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Är. 93.

Marburg, Dienstag, 20. April 1886.

XXI. Jahrgang.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Bcrlaa von Job. Aua Sn*

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Deutsches Reich.

Berlin, 17. April. Der Kronprinz befindet sich nach Abnahme des Fiebers bei bisher günstigem Verlaufe der Masern recht befriedigend. lieber die Frühjahrs­reisen des Kaisers sollen derKreuzzlg." zufolge noch keine Bestimmungen getroffen und die darüber verbreiteten Nach­richten falsch sein. Der Bundesrath wird doch noch vor den Ferien, und zwar nächsten Mittwoch, eine Plenar­sitzung abhalten und sich dann auf kurze Zeit vertagen, da die Beratung der Zucker- und Branntweinsteuer bald nach Ostern Sitzungen notwendig macht. Der deutsche Botschafter von Schweinitz ist gestern von Petersburg hier eingetroffen und hat schon mehrere Konferenzen mit dem Reichskanzler gehabt. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Wiederholte Erfahrungen haben dargethan, welche bedenk­lichen Folgen Arbeitseinstellungen für Staat und Gesell­schaft haben können^. Denselben vorzubeugen, ist eine Verfügung des Ministers des Innern vom 11. April d. Ä- bestimmt, welche die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden auf dieses Gebiet hinlenkt und ihnen bestimmte Handhaben für die Behandlung der ihnen hierbei erwachsenden Aufgaben gibt. Danach sollen die Polizeibehörden sich zwar der gesetzlich bestehenden Koalitionsfreiheit gegenüber jeder Diastregel sorgfältig enthalten, welche als eine Partei­nahme für die Arbeitgeber gegen die Arbeitnehmer oder umgekehrt erscheinen könnte, auf der anderen Seite aber zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung streng darüber wachen, daß der Lohnkampf ausschließlich auf friedlichem Wege und mit gesetzlichen Waffen zum Aus­trage gelangt. Jedem von der einen oder der anderen Sette ausgehenden Versuche, anläßlich der auf dem Gebiete der Lohnbewegung entstehenden Streitigkeiten den legalen Boden zu verlassen, soll daher nachdrücklich und mit allen gesetzlichen Mitteln entgegengetreten werden. Von den strafrechtlich zu verfolgenden Vergehen abgesehen, gehören zu den Ausschreitungen, welche den Charakter widerrecht­licher Gewaltsamkeit an sich tragen, namentlich die Ver­suche, einheimische und auswärtige Arbeiter daran zu hindern, als Ersatz in die entstandenen Lücken einzutreten: ferner namentlich die Agitationen auf den Bahnhöfen, so­wie die Verhöhnung und Belästigungen der weiter ar­beitenden Arbeiter. In allen solchen Fällen sollen die Polizeiorgane dem betroffenen Teile Schutz und Beistand gewähren. Ganz besonderer Ueberwachung sollen indes diejenigen Arbeitseinstellungen unterworfen werden, welche durch die sozialdemokratische Agitation angestiftet worden sind oder auch nur in ihrem weiteren Fortgänge der Leitung derselben verfallen, die somit ihren wirtschaftlichen Charakter abstreifen und einen revolutionären annehmen.In dem Augenblicke,' heißt es in der ministeriellen Verfügung, ,,wo durch Thatsachen jene den Umsturzbestrebungen dienende Tendenz bei einer Arbeitseinstellung zu Tage tritt, wird

Geschichtskalender.

20. April.

1547. An diesem und den fünf folgenden Tagenwar die Sonne des Tags über rot, und des Abends und Morgens wie Blut; und ähnlich ging es dem Monde', wie die d,s,ouiken jener Zeit zu erzählen wissen. Auch wäre Allen schreckhaft zu Mut gewesen.'

1603. Starb zu Ziegenhain nach dreiunddreißigjähriger Gefangenschaft Christoph Ernst Graf von Dietz, geboren aus dem Haus zu Hessen, der dritte Sohn Philipps des Großmutigen und der Margaretha von der Sal, und der Vorletzte der Sprößlinge aus dieser unseligen Verbindung, 60 Jahr alt.

1642. Wurde Hausen bei Oberaula, gleich mehreren Dörfern des Gebirgsteils der Grafschaft Ziegenhain, von dm Baiern geplündert.

1757. Friedrich kl. von Preußen rückt im zweiten Feldzug des stebeniahrrgen Krieges in Böhmen ein.

XVL von Frankreich erscheint von sämt­lichen Munstern umgeben in der gesetzgebenden Versamm­lung zu Paris, undverlangt', dazu gedrängt und wider­strebend: Oesterreich den Krieg zu erklären;was denn mtt großer Zustimmung ausgenommen wurde, und auch sofort geschah.

1809. Schlacht bei Abendsberg; Napoleon L schlägt die Oesterreicher.

1814. Napoleon I. geht nach der ihm zum Eigentum und Wohnsitz angewiesenen italienischen Insel Elba unter Beibehaltung des Kaisertitels; doch trennte ihn Kaiser Franz von Oesterreich von Weib und Kind, die er mit sich nach Wien nahm.

1853. Allianzverttag zwischen Oesterreich und Preußen, angesichts des Orientalischen Krieges. In diesem Ver­trage wurde die Garantie des Besitzes gegen jeden Angriff,

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auch die Notwendigkeit gegeben sein, gegen die mit ihr zu­sammenhängenden öffentlichen Kundgebungen auf dem Ge­biete der Presse, sowie des Vereins- und Versammlungs­wesens die Vorschriften des Gesetzes gegen die gemein­gefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 mit derselben Strenge in Anwendung zu bringen, wie gegen jene Bestrebungen überhaupt. Ins­besondere wird nach Befinden der Umstände in denjenigen Bezirken, innerhalb deren die im § 28 des oben ange­führten Gesetzes vorgesehenen außerordentlichen Maßregeln in Wirksamkeit gesetzt sind, von letzteren auck gegen Führer von Streikebewegungen Gebrauch zu machen sein, sobald die Behörde die begründete Ueberzeugung gewinnt, daß von diesen Personen eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung zu besorgen ist." Zum Schluß der Verfügung wird auf das Recht und die Pflicht des Verwaltungschefs des betreffenden Bezirks hingewiesen, im Falle eines durch Arbeitseinstellungen veranlaßten Aufruhrs sofort bei dem obersten Militärbefehlshaber die Erklärung des Belagerungszustandes in Gemäßheit des Gesetzes vom 4. Juni 1851 zu beantragen.

Dortmund, 16. April. In der hier tagenden Ver­sammlung der Delegierten des Deutschen Realschulmänner- Vereins erhielt zuerst das Wort Professor Mach-Prag zu einer eingehenden Darlegungüber den relativen Bildungs­wert der sprachlichen und der mathematisch - naturwissen­schaftlichen Fächer." Redner glaubt, daß diejenigen in einem schweren Irrtum befangen seien, welche heute auf unseren höheren Lehranstalten für die antiken Sprachen noch den­selben Raum wie früher fordern zu müssen vermeinen. Ehemals hatte der philologische Unterricht eine gewisse Be­rechtigung. Die lateinische Sprache war die internationale Sprache der gelehrten Welt. Das sei heutzutage nicht mehr der Fall. Auch hätten wir in den Ueberresten der antiken Kultur nicht mehr wie ehemals die einzige über­haupt vorhandene Kultur zu erblicken, im Gegenteil hätten die modernen Kulturelemente eine bei weitem größere Be­deutung. Redner glaubt aber überhaupt nicht, daß der Inhalt der antiken Litteratur der Jugend durch das Sprach­studium erschlossen werde, das ein im Verhältnis zum Erfolg viel zu großes Opfer an Zeit und Arbeit ver­lange. Auch sei der Inhalt der antiken Litteratur auf anderem Wege viel leichter zugänglich. Liege nicht außer­dem die Gefahr nahe, daß unsere Jugend durch die stete Hinlenkung auf die antike Geschmacksrichtung den Muster- idealen unserer Zeit entfremdet werde? Was das einzige reale Resultat des philologischen Unterrichtes, Schärfung der Aufmerksamkeit und des Urteils bei Gebrauch der Sprache, größere Klarheit und Präzision des Ausdrucks, anbetreffe, so könne dasselbe gerade so gut mit natürlichen und näher liegenden Mitteln erreicht werden. Insbesondere üben Mathematik und Naturwissenschaft die Anschauung,

von welcher Seire er auch komme, und der Schutz der deutschen Interessen stipuliert, zugleich aber auch der Hoff- nung auf friedliche Ausgleichung Ausdruck gegeben.

Von der Reise Sr. Majestät Schiff Prinz Adalbert".

(Rach privaten Briefen.) (Schluß.)

Unser Aufenthalt in Montevideo hatte uns dank der Liebenswürdigkeit unserer Landsleute mit Allem bekannt ge­macht, was diese reiche Kaufmannstadt an schönen Besitz­tümern birgt, und so konnten wir denn mit dem Gefühl voller Befriedigung Abschied nehmen. Es war ein schöner, prächtiger Morgen, als wir die Kuppelstadt in langsamer Fahrt durch den La Plata-Golf hinrer uns allmälig aus dem Auge verloren. Unser Ziel war Capstadt, als wir uns wieder in der anspruchslosen Stille des Ozeans befanden.

Das Wetter war schön, nur ließ der etwas niedrige Barometerstand einen baldigen Umschlag der Witterung be­fürchten. Wir fanden eine frische Brise mit etwas See­gang, doch änderte sich bald die Gunst der Witterung, und so mußten denn, da die Fahrt nach Capstadt beschleunigt werden sollte, die Feuer angezündet und unsere Kessel ge­heizt werden. Unter Dampf setzten wir sodann in erobern Kours die Reise fort. Hätte unsere Sehnsucht nach dem geliebten Vaterlande in Triebkraft umgesetzt werden können, so hätten wir statt unserer 12 Knoten das Doppelte der Fahrt gehabt, so aber blieb sie nur ein Motor im Herzen und ließ uns diese Tage auf dem Ozean nur noch länger werden. Im Ganzen verlief die Reise ganz angenehm. Wir hatten häufig Gelegenheit, den Kours von Schiffen aller Nationen und auch von deutschen Schiffen zu kreuzen. Es war das immer ein Ereignis, welches die allgemeine Aufmerksamkeit wachrief. Auf See, wo dem Menschen das

lehren beobachten, zwingen zur Konsequenz und Kontinuität der Vorstellungen, üben das methodische Suchen und er­möglichen endlich das sachliche Verständnis der Natur und der modernen Kultur. Daß die Vorbildung der Gymnasien eine einseitige sei und für viele Berufsarten ganz und gar "icht genüge, ist für den Vortragenden keinem Zweifel unterworfen. Dennoch, meint er, braucht mir bem Be­stehenden nicht plötzlich gebrochen zu werden. Man kann reduzierte Pensa des philologischen und naturwissenschaft­lich-mathematischen Lehrstoffes für alle Schüler obligatorisch machen, dabei aber doch in den oberen Schulklassen eine bescheidene Formfreiheit gewähren und so durch einige Rücksichtnahme auf die Individualität des Schülers diesem die Berufswahl mehr als bisher erleichtern und ihm eine für ben Beruf selbst geeignetere Vorbildung geben. Dem licht­vollen Vorträge folgte langanhaltender Beifall. Der Vor­sitzende spricht dem Herrn Redner im Namen des Vereins den, herzlichsten Dank aus. Vom Herrn Direktor Dr. Steinbart-Duisburg werden darauf die nachfolgenden Thesen begründet, welche die Versammlung en bloc mit über­wiegender Majorität annimmt:1. Die Bildungselemente, welche das Realgymnasium im Unterschied vorn Gymnasium besonders pflegt (neuere Sprachen, Mathematik, Natur­wissenschaft, Erdkunde, Zeichnen) sind für die allgemeine Bildung von höchstem Werte. 2. Bezüglich der fachlichen Vorbildung gewähren sie für eine ganze Anzahl von Studien auf den Hochschulen einen bedeutenden Vorzug vor der Bildung durch das Gymnasium 3. Das Realgymnasium ist aber in seiner Entwickelung verhindert und nicht im Stande, seine volle Leistungsfähigkeit zu entfalten, so lange demselben nicht die gleichen Berechtigungen zuerteilt werden wie dem Gymnasium. 4. Die Bevorzugung der Gymnasien setzt den Wert jener Bildungselemente herab und nötigt der großen Mehrzahl der Söhne der gebildeten Stände eine Vorbildung auf, die als allgemeine Bildung nicht mehr vollkommen genügt und die für manche Berufszweige geradezu ein Hemmnis werden kann." Der General­sekretär desVereins deutscher Ingenieure", Herr In­genieur Th. Peters aus Berlin, macht darauf eingehende Mitteilungen über die Tätigkeit der Unterrichtskommission desVereins deutscher Ingenieure" und verliest die Thesen, welche der Generalversammlung des genannten Vereins im August zu Koblenz zur Beratung vorgelegt werden sollen. Die Mitteilungen des Herrn Peters werden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Herr Direktor Meyer - Hannover lobt die ruhige Haltung der von der genannten Unterrichts­kommission bargebotenen Arbeit und begrüßt in den In­genieuren die besten Mitkämpfer für die Nealschulsache. Es werden daraus Mitteilungen über die Realschule in Slltona gemacht, welche mit einer ähnlichen Organisation, wie sie derVerein beutscher Ingenieure" empfiehlt, sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Es sprechen noch Geh.

ewige Einerlei von Wasser und Himmel umgievl, ist oas Geringste ein Gegenstand der Beachtung, und'ost richtet schon eine besondere, ungewöhnliche Wolkenbildung die Augen nach dem Himmel. Entgegenkommende deutsche Schiffe grüßten immer nach Landsmannsart mit Flagge und Signalen. Es waren gewöhnlich die Fragen:Wie heißt das Schiff?" Wo zu Hause?" undwelches Ziel?', welche ausgetauscht und dann mit einem gegenseitigenGlückliche Reise" ab­gebrochen wurden. Deutsche Dampfer von Bremen und Hamburg befuhren am häufigsten die Straße, unb zwei Mal rreujten wir auch mit einem gegenseitigenHurrah!" die Postflagge des Bremer Lloyd. Die Nächte waren meistens schon. Frischte die Brise auch manchmal zu einem kleinen Wmde auf, so hatten wir doch im Allgemeinen nicht unter ber Ungunst der Witterung zu leiden, und auch die eigent­liche Urheberin des ganzen Zaubers, den man im Atlantik bei gutem Wetter immer genießen kann, die Sonne blieb tagelang in unvergleichlicher Pracht bei uns. Zur Nachtzeit ergoß an den schönen Tagen das Mondlicht sein Silber über die zitterige Oberfläche der See und erzeugte dann lenes wahrhaft magische Geflimmer von Lichtschuppen, Silber« ringen und flüssigen Funken, wie dies ein einzigartiger Schmuck des Atlanttk ist. Unsere Reise nach Kapstadt wurde wu Exerzttien an den Segeln und Geschützen fleißig aus- £C=u^m ..A", iebem Vormittag und Nachmittag, wenn es das Wetter irgend zuließ, wurden die Geschütze losgemacht und die Wache tu die Takelage kommandiert, wo Segel los und Segel fest tn allen Variationen exerziert wurde.

., k108 landschaftliche Bild, welches Kapstadt

mit dem Tafelberg bildet, bekamen wir nach einer 20tägigen Steile in Sicht.. Das weiße Häusermeer der Stadt mit seinem üppig grünen Baumschmuck hob sich aus der brann- denden See, die sich an denLoivenkopf und die Molen" schlagt, als wir in die weitschauende Bai unseren Kours