Skr. 69
Marburg, Dienstag, 23. März 1886.
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der hohe Herr die Anstalt. Die Eleven sangen alsdann Ottos Lied „Ich kenn einen Hellen Edelstein", und wurden, bevor sie auseinandertraten, noch durch eine Ansprache des Staatsministers von Goßler ausgezeichnet, in welcher derselbe gleichfalls seiner Befriedigung Ausdruck gab. — Die Gesetze über die Fürsorge für Beamte und Personen des Soldalenstandes bei Beschädigungen infolge von Betriebsunfällen, ferner über den Nordostseekanal sind heute publiziert worden. — Auch die „Nordd. Allg. Ztg." verzeichnet die Möglichkeit, daß eine Branntweinkonsumsteuer vorgelegt würde. Die Gerüchte vom Rücktritte des Finanz- minifters werden als unbegründet bezeichnet. Der Rücktritt desselben würde auch sehr zu bedauern sein, denn er hat sich als ein tüchtiger Finanzminister erwiesen, der sich mit viel Hingebung bemühte, die Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers zu unterstützen. Die Monopolvorlagen würden andere Minister ebensowenig durchgebracht haben oder durchbringen. Wenn der Minister es aufgiebt, das Monopol als eine Steuerreform anzusehen, es dann aus seinen Berechnungen fortläßt und seine Ziele mit wirklichen Steuern, welche dem Volke das Gewerbe zu eigenem Betriebe belassen, zu erreichen sucht, dann wird er auch glücklicher sein. — Die Beibehaltung der Maischraumsteuer würde die Möglichkeit gewähren, den Brennern eine Ausfuhr-Vergütung zu teil werden zu lassen, während die Hinzufügung einer Konsumsteuer, die beim Uebergang von der Fabrikation in den Handel zu entrichten wäre, die Erhöhung der Einnahmen bringen soll. Dies die Basis des in Erörterung stehenden Planes, der wahrscheinlich mehr Aussicht hat, da auch der Abgeordnete von Huene sich für eine Konsumsteuer erklärte. — Es ist eine bemerkenswerte Erscheinung, daß die von der königlichen Staatsregierung zum Schutze des Deutschtums in den östlichen Provinzen geplanten Maßregeln gerade von demjenigen Teil der deutschen Bevölkerung besonders begrüßt werden, welcher den polnischen Verhältnissen nahe steht und deshalb am besten in der Lage ist, die aus denselben erwachsenden Gefahren zu würdigen. So ist dem Reichskanzler in den letzten Tagen eine von ca. 1000 deutschen Einsassen des Kreises Czarnikau, Regierungs- Bezirk Bromberg unterzeichnete Adresse zugegangen, in welcher ihm der Dank für die „erlösenden Worte" ausgedrückt wird, welche er im Abgeordnetenhause bei der Polendebatte gesprochen hat. — Der Vorstand des Bauern- Vereins in Templin hat sich an den Reichskanzler mit der Bitte gewendet, der Notlage der kleineren Grundbesitzer durch Gründung eines ihren Verhältnissen angepaßten staatlichen Kreditinstituts abzuhelfen. Die Bittsteller führen aus, daß der Mangel eines gesunden Realkredits auf den kleineren Landwirt drückend laste. Der Letztere sei lediglich darauf angewiesen, bei Privatpersonen Hypotheken
darlehen für 41* bis 5 Prozent Zinsen auszunehmen. Von dem Neubrandenburgischen Kreditinstitute könne der kleinere Grundbesitz keinen Gebrauch machen, weil der Beleihungsmodus für ihn zu ungünstig sei. — Nach der gestern abend stattgehabten Auflösung einer stark besuchten sozialdenrokratischen Versammlung am Andreasplatz, in welcher Bebel sprach, fand eine größere Menschenansammlung statt, welche nicht ohne Mühe zerstreut wurde. Von der Waffe wurde jedoch kein Gebrauch gemacht; ebenso ist die Nachricht unbegründet, daß zwei Schutzleute von den Pferden gerissen worden seien. Zwei Beamte wurden mit Schnee- und Eisstücken beworfen, ohne verletzt zu werden. Zwei Personen wurden verhaftet, fünf sistiert.
Dresden, 20. März. Die Königin ist mit der Prinzessin Josepha heute nachmittag zu längerem Aufenthalt nach Meran abgereist. — Die zweite Kammer genehmigte den neuen Bauplan für das ganze ehemalige militärfiskalische Areal in Neustadt-Dresden und bewilligte eine Million Mark als Beitrag zu einer von der Stadt zu erbauenden vierten Elbbrücke.
Karlsruhe, 20: März. Das beim Erbgroßherzoge wieder aufgetretene größere Fieber hielt gestern den ganzen Tag hindurch an und ermäßigte sich erst abends nach ausgiebigem Schweiße. Im Verlauf des Nachmittags stellte sich ein quälender, das Athmen störender Schmerz rechts von den unteren Rückenwirbeln ein, welcher die Nacht über anhielt und die Nachtruhe fast gänzlich raubte. Auch am heutigen Morgen war mäßiges Fieber vorhanden, die gestern von Neuem befallenen Gelenke sind weniger empfindlich, der pleurittsche Schmerz ist gemildert.
Der Einttacht Band hat er gebunden; Er hat des Neides Saat zerdrückt, Des Reiches Feinde überwunden, Die gegen ihn das Schwert gezückt. Mit deutschem Blut und deutschem Eisen Hat er das Reich erhöht, umwehrt. Drum wollen wir sein Scepter preisen, Die Krone und sein Heldenschwert.
Vereinet rühmt des einen Stärke, Den Mut, der Siege stolze Zahl, ' Und preist des andern Friedenswerke, Die Ziele und der Mittel Wahl. Gerechttgkeit und Güt' und Milde, • Die Weisheit hier, die Tugend dort, Vereinet sie zv einem Bilde;
Doch finget — Sänger — singet fort.
Er sieht und fühlt des Volkes Jammer Und öffnet ihm sein Herz und Ohr; Er trägt in Kirche, Schloß und Kammer Dem treuen Gott ihn betend vor. Dem König, der "bie Kutte beuget, Und der den Himmelskönig liebt, Dem hat's der starke Gott bezeuget. Daß er der Demut Gnade gießt.
Drum wo mit deutschen Sanges Weisen. Man deutsche Helden rühmt und ehrt, Wird laut man Deinen Namen preisen, Mein Kaiser Wilhelm, liebewert. Da wollen wir die Hände falten Und Segen über Dich erstehn — Und treu zu Deiner Treue halten Und fest zu Deiner Fahne stehn.
Isabella träumte, die rosenroten Wangen auf den weißen Arm gebettet, sie wäre mit beiden verlobt und befände sich somit in der ärgsten Verlegenheit.
Fünf Monate waren vergangen, als die Revolution der Sklavenstaaten ausbrach. Das Kriegsgeschrei von Snmter hallte durch das ganze Land wieder.
_ 3« mildem Zwielicht saß Isabella am Fenster allein, wahrend die Schatten des alten EphenS über ihr Gesicht zogen. Sie war tief in Gedanken versunken.
Nm noch einen Monat hatte sie zu warten, nm jene wichtige Entscheidung zu treffen!
„Ach, es thilt nichts zur Sache !* rief sie plötzlich erleichtert aus. „Es ist jetzt keine paffende Zeit zum Verloben und Heiraten. Die Zeit ist herangenaht, wo der junge Mann seine Gesinnungen bethättgen und seinen Mut zeigen kann.*
Während dieser Gedanke noch ihre Seele erfüllte, öffnete sich die Thür und Herr Raymond, elegant gekleidet, wie immer, stand nach einigen Sekunden vor ihr.
Fräulein Wyndham bewillkommnete ihn mit einem Lächeln und einem fragenden Blick. Sie hatte in den letzten drei Wochen keinen von ihren Anbetern gesehen. Es zeigte sich auf Raymonds Gesicht der Ausdruck einer gewissen Unruhe und Angst, so daß sie, bevor er sprach sich bereits sagen konnte, daß sein Besuch mehr als eine gewöhnliche Zusammenkunft zu bedeuten habe.
Nach einigen vorbereitenden Worten faßte er sich ein Herz und sagte:
„Teure Isabella! — Meine Reise nach Europa, von welcher ich vor fünf Monaten zu Ihnen sprach, kann jetzt nicht länger aufgeschoben werden. Können Sir mir nicht beretts jetzis die versprochene Antwort geben, und wollen Sie nicht mitkommen?*
Bevor Isabella eine Antwort geben konnte, flog die Thur auf, der Diener hat ein und meldete: „Herr Hauptmann John Warner.*
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d- Blattes, sowie d.Annoncen-Bureanx von Haasenstein undDoglir in Frankfurt a. M, Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M-, Berlin,München und Köln; G. L. Daube und l-o. n Frankfurt a. 3)1., Berlin, Ha nover u.PariS
1)um bevorstehenden Quartalwechsel ersuchen wir die Bestellungen aus die
Oberhefsische Zeitung nebst deren wöchentl. Gratisbeilagen: Amtl. Anzeiger für die Kreise Marburg und Kirchhain und Illustriertes Sonntagsblatt recht bald bei der Post erneuern zu wollen, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet.
Dem Kaiser Wilhelm.
(Mel-: Sind wir vereint zur guten Stunde.)
Isabellas Wahl.
Nach dem Amerikanischen von Adolf Reiter.
lFortsctzung,)
Da» Fräulein Wyndham stand auf, hüllte sich in einen roten Shawl und betrat mit einem Seufzer die Veranda.
John Warner folgte ihr nach und blieb bann neben ihr stehen. Sie sah ihn ermutigenb an, nnb ach, wie schön war sie jetzt! Ihre schwarzen mtt Ebelsteinen besternten Locken stachen von ihrem schönen, weißen Teint reizenb ab, ihre Augen funkelten wie bie Sterne nnb das Mondlicht fiel wie ein milder Glorienschein auf sie herab. Hier trug ihr Herr Warner fein Anliegen vor — ziemlich abgebrochen nnb melancholisch, durchaus nicht in ber Weise bes Grasen Sara.
Fräulein Wyndham lauschte ans seine Worte und sah nach dem Monde. Sie hatte Mttleid mit dem so niedergeschlagenen jungen Manne, obgleich bie Worte, welche von ihren rosigen Lippen kamen, etwas kalt Hangen.
Auch er erhielt ben Bescheid, noch sechs Monate auf eine bestimmte Antwort warten zu wollen.
Vollständig aufgeregt ritt Warner in ber silberhellen Monbnacht nach Hause nnb konnte, hier angelangt selbstredend nicht schlafen. Er machte noch einen Spaziergang, dampfte seine Cigarre und dachte stets an Isabellas Augen.
Herr Raymond kam weniger aufgeregt nach Hanse und schlief bald ben Schlaf des Gerechten.
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Deutsches Reich.
Berlin, 20. März. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten der heutigen Vorstellung im Schauspielhause bei — In Gegenwart des Kronprinzen wurde gestern nachmittag um 1* t Uhr in der königlichen Turnlehrerbildungsanstalt das Schlußturnen der im Kursus 1885/86 ausgebildeten 78 Eleven abgehalten. Zum Empfange des hohen Herrn hatten sich, wie die „Post" mitteilt, der Staatsminister v. Goßler, Geh. Rat Schneider, Geh. Rat Raffel, Ober-Konsistorialrat Weiß und die Offiziere der Militär- Tnrnanstalt eingefunden. Nachdem der Kronprinz von den genannten Herrn an dem mit Fahnen und Guirlanden reich geschmückten Portal der großen Turnhalle ehrfurchtsvoll begrüßt war, empfingen ihn die in der Halle selbst versammelten Eleven mit Gesang. Hierauf nahm das Turnen seinen Anfang. Zunächst wurden Freiübungen ausgeführt, die durch militärische Exaktheit sich auszeichneten. Hierauf folgten Eisenstabübungen, und Schulfechten beschloß dann die erste Abteilung. Die zweite war dem Riegenturnen gewidmet. Geturnt wurde am Springpferd und Springkasten, am Rundlauf, am Barren und Reck. Schöne Körperhaltung und Kühnheit zeichneten fast durchgehends die Hebungen aus. Die dritte Abteilung des Schauturnens bestand in gemeinschaftlichen Hebungen am Kletter- und Stangengerüst, am Barren und Pferd. Hieran schloß sich endlich ein von Professor Erler zusammen- gestellter. Reigen, der nach dem Marschnerschen Siebe: „Unb hörst bu das mächtige Klingen" geschritten wurde. Der Kronprinz sprach zum Schluffe seine volle Befriedigung aus und geruhte, sich mit einzelnen der Eleven über deren Verhältnisse zu unterhalten. Erst gegen s/*3 Uhr verließ
Ausland.
Wien, 20. März. Die „Pol. Korresp." meldet aus Belgrad: Hm die Basis des Budgets für dieses Jahr möglichst reell zu gestalten, ordnete der Finanzminister an, daß das Einnahmspräliminare das faktische Ergebnis der letzten 5 Jahre nicht übersteigen dürfe.
London, 19. März. Die „Pall Mall Gazette" meldet: Die geplante Konvertierung der Daira-Anleihe ist von Deutschland gebilligt worden, welches sich in vollkommenem Einvernehmen mit England und Egypten befindet. Es bleiben nur noch Einzelheiten zu regeln.
Haag, 20. März. In ben Abteilungen ber zweiten Kammer wurde die polittsche Lage für bie Konvertierung der vierprozentigen Staatsschuld ungünstig gefunben, ins- befoitbete würbe bemängelt, daß bie Konvertierung tatsächlich burch ein Bankier-Synbikat erfolgen soll. Es würbe beshalb Kenntnis verlangt von ben Bedingungen bei den Verhandlungen, um die Garantien für den Staat und die gegenwärtigen Inhaber von Obligationen beurteilen zu können.
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deutscher Männer Stimmen klingen, — deutscher Helden Preis ertönt, Wo deutsche Fürsten wir besingen, Die Gott in Gnaden uns gekrönt, Wo deutsche Herzen glühend schlagen, Weß Name soll der erste sein, Deß Ruhm ber Sänger Lieber sagen? Der Kaiser Wilhelm soll eS sein.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt.
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