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Marburg, Donnerstag, 18. März 1886.

XXI. Jahrgang.

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. D. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sanntagsblatt.

Expedition. Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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ist der Krieg, und der Krieg wird die inneren Schäden nicht heilen, die Gegensätze der Klassen nicht vermitteln. Er kann sie höchstens für die Zeit der Dauer des Krieges verdeckensie werden, gleich der Kommune von 1871, um so heftiger wieder ansbrechen, und kein Orleans wird sie heilen.

Der Orleanismus ist Ver Krieg.

DieKöln. Ztg." bringt unter dieser Ueberschrift fol­genden Artikel aus Berlin vom 14. d. M.:

1886,

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Srftbeint täglich außer an Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Quartal- Ldvnnements-Preis bei der Sxpeoition 2y* Mk. bei den Postämter 2 Mk. 50 8fg. (erd. Bestellgelb». Znkerrionsgebadr für die gllpaltene Zeile 10 Psg. Sefiam- r. für bie Zeile 35 Pfg.

Mne Tragödie auf Cuba.

Nacherzählt von Abolf Reiter.

(Schluß.)

»Wie darfst Du einen Mann lieben, der nicht viel mehr besitzt, als ein Bettler s fragte der Graf seine Tochter in aufgeregtem Tone.

»Du besitzest ja große Reichtümer, und ich, Deine einzige Tochter, werde selber ihn reich machen,* lautete frei und rstlrchtlos die Antwort.

s »Er stammt auch aus niederer Familie; sein Vater soll ein armer Bauer in Catalonien sein!*

| »Das ist mir gleichgiltig. Mein Geliebter ist schön wie tin Prinz und bewegt sich mit königlichem Anstaude. Wir .neben uns, und Niemand kann es verhindern.*

Wir wollen es sehen!' ries der Graf ergrimmt aus.

Er beschloß, mit seiner Tochter sofort nach dem Continent oder nach einer entfernten Insel abzureisen; jedoch nahm rr zuvor Gelegenheit, ihren frechen Anbeter zu sprechen.

Wie können sie es wagen, meine Tochter, die Seunoriia «Nita de Villano, mit Huldigungen zu verfolgeu?* fragte der Graf ihn barsch.

Es ist unverkennbar, daß die Sprache der orleanistischen Zeitungen seit einiger Zeit sehr an Zuversicht gewonnen hat. Man scheint in Frankreich anzunehmen, daß das Bürgertum aus Furcht vor dem Sozialismus der Republik entgegentreten und sich dem OrleanismuS zur Verfügung stellen werde. Eine solche Schwenkung würde diesem große Geldmittel zuführen und die angcsehenern Blätter, mit Ausnahme der Republique Francaise, die durch ihren Namen gebunden ist, in kurzer Zeit zu Organen der Orleanisten machen. Dieselben verfügen heute schon über: Figaro, Francais, Gaulois, Moniteur Universel, Petit Moniteur Universel, Gazette de France, Soleil, Correspon- dant, und bis zu einem gewissen Grade über die ultra- montanen Blätter: Monde, Defense und Univers, sowie auch über die einflußreiche, weitverbreitete Revue des deux Mondes. Das Journal des Debats und der Temps dürsten ohne Schwierigkeiten zu gewinnen sein. Die radikalen Blätter bezeichnen diese heute schon als reaktionär und royalistisch, sodaß sie sich nicht einmal neue gefährliche Feinde machen würden, wenn sie offen zum Orleanismus ! übergingen.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte-, sowie b.Annvncen-Bureaux von Haaienstein undBogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a M-, Berlin,München und Köln; G. L. Daube und Co. n Frankfurt a. M., Berdn, Ha nover u.Paris.

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Deutsches Reich.

Berlin, 16. März. Das Marine-Verordnungsblatt veröffentlicht eine Kabinettsordre voni 2. März, worin der Kaiser genehmigt, daß die Souveräne der deutschen Staaten, die Prinzen der preußischen oder eines anderen regierenden deutschen königlichen Hauses, sowie die ersten Bürgermeister der Hansestädte auf den ihnen eigentümlich gehörigen Privatfahrzeugen die Kriegsflagge an der Gaffel oder dem Flaggenstock führen können. Die Sozialistengesetz-Kom­mission des Reichstages hat heute ihre Arbeiten beendet. Eine Debatte fand nicht statt. Die Windthorstschen Ab­änderungsanträge, die Windthorstsche Resolution und schließ­lich die Regierungsvorlage selbst wurden abgelehnt. Von 21 Kommissionsmitgliedern waren 17 anwesend. Die Mehrheiten bei den verschiedenen Abstimmungen schwankten. Gegen die Windthorstschen Vorschläge stimmten die beiden konservativen Gruppen und die Nationalliberalen. Der Abg. Fritzen wurde mit der Erstattung des mündlichen Berichts an das Plenum beauftragt. Die Monopol­gesetz-Kommission des Reichstages hat soeben nach kurzer Berattmg die Vorlage definitiv abgelehnt. Darauf folgte eine Besprechung über die Behandlung, welche den auf das Monopol bezüglichen Petitionen zu Teil werden soll. Die bezügliche Debatte dauert bei Schluß des Berichts noch fort. Zu dem Anträge des Abg. Grafen v. Moltke über die Pensionierung der Offiziere hat der Abg. Frhr. v. Manteuffel folgendes Amendement eingebracht:Aus die bei Verkündung dieses Gesetzes mit lebenslänglicher Pension ausgeschiedenen Offiziere, im Offiziersrang stehenden Militärärzte und Deckoffiziere, denen für die Teilnahme am letzten Kriege gegen Frankreich mindestens ein Kriegs­jahr in Anrechnung gebracht worden ist, finden die im vorstehenden Artikel gegebenen Vorschriften mit folgender Maßgabe Anwendung: a) die Pension der nach dem 16. Juli 1870 pensionierten Offiziere wird nach den Vor­schriften im Art. I § 9 anderweit festgestellt; b) die Pension der im § 21 des Militärpensionsgesetzes vom 27. Juni 1871 gedachten Offiziere wird in den Fällen des Absatz 1 dieses Paragraphen unter Wegfall der entsprechenden seither gewährten Achtzigstel für jedes seit dem 16. Juli 1870 weiter erfüllte Dienstjahr um ein Sechzigstel des derselben zum Grunde liegenden pensions­fähigen Diensteinkommens erhöht. Die nach Vorstehendem sich ergebenden Pensionen sind für die Zeit vom ersten des auf die Verkündigung dieses Gesetzes folgenden Monats ab zuständig. Die hierdurch erwachsenden Mehraus- gaben fallen dem Reichs-Jnvalidenfonds zur Last."

kurzen Waffe Gebrauch und hatte seiner Gegner bald über- waltrgt.

Mit wüstem Schrei stürzte sich jetzt der vierte auf ihn los; aber auch dieser fiel, durch einen geschickten Stoß des Mngen Mannes getroffen, zu Boden. Jedoch aus Lopez Brust drang ein Heller Blutstrom.

»O Gott, er stirbt!* rief die Sennorita entsetzt aus und lies herbei, um den Geliebten, der bereits wankte, aufrecht zu halten. Donna Panchita war ihr gefolgt. Diese zog die Maske des zuletzt gefallenen Mörders ab, und es war der Graf Valasco de Villano!

Schändlicher* Er hat mich getötet! stammelte er mit heiserer Stimme und ließ mit einem furchtbaren Aufschrei sein Haupt fallen. Man versuchte ihn aufzurichten; allein das bleiche Gesicht und die erstarrenden Augen zeigten den bereits eingettetenen Tot an!

Verzeihen Sie es mir, verzeihen Sie es, meine Senno­rita!* rief Lopez mit schwacher Stimme.Ich befand mich iu der Notwehr gegen vier Männer, welche mich töten wollten. Iu dem Bewußtsein, Ihren Vater vor mir zu haben, hätte ich lieber meine Brust entblößt und sie seinem scharfen Stahl entgegen gehalten; nicht die kleinste Wunde hatte ich ihm beigebracht. Ich hatte ihn leider nicht erkanut!*

»>1» weiß es,* antwortete schluchzend die Sennorita, ich weiß es! Mein immerhin Sie haben ihn getötet, und wir dürfen uns auf Erden nie angehören!*

Lopez wankte immer mehr.Daun im Himmel!* rief er_ noa» mit brechender Stimme aus und stürzte vor ihre Futze nieder.O Gott, auch er stirbt!* schrie das arme Mädchen, einer Ohnmacht nahe.Donna Panchita, helfen Sie iom doch!*

»Nie, niemals!* entgegnete diese.Der Tod ist ihm

Konstitutionalismus und der freien Erwerbsgesellschaft ge­worden. Dem Proletarier schwebte als einziges-Ideal eine Abänderung der Besitzverhältnisse vor, durch welche die Bedingungen in dem Kampf ums Dasein für ihn günstiger gestaltet werden möchten. Weder Napoleon noch die Bour­bonen hatten eine Ausgleichung dieses Gegensatzes zu finden gesucht; ungelöst ging die Aufgabe auf das Julikönigtum über; aber gleichzeitig hatte dieselbe eine Bedeutung ge­wonnen, die ihre Lösung zu einer gebieterischen Notwendigkeit machte.

Ludwig Philipp hat diese Notwendigkeit entweder nicht ' begriffen oder sich nicht stark genug gefühlt, um der Auf­gabe gerecht zu werden. Von den großen Pariser Bank­herren in dem Hotel Soffitte auf den Thron erhoben, ist er von Anfang bis zu Ende feiner Regierung der Ver­treter der kapitalistischen Bourgeois gewesen und hat die Interessen der kapilallosen Arbeit niemals berücksichtigt. Allerdings hat er, sobald er festen Boden unter den Füßen fühlte, sich von der politischen Bevormundung durch bie industrielle Gesellschaft befreit und eine persönliche Ne­gierung eingeführt. Durch ein System der Korruption, wie es in der Geschichte selten seines gleichen findet, ist es ihm gelungen, die Bourgeoisie in der Form eines Scheinkonstitutionalismus sich politisch dienstbar zu machen; aber zum Lohne für diese Unterwürfigkeit hat er stets aus dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens der Kapitalherr­schaft Vorschub geleistet, und die Reaktion darauf das war die Februarrevolution. Der Gegensatz zwischen den Jnteresieii des Bourgeois und des Proletariers hatte sich durch die einseitige Begünstigung oes ersteren nur ver­schärft und mußte gewaltsam zum Ausbruch kommen. Das orleanistische Königtum endigte mit einem vollstän­digen Bankerott.

Seit 1848 hat der Sozialismus in Frankreich an Kraft und Zuversicht gewonnen. Die soziale Frage ist immer brennender und gleichzeitig ist ihre Lösung immer schwieriger geworden. Und wo liegt die Bürgschaft dafür, daß die Erben Ludwig Philipps der Arbeit gewachsen wären, der ihr Vater unterlegen ist? Soweit die Ver­gangenheit zu einer Prognose berechtigt, darf man be­haupten, daß die heutigen Orleans, mit Hülfe von Ban­kiers auf den Thron erhoben, wie ihr Vater die soziale Herrschaft der Kapitalien neu begründen und damit die Ausgabe der sozialen Frage wie jener nicht zur Lösung führen, sondern immer weiter erschweren werden. Viel­leicht gelingt es ihnen, auf kurze Zeit die Wunde zu überkleistern, aber um so gefährlicher wird sie später wieder aufbrechen. Ein roi des gueux wird aus dem Hause Orleans niemals hervorgehen. Zu diesen Bedenken kommt hinzu, daß die Orleans sich durch ihr Verhalten während der legten, Jahre an eine bestimmte Marschroute gebunden haben. e>ie haben das WortRevanche" zu ihrer Losung gemacht und werden beim Wort genommen werden, sobald ihnen die Krone Frankreichs zufällt. Der Orleanismus

Sie, schwacher und einfältiger Mensch! Bevor die Sonne sich zum zweiten Male erhebt, können Sie getöbet sein!* rief der Graf im höchsten Zorne aus.

Ich kann nur einmal sterben,* antwortete der junge Mann ruhig;aber wenn ich sterbe stirbt auch Ihre Tochter!*

Wir wollen es sehen!* entgegnete der Graf, und die Unterredung war zu Ende.

Als an demselben Abende, nach Anbruch der Dunkelheit Gonsalvo de Lopez vom gräflichen Park aus, wo er seiner Sennorita wieder ein Blumenbonquett überreicht hatte, auf seinem Heimwege durch einen kleinen Wald ging, wurde er plötzlich von zwei Männern überfallen, welche ernstlich Miene machten, ihm das Leben zu nehmen. Es begann ein heftiger Kampf; Lopez erhielt sogleich einige Stiche in den Kopf, aber nur wenige Augenblicke später schwammen die beiden Mörder von dem Dolche des Angefallenen durchbohrt in ihrem Blute.

Die Zusammenkünfte der beiden Liebenden fanden nach wenigen Tagen statt. Lopez erschien mit verbundenem Kopfe und wurde vou der die Sennorita begleitenden Duenna immer fcharf beobachtet.

Kommen Sie nur noch einmal,* schrieb ihm der Graf, und ihre Todesstunde hat geschlagen!*

Am nächsten Rachmsttage, etwas spät machte die Senno­rita Anita mit ihrer Duenna wieder einen Spaziergang in den Park, als ihr plötzlich, im Dickicht, ein reiches Bouqueit entgegen geworfen wurde. Sie nahm dasselbe auf und ge­wahrte mit freudestrahlendem Blicke in der Nähe ihren Ge­liebten. In demselben Moment kamen vier verkappte Männer herbeigeeilt, von welchen drei den jungen Lopez sofort an­griffen, während der vierte in einer kleinen Entfernung stehen blieb. Der Angegriffene machte wiederum von seiner

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«j j *tanb seiner Zeit in den Kampf gegen den Feudalismus cutgetreten, jeder von beiden hatte ohne Rücksicht auf das Gemeinwesen nur die Verwirklichung derjenigen Wünsche im Auge gehabt, die das eigene Klaffenintereffe ihm ein» gab, und die Verschiedenheit dieser Interessen hatte not­wendig zu einem tiefgreifenbeit politischen und wirtschast- lichen Gegensatz zwischen dem französischen Bougeois und dem Proletarier geführt. Jener war der Verfechter des

Wenn das französische Bürgertum von dein Orleanis- [1219 I mus die Rettung der Gesellschaft erwartet, fo liegt dieser Hoffnung eine falsche Berechnung zu Grunde. Jedenfalls unter i ^ht die Geschichte Frankreichs ihr nicht zur Seite; letztere 11220 |lcdt nur Zeugnis dafür ab, daß der Orleanismus das J:___ [ wahre Wesen des Königtums bisher niemals erfaßt, daß

er es nicht verstanden hat, über den gesellschaftlichen Klaffen , H ßnd ihren Gegensätzen stehend, die absolute Idee des Staates H 501 1 silbständig zu vertreten.

- -- ' Wir erinnern an die Geschichte des Julikönigtums. Als Ludwig Philipp den Thron bestieg, war die soziale Frage diejenige Aufgabe, von deren Lösung recht eigentlich die Zukunft der Dynastie abhing. Mit dem Sturze Karl X. p. Ar. hatte der letzte Versuch des Königtums, mit Hilfe von rbetrat Adel und Geistlichkeit die Herrschaft der industriellen Ge- Ltr. ob. sellschast zu stürze», sein Ende gesunden; die Gefahr einer N. 2,10 Rückkehr zu den Zeiten des an ei en regim war für immer alitätn. - beseitigt; aber in die neue Ordnung der Gesellschaft hatte sich jener alte Gegensatz übertragen, den die Umwälzungen von 1789 nicht zu lösen vermochte: der Gegensatz zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat. Mit ganz ver­schiedenen Bestrebungen waren der dritte und der vierte

v&b "Weil ich sie liebe,* war dir kecke Antwort des jungen Mannes.

»Sie gehören nicht zu unserem Stande; wie dürfen Sie »le Sennorita daher lieben?*

Die Liebe ist blind und kennt daher keinen Unterschied Mchen Bauer und König. Ich habe schon oft dem Tode ws Auge geschaut, mehr kennen gelernt, als das gerunzelte deficht Ihrer Duenna oder den Aerger Euer Gnaden. Vor »em Anblick Ihrer Tochter jedoch bin ich vollständig besiegt ®»b in meiner Liebe zu ihr auch bereit, jedem Wiedersacher bte Stirn zu bieten.*