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Nr. 103

Marburg, Donnerstag, 6. Mai 1886.

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonutagsblatt.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag »on 2oh. Äug. Koch.

tu» ordnet, nachdem die Landstreitigkeiten auf den Fidschiinseln 31C1 schon früher geschlichtet waren. Deutschland hat zwar noch

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Am Schatte« des Lebens,

Roman von P. Felsberg.

(Fortsetzung,)

Wie steht es nun in den Kolonien? Man ist allent- halben damit beschäftigt, den Beweis vom Werte des neuen

lich zu recht gereiztem Notenwechsel gekommen und an scharfen Worten hat es nicht gefehlt, bis Gladstone und Lord Granville in London einlenkten und der Ausgleich stattfand. England überließ Deutschland das Kamerun­gebiet, Deutschland verzichtete auf allen Besitz im Niger­gebiet und behielt Angra Pequena mit Nachbar- und Hinter­ländern. Die Besitzverhältnisse in der Südsee sind durch den eingangs erwähnten Vertrag nunmehr ebenfalls ge-

Besitztumes zu erbringen, und wir werden die Resultate der eingeleiteten Bemühungen abzuwarten haben. Im Kamerun- und Tagogebiet scheint die Verwaltung unter der Oberleitung des Gouverneur von Soden ja regelmäßig zu funktionieren, dagegen ist über größere Kolonisations­pläne noch nichts Bestimmtes in die Oeffentlichkeit gedrungen. Es hieß vor längerer Zeit, es solle mit der Anlage von Plantagen begonnen werden; Genaueres ist darüber bisher nicht verlautet, auch liegt noch kein Spezialbericht des Gouver­neurs über das Gebiet vor. Aus Angra-Pequcna ist der Reichskommiffar Göhring zur Berichterstattung nach Deutsch­land gekommen Daß Angra-Pequena selbst wenig oder keinen Wert hat, steht fest, dagegen soll sich Dr. Göhring sehr zu Gunsten des benachbarten Damaralandes ausge­sprochen haben. Hoffentlich werden wir bald weiteres hören. Die übrigen Kolonieen stehen nicht unter Leitung des Reiches. Was zunächst die Dinge in Ostafrika an­betrifft, wo die ostafrikanische Gesellschaft und die sog. Witu - Gesellschaft (Gebrüder Denhardt) arbeiten, so ist mit der Anlage von Handels- und landwirtschaftlichen Stationen begonnen worden. Die Berichte darüber sind bisher noch lückenhaft, die Zeit, die seit der Gründung der Stationen verstrichen, auch noch kurz; es läßt sich also kein entscheidendes Urteil fällen. Besonders der ost­afrikanischen Gesellschaft wird es allerdings nicht leicht werden, die Kulturarbeit durchzuführen. Ihr Gebiet ist enorm groß und sie wird daher nicht sehr schnell vorgehen gehen können. Nach den Besitzungen der Neu - Guinea- Kompagnie in der Südsee ist der Landeshauptmann der Gesellschaft, Admiral v. Schleinitz, unterwegs. Jn Kaiser- Wilhelmsland auf Neu-Guinea ist ebenfalls mit der An­lage von Stationen begonnen worden; über diese sind die Be­richte aber erst recht lückenhaft und es läßt sich in keiner Weise etwas Zuverlässiges sagen. Wir werden also warten müssen, wahrscheinlich sogar noch längere Zeit, bis sich ein einigermaßen sicheres Urteil fällen läßt.

Geschichtskalender,

6. Mai.

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dafür trifft, daß die Lehrlinge bei den Jnnungsmeistern eine dem Stande des Handwerks entsprechende Ausbildung erhglten, und wenn dasselbe zu diesem Zwecke Festsetzungen über die Dauer der Lehrzeit, die Form «Schriftlichkeit) und den Inhalt des Lehrvertrages enthält, durch welche die wesentlichsten Seiten des Lehrverhältnisses befriedigend geregelt werden. Dahin gehört namentlich, daß a) eine ordnungsmäßige, technische und gewerbliche Ausbildung ge­sichert, b) auch für die sittliche Zucht der Lehrlinge Sorge getragen, c) den Lehrherren die Verpflichtung auferlegt wird, ihre Lehrlinge zu dem Besuche bestehender Fach­oder Fortbildungsschulen, mögen dieselben von der Innung selbst, oder von anderer Seite errichtet sein, anzuhalten. Endlich wird das Statut Vorschriften über die Prüfung, welche die Lehrzeit abzuschließen hat, und die Erteilung eines Lehrbriefes enthalten müssen. 2. Die Innung wird durch die Zahl und die Tüchtigkeit ihrer Mitglieder die Sicherheit bieten müssen, daß ihr neben dem Willen auch die Kraft innewohnt, das gesamte Lehrlingswesen ihres Gewerbes in dem Bezirke zu leiten. Anträgen auf Ge­währung der Rechte aus § lOOe der Gewerbeordnung wird deshalb keine Folge gegeben werden können, wenn die In­nung einen verhältnismäßig zu geringen Personalbestand hat, oder wenn die Absicht zutage tritt, durch Entziehung des Rechts, Lehrlinge zu halten, bezw. bei Ausbildung derselben nach eigenem Ermessen zu verfahren, solche Ge­werbetreibenden zu schädigen, für welche der Eintritt in die Innung au^ irgend welchen Gründen unthunlich ist. Selbstverständlich muß die Innung bereits erkennbare Er­folge aufzuweisen haben, welche zu dem Urteil berechtigen, daß sie sich auf dem Gebiete des Lehrlingswesens bewährt habe. 3. Bei der Begrenzung der Befugnisse, welche den Innungen durch die auf Grund des § lOOe zu treffenden Anordnungen beigelegt werden, wird in jedem einzelnen Falle Vorsorge getroffen werden müssen, daß die Aus­bildung von Lehrlingen oder eine zweckmäßige Regelung des Lehrverhältniffes solchen größeren Betrieben nicht un­möglich gemacht werden, welche zwar demselben Gewerbe angehören, deren Unternehmer aber nach Lage der gewerb­lichen Verhältnisse ihres Betriebes, ohne der natürlichen Regelung der letzteren Zwang anzuthun, nicht füglich ge­nötigt werden können, Mitglieder der Innung zu werden. In deutschen Münzstätten ist gegenwärtig die Ausprägung der neuen egyptischen Silbermünzen in Durchführung, und dies giebt denr spezifischen Organ der französischen In­teressen am Nil, demBosphore egyptien", welcher seiner­zeit wegen des fanatischen Kampfes gegen die englische Autorität in Egypten die volle Strenge der englischen Ver­waltung herausfvrderte, Veranlassung, einen Strom von Verdächtigungen und Lügen über die Beschaffenheit der neuen Münzen zu verbreiten, auf Grund anonymer Analysen" zu behaupten, daß sie unterwertig ausgeprägt seien, daß Schwierigkeiten ihrer Annahme begegneten u. s. w.

dec Graf ab und führte das Tier am Zügel; doch nur wenige Schritte konnte er so thun er fühlte sich mott, seine Glieder schienen nahe daran, ihm den Dienst zu ver- sagen, und mit vieler Mühe gelangte er wieder in den Sattel, wo er sich am Knopf und an den Kammhaaren fest­halten mußte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Das Hnndegebell nach vorn zn, ward immer deutlicher und der Graf sah hieraus, daß er seinem ersehnten Ziele immer näher kam. Mit Aufbietung seiner letzten Kräfte gelang es ihm, sein Pferd zu einem kurzen Trabe zu ver­mögen, und bald hielt er denn auch vor einem Hause, an dessen Thür er mit seiner Reitgerte schlug, bis man ihm öffnete.

Wir wissen das Weitere, der Graf vermochte sich von diesem Augenblicke au auch nicht des unbedeutendsten Um­standes mehr zu entsinnen. Hedwig erzählte ihrem Bruder von seiner Krankheit der Worte, welche ihm in der Fieberhitze entschlüpft, erwähnte sie nicht. Einen kleinen Teil des Tages konnte der Graf jetzt schon außer dem Bette zubriugen. Seine Uebersiedelung nach dem Landhause der Mutter jedoch wollte Doktor Eruier noch nicht gestalten.

Eines Tages, als Hedwig von einem Spaziergange, den sie in des Doktors Begleitung gemacht, zurückkehrte, sand sie ihren Bruder schreibend; sie machte ihm deshalb freund­liche, aber eindringliche Vorwürfe.

.Es muß sein, mein Kind", entgegnete Alfred.Ich bitte Dich, mir diesen Brief ganz sicher zur Post zu be­fördern, und mir die Antwort, die nicht lange auf sich warten laffen wird, unverzüglich zukommen zu lasten."

(Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt «titgegm die Expedition d Blatte-, sowie d.Annonccn-Bureauk vonHaasensiein unbSBoglec in Frantfurt o. M , Caffel, Magdeburg und Wien: Rudolf Moste in Frankfrnt a M., Berlin,^ gnchcn und Köln; G. L. Daube und Go. n rantturt a. !D^ B ri n, Ha nvver ».Paris

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Mai. In Ausführung des 8 10lle der Reichsgewerbeordnung hat der Minister für Handel und Gewerbe hinsichtlich des Lehrlingswesens durch einen in derAllg Handw. Ztg." mitgcteilten Erlaß an die Bezirksregierungen folgende Normen aufgestellt: 1. Was zu­nächst die organischen, im Statut vorzusehenden Einrich­tungen der Innung betrifft, so werden dieselben eine Sicher­heit dafür bieten müssen, daß die Jnnungsmeister selbst sich in Besitz derjenigen Kenntnisse und Fähigkeiten be­finden, welche dem Entwicklungszustand des betreffenden Handwerks entsprechen. Es wird daher gut sein, daß das Jnnungsstatut eine diese Sicherheit bietende Meisterprüfung als Aufnahmebedingung vorschreibt. Ebenso wird eine Innung. auf dem Gebiete des Lehrlingswesens nur dann sich bewähren können, wenn das Statut derselben Fürsorge hoffend, er werde bald irgend Jemandem begegnen, der ihn zurechtweisen könne. Inzwischen aber hatte sich der Horizont dunkel bewölkt, es ward stockfinster und dem Grasen un­möglich, etwas zu unterscheiden; außerdem war die Gegend wie ausgestorben kein Mensch sichtbar. Langsam und vorsichtig ritt er weiter endlich maßte er doch auf eine Wohnung, auf Menschen stoßen. Nun brach aber, um das Maß des Unglücks voll zu machen, ein Unwetter der heftigsten Art los; bei jedem der schnell sich folgenden Blitze bäumte sich sein Pferd und nur mit Mühe blieb er Herr desselben und brachte es vorwärts.

Während ein Blitz die Umgegend erhellte, bemerkte er in der Nähe auf dem Felde einen dunklen Gegenstand; hoffend, dort Schutz zu finden, rttt er darauf los und sah sich auch nicht enttäuscht; es war ein Schuppen, wie man deren öfter zum Schutz der Arbeiter bei einttetendem Un. Wetter in jener Gegend findet. Alfred stieg vom Pferde und wartete dort das Aufhören des Regens ab. Stunden vergingen jedoch darüber. Endlich hielt er es für möglich, seinen Weg fortzusetzen, und zwar beschloß er, stets auf demselben Wege zu bleiben, indem er so am schnellsten auf Menschen zu stoßen hoffen durfte. Sein leichter Anzug war vollständig durchnäßt, und kalte Schauer überliefen ihn. Er ließ seine Uhr repetieren und erfuhr mit Schrecken, daß eS bereits 10 Uhr war. Er ritt langsam und vorsichtig weiter, dabet immer sein aufgeregtes Pferd beruhigend.

Mitternacht war schon vorüber, als er in der Ferne Hundegebell zu hören vermeinte; endlich glaubte er auf ein Dorf zu treffen, und da eS dem Schalle nach in der Richtung liegen mußte, der er folgte, so spornte er sein Pferd zu erhöhter Gangart an. Doch das ermüdete Tier zeigte sich wenig geneigt, seinem Reiter zu Willen zu sein. Teils um sich zu erwärmen, teils um sein Pferd zu erleichtern, stieg

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szij.1i mit ben Samoainseln seinen besonderen Handel auszu- wicH' machen, indessen kann der kaum zu internationalen Zwistig- L_______ ; ketten führen, da unsererseits ja nicht die geringste Absicht,

die Samoainseln zu annektieren, besteht. Mit England find wir also in Ordnung, nicht minder mit Frankreich 20/2 3 und Spanien. Allerdings hat der Vertrag mit Frankreich uns das thatsächlich wertvolle Kabilai-Gebiet in Nordwest­afrika gekostet, wofür eine kleine Abtretung im Tagogebiet nur eine schwache Entschädigung ist. Die Verhandlungen 12 mit Spanien sind bekannt. Spanien behielt die Karolinen­inseln, Deutschland annektierte ohne Widerspruch die Mar­schallinseln. «somit sind also die Kolonialstreitigkeiten, die manches unerquickliche Blatt aufweisen, zum Abschluß, und so weit wir übersehen können, zum definitiven Abschluß gelangt.

Srscheint täglich außer on Werttagen nach Sonn-und Feiertagen. Quartal- Abonnements-Preis dei der Expedition 21/« Ml., bei den Postämter 2 Ml. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). Insertionsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reuam-n für die Zeile 25 Pfg.

Bestellungen für die Monate Mai und J««i auf die Oberhessische Zeitung und deren Beiblätter werden von allen Postanstalten und für hiesige Stadt von der Erpedition entgegengenommen.

Der Abschluß der Kolonialverhandlungen.

DerDeutsche Reichsanzeiger" hat soeben den Vertrag zwischen Großbritannien und Deutschland über die Ab­grenzung der beiderseitigen Kolonialgebiete im Westlichen stillen Ozean publiziert. Damit dürfen die Kolonialver­handlungen mit anderen Staaten in der Hauptsache als zum Abschluß gebracht angesehen werdens Es schweben nur noch die Grenzberichtigungen in Ostafrika, wo es sich um die genaue Feststellung des Gebietes des Sultanates Zanzibar und der Deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft handelt. Irgend welche Schwierigkeiten können aber dort nicht mehr entstehen, da die Entscheidung in die Hände einer englisch - französisch - deutschen Kommission gelegt ist, und die Beschlüsse derselben endgültig sein sollen, so daß sich also auch Sultan Said Bargasch von Zanzibar den­selben anzuschließen haben wird.

Die Staaten, zu welchen wir durch die Kolonialpolitik in nähere Berührung gebracht wurden, waren Großbri­tannien, Frankreich und Spanien. Wegen der Erwerbungen in Westafrika war es zwischen Berlin und London bekannt-

1757. Schlacht bei Prag, Friedrich II. König von Preußen, schlägt die wohlverschanzten Oesterreicher. Der blutige Sieg war durch Graf Schwerins Heidenrod erkauft.

1849. Beginn der drei Tage dauernden Barrikadenkämpfe in Dresden. Die vom König von Sachsen herbeigerufenen . « preußischen Truppen fanden einen verzweifelten, hart-

rfnffÖF "äckigen Widerstand in den demokratischen Streitern, " k welche erst am dritten Tage der lle vermacht erlagen.

1859. Alexander von Humboldt, der tiefste Kenner und wirksamste Förderer aller Natuiwiffenschasten, der Aristote­les des 19. JahrhandectS, starb 84 Jahre, in Berlin.

Drei Wochen waren vergangen. Die Genesung des «rasen hatte zwar erkennbare, doch sehr langsame Fort- ichrüte gemacht. Die ungeheure Aufregung, welche er vor mnem Krankwerden erlitten, hatte das Nervensystem des AÄÄjg üesfühlenden Mannes gewaltig erschüttert, und nur einer ÖVV «feeren Anregung hatte es bedurft, um ihn dem Grabe zu . Nahe zu bringen.

i-loe Entrüstet über die Unversöhnlichkeit seiner Mutter, hatte r,onßf, j ? an jenem Tage das HauS verlassen; er ritt, ohne auf ', 1 Weg zu achten und nur mtt seinen Gedanken beschäftigt, 2et«er uud weiter, bis ihn die Dunkelheit überraschte. Nun Tollte er sich orientieren, um deu Rückweg anzutreteu; doch verseh ite ganze Landschaft erschien ihm vollständig fremd und er etzlar- tonnte nicht mit Sicherheit deu Rückweg ausfindig machen.

aaf8 Geratewohl überliefe er sich dem ersten besten Wege,