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Marburg, Dienstag, 6. April 1886.

XXI. Jahrgang

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des Aufwandes meiner ganzen Ueberredungskunst bedurft, aber schließlich hat die Mutter nachgegeben, und nun häugt es nur noch davon ab, ob Sie die Bedingungen eingehen wollen, die man Ihnen stellt.*

rief Marthe freudig,wenn Sie und die Mutter glauben, daß ich sie eingehen kann, dann ist doch wohl kein Zweifel?"

Sa,* meinte der Professor,das ist so eine Sache, es ist nämlich zu einem einzelnen Herrn.*

Zu einem einzelnen Herrn?* fragte Marthe etwas verblüfft,und damit ist Mütterchen nicht einverstanden?*

O ja, ganz einverstanden. Sie will sogar mitgehen.*

Mich hiubringen, meinen Sie? Dann hallt sie es also für passend?* Die Frage klang etwas zweifelnd.

Gewiß. Dann ist aber noch was zu bemerken. Sie müssen sich gleich auf sehr lange Zeit binden.*

Gleich? Weiß der Herr denn, ob er mit mir zufrieden sein wird?*

Das wird er schon! Die Frage ist nur, ob eS Ihnen bei ihm gefallen wird. Denken Sie sich einen Gelehrte», nicht mehr ganz jung, ziemlich ernst und streng, zuweilen schroff, manchmal heftig und sogarmngerecht, kurz ungefähr so einen Menschen, tote ich einer bin. Und nun müssen Sie wissen, daß dieser Mensch sich in den Kopf gesetzt hat, seine Haushälterin nur lebenslänglich zu engagieren. Was sagen Sie zu diesem einem solchen Patron?*

Hier erwartete er sicher eine Antwort; doch Marthe saß über ihre Arbeit gebeugt, und nur ein tiefes Erröten zeigte an, daß nun eine Ahnung in ihr aufstieg, worauf der sonderbare Antrag eigentlich hinzielte.

Ehe sie sich von ihrer Bestürzung erholt hatte, faßte

Wir richten an unsere geehrten auswärtige.» Abonnenten das freundliche Ersuchen,

die Erneuerung des Abonnements bei den betreffenden Post-Anstalten baldigst zu machen,

da wir vollständige Exemplare sonst nicht mehr nachliefern können.

Schuldienst in Preußen sich befunden hat. (Der § 14 der Verordnung vom 28. Mai 1846 wird aufgehoben.) Von der Entrichtung der Witwen- und Waisenbeiträge bleiben diejenigen Direktoren und Lehrer befreit, welche Mitglieder einer staatlichen oder kommunalen Veranstal­tung zur Versorgung der Hinterbliebenen von Beamten und derselben nicht erst nach der Verkündigung dieses Ge­setzes beigetreten sind, wenn sie binnen 3 Monaten nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes durch eine schriftliche Erklärung für ihre etwaigen künftigen Hinterbliebenen auf das in den Paragraphen 7 ff. des Gesetzes vom 20. Mai 1882 be­stimmte Witwen- und Waisengeld verzichten. Andernfalls sind sie berechtigt, aus den betreffenden Anstalten auszu­scheiden. Die Mitglieder der Allgemeinen Witwen - Ver­pflegungsanstalt können, wenn sie Beiträge nach Maßgabe dieses Gesetzes bezahlen, aus der Anstalt ausscheiden, aber auch in derselben verbleiben und ihre Versicherung herab­setzen. Der Austritt ist auch "nach Ablauf der drei Monate noch zulässig. § 3 soll gestrichen werden; dafür wird folgende Resolution in Vorschlag gebracht:die königliche Staatsregierung aufzufordern, in Fällen, wo die eigenen Einnahmen der Lehranstalten und die Mittel der Schulunterhaltungspflichtigen zur Erhaltung derselben nach Maßgabe der Paragraphen 1 und 2 nachweisbar nicht ausreichen, in möglichst ausgiebiger Weise Sub­ventionen aus staatlichen Fonds zu gewähren und zu diesem Zweck die erforderlichen Mittel in den Etat einzustellen." Die in der Presse verbreitete Nachricht, daß die Beratungen der Abteilungen des Staatsrats über die Organisation der Kommission zur Durchführung des Ansiedelungsgesetzes für Westpreußen und Posen noch nicht zum Abschluß gebracht seien und am Montag wieder ausgenommen werden würden, dürste denBerl. Pol. Nachr." zufolge, nicht ganz zu­treffend sein, lieber diese Materien soll nur noch die Feststellung des an das Staatsministerium zu erstattenden Berichts ausstehen. Die auf Montag anberaumte Be­ratung des Staatsrats soll dagegen, wie dasselbe Korre­spondenzorgan vernimmt, eine ganz andere gesetzgeberische Materie ganz allgemeinen Charakters betreffen und zwar einen legislatorischen Plan, welcher darauf abzielt, dm Organen der Selbstverwaltung einen Teil der Befugnisse auf dem Gebiete des Volksschulwesens zu übertragen, welche gegenwärttg der Regierung allein zustehen. Es gelte dies insbesondere von der Normierung der Be- öldungen der Volksschullehrer und ähnlichen auf die Höhe der Schullasten einwirkenden Bestimmungen. Die Ein­berufung der kirchenpolittschen Kommission des Herrenhauses zu einer Sitzung auf nächsten Montag ist gänzlich unerwartet gekommen. Die meisten Mitglieder, darunter auch Bischof Kopp, hatten Berlin verlassen und werden telegraphisch beigerufen. Die Erklärung dieser neuesten Wendung ist nicht schwer. Herr von Schlözer hat aus Rom Zusagen des Papste- überbracht, auf Grund deren die Kommission die Ordre erhält, die vor einigen Tagen von ihr abgelehnten Anträge des Bischofs Kopp

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. der Professor ihre beiden Hände in die seinen, und in uu. endlich weichem, warmem Tone fragte er:Nun Marthe wirst Du es bei einem solchen Menschen aushalten können?*'

Er erhielt keine Antwort in Worten, aber sie mußte doch verständlich für ihn gewesen sein; denn plötzlich um­schlang er das junge Mädchen, drückte einen Kuß auf ihre Lippen und rief bann laut;

Mütterchen! Marthe hat die Stelle angenommen !*

Und mir hat sie gesagt, sie dächte noch nicht ans Hei- raten, brummte Dr. Schulz, als das Brautpaar beim Nachtessen von der glückstrahlenden Mutter der Gesellschaft vorgestellt wurde.

Einige Tage später begleitete Marthe die Freundin anx den Bahnzug, der sie nach glänzend bestandenem Examen zu ihren Eltern bringen sollte, die das Töchterchen erst einige Wochen bei sich haben wollten, ehe sie in ihrer Stellung bei der Gräfin Redern eintrat. In einem versteckten Ende des Wartesaals verbrachten die beiden Mädchen die Zeit die noch bis zum Abgang des Zuges in traulichem Gespräche' olteoen.

,-Und nun gesteh mir, Marie,* bat Marthe, wie ist er zwischen Dir und Fritz?* '

Unb leife, ganz leise flüsterte Marie: .Es ist Alles gut.* Dann aber fuhr sie in ihrer gewöhnlichen heiteren Wette fort:Aber wir habens nicht so eilig wie Ihr Beibe. Ehe wir uns bas Nest bauen, will ich mir erst bie Welt noch em Bischen ansehen, bas lasse ich mir nicht nehmen. Unb wenn lchs müde hin, draußen herumzuflattern, bann romme ich heim, unb zwar zu allererst zu ber Frau Pro- feffor, um von ihr zu lernen, wie man ejne gute Hausfrau wirb.*

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Soimtaasblatt . Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

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nunmehr anzunehmen. Wahrscheinlich werden noch neue Anträge gestellt werden. Man spricht sogar von einer wert über den Rahmen der jetzigen Vorlage hinausgehenden Revrfton der Malgesetze. Ein Ausgleich gilt jedenfalls für 9 r-i1;n ®er »Reichsanzeiger" meldet: Infolge der gefährdeten Lage der Stadt Danzig und des unteren Teiles ^5.Aorner Niederung durch die Eisstopfungen in der

fattbte der Arbeilsminister den Geheimen Baurat Koslowski in die bedrohte Gegend.

Stuttgart, 3. April. Die hiesigen Blätter melden bestimmt, daß der Höchstkommandierende unseres Armee­korps General von Schachtmeyer wegen vorgerückten Alters seine Pensionierung nachgesucht habe; auch Kriegsminister Sternhell werde in Ruhestand treten.

Ausland.

DasFremdenblatt" schreibt: Die Absendung von sechs Torpedobooten zu der österreichischen Eskadre in der Suda-Bay beweist den Willen der Mächte die Blokade gegen Griechenland eventuell effektiv auszu­fuhren. Italien hat auch Torpedoboote gesandt.

Pest, 3. April. Im Abgeordnetenhause brachten ^stoczy und Genossen einen Gesetzentwurf ein, betreffs Be- steuerung der Börsengeschäfte, über den das Haus am 14. April in Beratung treten wird.

Landau, 3. April. Nach einer der Regierung zu­gegangenen Mitteilung verließ das russische Geschwader gestern nachmittag Syra und kehrte nach der Sildabai zuruck. Aus Montevideo wird gemeldet: Am 1. April W eine Schlacht zwischen den Negieiungstruppm und den Aufständischen stattgefunden; letztere wurden geschlagen und erlitten große Verluste. In Portsmouth sollen bis zum 7. April 4 Torpedobote in Dienst gestellt werden, um zum englischen Geschwader im Mittelmeer abzugchen.

Sofia, 3. April. Zn der Antwort des Fürsten Alexander an den Großvezier heißt es: Seine Wünsche und Bemühungen gingen dahin, Bulgarien entsprechend den von ihm gebrachten Opfern sicherzustellen, sowie die einzige gesetzmäßige Souveränität des Sultans aufrecht zu erhalten. Er werde seine Hände nicht zur Wiederherstellung

Zustandes leihen, welcher den Interessen des Friedens schädlich wäre. Er halte das türkisch-bulgarische Abkommen vom 1. Februar aufrecht und lehne ein türkisch-europäisches Arrangement ab, wenn seine Forderung hinsichtlich der tform ber Ernennung nicht in Erwägung gezogen werde. .Er erfülle eine heilige Pflicht gegen das Volk und glaube, das Interesse seines Souveräns zu vertreten. Er habe zahlreiche Beweise seiner Ergebenheit gegenüber seinem Souverän gegeben, um glauben zu dürfen, der Sultan werde die Weigerung, die durch des Sultans eigeue Interessen diktiert seien, würdigen.

Konstantinopel, 2. April. Gadban Effendi-be- gibt sich heute nachts nach Sofia, um dem Fürsten Alexander die Beschlüsse des Ministerrats zu übermitteln, welche dem­selben dringend Entgegenkommen anraten. Der Mi-

Dentsches Reich.

Berlin, 3. April. Dem Bundesrate ist ein Gesetz- Entwurf über die mit Ausschluß der Oeffentlichkeit statt­findenden Gerichtsverhandlungen zugegangen. Danach kann der Vorfitzende bei solchen Verhandlungen den Beteiligten die Gcheimhaltung des Inhalts der Verhandlungen zur Pflicht machen; die Presse darf über solche Verhandlungen keine Berichte bringen; die Verkündigung der Urteilsformel erfolgt aber öffentlich. Die 11. Kommission des Ab­geordnetenhauses zur Vorberatung des Antrags Kropat- scheck, betreffend die Gleichstellung der Lehrer an höheren Lehranstalten nicht staatlichen Patronats mit denen staat­lichen Patronats, hat heute ihre vor vier Wochen ange- setzten Sitzungen wieder aufgenommen. Die Kommission beschäftigte sich eingehend mit dem vom Kultusministerium vorgelegten statistischen Material. Die Spezialdiskussion wird am Montag, den 5. April, beginnen. Zu derselben hat Abgeordneter Dr Kropatscheck in Gemeinschaft mit dem Vorsitzenden der Kommission, Abgeordneter v. Schencken- dorff, ben Antrag gestellt, für die Paragraphen 1 und 2 des ursprünglichen Entwurfs die folgenden Paragraphen zu setzen: 8 1. Für die Direktoren und Lehrer (Ober­lehrer, ordentliche Lehrer, technische- und Elementarlehrer) an den nichtstaatlichen öffentlichen Lehranstalten, finden hinsichtlich des Gehaltes und des Wohnungsgeldznschusses diejenigen Bestimmungen Anwendung, die für die Lehrer der entsprechenden Lehranstalten staatlichen Patronats in Geltung sind. Wird den Direktoren und Lehrern nicht­staatlicher Lehranstalten gegenwärtig eine höhere Gesamt­summe an Gehalt und Wohnungsgeldzuschuß gewährt, als es an ben entsprechenden staatlichen Schulen der Fall ist, so finden jene Vorschriften auf dieselben keine Anwendung. Als höhere Lehranstalten find anzusehen die Gymnasien Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasten, Real- Progymnasien, Realschulen, höhere Bürgerschulen und land­wirtschaftliche Schulen. Realschulen, höhere Bürgerschulen unb landwirtschaftliche Schulen gelten, so lange der Staat derartige Schulen seinerseits nicht ins Leben ruft, als den Progymnasien bezw. Realprogymnasien gleichgestellt. 8 2. Die gesetzlichen Bestimmungen über die Pensionierung und über die Fürsorge für Witwen und Waisen finden auch auf die Direktoren und Lehrer an den nichtstaatlichen Lehranstalten sinngemäße Anwendung. Bei Berechnung der Dienstzeit kommt die gesamte Zeit in Anrechnung, während welcher der zu Pensionierende im öffentlichen

Geschichtskalender.

6. April.

1528. Alb. Dürer, berühmter Maler, Kupferstecher und Holzschneider, stirbt zu Nürnberg.

1622. Schlacht bei Wimpfen, in welcher ber Markgraf von Baden bem kaiserlichen Felbherrn Tilly eine empfind- liche Nieberlage bereitet.

1637. Würbe Eschwege von ben Croaten besetzt unb gänzlich verwüstet.

1809. Die österreichische Kriegserklärung gegen Frankreich, obgleich Erzherzog Karl bie Rüstungen noch nicht für vollendet erklärt hatte, und die englischen Hülssgelber auf sich warten ließen.

1850. Preußen übernimmt Hohenzollern.

Verkannt.

Novelle von Leo S»ntag. (Fortsetzung,)

Der Gedanke, daß zwischen dem Professor unb Marie ein tieferes Interesse liege, wurde rasch von Marthe wieder verbannt; hatte sie ja augenblicklich keine Zeit ihm nachzu- hangen; beim ber Ausgang ber Unterredung des Professors mit ihrer Mutter nahm ihr ganzes Sinnen und Denken in Anspruch. Fast bebend vor Aufregung nahm sie ihren ge­wohnten Platz am Fenster ein unb hatte eben mechanisch j-uie Handarbeit ausgenommen, als Hauswalt wieder eintrat. Mn Blick auf sein fröhliges Gesicht genügte, um ihr zu -eigen, daß er diesmal wohl nicht umsonst ihren Anwalt 8emacht.

Das wäre gelungen!* rief er.Es hat allerdings