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Marburg, Sonnabend, 1. Mai 1886.
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1809. Gottlieb Konrad Pfeffel, ein sehr fruchtbarer Dichter in Fabeln und versivifirten Erzählungen, stirbt in Kolmar, wo er zuletzt Präsident des evangelischen Konsistoriums war.
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gericht, bei welchem nur der Gemeindeverwaltung eine mitwirkende und vermittelnde Rolle zustehen soll, errichtet wissen will. Wir wollen hier nicht die größeren Vorzüge des einen oder des anderen Planes verteidigen, sondern nur darauf Hinweisen, daß der beiden gemeinsame Zug, die schiedsrichterliche Regelung des Verhältnisses zwischen Arbeitgebern und Arbeitern, wohl geeignet erscheint, eine Wendung in der Behandlung der sozialen Frage herbeizuführen. Denn offenbar ist es das beste und gesündeste Verhältnis, wenn Arbeitgeber und Arbeiter gemeinsam die Bedingungen zu ermitteln suchen, unter denen man friedlich mit einander auskommen kann. Diese Bedingungen sind aber gewiß auf dem Wege einer schiedsrichterlichen Vergleichung viel eher zu erfahren, als auf dem bisher beliebten Wege der Lohnherabsetzung resp. des schroffen Festhaltens von Lohnsätzen, welche hinter billigen Anforderungen zurückbleiben auf der einen und der Arbeitseinstellung auf der anderen Seite. Die Unerquicklichkeit des gegenwärtigen Zustandes beruht ja gerade darin, daß sich die Arbeiter als die „Sklaven des Kapitals" betrachten und wenn sie nun zu der Ueber- zeugung gelangen, daß sie dies keineswegs sind, daß sie vielmehr den ihren Leistungen entsprechenden Lohn erhalten, so fällt für sie ein Hauptgrund ihrer bisherigen Unzufriedenheit fort. Diese Wirkung zu erzielen, sind aber die von Präsident Cleveland und Bürgermeister Bulß gemachten praktischen Vorschläge durchaus geeignet, und man kann nur wünschen, daß sie baldigst und allenthalben zu ihrer Durchführung gelangen.
Im Schatten des Lebens.
Roman von P. Felsberg.
(Fortsetzung,)
„Ich denke, alle Menschen von Geist und Bildung sind untereinander ebenbürtig."
„Sind diese Ideen Dir bei Bergens beigebracht worden?" fragte die Gräfin sttrnrunzelnd.
„O nein, Mama, mein Herz, mein Gefühl geben sie mir ein."
„Ich glaubte, Dein Herz würde besser mit Deinem Verstände harmonieren. Meine Ansichten über Ebenbürtigkeit kennst Du und ich will hoffen, wenn es darauf ankommt, andere bei Dir nicht zu finden."
Betroffen sah Hedwig ihre Mutter an, deren Augen sich mit strengem Ausdruck auf die Tochter richteten. Um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben, sagte Hedwig:
„Wird Alfred nicht zum Essen kommen?"
„Das soll mir sehr gleichgiltig sein; denn Vergnügen bereitet mir seine Gesellschaft ohnehin nicht."
„Was that mein Bruder Unrechtes, Mutter, um Dich» so sprechen zu lasten?"
„Frage Du ihn — vielleicht bekennt er Dir seine Schuld" entgegnete die Gräfin aufstehend und ihrer Tochter die schlanke, weiße Hand reichend; „ich will für den Rest des Tages ungestört sein."
Als ihre Mutter den Speisesaal verlasten, lehnte sich Hedwig in ihren Fauteuil zurück uyd blickte gedankenvoll vor sich hin. Sie dachte an ihren Bruder: wo er nur
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1218. Rudolph von Habsburg wird geboren.
1283. Einweihung der Elisabethkirche zu Marburg. Sieben Jahre später an demselben Tage wurde auch der Hochaltar eingeweihet, und damit dieses größte Denkmal der Baukunst auf hessischem Boden vollendet.
1284. Starb Sophie von Brabant.
1308. Kaiser Albrecht I. wird von seinem Neffen Johann Jßarrictba bei Rheinfelden ermordet.
1583. Ward von Landgraf Wilhelm IV. den Gewand- schnetdern zu Kastel das alte Privilegium bestätigt, während der Fronleichnamswoche den Weinschank ausüben zu dürfen.
1615. Hinrichtung des Mörders Rudolf von Eckardsberg auf dem Marställerplatz zu Kassel. Die Hinrichmng wol verdient, wenn gleich nicht die Verschärfung Todesstrafe, weil man aber in derselben eine Rache Landgrqfen Moritz zu sehen glaubte, (der Landgraf was er wol nicht hätte thun sollen, der Hinrichtung so nahm die Welt, welche damals nicht besser war, heute, für den Mörder Partei.
1756. Abschluß eines Freundschafts- und Defensiv - Bündnisses zwischen Oesterreich und Frankreich.
1759. Friedrich II. von Preußen schlägt die österreichische Arrieregarde unter General Deville bei Zuckmantel.
1793. Treffen bei Vicogne, in welchem Blücher die Franzosen schlägt.
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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. 6. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt
Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Geschichtskalender
1. Mai.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d BlatteS, sowie d-Annoncen-Bureaux von Hoasenstein undVogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt ♦ a M-, Berlin,Münchenund Köln; G. L. Daube und Co. n . rankiurt o. M,, StrOn, Ha nover u.Paris
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Bestellungen für die Monate Mai und Juni auf die Oberhessische Zeitung und deren Beiblätter werden von allen Postanstalten und für hiesige Stadt von der Erpedition entgegengenommen. Zum Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit.
Die jüngsten Arbeiterunruhen in Frankreich und Belgien haben naturgemäß auch die schon so oft ventilierte Frage, wie denn am besten ein Ausgleich zwischen den Anschauungen, Wünschen und Forderungen einerseits der Arbeitgeber, anderseits der Arbeitnehmer herbeizuführen sei, wieder zum Gegenstände eingehender Erörterungen gemacht. Mit, bloßen akademischen Diskussionen ist nun freilich auf diesem Gebiete nicht das geringste zu erreichen, aber erfreulicher Weise hat die jüngste Zeit auch einige recht bemerkenswerte praktische Vorschläge gebracht, um die Arbeiterfrage für beide hierbei beteiligten Parteien in gleich befriedigender Weise zu lösen. In dieser Beziehung liegt zunächst gerade aus Belgien eine Kundgebung vor. Der Brüsseler Oberbürgermeister, Herr Bulß, hat die Einrichtung eines aus Arbeitgebern und Arbeitern zusammengesetzten Arbeitsamtes in Vorschlag gebracht und die Brüsseler Gemeindeverwaltung stellt für Arbcitszwecke Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung und will außerdem die Gründung einer Arbeiterbörse veranlassen. Auf solcheWeise wird durch freie Vereinbarung unter Führung der Stadtverwaltung Arbeitsgelegenheit geschaffen und die Bedingungen, unter denen die Arbeit gegeben und genommen wird, erhalten eine alle Beteiligten zufriedenstellende Regelung.
Mindestens ebenso beachtenswert erscheinen die Vorschläge, welche Mr. Cleveland, der Präsident der nordamerikanischen Union, in Form einer an den Kongreß gerichteten Botschaft zur Lösung der Arbeiterfrage, die ja auch in den Vereinigten Staaten eine hervorragende Stolle spielt, kürzlich gemacht hat. In der Botschaft wird die Einsetzung einer aus drei Regierungsbeamten bestehenden Arbeitskommission empfohlen, welche die Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern regeln und ausgleichen soll. Präsident Cleveland weist hierbei auf die unüberlegten Forderungen der ersteren hin, welche häufig den Arbeitern gerechten Anlaß zu Unzufriedenheiten gäben, aber giebt auch den Arbeitern zu bedenken, daß sie durch ihr Auftreten ebenfalls nicht schuldlos an diesen Zerwürfnisfen seien und öfters Ruhe und Ordnung störten. — Sowohl der Botschaft Clevelands, als auch dem Vorschläge des Brüsseler Stadtoberhauscs ist der Appell an ein Schiedsgericht gemeinsam, durch welches die Differenzen zwischen Kapital und Arbeit beglichen werden sollen. Nur hält Mr. Cleveland die Form des freiwilligen Schiedsgerichtes nicht für ausreichend und schlägt deshalb das Eingreifen der Negierungsgewalt vor, während Herr Bulß ein aus Vertretern beider Parteien bestehendes Schieds-
Derrtsches Reich.
©erlitt, 29. April. In dem Prozesse wegen der Mitteilungen des „Berl. Tagebl." über den angeblich in hiesigen höchsten Gesellschaftskreisen vorgekommenen Diebstahl einer Brillanttaube ergab die gerichtliche Verhandlung die völlige Grundlosigkeit der verbreiteten Mitteilung. Das Schöffengericht verurteilte wegen des dadurch begangenen groben Unfugs den Redakteur des „Tageblatts", Perl, zu 3 Tagen, den Berichterstatter Wolff zu 14 Tagen Haft. — Wie schon erwähnt, sind dem Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen bei der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, die Grundlagen für eine zwischen dem Reich und Preußen abzuschließende Vereinbarung, sowie eine Erklärung des königl. Staatsministeriums beigefügt, in welcher letzteres seine Zustimmung zu der Vereinbarung erklärt. Diese Grundlagen besagen: 1. Die königlich preußische Regierung wird dem Preußischen Landtage sobald als thunlich eine Vorlage machen, durch welche die Bewilligung der Mittel zur Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen bei der königlichen Friedrich Wilhelms - Universität zu Berlin gefordert wird. 2. Aufgabe des Seminars wird es sein, den theoretischen Unterricht in den lebenden orientalischen Sprachen mit praktischen Hebungen zu verbinden und dadurch künstigeu Aspiranten für den Dolmetscherdienst, sowie Angehörigen
1872. Eröffnung der Universität Straßburg.
1873. Eröffnung der Wiener Weltausstellung.
1878. Eröffnung der dritten Pariser Weltausstellung.
(^scheint täglich außer an Werttagen nach Sonn-und Feiertagen. — Quartal- jbonnements-Preis bet der Expedition 2*/t ‘Ult., bei tot Postämter 2 Mk. 50 vfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
sonstiger Berufsstände, welche den erforderlichen Grad geistiger und sittlicher Reife besitzen, neben der theoretischen Erlernung besonders die praktische Anwendung dieser Sprache zu ermöglichen. 3. Zu diesem Zwecke sind im einzelnen folgende Einrichtungen in Aussicht genommen: a) an dem Seminar werden vorläufig und vorbehaltlich künftiger Aenderungen im Verwaltungswege folgende sechs Sprachen gelehrt: Türkisch, Arabisch, Persisch, Indisch, Japanisch und Chinesisch; b) in der Siegel werden für jede Sprache je zwei Lehrer angestellt, ein theoretisch gebildeter, womöglich durch längeren Aufenthalt in dem betreffenden Lande mit der Landessprache vertrauter deutscher Lehrer, und ein aus den Eingeborenen des betreffenden Landes entnommener Assistent, welcher mit den Besuchern des Seminars praktische Hebungen hält; c) die Kurse in dem Seminar sind unentgeltlich zu halten, vorbehaltlich etwaiger im Verwaltungswege zu treffender Ausnahmebestimmungen; d) zur Förderung des Seminars werden Jahresstipendien im Gesamtbeträge von 9000 Mk. für unbemittelte deutsche Seminaristen errichtet, deren Verteilung auf die einzelnen Sprachen dem Verwaltungswege Vorbehalten bleibt; e) für die Besucher des Seminars wird eine über den Erfolg des erlangten Unterrichts nach einem näherer Feststellung vor- behaltenen Reglement abzulegende Schlußprüfung eingeführt. Die Ablegung derselben ist zwar nicht obligatorisch, jedoch wird das Auswärtige Amt in Zukunft solchen Aspiranten für den Dolmetscherdienst, welche diese Prüfung bestanden haben und im übrigen geeignete Qualifikation besitzen, vor anderen Aspiranten vorzugsweise Berücksichtigung zu Teil werden lassen. 4. Zu den für das Seminar aufzuwendenden Geldmitteln wird das Reich einen Beitrag in Höhe der Hälfte derselben mit der Maßgabe leisten, daß vorbehaltlich künftiger anderweiler Vereinbarung der Beitrag zu den Kosten der ersten Einrichtung 20000 Mk., der Beitrag zu den jährlichen Kosten 30000 Mk. nicht überschreiten darf. 5. Die Organisation und Verwaltung des Seminars erfolgt unter Mitwirkung des auswärtigen Refforts. — In Sachen der provisorischen Errichtung einer Landwehrinspektion in Berlin erhalten die „Hamb. Rachr." von militärischer Seite eine Zuschrift, aus welcher wir folgendes entnehmen: „Was dagegen die Sache selbst betrifft, so wird eine unbefangene Beurteilung zugeben müssen, wie das Bedürfnis unzweifelhaft vorhanden und auch genügend nachgewiesen war. Die Regierung hatte bereits im vorigen Jahre erklärt. daß sie, nachdem eine Zweiteilung des Reserve-Land- wehrregiments Rr. 35 (Berlin) stattgefunden, eine ehrliche Probe machen wolle, ob es möglich sein werde, mit dieser Organisation die Aushebungsgeschäfte für Berlin in der Hand des Kommandeurs der 11. Jnfanteriebrigade zu belassen, ohne erhebliche dienstliche Interessen zu gefährden. In der letzten Zession erklärte jedoch der preußische Bevollmächtigte beim Bundesrate, der Kriegsminister Bronsart von Schellendorff, daß trotz des besten Willen jene Probe durchaus ungünstig ausgefallen und es sich als geradezu
bleiben mochte? — Um 2 Uyr war er forlgerülen, jetzt zeigte die Pendule über dem Kamin schon über sechs — und er war noch nicht zurückgekehrt .... Eine lebhafte Unruhe, über deren Grund sie sich nicht Rechenschaft zu geben vermochte, bemächtigte sich ihrer Seele; umsonst war sie bemüht, sich durch den Gedanken zu beruhigen, daß er 1« oft schon weit länger fortgeblieben sei. — Sie trat ans tfenfter und schlug die schweren Damastvorhäuge zurück. Draußen herrschte tiefes Dunkel und ab und zu hörte man heftige Windstöße, unter deren Gewalt die hohen, alten Bäume, welche dos Haus umgaben, sich rauschend neigten und dann die Häupter bedenklich wiegten ob eines fernen Grollens, welches als Verbote eines dem schönen Herbsttage folgenden Gewitters anzusehen. Der sonst so klare See die ganze sonst friedliche Landschaft waren bereits vom Sturm bewegt — ein Bild wilder Aufregung.
Wie die meisten Gewitter im Spätherbst, so brach auch dieses mit furchtbarer Gewalt los: Blitz auf Blitz kreuzte das Firmament, gefolgt von oft betäubenden Donnerschlägen. Aengstlich schreckte Hedwig bei jedem grellen Blitzstrahl, bet jedem Donnerschlag zusammen — sie dachte an ihren Bruder, der, vielleicht dem Unwetter schutzlos preisgcgeben, in der dunklen Nacht umherirrte. Sie trat vom Fenster zurück und klingelte.
„Hat der Graf, mein Bruder, nicht gesagt, wohin er zu reiten und wann er zurückzukehren beabsichtige?" fragte sie den Diener.
„Nein, der Herr Graf hat nichts hinterlassen." „Sobald er zurückgekommen, melden Sie es mir." Hedwig verließ den Speisesaal, um sich auf ihr eigenes Zimmer zurückzuziehen.
„O gnädige Komtesse, ist da? ein Wetter!" bemerkte