Einzelbild herunterladen
 

Skr 86

Marburg, Sonntag, 11. April 1886.

XXI. Jahrgang.

beWsche jtitinig

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt.

_________ _________Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. "

14 gegen 7 Stimmen an, nach welchem in der Provinz

bo. n Frankfurt a. M., Brrlin, Ha nover u.PariS.

Geschichtskalender.

11. April.

1637. Kaufte die Landgräfin Amalie Elisabeth das Schloß .kein an der Werra von den von Bischofshausen.

1713. Unterzeichnung der Utrechter Separat-Friedens; von England, Savoyen, Portugal, Preußen und den Nteder- landen nach einander mit Frankreich abgeschlossen. Das deutsche Reich stand sonach wieder vereinzelt, setzte aber dessenungeachtet den Krieg noch einige Zeit lang fort, bis 1714 am 7. März der jämmerliche Rastatter Friede zu Stande kam.

1805 Dritte Koalttion der Großmächte England, Rußland und Oesterreich gegen Frankreich. Der König Friedrich Wilhelm HL von Preußen blieb, zum Teil aus Unent. schlofienhett, zum Teil aus Mißmut über Rußlands ttotztges Drängen, parteilos und versäumte so eine gute Gelegenheit, den gemeinsamen Feind zu übermannen. w£eioPalrV{50ter rächte sich dies schwer an Preußen.

1806. Anastastus Grün (Graf von Auersberg), ein deutscher Dichter, zu Laibach geboren.

1814. Napoleon I. entsagt zu Fontainebleau für sich und feine Erben der Kaiserkrone und muß sich auf die Insel Elba begeben, über welche er alle Selbstherrlichkeit erhält.

12. April.

1646. Förmliche Abtretung des Elsasses an Frankreich, nachdem Kaiser Ferdinand in. den Kriegsdrohungen der Franzosen gegenüber keinen anderen Ausweg mehr kannte.

1796. Erster Sieg Bonapartes über die Oesterreicher bei Monte Rott« in Oberitalien.

1798. Die revolutionäre Partei der schweizerische» Eidge­nossenschaft erklärt dieselbe nach französischer Art für eine einheitliche und unteilbare Republik.

1809. Andreas Hofer erstürmt JnSbruck und zwingt ein Bataillon die Waffen zn strecken.

1848. Badischer Aufstand durch die Demokraten unter Fr. Hecker.

Deutsches Reich.

' der««, 9. April. DerKreuz-Ztg." zufolge hat die Kurie sich neuerdings bereit erklärt, die Anzeigepflicht ohne Rückhalt jetzt zu bewilligen, nachdem Fürst Bismarck erklärt hat, ohne eine solche Konzession würde die Kirchen­vorlage von beiden Häusern des Landtages abgelehnt wer­den. Die Kurie setzte dabei voraus, die Regierung werde die Erklärung abgeben, daß sie demnächst eine Revision der maigesetzlichen Anzeigepflicht dem Landtage vorzuschlagen bereit sei. Dem Vernehmen nach sei die Regierung dazu bereit. Die Annahme der Kirchenvorlage und damit die Herstellung des kirchlichen Friedens erscheine sonach ge­sichert. DiePost" schreibt: Eine Rote des Kardinal- Staatssekretärs Jacobini ist heute bei der Regierung ein­gegangen, welche bezüglich der Anzeigepflicht Konzessionen m Aussicht stellt und somit doch noch einen Ausgleich im kirchenpolitischen Streite zu ermöglichen scheint. In der am 8. d. Mts. abgehaltenen Plenarsitzung des Bundes­rats legte der Vorsitzende, Staatsminister, Staatssekretär des Innern, von Bötticher, eine Mitteilung des Präsidenten des Reichstages vor, nach welcher der letztere den Entwurf eines Gesetzes betreffend die Abänderung der Gewerbeord­nung, in unveränderter Fassung angenommen hat. Das Gesetz wird zur Allerhöchsten Vollziehung vorgelegt werden. Dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß - Lothringen über die Gefängnisverwaltung wurde in der vom Landesaus- schusse abgeänderten Fassung die Zustimmung erteilt. Mit der bereits erfolgten Ueberweisung des Gesetzentwurfs über die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Ge­richtsverhandlungen an den Ausschuß für Justizwesen er­klärte sich die Versammlung einverstanden und beschloß, die Vorlage, betreffend die Beschlüsse des Landesausschusses mn Elsaß-Lothringen zu dem Entwurf eines Gesetzes für Elfatz-Lothringen über die Ausstellung gerichtlicher Erb- bescheiuigungen und die Zuständigkeit der Amtsgerichte, dem Ausschuß für Justizwesen und dem Ausschuß für Elsaß-Lothringen, die Vorlage wegen Ausdehnung der Unfallversicherungspflicht der Bauarbeiter auf Schreiner-, Einsetzer-, Schlaffer- und Anschlägerarbeiten dem Ausschuß für Handel und Verkehr zur Vorberatung zu übergeben. Endlich wurde über die geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben Beschluß gefaßt. Der Nachtragsetat pro 1886/87 ist nebst dem Gesetz betreffend die Deckung der Ausgaben dem Abgeordnetenhause zugegangen; derselbe fordert zu den dauernden Ausgaben 903 600 Mark, zu den einmaligen Ausgaben 2774500 Mark, zusammen 3 678 100 Mark, darunter zur Ergänzung des Fonds für Studierende deutscher Herkunft zum Zwecke von deren späterer Verwendung in Westpreußen, Posen und dem Regierungsbezirk Oppeln 100000 Mark, für die För-

I merder die Städte mit mehr als 10,000 Einwohnern von der Geltung des Gesetzes ausgenommen sein sollen. Schließ- lich wurde das ganze Gesetz mit 12 gegen 9 Stimmen (Freisinnige, Zentrum, Polen und Abg. Sack) angenommen. Der Justlzminister Dr. Friedberg in Berlin wird am l4, b: Mts' sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feiern. 45on den Rlchterkollegien, Justizbeamten rc werden zur Feier des Tages umfaffende Vorbereitungen getroffen . DieNational-Zeitung" berichtet in Nr. 226 aus einem Artikel derMagdeburger Zeitung", daß zufolge der Anregung des Abgeordneten Dr. Virchow bei Beratung des Kultusetats sofort sowohl seitens der Regierung wie der hiesigen medizinischen Fakultät und des Reichs-Gesund­heitsamtes alles Erforderliche geschehen wird, um die Toll­wut-Behandlung des Herrn Pasteur in Paris auf das Sorgfältigste kennen zu lernen, um die bisherigen Ergeb­nisse auf ihren wissenschaftlichen Wert hin feststellen zu können. In demselben Artikel heißt es:Es wird als I wünschenswert angesehen, der Herr Kultusminister möge die Herren Koch und Virchow mit einer Mission nach Paris betrauen." Der sachliche Inhalt des Referats ent­behrt nach unfern Informationen der Begründung. Es bedurfte wahrlich nicht erst der Anregung des Herrn Dr. Bechow, um die Aufmerksamkeit der beteiligten Behörden des Reichs und Preußens auf die Tollwutbehandlung Pasteurs zu lenken. Dieselben haben vielmehr, wie der Herr Kultusminister in seiner Entgegnung auf Virchows Rede im Abgeordnetenhause treffend ausgeführt hat, schon weit früher die Angelegenheit gebührend beobachtet. Wie richtig ihre reservierte Haltung ist, wird von Tag zu Tag offenbarer. Wir wollen für heute nur auf die wiederholt in der Tagespresse berichteten Mißerfolge der Tollwut­impfung sowie darauf Hinweisen, daß die Frage für uns durchaus keine erhebliche praktische Bedeutung hat, da Todesfälle von Menschen infolge des Bisses wütender Tiere im Deutschen Reiche, Dank unserer trefflichen veterinär- polizeilichen Maßnahmen, kaum noch vorkommen. In Oesterreich teilt man übrigens die deutsche Auffassung der neuen Entdeckung und verlangt nicht in das sorgfältig vor den kontrolierenden Augen der Fachmänner gehütete Ge­heimnis des Erfinders weiter einzudringen, als derselbe freiwillig gestattet.

Der Diätenprozeß des Fiskus gegen Dirichlet kam am Mittwoch in zweiter Instanz in Königsberg zur Ver­handlung. DieKönigsberger Hart. Ztg." berichtet darüber: _ . ~ . Heute (Mittwoch) wurde vor dem 3. Zivilsenat des hie-

Kommlsfton nahm I sigen Kgl. Oberlandesgerichts in dem Prozesse verhandelt,

5nnmnbeff»ArfUtf<?-U Mädchenschulwesens daselbst I ferner den Antrag der Abgg. Weffel und v. Zedlitz mit baf?fhft09nnßno M /'s. Erstarkung der Schulaufsicht 14 gegen 7 Stimmen an, nach welchem in der Provinz tarschmbauten daselbst 2 Millionen Mark, zur Vervoll­ständigung der Hafenanlagen zu Gestemünde (erste Rate» 700000 M. Zur Deckung der Ausgaben ist eine Anleihe durch Veräußerung von Schuldverschreibungen vorgesehen. In welchen Beträgen, zu welchem Zinsfüße, zu welchen Be­dingungen der Kündigung und zu welchen Kursen die Schuld­verschreibungen auszugeben sind, bestimmt der Finanzminister. Die X I. Kommission des Abgeordnetenhauses beendete am Donnerstag abend die erste Lesung des von dem Abg. Dr.

Kropatscheck vorgelegten Gesetzentwurfs, betreffend die Gleich­stellung der Lehrer an höheren Lehranstalten nichtstaatlichen Patronats mit denen staatlichen Patronats. Nach dem Amendement Kropatscheck- v. Schenckendorff wurde § 2 in folgender Fassung angenommen:Bei der Pensionierung der int § 1 genannten Lehrer kommt die gesamte Zeit in Anrechnung, während welcher der zu Pensionierende im öffentlichen Schuldienst in Preußen sich befunden hat. § 14 der Verordnung vom 28. Mai 1846 wird aufgehoben. Statuarische Bestimmungen oder Verträge, durch welche die im § 1 genannten Lehrer ungünstiger gestellt werden, als es in diesem Gesetz angeordnet ist, sind nichtig." Zur Annahme gelangten ferner folgende beiden Resolutionen: 1. Die Königl. Regierung aufzufordern, in der nächsten Session dem Hause der Abgeordneten einen Gesetzentwurf, betreffend die Fürsorge der Wittwen und Waisen der Lehrer an den öffentlichen höheren Lehranstalten vorzu- zulegen, mit der Maßgabe, daß derselbe sich gründet auf Beitrage der betreffenden Lehrer und der zur Unterhaltung jener Anstalt Verpflichteten. 2. Die Königliche Staats- regierung aufzufordern, in Fällen, wo die eigenen Ein­nahmen der Lehranstalt und die Mittel der Schulunter- i haltungspflichtigen zur Erhaltung derselben nach Maßgabe der §§ 1 und 2 nachweisbar nicht ausreichen, in möglichst ausgiebiger Weise Subventionen aus staatlichen Fonds zu gewahren und zu diesem Zweck die erforderlichen Mittel in den nächsten Etat einzustellen. Sodann wurde noch eine Redaktionskommission gewählt, bestehend aus den Abgg. v. Schenckendorff, Dr. Kropatscheck, Dr. Langerhans, von Oertzen, Dr. Peters. Die zweite Lesung soll zu Anfang der nächsten Woche stattfinden. Zum Berichterstatter wurde Abg. v. Oertzen (Jüterbogk) bestimmt. Die Kommission des Abgeordnetenhauses für den Entwurf des Schullehrer- Anstellungsgesetzes nahm mit 11 gegen 10 Stimmen dm Antrag der Abgg. Sack und v. Schwerin an, nach welchem I das Gesetz nur für die Provinz Posen und den Regierungs­bezirk Marienwerder gelten soll; die Kommission nahm I

Hat sich nun der Angeklagte, der aus dem Munde des Herr» de Braz erfahren haben kann, daß er eine bedeutende Geld- summe bei sich führe, an seinem Gaste einer so schwarzen Unflat schuldig gemacht? Ich behaupte, daß dem so feil*

Nachdem der Staatsprokurator noch versucht hatte, die Schuld des Angeklagte» auf eine sehr künstliche, aber durch, aus nicht legale und überzeugende Weise als wahrscheinlich hinzustelle», ging er auf die Beschreibung der Oertlichkett über, woselbst der Tod des Herrn de Braz stattgefuuden hatte.

Das Haus des Angeschuldigten wurde nur von diesem, seiner Haushälterin nnd dem Diener bewohnt. Letzterer schlief in einem kleinen Gehöfte, neben dem Pferdestall.

Der Dottor hatte die Räume an dem einen Ende des Hauses inne, während das Zimmer der Wirtschafterin sich am anderen Ende befand. Das Schlafgemach, welches Herrn de Braz angewiesen worden war, lag in der Nähe des von der Wirtschafterin bewohnten Zimmers, und zu den sämmtlichen Räumen führt ein Korridor, der die ganze Länge des Hauses durchschneidet. Uebrigens ist noch ein Zeuge vorhanden, dessen Aussage für die localen Verhältnisse von großer Wichtigkeit ist, ich Beantrage dessen sofortige Vernehmung.

Der Präsident hatte nichts dagegen; ein gewisser Verron aus Delle, der sich von Botendiensten ernährte und deßhalb oft spät Nachts vou feinen Gängen in die Stadt zurück- kehrte, wurde vorgeführt. Derselbe sagte Folgende» aus:

In der Nacht, in welcher der fremde Reisende starb, ging ich nm 2 Uhr früh an dem Hause des Dr. Henric vorbei. Daichzu so später Stunde noch Licht darin be­merkte, so blieb ich eine Welle stehen, und sah, wie Jemand mit dem Lichte aus einem Zimmer in das andere ging. Ich konnte aber nicht unterscheiden, ob die Person ein Man« oder eine Frau war. Nach einigen Minute» kamen zwei Personen ans dem einen Zimmer nnd eine Mnute lang stellte sich etwas Breites, wie eine Thür oder ein Schirm

SrsLeint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal- KbonnementS-Preis bei ber Expedition 2'/t 'IRL, bei den Postämter 2 Mk. 50 SS texcl. Bestellgeld).

.sertionSgebübr für die gstpaltene Zelle 10 Pfg. Peklamen für die Zelle

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b- Blattes, sowie d. Annoncen-Bureautz von Haasenstein undLoaler in Frankfurt a. St, Cassel, Magbeburg utib Wien: Rudolf Stoffe in grantfirtt a M-, Berlin,Vünchenund

Köln; G. L. Daube und

Im letzten Augenblicke.

Kriminal-Novelle von Eric b'Oscar.

(Fortsetzung,)

Er begann mit einer Darlegung der Sache, welche im Allgemeinen wenig von der Mitteilung abwtch, die wir davon bereits gegeben haben. Dann kam er auf den wich­tigsten Punkt, auf die Todesursache des Verstorbenen zu spreche», und hier sah er sich lediglich auf das Gebiet der Hypothesen angewiesen.

Es hat notwendig eine Vergiftung stattgefunden,* sagte er.Die Aerzle behaupten eS zwar nicht, aber ebenso­wenig vermögen sie eine andere Todesursache anzugeben. ES muß daher angenommen werden, daß man sich keines gewöhnlichen Giftes bedient habe, sondern einer ganz neuer­lichen Entdeckung der Wissenschaft, einer eigentümlichen Substanz, deren Wirkung ebenso schrecklich als schnell und unbegreiflich ist. Dieses Gift läßt an dem Leichnam nicht die mindeste Spur zurück, und kein Arzt hat bis jetzt die Wirkung dieses unbekannten, totbringenden Elements er­klären können. Ein solches Gift hat unzweifelhaft dem Leben des Herrn de Braz ein Ziel gesetzt. Aber welche Person hat es ihm beigebracht? Hier kommen wir aus einer Dunkelheit in die andere. Liegt ein Selbstmord vor? Nichts ist unwahrscheinlicher! Der Angeklagte behauptet, nicht im Besitze von Gifte» zu sei», auch hat mau in seinem Hause nichts vorgefunden, was seiner Behauptung hätte widersprechen können.

Ein anderer Umstand ist zur Sprache gekommen, der den Angeschuldigten zu belasten schien: er sagte, daß der Verstorbene sich ihm als ein Pariser Kaufmann Charlot vorgestellt habe, aber die angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß dies nicht positiv unwahr sei. Denn Herr de Braz, dessen Gebieterin aus Frankreich verbannt ist, konnte Gründe haben, nicht unter seinem wahren Namen die Reise »ach Paris zn machen. Dies hat auch der Zenge Herr Marmold, Haushofmeister der Königin Hortense, bestätigt.