Abg. Berger-(fraktionslos) trat für die Gleichstellung der Telegraphisten mit den Subalternbeamten ein.
Regierungskommistar, G.-h. Rat Dückers entgegnete, daß die Ansprüche der Telegraphisten wiederholt eingehend geprüft Worten, doch seien deren Dienstleistungen von denen der ReichStelegraphisien wesentlich zu unterscheiden. Jedenfalls wüßten zur Beurteilung dieser Frage die Reglements maßgebend sein, zu deren Aenderung im Interesse des Eisen- bahndienstes keine Veranlassung vorliege.
In der weiteren Debatie sprechen noch Abg. Büchtema un (deutschfr.) für die Petitionen der Telegraphtsteu und Wagenmetster, Abg. Im malle (Zeutr.) für die Gleichstellung der Eiseubahnkanzlisten mit den Kanzlisten anderer Behöroen, während Abg. Graf zu Limburg.Stirum (koas.) sich gegen die Absicht erklärte, einzelne Petitionen der Staatsregieruag zur Berück ichtigung oder zur Ervägnng zu überweise», da das Haus gar nicht in der Lage sei, die Tragweile eines solchen Beschlusses zu bemessen, durch eine solche Beschlußfassung in den Beamtcnkreisen aber leicht die Ueberzeugung erweckt werden könnte, als läge es nur an der Regierung, wenn ihre gerechten Wünsche keine Berücksich. tignng fänden.
Die sämtlichen Petitionen wurden hierauf gemäß den Beschlüssen der Budgetkommission teils durch Uebergang zur Tageso.duung erledigt, teils der Staatsregierung als Material überwiesen.
Bei der Direktion Ostbahn wurde von verschiedenen Rednern der Mangel an Bahnhöfen namentlich auf den neuerrichtet-n Sekundärbahnen in Westpreußen beklagt, speziell von dem Abg. Dr. Wehr (freikons.) überhaupt darüber Klage geführt, daß die Direktion in Bromberg über die Verkehrsverhältnisse der Provinz Wcstpreußen sich nicht genügend unterrichtet zeige.
Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach erkannte das Bedürfnis für einzelne Bahnhofsanlagen an, betonte indes, daß wesentlich der Mangel an finanziellen Mitteln die Ausfüdrung bisher verzögert hätte. Auch er halte dafür, daß es Pflicht der Etsenbahndtrekliou sei, sich mit den leitenden Persönlichkeiten der Provinz über das Verkehrswesen in Verbindung zu setzen. Sollte in dieser Beziehung etwas versäumt sein, so werde das nötige veranlaßt werden.
Bei der linksrheinischen Eisenbahndircktion in Köln befürwortete Abg. Frhr. v. Fürth (Zentrum) den weiteren Ausbau drs BahumtzeS im Etfelgebtet.
Abg. Seyfardt (nat.-lib.) sprach den Wunsch aus nach Beschleunigung des Umbaues des Bahnhofes Krefeld.
Abg. Berger (fraktionslos) brachte den Bau von Arbeiterhäuser für die Arbeiter au den Zentral - Eisenbahn- Werkstätte» in Anregung, wie sie in Saarbrücken zum großen Segen der arbeitenden Bevölkerung bereits beständen.
Ministerialdirektor Schneider verwies in dieser Beziehung auf den dem Hause vorgelegteu Bericht über die Bauausführungen in der Eisenbahuvermaltung.
Bet der Etsenbahndirektion in Elberfeld brachten die Abg. Frhr. v. Schorl eme r.Alst (Zentrum) und Berger die Zustände auf dem Bahnhofe Holzwickete zur Sprache, indem sie hervorhoben, daß während kurzen Zett bet dem dortigen Ntveauübergange vier Menschenleben zu beklagen gewesen seien.
Minister der öffentlichen Arbeiten Maybach erkannte an, daß hier notwendig Abhülfe geschaffen werden muffe, aber er gebe doch zu bedenken, wie sich die Zustände entwickelt hätten. Den Vorwurf, als ob er in Bezug auf die polizeiliche Aufsicht zwischen Privat- und Staats- Bahnen, wie der Abg. Berger angedeutet, einen Unterschied mache, weise er entschieden zurück. Seine Verwaltung werde jetzt von allen Ecken und Enden bestürmt, Zustände zu beseitigen, die die Staatsverwaltung übernommen habe; das ließe sich im Handumdreheu nicht durchführen, die Vorschläge bedürften der eingehendsten Prüfung, ehe er damit vor den Landtag treten könne.
Abg. Berger entgegnete, daß er dem Herrn Minister persönlich keinen Vorwurf machen wolle, aber gegen die einzelnen Betriebsämter uud die Eisenbahndtreklionen erhebe er den Borwurf, daß sie über derartige Zustände nicht an die Zentralstelle berichten und die Beseitigung derselben beantrage».
Im Uebrigen wurden die sämtlichen Positionen im Or- dinarium uud Extraordiuarium bis auf die in letzterem geforderte erste Nate von 20000 Mark zum Umbau des Bahnhofes zu Potsdam, welche nach dem Anträge der Budget- kommision gestrichen wurde, unverändert bewilligt.
Schluß der Sitzung 4 Uhr.
Nächste Sitzung Montag 11 Uhr (Erste Beratung der auf die Provinzen Posen uud Westpreußen bezüglichen Gesetzesvorlagen.)
Telegraphische Depesche«.
Berlin, 21. Febr. Das Panzerschiff „Friedrich Karl", Kommandant Kapitän zur See Stempel, ist am 21. Februar in der Suda Bay (Kreta) eingetroffen.
Bern, 21. Febr. Das Bundesgericht hat gestern die Beschlüsse der Regierung von Zürich gegen die Heilsarmee, durch welche die Versammlungen derselben verboten wurden, aufgehoben, jedoch das Verbot des Besuches der Versammlungen durch Kinder unter 16 Jahren bestätigt.
Belgrad, 21. Febr. Die Vertreter der Mächte machten auf Initiative Englands den Vorschlag, Serbien solle davon abstehen, daß der Abschluß eines Handelsvertrages mit Bulgarien in den Friedensvertrag ausgenommen werde, wogegen die Mächte auf die Ausnahme eines PassuS hinwirken würden, welcher beide Teile verpflichte, sofort nach dem Friedensschluß zu dem Abschluß eines Handelsvertrages zu schreiten.
Bukarest, 21. Febr. Mijatowie ist von dem Minister ermächtigt worden, schriftliche Vorschläge für die Friedensverhandlungen gleichzeitig mit den Vorschlägen von bulgarischer Seite vorzulegen. Der Austausch dieser Vorschläge soll morgen erfolgen. Diese Beilegung der entstandenen Schwierigkeit wird dem gemeinsamen Schnitt,
welchen die hiesigen Vertreter der Mächte in dieser Angelegenheit bei Mijatowie gethan haben, zugeschrieben.
Kauftantinapel, 20. Febr. Der russische Botschafter Nelidow überreichte gestern der Pforte eine Note, in welcher die bekannten Einwendungen Rußlands gegen das türkisch-bulgarische Uebereinkommen präzisiert werden.
Washington, 20. Febr. Der Schatzsekretär Mon- ning macht die Amortisierung von 3prozentigen Staats- Obligationen bis zum Betrage von 10 Millionen Dollars bekannt. — Die Minorität der Kommission zur Vorberatung der Frage wegen der Silbcrauöprägungsfrage hat einen Bericht fertiggestellt, der sich für die freie Silberausprägung ausspricht.
Univ-rfttäts-Chronik.
Bonn, 19. Febr. Der bisherige Privatdozent in der philosophischen Fakultät hiesiger Universität, l'r. Wilhelm Schimper, ist zum außerordentlichen Professor für Botanik ernannt worden.
Vermischtes?
Mainz, 20. Febr. Der in Jena gestorbene General Leopold Hermann von Boy en war Chef des Hessischen Füsilier-Regiments Nr. 80. Von Anfang des Jahres 1871 bis Ende 1875 war v. Boyen Gouverneur in Mainz und wurde in anbetracht seiner bürgerfreundlichen Gesinnungen und seiner Bemühungen für die Stadt, namentlich bei der Stadterweiterung, zu deren Ehrenbürger ernannt. Der Verblichene wurde Ende 1875 Gouverneur in Berlin und feierte im Juli 1879 sein 50jähriges Dienstjubiläum. Die Stadt Mainz ließ ihm einen kostbaren Kranz auf die Bahre legen. Die Beisetzung der Leiche findet erster Tage in Berlin statt, wobei das 80. Regiment, wie üblich, durch eine Deputation vertreten sein wird.
— (Toiletten vom letzten Berlin er Hofball.) Die Kronprinzessin trug eine lachsfarbene Ottomane-Robe mit reicher Goldstickerei, dazu eine dunkelbraune Samtschleppe mit goldgelben Arabesken, Samtblumen in gleicher Farbe an der Schulter und, mit Brillantboutons befestigt, im Haar, um den Hals ein wunderbares Geschmeide von funkelnden Steinen mit herabhängendem Kreuz. Aus tief rosa Atlas mit reichem Spitzen-Devant auf weißem Tüll bestand die Robe der Prinzessin Wilhelin, wozu die blühend aussehende Frau Federn in Terrakotta und Lachsfarbe mit Perlen und Brillanten angelegt hatte. Bon rosa Atlas mit Spitzentablier war die Toilette der Erbprinzessin von Meiningen, während ihre Schwester, Prinzessin Viktoria, im crsmefarbigen Atlas gekleidet war, zu dem der Putz aus creme« und hellgelben Federn bestand. Herzogin Alexandrine von Mecklenburg hatte weißen Atlas mit Garnierung von braunroten Maraboutsedern gewählt, dazu ein Diadenr von Brillanten mit großen Perlen, ihre Tochter eine weiße Tüllrobe mit dunkelroter Garnierung und gleiche,» Kopfputz
— (Ein Wort Grovys.) Man schreibt der „Wiener Allg. Ztg." ans Paris: „Im Elysöe fand vor einigen Tagen ein Kinderfest statt. Mme. Wil'on fragte ihren Vater um Rat, ob sie ihr Töchterchen, die kleine Marguerite, im Stile Louis XIII. oder Louis XV. kleiden solle. Der Präsident sagte seiner Tochter lächelnd: „Erweise mir die Ehre und kleide meine Enkelin mit Rücksicht auf meine Wiederwahl im Genre Grevy II." „Wie ist dieses?" fragte Mme. Wilson neugierig. „So einfach, so sparsam wie
möglich, und glaube mir, diese Mode wird sich über kurz oder lang in der ganzen Welt Bahn brechen."
— (Ein chirurgisches Meisterstück.) vr. Kelly vom St. Vincent's-Hospital in Newyork nahm vor Kurzem eine Resektion des Krummdarms an einem 57jährigen Neger vor, welchem der genannte Arzt in jener Anstalt vor nunmehr vier Wochen ein fünfzölliges Stück aus dem Krummdarm schnitt, und welcher heute wieder als Packer arbeitet. Einen ausführlichen Bericht der „New-Aork Tribüne ' über den interesfanten Fall entnehmen wir die folgenden Einzelheiten. Der Patient war mit einem anderen Neger in Streit geraten und hatte einen Messerstich im Unterleib davongetragen. Die dadurch verursachte Wunde im Dann konnte nicht zugenäht werden, und so stand der Arzt vor der Alternative, entweder den Verwundeten sterben zu lassen oder den desperaten Versuch zu ,vagen, durch eine Resektion des Darms ihm das Leben zu retten. Nach einer Beratung mit einem rasch herzugezogmen Collegen entschloß sich der mutige Arzt für jenen Versuch. Die Operation ging um 3 Uhr Morgen» oamit von statten, daß man nach einer entsprechenden Erweiterung der Stichwunde zunächst die Bauchhöhle von allen Bluttlumpen, eie sich darin angesammelt hatten, befreite und dann alle Baucheingeweide sorgsam herausnahm und sozusagen auf bem Tisch ausbreitete. Nun wurde aus dent zersetzten Krummdarm ein fünfzölliges Stück herausgeschnitten und darauf die Nadel zur Hand genommen, um die beiden Enden des durchschnittenen Darmes zusammen zu nähen. Dann erfolgte eine genaue Inspektion der zu Tage liegenden Organe der Bauchhöhle, wie Magen, Leber und Nieren, die Eingeweiden wurden hübsch wieder zu Platz gebracht, und nachdem die klaffende Wunde im Unterleib genäht und endlich mit antiseptischem Verbandzeug kunstgerecht belegt worden war, konnten die Aerzte mit dem Bewußtsein, eine chirurgische Großthat vollbracht und vielleicht auch ein Menschenleben gerettet zu haben, wieder ins Bett gehen. Der glänzendste Erfolg krönte ihr kühnes Werk: der Neger, der ttotz seiner 57 Jahre eine beneidenswert gute Heilhaut besitzen muß, konnte nach dreiwöchentlichem Aufenthalt im Hospital als geheilt von dort entlassen werden. Er ließ nur fünf Zoll von seinen Eingeweide» daselbst zurück, und das macht ihn, weder Kummer noch Beschwerde. Dr. Kelly, der ein Virtuos in der Chirurgie sein muß, darf auf diesen Behandlungserfolg mit Recht stolz sein.
— (Neueste Schwenningerkur.) Herr zu einem Bummler: „Sie, wollen Sie mir nicht die Kohlen in den Keller tragen?" Bummler: „I, dragen Sie man alleene, Ihnen is de Bewegung bei Ihre Dicke ganz gesund!"
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Wissenschaftliche Vorträge
in der
Aula des Gymnasiums, deren Reinertrag einem deutschen Studenten einen einjährigen Besuch unserer Hochschule ermöglichen soll
V. Am 23. Februar: Herr Professor
Dr. Achelis-. Die Bedeutung des Chorgesangs im Gemeindegottesdienste.
7 Uhr pünktlich.
Eintrittskarten sind zu haben in der Ehrhardt’schen, Elwert’schen und Sipmann’schen Buchhandlung, für einzelne Vorträge zu 1 Mk., für die Herren Studirenden und Gymnasiasten zu 75 Pfennige. [819
Des Musikfestes wegen wird der Vortrag des Herrn Prof. v. Sy bei über Burg Tiryns erst am 9. März stattfinden. ___________________
Marburger
Bienenzüchter-Verein. Lersamml.Moutag 1 Märzli/zUhr 820J bei Freidhof.
Einladung
zur
Sitzung des tandrvirttzschaftt. Kreisvereins Kirchhain
auf
Sonnahend, den 27. Febr. 1885,
Vormittags IO1/« Uhr (821
im Hötel Mosebach in Kirchhain.
Gericht!. Versteigerung.
Dienstag, den 23. d. M., Nach mittags 2 Uhr, werde ich im Pfandlocal, Barfüßerstraße Nr. 36,1 Echuh- macheruiihmaschine, 1 Kommode mit Glasaussatz, 4 Bleckkannen mit tkopallack öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigern.
Marburg, den 22. Febr. 1886.
Jbelshiinser, 822J Gerichtsvollzieher.
61 um nochmaliaen Ausgebot der den O Kindern des Christoph Textor gedöeigen am Ordenberg und FineS loch gelegenen Gärten, ersterer grtheilt in 4 Parzelle,-, ist letzter Termin auf den 1. März er., Mittags 2 Uhr in meine Wohnung bestimmt.
823] Textor, Administrator.
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Inhaber von Loosen 1. Classe werde i um baldige Erneuetung derselben zur 2. Elaste ersucht.
826J Carl Areudenftein.
Strunze, Bouquets, Gnir- landen, Palmwedel, blühende Topf- «nd Blatt- p stanzen.
L. Schwedler, Kunstgärtner, 284] Schwanallee.
Bestellungen zu sosortiger Besorgung nimmt entgegen Frau Wittwe Sipmann, Buchhandlung, Wetterg.
Schellfische - ä Pfd. 30 Ptg. Dienstag und Mit- woch früh eintreffend bei [827 Carl Freudenstein.
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Schwedler, Kunstgärtner, Schwanallee 13.