und Ihnen Arbeit verschaffen."
Die Frau küßte dankbar Hedwigs Hand; diese fuhr fort: „Doch jetzt muß ich nach Safere zurückkehren, mein Bruder wird sonst meines langen Ausbleibens wegen besorgt. Ich hoffe, Sie also bald in Genf wiederzusehen; hier meine genaue Adresse."
gehend über ihre Lage. Inzwischen wurden im Vestibül des Rathauses sofort Listen der Arbeitslosen nach Namen und Wohnung aufgenommen, worauf sich alle ruhig nach Hause begaben. Auch heute vormittags hatten sich vor dem Nathause wieder große Gruppen von Arbeitern angesammelt. Es waren mehrere Hunderte, die sich jedoch nicht so ruhig verhielten wie gestern. Die Polizei entwickelte ein ziemlich starkes Personal, dem es auch gelang, die Leute wieder zum Auseinandergehen zu bringen.
Wilhelmshaven) 5. Mai. Von der „Augusta" ist endlich ein Wrackstück gefunden worden. Der Dampfer „Tetastos", welcher am 2. Mai von Moulmain in Bremerhaven eintraf, überbrach'e von Aden den Seitenteil einer Pinasse der „Augusta." Das Stück wurde vou Fischern in der Nähe der vermeintlichen Untergangsstelle aufgefischt. Es wird an die kgl. Admiralität nach Berlin gesandt werden.
Halle, 7. Mai. Im Saalkreise ist Professor Friedberg (nalionalliberal) mit 288 gegen 178 Stimmen zum Landtagsabgeordneten gewählt worden.
Naumburg, 7. Mai. In dem Diätenprozesse des Fiskus gegen den Abg Hasenclever wurde der Antrag auf Vernehmung des Fürsten Bismarck und des Landesdirektors v. Bennigsen über den Sinn ihrer Erklärungen bei Beratung der Verfassung abgelehnt und der Verklagte zur Herauszahlung der ihm von seiner Fraktion gewährten Gelder, deren Betrag noch besonders zu ermitteln ist, verurteilt. In dem Diätenprozesse des Fiskus gegen den Abg. Lerche beschwor Lerche, weder von seiner Partei, noch von anderer Seite Diäten oder eine Entschädigung em- pfangen zu haben. Der Fiskus wurde hierauf abgewiesen.
Ausland.
London, 7. Mai. Das Unterhaus hat in der zweiten Lesung die Regierungsvorlage, betr. die Regelung des Kanal- und Eisenbahnbetriebs, angenommen und die Bill, welche das Gesetz über den Besitz von Waffen in Irland für beschränkte Zeit erneuert, in erster Lesung genehmigt.
Petersburg, 7. Mai. Der „Russische Jwalide" publiziert die Abberufung des Fürsten Dolgoruki, welcher bisher bei der russischen Botschaft in Berlin der Person Sr. Maj. des Kaisers attachiert war, und die Ersetzung desselben durch den Oberst Golenischeff-Kutnsoff vom Chevaliergarderegiment.
Atheu, 7. Mai. Eine Depesche der „Agentur Havas" meldet: In der bereits signalisierten Antwort der griechischen Regierung auf die letzte Note der Mächte sagt der Ministerpräsident Delyannis, wenn das Ultimatum nicht gestellt worden und die Schiffe der Mächte nicht im Hafen lägen, würde er bereit gewesen sein, weitere Erklärungen zu geben und mit der Abrüstung zu beginnen; aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen könne er sich nur auf seine Antwort vom 29. April beziehen. — Die Gesandten der
Hedwig hatte dieselbe auf einem Blatte ihres eleganten kleinen Notizbuches vermerkt, das sie abriß und es der Bäuerin übergab. Diese küßte der jungen Gräfin die Hand nnd geleitete sie auf dem Rückwege nach Safere, ihr Kind im Arm, ein Stückchen des Weges.
Im Dorfe angelangt, fand Hedwig Alles zur Abreise bereit und nur ihrer wartend; auch Dr. Eruier hatte sich, um Abschied zu nehmen, eingefunden.
„Und jetzt keinen Nacht-Ritt mehr!" drohte er Alfred lächelnd; „für dieses Mal sind Sie so mit einem blauen Auge davon gekommen, Herr Graf!"
„Unbesorgt, bester Doktor!" entgegnete Alfred» der noch immer sehr bleich und angegriffen war.
„Ab! Da kommt die Komtesse! — Wissen Sie, Herr Graf, Ihre Schwester ist ein Engel an Güte und man wird sie hier sehr vermissen: denn überall, wo sie erschien, hat sie Segen verbreitet und dankbare Herzen geschaffen."
Hedwig stand vor dem Hanse; um sie herum hatten sich die Dorfbewohner zahlreich gruppiert; für Jeden hatte sie ein freundliches Wort, Jedem reichte sie ihre feine weiße Hand, die Mancher mit seinen harten braunen Händen kaum zu berühren wagte. Unter den Frauen waren viele, die weinten; Hedwig versprach Allen, zuweilen nach Safere zu kommen, um zu sehen, wie es ihnen ginge.
Dann ging sie zu ihrem Bruder uud dem Arzt. Mit herzlichen Worten verabschiedeten sich die Geschwister von Dr. Ernier und ihren freundlichen Wirtsleuten, denen Alfred reichlich gelohnt hatte, was sie um seinetwillen hatten opsern und entbehren muffen.
Lange noch blickte der Arzt und die Dorfbewohner dem davonrollenden Wagen nach; einen schmerzlichen Zug in dem gutmütigen Gesicht, sagte Dr. Ernier leise zu sich selbst: „Es war Zeit, denn sonst wäre mir auf meine alten Tage noch das Herz mitsamt dem Verstände durchgegangen."