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Marburg, Mittwoch, 17. März 1886.
XXI. Jahrgang
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Freunde, welcher zu dem ersten größeren prinzipiellen Zusammenstoß mit dem Zentrum führte und insofern in der Thal als der ideelle Beginn des Kampfes angesehen werden kann, wenn derselbe thatsächlich auch erst ein Jahr später angefangen hat. Eine eigentümliche Fügung wäre es immerhin, wenn uns dieselben Tage nun den Frieden brächten
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt
_____ __________________Expedition Marit 21. — Redaktion, Druck und Vertag von Joh. Aug. Koch.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- imb Kiertagen. — Quartal- Nomwments-PrnS dei der Expedition 21/« Mt, bei kM Postämter 2 Mk. 50 NS- lexcl. Bestellgeld). Inseweionsgebabr ftr die «spaltene Zelle 10 Pfg. Uellam n für die Zelle 25 Pfg.
den in dieser Materie der „N. A. Z." gewordenen Einsendungen verdient eine wohl ein besonderes Interesse, welche sich als „an alle Parteien von einem Liberalen gerichtete' Flugschrift" bezeichnet und, da sie anonym ist, als einziges Ursprungsattest beibringt, in der Druckerei des „Berliner Tageblatt" bei Rudolf Mosse in Berlin gedruckt zu sein.
Diese Flugschrift behauptet: das Branntweinmonopol ver- > diene den Vorzug vor hoher Konsum- und Lizenzsteuer und jeder anderen Besteuerungsform und zwar das „große Monopol", wie es die Regierungsvorlage enthält, im Gegensatz zu dem „kleinen" — Rohspiritusmonopol — das von anderer Seite getragen wird. Die Flugschrift widerlegt, daß die gegen das Monopol vom liberalen Standpunkte aus zu erhebenden Haupteinwürfe — Abhängigkeit zahlreicher Personen von der Monopolverwaltung und Einschränkung . des Budgetrechts des Reichstages — nicht durch Amendierung der Vorlage beseitigt werden können und gelangt unter Erörterung der Hauptgesichtspunkte — immer vom liberalen Standpunkte aus — zu folgendem Ergebnis: „1. Daß jede hohe Besteuerung des Branntweins, welche im staatlichen und hygieinischen Interesse über kurz oder lang doch dem Branntwein auferlegt werden wird, die beteiligten Kreise, Spritfabrikanten, Liqueurfabrikanten und Schankwirte schwerer treffen muß, als das Monopol, daß ferner bei hoher Branntweinsteuer die Branntweinbrennerei dem Ruin entgegengeführt wird und die Landeskultur leiden muß, 2. daß das Rohspiritus- Monopol die gleiche Wirkung haben muß, 3. daß mir das große Monopol allen Teilen helfen kann, daß daher, wenn die oben vorgeschlagene oder andere wirksame politische Kautelen dem Gesetze eingefügt werden, jeder liberale und konservative Mann demselben zustimmen darf." — Dem Vernehmen nach werden zunächst die preußischen Bischöfe über die kirchenpolitische Vorlage, wie sie aus den Beratungen der Herrenhauskommission hervorgegangen ist, sich ins Einvernehmen setzen und die Verhandlungen von dieser Seite mit Rom schriftlich geführt werden. Während seines Aufenthaltes in Berlin ist Dr. Kopp wiederholt von den Kaiserlichen Majestäten, den Kronprinzlichen Herrschaften, dem Fürsten Bismarck und dem Kultusminister empfangen worden. — Die Konsekration des Dr. Thiel als Bischof von Ermland und des Dompropst Dinder als Erzbischof von Posen-Gnesen soll nach der „Erml. Ztg." Sonntag, den 4. April, zu Frauenburg stattfinden. — Die „Kreuz- Zeitung" und die „Post" berichten folgendes: Man erzählt sich in Abgeordnetenkreisen, daß Se. Majestät der Kaiser auf die Bemerkung des Abgeordneten Windthorst, er und seine Partei würden ausnahmsweise für die Verlängerung des Sozialistengesetzes stimmen, aber nur in Bezug aus die Person des Kaisers, bett Minister des Innern, von Puttkamer, beauftragt, Herrn Windthorst für seine freundliche Rücksichtnahme auf seine Person zu danken, hinzufügend, daß diese in einem Alter von 89 Jahren und,, nach drei Kriegen, in denen die Hand Gottes ihn beschützt habe, bei diesem Gesetze weniger in Betracht
daß derselbe junge Mann von der einstigen Erbin des Schlosses als das Teuerste in der Welt geachtet und geliebt wurde.
Dieser junge Offizier war Gonsalvo de Lopez, schön wie Apollo, stark und mutig wie Hektor.
Aus dieser innigen Liebe machte die Seunorita ihrer Duenua gegenüber keinen Hehl, und letztere sah sich veranlaßt, hierüber dem Grafen sofort Mitteilung zu machen.
Dieser hörte das Undenkbare und gerieht in die höchste Aufregung. Sofort erkundigte er sich nach dem jungen Offizier, nach dessen Abstammung und Verhältnissen, und erfuhr zu seinem Schreck, daß der kühne junge Mann einer Bauernfamilie angehötte und kein Vermögen besaß. Er wäre zwar ein tüchtiger Mensch, hätte sich anch durch hervorragenden Mut, den er im Kampfe gegen die Revolutionären auf dem Navarragebirge gezeigt, viel Ansehen und den Adel sich erworben — aber ihn als Schwiegersohn auszunehmen, hielt es der stolze kastilianische Graf für ganz unmöglich!
Den jungen Offizier aus der Nähe wegzuschaffen, war somit des Grafen erste Aufgabe, und das gelang ihm auch sehr bald. Er wandte sich nämlich an den obersten Befehlshaber der Armee auf Euba, und der Lieutenant Gonsalvo de Lopez kannte die Veranlassung seiner Versetzung und nahm bald darauf freiwillig seinen Abschied. Er reifte nach seinem früheren Stationsorte zurück, wurde daselbst Volentair bei einem Kaufmanne und konnte nun täglich — jetzt als ein freier Bürger — seine Angebetene wider sehen und sprechen.
Nun hielt es der Graf für geraten, seine Tochter ernstlich zur Rede zu stellen. (Schluß folgt.)
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undBogi« in Franisurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien: Rudolf Moffe in Franisurt ♦ a M-, Berlin,München und
Köln; G. L. Daube und vo. n Frankfurt o. M-, Berlin, Ha nover u.Paris.
Deutsches Reich.
Berlin, lö. März. Durch Allerhöchste Kabinetts- ordre vom 13. d. M. ist die Vereinigung des "Nassauischen Kommunalverbandes und des Stadtkreises Frankfurt a. M. mit der Maßgabe angeordnet worden, daß dem "Nassauischen Kommunalverbande ein Präzipuum von jährlich 225 000 Mk. zuerkannt worden ist, um dasselbe für speziell nassauische Zwecke zu verwenden. Die Dauer des Präzipuums ist auf 20 Jahre normiert, jedoch nur unter der Bedingung, daß während dieser Zeit keine kommunalständischen Steuern ausgeschrieben werden dürfen. Das Präzipuum ist in der Weise normiert worden, daß man angenommen hat, daß alljährlich 75000 Mk. zur Verstärkung des Waisensonds deponiert werden sollen, so daß dieser Fonds nach Ablauf jener 20 Jahre die gewünschte Höhe von 3 Mill. Mk. erreichen würde, während die übrig bleibenden 150000 Mk. jährlich zur Beihilfe für Sekundärbahnen und derartige Zwecke disponibel bleiben. — Die Mitglieder des Herrenhauses sind für den 20. März und die folgenden Tage zu Sitzungen nach Berlin einberufen. — Die dem Landtage zugegangene Kanalvorlage verlangt zu dem Bau eines Kanals von Dortmund resp. Herne über Henrichenburg, Münster, Bevergern, Papenburg nach der Unterems, einschließlich eines Seitenkanals aus der Ems von Oldersum nach dem Emdener Binnenhafen nebst Erweiterung des letzteren; ferner zur Verbesserung der Schiffahrtsverbindung von der mittleren Oder nach der Oberspree bei Berlin, durch den unter teilweiser Benutzung des Friedrich-Wilhelms- Kanals zu bewirkenden Neubau eines Kanals von Fürstenberg nach dem Kersdorfer See, sowie durch die Regulierung der Spree von da bis unterhalb Fürstenwalde und durch den Neubau des daselbst beginnenden Kanals zum Seddinsee: 58 400 000 Mk. für den ersteren, 12 600000 Mk. für den letzteren Kanal, insgesamt 71000000 Mk. Mit der Erbauung des ersteren (Rhein - Ems - Kanals) soll erst vorgegangen werden, wenn der erforderliche Grund und Boden der Regierung aus den Interessentenkreisen unentgeltlich überwiesen oder die dafür aufzuwendenden Kosten erstattet werden resp. die Erstattung sichergestellt wird. Zur Deckung der Kosten sind Staatsschuld-Verschreibungen auszugeben. — Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses genehmigte sämtliche Sekundärbahnen. — Der Schluß der Reichstagssession wird Anfang April erwartet. — Von allen Seiten regnet es förmlich Vorschläge, welche unter Ablehnung des Branntweinmonopols dessen Ziele auf andere Weise erreichen wollen, wohl ein Beweis, daß sich diese „Ziele" einer vielseitigen Zustimmung erfreuen. Unter
Anita wies Einen nach dem Andern beharrlich zurück, so daß die Alten um ihre Wahl recht bekümmert waren.
Um zu verhindern, daß ihre Tochter nickt etwa mit einem jungen Manne niederen Standes ein Liebesverhältnis an» knüpfen, engagierten sie eine „Duenua", d. h. eine Gesellschafterin , welche für das zarte Mädchen nicht allein zur Unterhaltung, sondern hauptsächlich znr sorfältigsten Beaufsichtigung bestimmt war. Diese Duenua, Donna Panchita, hatte bereits das fünzigste Lebensjahr erreicht, aber noch nie die ernste Aufmerksamkeit eines jungen Mannes auf sich gelenkt. Häßlich, wie ihr Aussehen, war auch stets ihr Benehmen gewesen.
Dem Wunsche der Eltern nachkommend, hatte die Senuo- rita Donna Panchita, fast stets in ihrer Gesellschaft, obwohl sie dieselbe in ihrem Innern verachten und hassen zu müssen glaubte.
Mit der größten Gewissenhaftigkeit erfüllte die Donna ihre Pflicht; denn wenn.auf den kleinen Ausflügen in die Umgegend oder auf den kleinen Spaziergängen im Schloßpark gelegentlich Cavaliere die reizende Sennoritta anredeten und unter diesen sich einer befand, der nach seinem Stande als Gast keinen Zutritt auf dem gräflichen Schlosse hatte and dem Besitzer desselben als Schwiegersohn noch viel weniger paßte, suchte die gewissenhafte Beschützerin immer die Unterhaltung zu stören und die Gräfin fortzuziehen. — Jndeß mußte sie sehen, daß auf den täglichen Spaziergängen in dem großen Parke nach einiger Zett ein junger Offizier sich regelmäßig einfand, der mit der jungen Seunorita zwar wenig sprach, ihr aber immer eine Rose oder gar ein Bouquett überreichte und diese zarte Aufmerksamkeit auch freundlich aufgeuommen wurde, noch weniger konnte sie verhindern,
Zur Lage.
Das Auftaucheu mehrerer neuer sozialdemokratischer Blätter in Breslau, München u. s. w. wird auf liberaler Leite dahin erläutert, daß Herr v. Puttkamer bei der ersten Lesung des Entwurfs über Verlängerung des Sozialistengesetzes erklärt habe, dem Erscheinen solcher Blätter stehe nichts im Wege. So hängt die Sache aber in keinem Falle zusammen. Der Minister hat mit jener Bemerkung lediglich auf eine bekannte Thatsache Hinweisen wollen, keineswegs aber die Absicht gehabt, die sozialdemokratische Partei zu einer vermehrten Preßthätigkeit anzuspornen. Das wissen die Nächstbeteiligten natürlich so gut als wir. Wenn sie sich an die Gründung neuer Organe machen, lassen sie sich dabei jedenfalls von ganz anderen Triebfedern leiten. Vielleicht geht man nicht ganz irre, wenn man die immerhin vorhandene Möglichkeit ins Auge saßh daß die Verlängerung des Sozialistengesetzes nicht zu Ltande kommt. Irgend welche positiven Anhaltspunkte liegen hierfür zwar nicht vor; daß ein gewisses unfaßbares Etwas da ist, welches die bisherige Zuversicht einigermaßen erschüttert, läßt sich jedoch nicht leugnen. Ohne deshalb im geringsten a Ja baisse zu spekulieren, halten wir es darum für angemessen, sich mit der Möglichkeit eines derartigen Ausganges vertraut zu machen. Daß derselbe in weiten Kreisen einen erschreckenden Eindruck hervorbringen würde, läßt sich in der Thal nicht bezweifeln. Man hat sich an das Gefühl der Sicherheit, wie es seit dem Erlasse des Sozialistengesetzes vor nun bald 8 Jahren eingekehrt ist, dermaßen gewöhnt, daß man sich mit dem plötzlichen Aufhören derselben vermutlich nicht gleich würde abzufinden wissen.
Was dieser ungünstigen Auffassung der Lage die Wege zu ebnen geeignet scheint, ist vor allem das Verhalten des Zentrums in der Monopolfrage. Auch nach der sachlich durchaus ablehnenden Haltung, welche Dr. Windthorst am zweiten Tage der Generaldebatte eingenommen, war, wie bereits betont, die Aussicht auf eingehende Prüfung in der Kommission noch nicht geschwunden. Daß diese Aussicht in so schroffer Weise abgeschnitten wurde, kamt keinesfalls im Sinne einer größeren Annäherung gedeutet werden, sondern weist vielmehr gerade so gut auf das Gegenteil, wie es die „kriegerische Haltung" des Zentrumsführers während der Kulttisdebatte im Abgcordnetenhause thut. Immerhin ist es möglich, daß es sich um Schachzüge handelt, welche die Pause bis zur kirchenpolitischen Ent- scheidung auszufüllen bestimmt sind, deren Einwirkung auf die Gesamtlage jetzt noch niemand übersehen kann, von der aber allgemein angenommen wird, daß sie, wie immer die I Würfel fallen mögen, kein vorübergehender sein kann. : . Nach den außer Behandlung gelasseneit Bestimmungen - ist es wahrscheinlich, daß jene Entscheidung in den letzten Märztagen fallen wird, nm dieselbe Zeit mithin, wo vor 15 Jahren der „Kulturkampf" eingeleitet wurde. Am 30. und 31. März 1871 verhandelte der Reichstag über jenen Adreßentwurs des Herrn von Bennigsen und seiner
(Nachdruck verboten.)
Eine Tragödie auf Cuba.
Nacherzählt von Adolf Reiter.
k Der Graf Valasco de Villano, ein hochangesehener Castilianer auf Cuba, war im Stande, seine Stammtafel bis in die Zett zurückzurechnen, in welcher Rodrigo ei Cid auf den Hochebenen von Granada seine siegreichen Heere zum Streite führte; er war auch eifrig, wie kein anderer Edelmann auf der ganzen Insel bestrebt, in jeder Beziehung das wohlerworbene Ansehen seiner stolzen Familie aufrecht zu erhalten.
Seine Reichtümer waren unermeßlich; jedoch hatte er einen Kummer; denn seine schöne Gattin hatte ihm nur ein | einziges Kind geschenkt, und zwar eine Tochter; und wie gern hätte er auch einen Sohn gehabt, der einst seine Güter ? und Titel erben sollte!
Es vergingen noch Jahre und Jahre; die Tochter, Gräfin Anita, war bereits siebzehn Jahre alt, und noch immer besaß sie keinen Bruder, nach dem das Elternpaar fich so e innig sehnte.
Der Graf mußte seine Hoffnungen aufgeben und wünschte jetzt nur von Herzen, die Tochter an einen ebenbürtigen, aus alter Familie herstammenden und hochangesehenen Ca- Datier zu verheirathen. Dies war sein größtes Sehnen; nur dann, wenn dieser letzte Wunsch in Erfüllung gegangen, glaubte er, dermaleinst ruhig sterben zu können.
Seunorita Anita war ein schönes, sorgfältig erzogenes und heiteres Mädchen. Ihr liebenswürdiges Benehmen, ihre geistreiche Unterhaltung mußte Jedermann fesseln und entzücken. Es kam bereits so mancher vornehme Bewerber, der auch die Zustimmung der Eltern erhalten hätte, allein