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Skr. 88.
Marburg, Mittwoch, 14. April 1886.
XXI. Jahrgang.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Keirrtagen. — Quartal- Lbonnements-Breis bei der Expedition 2*/« Mk., bei den Postämter 2 Ml. 50 Pfz. (excl. Bestellgeld». Jn'iertionsgebabr für die geipaltene Zeile 10 Pfg. Retlam n für die Zeile 25 Pfg.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d BlatteS, sowie d.Annoncen-Burealqx von tzaasenstein undVogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M., Berlin,Vünchenund Köln; G. L. Daube und Co. n Frankfurt a. M., Berlin, Ha nover u.PariS.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sonutagsblatt.
Expedition Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Deutsches Reich.
Berlin, 12. April. Der provisorische Lokalausschuß der deutschen Gewerbeausstellung im Jahre 1888 wählte den Treptower Park, vorbehaltlich der städtischen Genehmigung, als Ausstellungsplatz. Dem Oberbürgermeister von Forckenbeck wurde die Ernennung des geschäftsführenden Ausschusses, übertragen. — Die Kommission für den Antrag, betreffend die Gleichstellung der Lehrer an nichtstaatlichen mit denen an staatlichen Anstalten, hat am Sonnabend die erste Lesung beendet, Nach lebhafter Diskussion wurde beschlossen, die Reliktenversorgung zwar nicht in das Gesetz aufzunehmen, aber doch in einer Resolution als notwendig zur Durchführung des Grundgedankens des Gesetzes zu bezeichnen. § 2 wurde in folgender Fasfung angenommen: „Bei der Pensionierung der in 8 1 genannten Lehrer kommt die Zeit in Anrechnung, während welcher der zu Pensionierende im öffentlichen Schuldienste in Preußen sich befunden hat." § 3 lautet nunmehr: „Statutarische Bestimmungen oder Verträge, durch welche die im § 1 genannten Lehrer ungünstiger gestellt werden sollen, als dies in den beiden vorhergehenden Paragraphen angeordnet ist, sind nichtig. § 4 bestimmt, daß dieses Gesetz mit dem 1. April 1887 in Kraft tritt. Die Resolution bezüglich der Relikten hat nachstehenden Wortlaut: „Die Königliche Staatsregierung aufzufordern, in nächster Session dem Hause der Abgeordneten einen Gesetzentwurf, betreffend die Fürsorge für Witwen und Waisen der Lehrer an den öffentlichen höheren Lehranstalten nichtstaatlichen Patronats mit der Maßnahme vorznlegen, daß derselbe sich gründe auf Beiträge der betreffendeu Lehrer und auf Beiträge der zur Unterhaltung der betreffeirden Anstalten Verpflichteten." Eine fernere Resolution wurde beschlossen des Inhalts: „die Königl. Staatsregierung aufzufordern, in Fällen, wo die eigenen Einnahmen der Lehranstalten und die Mittel .der Schulunterhaltungspflichtigen nicht ausreichen, in möglichst ausgiebiger Weise Subventtonen aus staatlichen Fonds zu gewähren und zu diesem Zweck in den nächsten Etat die erforderlichen Mittel einzustellen. Die Beschlüsse wurden sämtlich gefaßt mit allen Stimmen gegen diejenigen der Dcutschfreisinnigen und des Zentrums, des letzteren mit Ausnahme des Abgeordneten Peters. Schließlich wurde eine Redaktionskommission mit der Vorbereitung der gefaßten Beschlüsse für die zweite Lesung betraut. — Das vom Staatsrat durchberatene Gesetz, durch welches ein Teil der bisher der Regierung zustehenden Befugnis, betreffend die Feststellung und Aufbringung der Leistungen für die Volksschulen den Selbstverwaltungs- iörpern und Körperschaften übertragen werden soll, wird dem Abgeordnetenhause auch noch in dieser Session zugehen.
Weimar, 12. April. Die Prinzessin Elisabeth, die sich augenblicklich in Bordighera aufhält, hat sich mit dem Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin verlobt.
Geschichtskalenver.
14. April.
919. Heinrich L, der Vogelsteller, wird zu Fritzlar zum deutschen Kaiser gewählt.
1450. Markgraf Albrecht i. von Brandenburg-Ansbach, der dritte Sohn des verstorbenen Kurfürsten Friedrich L von Brandenburg, schlägt die Nürnberger und deren Bundes» truppen, da diese ihren drei Tage vorher bei Pillenreut errungenen Sieg nicht ausuützten.
1648. Schließlicher Vergleich der beiden hessischen Häuser, Cassel und Darmstadt, über den Besitz der seit drei und vierzig Jahren streitig gewesenen Marburger Erbschaft. Nach diesem Vergleich sind die Besitzverhältnisse von Oberhessen und mehrere, zumal kirchliche, Rechtszustände des casselischen Anteils bis in die neueste Zeit geordnet geblieben.
1796. Bonaparte schlägt die Oesterreicher und Piemontesen bei Dego.
1849. Die Ungarn unter den Feldherren Görgey, Bem und Dembtnsky, erklären ihr Land nebst Siebenbürgen und Zubehör für eine unabhängige Republik. Das Haus Habsburg ward „auf ewige Zeiten von der Regierung ausgeschlossen", und Koffnth vorläufig zum Präsidenten ernannt.
Im letzten Augenblicke.
Kriminal-Novelle von Eric d'OScar.
(Fortsetzung,)
Die Wirkung dieser Rede war eine großartige. Der Angeklagte, nun Freigesprochene hatte mit Ruhe und Festigkeit gesprochen und jeder Satz, jedes Wort trug das Gepräge der Wahrheit. Der Präsident befahl die sofortige Herbeischaffung der Wirtschafterin, deren Vorladung zur Verhandlung das Gericht vorher nicht für nötig erachtet hatte.
Ausland.
Wien, 12. April. In der heutigen Sitzung der Zucker - Enquete wurde das von dem österreichischen und dem ungarischen Minister vereinbarte Zuckersteuergesetz vorgelegt. Von 1888 an wird eine Produktensteuer eingeführt, welche für 100 Kilogramm 10 Gulden, für die niedere Sorte 8 Gulden beträgt. Die Export-Bonifikation soll lVs Gulden pro Kilo betragen. Die Bonifikationen dürfen nicht 4 Millionen Gulden übersteigen.
Rom, 12. April. Mehrere Journale melden, die allgemeinen Wahlen fänden im Mai statt, und dementieren die Nachricht, daß der König mit den Führern der Opposition konferiert habe.
London, 12. April. Der bisherige Unterstaatssekretär für Indien, Kay - Shuttlerwortb, wurde anstatt Heneage zum Kanzler des Herzogtums Lancaster ernannt und den „Daily News" zufolge auf seinem bisherigen Posten durch Stafford Howard ersetzt. Anstatt Collings wurde als Sekretär des Lokalgouvernmentboard Borlase ernannt. Der Rücktritt des Arbeitsministers Lord Morley wird amtlich bestätigt. Die Opposition gegen Gladstones Homerule-Bill wird allgemeiner und heftiger. Die „Times," der „Daily Telegraph," der „Standard" und fast alle übrigen Morgenblätter fahren in ihrer vernichtenden Kritik fort. Selbst die „Daily News" bezweifeln jetzt, ob die Vorlage in der gegenwärtigen Session Gesetzeskraft erhalte. Die öffentliche Agitation gegen Gladstones Bill beginnt am Mittwoch mit einem großen Meeting in „Her Majesty's Theatre" unter Vorsitz von Lord Cowper, welcher unter dem früheren Kabinette Gladstone Vizekönig von Irland war. Die erste Resolution dieses Meetings beantragt Lord Hartington, unterstützt von Lord Salisbury und Rylands, die zweite Resolution beantragt Goschen.
Brüssel, 12. April. Der russische Gesandte, Graf Bludor, ist gestern hier gestorben. — Der Advokat und Deputierte Vandersmiffen, der, wie gemeldet, auf seine Frau geschossen hat, hatte, nach der „Franks. Ztg." wegen der Affaire Dupleix eine Scheidungsklage gegen seine Frau angestrengt, hatte aber immer noch Beziehungen zu ihr. Seine Anwälte warfen ihm vor, sie zu täuschen. Er verlangte in der vorigen Nacht von seiner Frau die für ihn kompromittierenden Briefe, welche die Frau ihren Anwälten gegeben hatte. Infolge ihrer Weigerung feuerte er sechs Revolverschüsse auf die Frau ab, die tätlich verwundet wurde. Der Lärm brachte die Polizei herbei, welche den Thäter verhaftete, wozu es keiner Ermächtigung bedurfte, da er in flagranti betroffen wurde. Er gestand ruhig sein Verbrechen Heute wurde er verhört, er gibt an, in momentanem Wahnsinn gehandelt zu haben. Die Sen- sation in der Stadt und in der Kammer ist unbeschreiblich. Die Folgen einer Neuwahl für Brüssel sind unberechenbar.
Als sie kam und vernommen wurde, stimmten ihre Aussagen mit denen des Doktor Henric vollkommen überein. Sie war in jener Nacht von ihm geweckt worden, hatte Feuer angemacht, sich dann wieder niedergelegt, und am anderen Morgen vom Diener den Tod des Fremden erfahren.
Die Einzelhetten, die sie berichtete, waren genau dieselben, wie Doktor Henric sie angegeben hatte, so daß die Wahr- Hastigkeit und Unschuld des Letztereu uun sonnenklar war.
IV.
Der Präsident entließ die Zeugin.
Das Publikum begrüßte Dr. Henrics Freisprechung mit lautem Jubel, — da, — im letzten Augenblicke rief noch der Staatsprokurator die Zeugin zu sich.
„Als sie sich in dem Zimmer befanden, durch deffen Fenster man den Lichtschein gesehen hat," fragte er, .hatten Sie ein Licht in der Hand?"
„Ganz wohl."
„War der Angeklagte zugegen?"
„Ja."
„Hatte er ebenfalls ein Licht in der Haud?" „Nein, es stand auf dem Tische'"
„In diesem Zimmer schlief der Fremde, oder Sie glaubten, daß er noch schliefe?"
„Ja."
„Hatten Sie damals Feuer in dem Zimmer Ihres Herrn schon angemacht?"
„Ja."
„Weshalb gingen Sie in das Zimmer des Fremden, was hatten Sie da zu thun?"
„Ich wollte meinen Herrn fragen, ob ich wieder zu Bette gehen könne?"
„Woher wußteu Sie denn, daß Ihr Herr in jenem Zimmer sich befand?"
Sein Opfer, schwebt in der größten Lebensgefahr, denn eine Kugel ist der Frau in die Lunge gegangen.
Athen, 11. April. Die Kammer beendigte die Verhandlungen über die Politik des Ministeriums. Eine von mehreren Deputierten eingebrachte Tagesordnung, welche besagt, die Kammer dürfe nur zu einem Minister Vertrauen haben, der entschlossen sei, sofort den Krieg zu beginnen, wurde abgelehnt. Eine von anderen Deputierten beantragte Resolution, welche erklärt, daß die Kammer nach den stattgehabten Debatten der Regierung ihr vollständiges Vertrauen ausdrücke und zur Tagesordnung übergehe, wurde mit 129 gegen 83 Stimmen angenommen; 5 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Der Beschluß des Vertrauensvotums wurde mit großem Beifalle ausgenommen. — In einer gestern stattgehabten Versammlung hielt der Ministerpräsibent Delyannis eine Ansprache, in welcher er die Politik des Kabinetts verteidigte, Ruhe und Achtung gegenüber den gegnerischen Meinungen anempsahl, sowie die Hoffnung aussprach, daß die Mächte die Ansprüche Griechenlands berücksichtigen würden, da dieselben berechtigt seien und den allgemeinen europäischen Interessen nicht widersprächen.
Kairo, 12. April. Die egyptische Regierung macht bekannt, daß in Djemsah (150 Meilen von Suez) infolge der von der Regierung veranlaßten Bohrungen Oel gefunden worden ist mit einem Ertrag von 150 Kubikmetern in 24 Stunden. Die Regierung erklärt sich bereit, in L>uez Proben zu liefern für alle Fabrikanten, welche die Qualität zu prüfen wünschen. Das Arbeitsministerium in Kairo gibt jede gewünschte weitere Auskunft.
Washington, 12. April. Ein von der Finanzkommission im Repräsentantenhause eingebrachter Bericht über den Tarif beantragt namentlich die Beseitigung der Zölle auf Artikel, welche von amerikanischen Industriellen verarbeitet werden, da dieselben durch die Zölle gegenüber der auswärtigen Konkurrenz in eine sehr ungünstige Lage versetzt werden. Der Bericht empfiehlt die Beseitigung der Zölle auf viele Artikel, darunter auf Wolle, Hanf, Flachs und Salz.
Hesse«-Nassau.
Marburg, 13. April. In der „Philosophie" haben nun bereits die Erdarbeiten ihren Anfang genommen, um sie demnächst erhöht und verbreitert als „Universitätsstraße" erstehen zu lassen. Ein Eisenbahngeleis nach Ockershausen, wo. das Auffüllungsmaterial geholt wird, ist auch soweit fertig, daß der erste Lokomotivpfiff in dieser Gegend sich bald hören lassen wird, kurz, es beginnt in diesem demnächstigen neuen Stadtteil eine Thätigkeit, von der es nicht nur heißeu wird, Marburg wird Weltstadt, sondern ist eine solche.
— Dem Forstmeister von der Decken zu Cassel ist
„Er war krank, und so dachte ich mir, er sei dahingegangen, um ein Arzneimittel sich zu holen."
„Also er hat dort Arzneimittel vorrätig; wahrscheinlich in einem Schranke?"
Die Frau antwortete nicht.
„Es scheint, als wenn Sie mich nicht verstanden hätten. Ich frage Sie, ob Ihr Herr die Arznei, die er hatte holen wollen, in einem Schranke aufbewahrte. Ferner, ob er sie auch aus dem Schranke auch wirklich genommen und ob er dabei die Thüre des Schrankes offen stehen ließ oder wieder schloß?"
„AIS er ein Fläschchen Arznei herausgenommeu, schloß er die Thüre wieder zu."
„Und dann öffnete er die Thüre wieder, um das Fläschchen hineinzustellen?"
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„Wie lange blieb der Schrank offen?"
„Ungefähr eine Minute."
„Hatten Sie während der Zett immer das Licht in der Hand?"
_ „Nein, ich hatte es auf den Tisch gestellt."
„Befindet sich die Thür des Schrankes, wenn sie geöffnet wird, gerade zwischen dem Tische, auf dem die beiden Lichter standen, und dem Fenster in der Mitte?"
„Ich glaube wohl."
„Aber ich besinne mich nicht mehr — sagten Sie mir nicht schon, wo der Schrank steht, rechts oder links vom Fenster?"
„Links, der Stubenihüre gegenüber."
„Hat der Schrank noch an derselben Stelle sich befunden, als Sie den Dienst ihres Herrn verließen, — oder hat man ihn vielleicht in ein anderes Zimmer dann gebracht?"
Die Fran schwieg wieder, während auf ihrem Gesicht ein Befremden sich ausdrückte, welches zu sagen schien, daß