Einzelbild herunterladen
 

256 Dell M,

rjt.

sonders 'eignet, [1257 mär.

ftr. 67.

Marburg, Sonnabend, 20. März 1886.

XXI. Jahrgang.

ArsLeint täglich außer an 91-etttagen nach Sonn- und

Expedition 2*/t Mk. bei den Postämter 2 Mk. "O Bft$ (excl. Bestellgeld,. JnserrionSgebabr für die geipaltene Zeile 10 Psg. Rekiam'r. für die Zeile

Feiertagen. Quartal- Wonnements-PreiS bei der

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undBogler tn Frankfurt a. M , Caff< Magdeburg und Wien: Rudolf Masse in Frankfurt a M., Berlin,München und

Köln; G. L. Daube und So. n Frankfurt a. HL,

AttMihe jritniio

an " 1. ... , ~ ; -----------y________B.rlin, Ha noveru.Paris

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marbnrg «. Kirchhain. - Illustriertes Sonntaasblatt

_____ ________Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Lerlaq von Job Aug. Koch.

bold.

. d. M,

:ll>.

<8

I1/«

es.

i1/.

s.

urg, ».

Hardt g e mit Lahn- il d.Z.

r. 3.

Cassel $86.

zwischen cn ver-

ine gute

11262

Icker,

3/s

Tjum bevorstehenden Quartalwechsel ersuchen wir die Bestellungen auf die

Oberhessische Zeitung

nebst deren wöchentl. Gratisbeilagen:

Amtl. Anzeiger für die Kreise Marburg und Kirchhain und

Illustriertes Sonntagsblatt recht bald bei der Post erneuern 31t wollen, damit in der Uebersendnng keine Unter­brechung stattfindet.

sNachdruck verboten.]

Isabellas Wahl.

Nach dem Amerikanischen von Adolf Reiter.

Isabella Wyndham saß, nachläsfig zurückgelehnt, auf ihrem Lehnstuhl; fie hatte den Kopf auf ihre Hand gelegt rod blickte träumerisch durch das mit reichen Vorhängen "ersehene Fenster. Hinter den in der Ferne und im Nebel wch sichtbaren Kenntuckyschen Hügeln segelte der Vollmond langsam empor, und das Rauschen eines nahen wilden faches übertönte das melancholische Säuseln des winterlichen «Lindes. Die Sterne erglänzten am reinen Firmament; »er Erdboden war durch einen starken Frost von einer Eis- Mlste überzogen.

1045? 102fl bSh Ttf» 881/«

303 961»

226 120

twa 5 r zum ächriftl. redition [1258

abiuet Herten »tditiou V. 1» [1259

Sluf dem sanften, mit roter Seide überzogenen Polster Whlte stch Isabella hier, in der Einsamkeit, recht behaglich. <-os Zimmer, ihr Boudoier, war mit großem Luxus aus- «stattet. Die weichen Teppiche schienen mit Rosenblütheu Md Knospen übersäet zu sein; an den dunklen Wände» «angten kostbare Oelgemälde, und das ganze elegante »toblement gewährte zum Aufenthalt jede denkliche Bequem- -lchkeit. Reizender aber und noch entzückender in dem Bou- o»ir war Isabella selbst.

In bequemer und doch graziöser Stellung saß sie hier ? kinem goldfarbigen, mit kostbaren Spitze» besetzten Marge». Mde, welches ein schwarzer Gürtel zusammenhielt. Ihre Mye waren von der Schleppe bedeckt und ruhten auf einem >74 Mchen Fußkissen. Das volle, schwarze Haar fiel lose r/,!10?? lockig auf die schön geformten Schultern herab; aus 1/.101 * Men großen dunklen Augen strahlte ein Blick, der Geist «d Liebenswürdigkeit erkennen liefe.

.0, wenn ich doch wüfete, war ich zu thun habe", sprach

StÜ

31.10S1/« 100/,

8/.1O6s 1'10 /®io#s iLiob1;, s/1051/, 7,löO'f 3'® 6S-- ,'8 84»/, 5/ 'lO^' :

Deutsches Reich.

Berlin, 18. März. In der Rechnungskommission des Reichstages wurde gelegentlich der Rechnungen von 1881/82 abermals die Frage aufgeworfen, ob für eine Kabinettsordre des Kaisers die Gegenzeichnung des Reichs­kanzlers erforderlich oder ob diejenige des preußischen Kriegs­ministers ausreichend sei in dem konkreten Falle, wo'es sich um eine Ausgabe für das preußische Kontingent handle. In einem analogen Falle bei Rechnungen von 1882'83 hatte die Oberrechnungskammer letztere für genügend er­achtet. Die Mehrheit der Kommission beschloß jedoch, die ,Gegenzeichnung des Reichskanzlers zu verlangen. Die Reichstagskommission genehmigte den Gesetzentwurf über die Unzulässigkeit der Pfändung von Eisenbahnbetriebs­mitteln mit der Maßgabe, daß das Gesetz bereits mit An- fang Juni in Kraft tritt. Die Vorbereitungen für die ibach. Einbringung einer Branntweinverzehrsteuer-Vorlage sind ------- im Gange ; dieselbe dürfte noch vor Ostern, möglicherweise mit einem Notgesetz, betr. die Spiritussteuer, im Bundesrat eingebracht werden. Die Bundesregierungen sollen dem iückseit; . Vernehmen nach hierauf bezügliche Mitteilungen erhalten 1 "" haben. Nächsten Dienstag findet die Beratung des Spiritus- Monopols im Plenum des Reichstages statt. Der Gesetz­entwurf zur Abänderung der Gewerbeordnung, der dem Reichstage zugegangen ist, bezweckt, den Jnnungsverbänden die Rechte einer juristischen Persönlichkeit zu gewähren, welche bisher nur die Innungen haben. Es werden sieben neue Paragraphen, 104h bis 104o in die Gewerbeordnung emgeschoben. Der erste Paragraph lautet: Durch Beschluß des Bundesrats kann Jnnungsverbänden die Fähigkeit bei­gelegt werden, unter ihrem Namen Rechte, insbesondere Eigentum und andere dingliche Rechte an Grundstücken zu erwerben, Verbindlichkeiten einzugehen, vor Gericht zu klagen wid verklagt zu werden. In solchem Falle haftet den Gläubigern für alle Verbindlichkeiten des Jnnungsverbandes

: Alle Schiffe, welche im Kriegsfälle zur Verwendung kommen ' ^rd°n nicht nur scheinbar besetzt, sondern selbst eine große i M P^dampfern, namentlich Postdampfer, bei- sptelswrnse derAdler . Sogar die Einstellung von Mannschaften aus dem Binnenlande, welche im Kriegs- falle zur Komplettierung des Schiffspersonals dienen würden wird scheinbar ausgeführt und die für Wilhelmshaven und andere Hafen bestimmten Mannschaften wurden gestern abend zur Markierung bis zum Bahnhof gesandt. Auch die in Friedrichsort, Fellenstem u. s. w. liegenden Matrosen- abteilungen wurden gestern alarmiert und marschierten heute nacht 2 Uhr nach Kiel, um sich auf den Schiffen zur Stelle zu melden. Der in der Sarauw-Prohlschen Hochvcrrats-Affalre gestern nachmittag verhaftete Maschinen­meister Albert Gustav Schwartz ist aus Stettin gebürtig. Er war früher Obermaschinist bei der kaiserlichen Marine und bekleidete dann dst Zivilstellung als Maschinenmeister au der asterlichen Werft, welche ihm die Summe von 300 Mark monatlich einbrachte. Schon gestern moraen war der Kriminalist Marx mit einem Genoffen aus Berlin ^getroffen, der auch bei der Prohlschen Verhaftung in toT1 Die Beamten entfalteten eine große Ruhngknt und waren bis tief in die Nacht hinein hier beschäftigt^ Schwartz war bereits seit Wochen krank und ließ sich nirgends sehen; bei seiner Verhaftung fand man ihn leidend vor Er lebte tn sehr unglücklichen Familien- verhaltmsseu und bei der Verhandlung gegen ihn dürften maucherlel un^quickliche Dinge zutage gefördert werden. ®.lc, Krimer Kriminalisten sollten bereits heute mittag Kiel ui Begleitung des Schwartz verlassen, doch wurden die Dlspositlonen geändert. Die vielfach nachgedruckten Mitteilungen desHamb. Korresp." über die Prohlsche Affaire erweisen sich als unrichtig. Prohl befindet sich nicht m Leipzig sondern in Berlin, und dort wird die Untersuchung geführt.

18. März. DenMecklenburgischen Landesiiachrlchten zufolge ist Landrat von Bülow auf Rodenwalde znm Staatsminister und Ministerpräsidenten ernannt worden. 1

Ausland.

E M^z. Erst in seiner nächsten Sitzung b^ Mnisterrat sich darüber schlüssig werden, wann auf welche Weise und zu welchem Preis die neue Anleihe abgeschlossen werden soll. Die Absicht des Finanzministers ist, die Ausgabe tn Abteilungen vorzunehmen und den Preis möglichst hoch zu stellen, um dadurch das Feld der Spekulation einzuschränken; vorher jedoch wird er darüber mit einigen einflußreichen Mitgliedern des Parlaments Rücksprache nehmen. Die äußerste Linke hat sich infolge b-L9eJtrl9en ®rtt5tun9 des Finanzministers, daß die Rente nicht besteuert werden soll, entschlossen, den Regierunqs- zu bekämpfen; Carnot aber glaubt trotzdem der Mehrheit sicher zu fern, da sowohl das Zentrum wie ein

Suste, et» gewecktes, munteres Mädchen, eilte in das Ankleidezimmer, wohin ihre Herrin schnell folge» wollte, als der Onkel sie am Arme zurückhielt.

. -Isabella' Du erfährst heute Abend die seltene Ebre daß Dir mit allem Ernst zwei HetratSanträge gemacht werden.

b »-«-» ffi.II,

Der hinfällige Onkel Thom Jordan stieß sie aus Un- geduld an. Du verstehst mich doch sehr gut, nur bist Du immer widerspenstig! Herr Raymond bereits gestern und Herr Warner soeben habe» mir die Ehre erwiesen, mich nm die Erlaubnis zu bitten, heute um Dich auhalten zu dürfe» Beide sind bezüglich der Familien- und Vermögensverhält- niffe ganz besonders bevorzugte Leute, jung und schön auch rart von Gemuth. Was kamt eine Frau mehr verlangen .. 'Bichls/ »widerte Isabella scherzend.Beide also soll ich heirate» ? Zuerst einen und dann den andern? beide zugleich? oder wie sonst?

Jordan stieß sie wieder an.

Sei doch nicht so absonderlich! Du sollst Dir nach Deinem Herzen von diesen Beiden einen wähle». Herr Raymond ist an Bildung und Reichtum bedeuteuder als Warner - I-doch wähle welchen Du willst. Ich weiß es ganz bestimmt, daß sie Dir heute ihre Anträge machen, und S 6on diesen annimmst, ziehst D« Dir

mein ernstes Mißfalle» $».

Herr Jordan zu fetiien @8ften hinunter, welche berests auf das Diner wartest n.

(Fortsetzung folgt.)

>er ein aus 11 tädchen- r. 16 [1260

, daß i Mann

86.

beler.

ificr

bei

nur das Vermögen desselben. Der Beschluß des Bundes- rates ist durch denReichsanzeiger" zu veröffentlichen. Auf diejenigen Jnnuugsverbände, welchen die gedachte Fähig­keit beigelegt worden ist, finden die Bestimmungen der S§ 104i bis 104o Anwendung. Die übrigen Paragraphen sind den analogen, für die Innungen geltenden Bestimmungen nachgebildet. In den Motiven wird als Aufgabe der Jnnungsverbände hauptsächlich die Gründung von Fach­schulen und von Hilfskaffen für den Handwerkerstand auf­geführt. Die Geschäftsordnungskommission des Reichstags, welcher der Antrag Windt,horst in betreff der Zeugnis­zwangsangelegenheit überwiesen worden ist, hat, so schreibt dieRat.-Lib. Korr.", bisher eine Sitzung noch nicht gehalten und es verlautet auch nicht, daß eine solche für die nächste Zeit in Aussicht genommen ist. Es soll unter den Befürwortern dieses Antrages, welche in dem Ver­fahren gegen den Abg. von Schalscha einen gefährlichen Angriff gegen die verfassungsmäßige parlamentarische Rede­freiheit erblickten, inzwischen eine viel kühlere Betrachtung der Sachlage Platz gegriffen haben und kein Eifer mehr herrschen, die Sache int Reichstag zur Entscheidung zu bringen.In konservativen Abgeordnetenkreisen will man wissen, daß der preußische Fiskus, alias Fürst Bismarck, von der Einklagung der an Reichstagsabgeordnete gezahlten Partei - Diäten Abstand nehmen und sich mit der Fest­stellung des Prinzips, wie es jetzt von dem Naumburger Oberlandesgericht erstritten worden, begnügen werde. ®ieKreuz-Ztg." schreibt Die Meldung einiger Blätter, daß der Senats-Präsident beim' Kammergericht, Tessen- dorf, zum Ober - Reichsanwalt bereits ernannt sei, erweist sich dem Vernehmen nach nicht als zutreffend. Bisher ist dem Bundesrat, der die Wahl zu treffen hat, ein hierauf bezüglicher Vorschlag noch nicht zugegangen. Doch ist, wie verlautet, seitens der Reichs-Justizverwaltung eine darauf hinzielende Anfrage an Herrn Tessendorf ergangen; da diese bejahend beantwortet wurde, so ist nicht daran zu zweifeln, daß derselbe zum Ober-Reichsanwalt in Vorschlag kommt und vom Bundesrate diese Wahl genehmigt wird, wonach die Ernennung durch den Kaiser und König erfolgt. Das Gerücht erhält sich, wonach Herr Miquel nach Berlin übersiedeln soll, um in die Verwaltung ein­zutreten. Die einen machen ihn, wie dieFrkf. Ztg." berichtet, zum Finanzminister, andere zum Oberpräsidenten von Posen, auch an die Spitze der Kommission soll er gestellt werden, welche die Kolonisierung in den polnischen Landesteilen durchführen soll; schließlich wird er auch als Nachfolger von Herrn Lucius genannt, aus dessen schwacher und halb widerwilliger Verteidigung der Hundertmillionen­vorlage man auf Amtsmüdigkeit schließt. Am 14. April begeht der Justizminister Dr. Friedberg sein 50jähriaes Dienstjubiläum.

Mel, 17. März. Die jetzige Probemobilmachung der Marine, ist die umfangreichste, welche bisher stattgefunden hat, wenn auch sämtliche Manöver nur markiert werden, sie gedankenvoll vor sich hi».Ich weiß, ich bin nicht ver­liebt, und doch ahne ich, daß ich bald eine Frau sein werde oder mein alter, guter Onkel verliert vollständig seine Ge­duld. Ich habe bereits die Masern gehabt, am Keuchhusten gelitten, bin auch einmal vom Scharlachfieber genesen, - habe überhaupt die meisten Jugendkrankhesten überstanden jedoch zum Verlieben, welches wohl auch eine krankhafte Erscheinung in der Jugendzeit sein mag, ist eS bei mir noch nicht gekommen! Im Alter von 15 Jahren empfand ich allerdings eine zarte Neigung, die jedoch nur vorüber­gehend war. Nun habe ich bereits das dreiundzwanstaste Jahr erreicht, und herein!"

Durch ein Klopfen an der Thür wurde Isabella in ihren Betrachtungen gestört. Sie erhob sich. Es trat bald ein alter, hagerer Herr in elegantem Gesellschaftsanzuae ein, blieb in der Thür stehen und sagte:

Weißt Du auch, daß es bereits 6'/- Uhr ist und wir »m 7 Uhr dinieren wollen?" '

Schon 6»/- Uhr? Das hätte ich mir nicht gedacht, bester Onkel. Ist Jemand znm Besuch da?"

Bereits viele Gäste find unten versammelt, auch die Herren Raymond und Warner befinden sich unter denselben. Deine Rücksichtslosigkeit ist mir sehr unangenehm."

Ich bitte um Verzeihung", sagte sie, sprang auf und klingelte.

Es ist also auch mein Freund da," fuhr Isabella fort. -Sei mir nicht böse, Onkel Thom, in fünfzehn Minuten 1 werde ich fertig sein! Ich weiß, wie ungezogen eS von mir war, und ich bin darüber ganz verlegen; aber bald ach, Sufie, nun schnell, beeile Dich noch mehr! Du mußt mich 1 heute so schön machen, wie es Dir nur möglich ist. Jetzt schnell, bantü ich nicht so spät erscheine!"