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Marburg, Sonntag, 25. April 1886.

XXI. Jahrgang.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Keierlagr». Quartal- Ndounements-Preis bei der Srpkdition 2/. Mk., bei ben Postämter 2 Mk. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). gn'ettwnSqebübr für die geipoltene Zeile 10 Pfg. Reklamen für bie Zeile 25 Pfg.

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Anzeigen nimmt entgegen bie Expedition b. Blatte», sowie b.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undDogler in Frankfurt a. M , Gaffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M-, Berlin,»anchen und Köln; G. L. Daube und Go. n ranisurt a. M-, B-rl n, Ha nover u.Paris

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Bestellungen für die Monate Mai und Juni auf die Oberhessische Zeitung und deren Beiblätter werden von allen Postanstalten und für hiesige Stadt voit der Erpedition entgegengenommen.

Ostern.

Wieder hat sich die Welt mit zartem, frischem Grün, dem Reiz des Frühlings, geschmückt, wieder feiern wir Ostern, das hohe Fest des Frühlings, dem die christliche Kirche ihre erhabene, vertiefte Auffassung verliehen hat. Das Grün ist die Farbe der Hoffnung, und hoffnungs­selig schlagen auch Tausende von Herzen alljährlich dem Osterfest, dem Auferstehungsfest Jesu Christi, entgegen. Alles erwacht zu neuem Leben, die Natur und der Mensch, der, mag er auch noch so abgestumpft sein, mit tiefer Ehr­furcht und stets erneuter, herzlicher Freude die zarten Boten des Frühlings begrüßt, mit denen dieser das hohe Fest schmückt. Bor unseren Blicken steigt alles neu aus der so lange mit Schnee und Eis bedeckten Erde hervor, gehorsam einem mächtigen Ruse, der alle Weltschichten durchdringt.Es werde", so lautet der Oluf, und es ward; es ward verjüngt Flur und Wald, es ward ver­jüngt das gläubige Menschenherz in dex Brust. Früh­lingsregen erquickt die Erde, schmilzt die Eiskruste, Thränen schmelzen das Eis um das Menschenherz, das Not und Sorge nur zu oft schafft, im Frühling, zu Ostern. Die Welt schaut ganz anders aus, und der Mensch, den nun endlich wieder in freier Natur laue Lüfte umspielen, schaut sie aus ganz anderen Augen an. Diese Osterfeier ist alt, aber urewig, allüberwältigend.

Wir haben gerade in diesem Jahre lange warten müssen auf das Osterfest; doppelt schwer ist in diesem Jahre so manchem zu Gemüte gebracht worden, daß dem Frühling ein Winter, den hoffnungsreichen Ostern ein sorgenbringender Zeitraum vorhergeht Die schlimmen Zeiten der Sorge haben wir recht empfunden, der eine mehr, der andere weniger; diesen plagten materielle Bedürfniffe, jener sorgte um einen teueren Angehörigen, dessen Genesung der lange rauhe Winter hinderte, alle aber waren einig im Wunsche nach dem Erlöser, nach dem Frühling, nach Ostern. Und jetzt, wo es nun da, ist der Dank um so inniger, die Freude um so lebhafter, und all' die holde Frühlingspracht, der erste Lenzschmuck sieht Tausend und Abertausend dank­bare Menschenkinder, die mit frischem, frohen Mut sich der täglichen Arbeit widmen, denen Helle Arbeitslust aus den Augen spricht, weil sie auf den Lohn ihres Fleißes hoffen und bauen. Ihnen allen, der ganzen Menschheit, ist der gewaltige Ruf zugegangen:Es werde"! und nach den Winterwochcn ward es Frühling, nach der Ungeduld, dem Mißmut Ostern, das Auferstehungsfest der Christenheit.

Zum Osterfest.

Alljährlich durch das Weltenall Erdröhnt aufs Neu der Schöpfungsruf, Ec weckt die schlummernden Wesen all,', Die jene erste Schöpfung schuf.

Der Frühlingssturm, der brauset durchs Land, Das ist der Ruf der Schöpfungskraft, Und auf den Wolken am Himmelssaum, Da reiten die Boten der Frühlingsmacht.

Der Ruf erklingt, ein Jedes lauscht, Das tief verborgen im Schlummer lag;

Es regt sich, cs webt sich, es zittert und rauscht, Es grünt so kräftig im toten Haag!

Da hilft kein Säumen, kein Widerstand, Es beugt sich ein jedes irdische Ding, Der Blitz, der flammt, dec Donner, er kracht, Und herrschend hält Frühling in seinem Ring.

Das Schöpfungswort, alljährlich neu, Das zwingend der Welt Erlösung bringt, Das weckt die Natur aus langem Schlaf, Das hinunter ins Innere der Erde dringt: Es werde!" das ist das gewaltige Wort, Bor dem verstummt des Winters Lust.

Es werde!" so klingt es in hallendem Ton, Bis des Winters Spur verschwunden ist.

Der Ruf, er schweigt nicht, wiederum Erschallt er mit süßem, schmeichelndem Klang, Er kommt zu dem Menschen, dem ärmsten heran,. Er löst von ihm der Sorge Zwang!

Es werde!" aufs Neue der frische Mut, Der frohe Sinn und die Lebenskraft.

Es werde!" verjüngt der ganze Mensch, Erfüllt mit Gott vertrauender Kraft.

In der That haben wir unruhige, sorgenvolle Winter- monate überstanden, denn unsere Zeit hat uns auf einen Standpunkt geführt, in welchem der eine nicht gleichgiltig zusieht, wenn es im Hause des Nachbarn brennt, oder darüber frohlockt, wenn jenem ein Schaden zugefügt wird; die Kulturmenschheit ist heute solidarisch, alle haben das eine große Interesse, den allgemeinen Frieden erhalten zu sehen, daß Handel und Wandel. Bürgerfleiß und Bürger­kraft wachse und gedeihe. Und in dieser Hinsicht sind in den Wochen, die hinter uns liegen, manche dunkele Wolken am Himmel aufgestiegen, die sich aus kleineren Anfängen entwickelten, bald die Aufmerksamkeit von ganz Europa in Anspruch nahmen. Nicht minder schlimm als die kriege­rischen Verwicklungen, welche zeitweise drohten, ja gefähr­licher noch waren die Anzeichen bürgerlichen, inneren Un­friedens, des Klassenkrieges, die verheerend sich bemerkbar machten. Deutschland und unsere Grenzen sind von jenen furchtbaren Szenen verschont geblieben; aber sie sind uns so nahe gekommen, daß über ihre Furchtbarkeit uns kein Zweifel bleiben konnte. Auch nach diesen schlimmen Aus­wüchsen der Winterzeit mit ihrer Berdienstlosigkeit ist der Frühling gefolgt; er wird die Gegensätze, die so schroff aufgetreten, mildern, aber leider können wir nicht hoffen, daß die milde Feier des Osterfestes hier dauernd wirken wird. Es ist eine rechte Öfterarbeit für die ganze ge­sittete Menschheit, im festen Glauben an Gott und unseren Erlöser dahin zu wirken und zu arbeiten, daß der arg bedrohte bürgerliche Friede dereinst wieder ein volles, frohes Osterfest begehen möge, das der ganzen Welt Heil und Segen bringe!

Deutsches Reich.

Berlin, 22. April. DieNordd. Allg. Ztg." bringt einen ausführlichen Artikel über die Bedeutung des öster­reichischen Landsturmgesetzes, welcher solgerdermaßen schließt: Deutschland kann nur mit Freuden die neue, der Wehr­kraft des verbündeten und befreundeten Nachbarreichs ein so wichtiges Element der Stärkung zuführende Landsturm- Organisation begrüßen und dem patriotischen Entschlüsse der gesetzgebenden Faktoren, die letzten Konsequenzen der allgemeinen Wehrpflicht zu ziehen, von Herzen Beifall zollen. In der am 21. d. Mts. unter dem Vorsitz des StaatSmiiüfters, Staatssekretärs des Innern v. Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung erteilte der Bundesrat den Ge­setzentwürfen, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen, und, betreffend die Unzulässigkeit der Pfändung von Eisenbahnfarbetriebsmitteln, in den vom Reichstage beschlossenen Fassungen die Zustimmung. Den zuständigen Ausschüssen wurden überwiesen: der vom Reichstag an­genommene, von den Abgeordneten Ausfeld und Genossen

So hallet durch das Weltenall

Zu Ostern alljährlich der Schöpfungsruf, Er weckt die schlummernden Wesen all, Die jene erste Schöpfung schuf.

Er dringt mit Macht ins innerste Herz Und zeigt dem Aug, wie der Frühling lacht, Und betend neigt Jeder sein Antlitz still. Zu feiern die heilige Osterpracht.

Geschichtskalender.

25. April.

1449. Die Baseler Kirchenversammlung, löst sich von Kaiser und den Fürsten verlassen, auf. Aus der beabsichtigten Kirchenreform war nichts geworden.

1521. Dr. Martin Luther erhält in seiner Herberge de» kaiserlichen Befehl,des andern Tags Worms zu ver­lassen, binnen zwanzig Tagen nach Wittenberg zurückzu­kehren und unterwegs weder durch Predigen noch durch Schriften das Volk aufzuregen. Da Ermahnungen ver­geblich gewesen seien, so sehe sich der Kaiser veranlaßt, als Schirmherr des katholichen Glaubens weiter zu ver­fahren."

1826. Wallenstein schlägt Mansfeld bei Dessau.

1864. Die Londoner Konferenzen wegen Schleswig-Holstein, werden eröffnet. Dieselben dauern bis zum 25. Juni. Aber schon am 15. Mai sagte sich Preußen offen und unumwunden von allen Verpflichtungen, die ihm das Londoner Protokoll auferlegt, los; denn Dänemarks Ver­tragsbruch und nun der Krieg hätten ihm die volle Freiheit des Handelns wieder gegeben. Es forderte die gänzliche Trennung der Herzogtümer vom Staate Dänemark. Oesterreich blieb nun nichts übrig, als diesen Schritt nachzuthun, und da die Dänen die Selbstständigkeit Schleswig-Holsteins in keiner Form, weder in Personal­union mit Dänemark, noch unter der Regierung des

eingebrachte Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Ab­änderung des Zolltarifgesetzes, die Uebereinkunft mit Groß­britannien zum gegenseitigen Schutz der Rechte an Werken der Litteratur und Kunst und die Vorlage wegen zoll­freier Ablaffung metallener, zum Schiffbau bestimmter Ma­terialien. Von der Erteilung der Decharge durch den Reichstag für die Rechnung der Kasse der Ober-Rechnungs­kammer für das Etatsjahr 1883/84, insoweit dieselbe sich auf die Reichsverwaltung bezieht, nahm die Versammlung Kenntnis und beschloß, auf Eingaben, betreffend die Tara- vergütung bei der Verzollung von Honig in Fässern und wegen Erhebung einer örtlichen Verbrauchsabgabe von Braumalz, ablehnenden Bescheid zu erteilen, einer Eingabe, betreffend die Anstellungsverhältnisse der Militäranwärter bei der Eisenbahnverwaltung in Elsaß-Lothringen, wegen Nichterschöpfung des Jnstanzenzuges keine Folge zu geben. Endlich wurde auf Anträge bezüglich Feststellung des Ruhe­gehalts mehrerer Reichsbeamten, über Ergänzung der Rr. 15 der Ausführnugsvorschriften zum Reichsstempelgesetz, über die dem Kaiser wegen Besetzung einer Senats-Prä­sidenten- und sechs Ratsstellen beim Reichsgericht zu machenden Vorschläge, sowie über die geschäftliche Behandlung von , Eingaben Beschluß gefaßt. Der geschästsführende Ausschuß des Hutten-Sickingen-Denkmalkomitees in Kreuznach hat, wie ein rheinisches Blatt meldet, von dem Chef des Zivilkabinets des Kaisers, Wirkl. Geh. Rq^v. Wilmowski, die Aufforderung erhalten, einen dem Kaiser vorzulegenden eingehenden Bericht über den gegenwärtigen Stand der Denkmalsangelegenheit, möglichst unter Beifügung von Abbildungen, zu übersenden und in Zukunft regelmäßig über den Fortgang der Sache zu unterrichten. Selbst­verständlich ist dieser Aufforderung sofort entsprochen rooiben. Dem Herrenhause ist der Entwurf eines Gesetzes, be­treffend Abänderung der Kirchengemeinde- und Synodal- Ordnung für die Provinzen Preußen (Ost- und West­preußen), Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien und Sachsen vom 10. September 1873 und die Form der schriftlichen Willenserklärungen der Presbyterien der evang. Gemeinden in der Provinz Westfalen und in der Rhein- Provinz, zugegangen. Der Entwurf beruht auf Beratungen der letzten Generalsynode. DieKreuz-Ztg." schreibt heute, daß sämtliche Mächte die Absicht eines energischen Schrittes bei der griechischen Regierung teilen und daß nichts ungerechtfertigter sei, als die griechische Spekulation auf Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mächten. Wenn russischer- oder französischerseits bisher in der griechischen Frage Reserven gemacht worden seien, so sei dies nur ge­schehen, so weit es sich um das aktive Vorgehen handle, ans Rücksicht auf die inneren Verhältnisse beider Länder.

Prinzen von Augustenburg, zugestanoen, auch für oen F fl einer Teilung der Herzogtümer nach den Nationalitäten zwischen Deutschland und Dänemark sich mit dem nörd­lichen Schleswig nicht begnügen wollten, so ging der Kongreß unverrichteter Dinge auseinander, und Deutsch­lands Schwert mußte entscheiden. Es durchhieb «rasch den Knoten.

26. April.

1506. Stiftung der Universität zu Frankfurt a. d. O. durch Joachim L von Brandenburg.

1787. Johann Ludwig Uhland, der volkstümliche Lieder­dichter, zu Tübingen geboren.

1828. Rußland erklärt der Pforte den Krieg.

1849. Schlacht bei Komorn, in welcher die Ungarn über ' die Oesterreicher siegen.

27. April.

1622. Schlacht bei Wiesloch. Tilly wird von dem Grafen Ernst von Mansfeld geschlagen.

1738. Papst Clemens xil. erläßt eine Bannbulle gegen die Freimaurer.

1797. Wurde Amöneburg und Fritzlar durch die Franzosen besetzt.

1812. Friedrich Freiherr von Flotow, Opernkomponist, auf dem Gute Rentendorf in Mecklenburg geboren.

1818. Kaiser Ab xander I. von Rußland eröffnet in Warschau den polnischen Reichstag.

1848. Lombardische Freischaaren werden bei Sioro von den Oesterreichern in die Flucht geschlagen.

1867. Der konstituierte norddeutsche Reichstag wird durch König Wilhelm von Preußen geschlossen.Die Zeit ist herbeigekommen" sagte erwo unser deutsches Vaterland durch seine Gesamtkraft feinen Frieden, sein Recht und seine Würde zu vertreten im Stande ist."

1868. Das erste deutsche Zollparlament wird zu Berlin durch König Wilhelm feierlichst eröffnet.