Einzelbild herunterladen
 

Är. 4»

Marburg, Sonntag, 21. Februar 1886.

XXI. Jahrgang.

188«:

75

tor.

ft Mil

>d gesut i der 6; ______<3

chkll 'm

Näh«

______11

efrau

Rr. 15,

Koloai Lehr!« t die G il m s«r aratm )rgt. von Ri

nd.

Nr. 5.

llmt nie 00 ® lotte 0 M.)t t. 30 I bei [l Wetz!

re. 3 V

emball

n.

'itzen hnhosst Beloh« 8'. (

cht

lrburz 40.

IÖS.

104

10:5'/?

.jj 102*/, 101 i11 101-:?

99/, 102-,.

104°,» 104/? 103«/, 6b1/,: 82*/«',

56«/, TS1/,; 86°/,- 302 97. S2E 118/, 861/,!

Erscheint täglich außer «u Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Quoetal« Lbonnements-PreiS dei bet Expedition 2*/* Mk., bei ben Postämter 2 Ml. 50 Mg. lexcl. Bestellgeld/. Kls«rionseebübr für die «fpaltene Zeile 10 Mg. Rmarmn für die Zeile 25 Pfg.

GkchrsW jfitiiiiii.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sow:e d.Annoncen-Buremix von Haalenstein undVogler in Franlsurt a. M , Cassel. Magdeburg und Wien:. Rudolf Masse in Franlsurt a M-, Bcrlin,V-ünchenund Köln; G. L. Daube und vo. n /ranklurt o. M-, Berlin, Ha nover u.Paris

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. Illustriertes Sonutagsblatt.

Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Auch für den Monat März nehmen alle Postanstalten Bestellungen aus die

Oberhessische Zeitunq

nebst ihren Beiblättern

entgegen.

Deutsches Reich. "

Berlin, 19. Febr. DieNordd. Allg. Ztg." wider­legt die Ausführung derGermania", daß die neue Kirchen­vorlage eine Errungenschaft des katholischen Volkes sei, welche die Regierung nicht freiwillig gewährt habe. Die Absicht des Entgegenkoininens datiere zurück schon bis zu dem Rücktritte des Kultusministers Falk. Die preußischen Katholiken hätten also Windthorst nicht nur nichts zu danken, sondern seien vielmehr befugt, den Zentrumsführer dafür verantwortlich zu machen, daß er durch sein leiden­schaftliches Verhalten gegen die Regierung Jahre lang die Gewährung dessen verhinderte, was ihnen jetzt zu teil wird. Vielleicht trage die neue Vorlage zur Klärung darüber bei, daß die Interessen der Katholiken am schlechtesten gewahrt sind, so lange an der Spitze des Zentrums ein Mann steht, dem der Katholizismus das Mittel für seine wel- ftschen Zwecke ist. Die Unterrichtskommission des Ab­geordnetenhauses beschäftigte sich gestern eingehend mit einem Anträge, die Stenographie als Unterrichtsgcgenstand der höheren Lehranstalten aufzunehmen. Der Berichterstatter Abgeordneter Seyffarth - Liegnitz stellte den Antrag, die Petition der König!. Staatsregierung zur Erwägung zu überweisen. Die Abgeordneten Kropatscheck und Professor Peters traten gegen diese Forderung auf und beantragten einfache Tagesordnung. Abg. v. Schenckendorff führte aus, daß er einen solchen Beschluß der Kommission sehr be­dauern würde. Er könne zwar der Sache nicht in dem gleichen Grade einen so hervorragenden formalen Bildungs­wert beimessen, wie der Berichterstatter es gethan, indes sei doch der Nutzen unbestreitbar und das Bedürfnis zu­nehmend. Den Antrag auf zwangspflichtige Einführung könne er nicht unterstützen, aber er wünsche lebhaft, daß die Regierung der Sache nach wie vor die volle Beachtung und Unterstützung neben dem Unterricht zuwcnde. Er stellte daher den Antrag auf eine der Sache wohlwollend abgefaßte begründete Tagesordnung. Bei der Abstimmung erhielt der Antrag Seyffarths nur eine und der Antrag v. Schenckendorffs 7 gegen 9 Stimmen, fodaß der Antrag auf einfache Tagesordnung, also die Abweisung der Sache, Annahme fand. Nach zuverlässiger Mitteilung wird am 1. April die neue Prüfungsordnung für Lehramts - Kan­didaten erscheinen. Dieselbe ist schon seit Jahren erwartet, jetzt aber liegt sie dem Herrn Minister zur Unterschrift vor. Bon den akademisch gebildeten Lehrern selbst war eine nicht unerhebliche Verschärfung der Vorschriften mehr­fach, zuletzt offiziell von den Vertretern sänitlicher Vereine akademisch gebildeter Lehrer in Preußen auf dem Delegierten­tage zu Breslau 1884, gewünscht worden. Insbesondere war man gegen den dritten Grad und wünschte, daß nur der bestanden haben sollte, der in zwei Fächern die volle Fakultas sich erworben. In der demnächst erscheinenden neuen Prüfungsordnung ist denn auch, wie sicher verlautet, der dritte Grad abgeschafft. Ferner wird vielen jungem Lehrern die Nachricht sehr willkommen sein, daß die Be­schränkung aufgehoben ist, welche bisher den Philologen, welche an Realgymnasien ihre Vorbildung genossen hatten, die Verwendung an Humangymnasien verschloß. Hoffentlich werden auch andere Ungleichheiten beseitigt sein, die z. B., daß die Fakultas in Lateinisch und Griechisch nur für eine, die Fakultas für Englisch und Französisch aber für deren zwei galt.

München, 17. Febr. Das Staatsministerium des Innern hat jetzt, gleichwie früher die Kreisregierung, die Beschwerde abgewiesen, welche gegen das s. Z. vom Magistrat Nürnberg erlassene Verbot der Frauenversamm­lung, in welcher die Agitatorin Guillaume-Schack sprechen wollte, erhoben worden war. Man will, wie die Südd. Pr." meldet, in der nächsten Zeit eine Versamm­lung hiesiger Grund- und Hausbesitzer einberufen, in welcher zur Sprache gebracht und dagegen proteftiett werden soll, daß durch die fortdauernde Verweigerung der allernöttgsten Staatsmittel zur Erhaltung, Vollendung und Herstellung der hiessgen StaatSgebänd« von Seiten unserer Kammerpatrioten 'jene Gebäude zum Teil sich in einem höchst traurigen Zustande befinden.

Ausland.

Wien, 19. Febr. DiePolitische Korrespondenz" meldet aus Belgrad: Der türkische Gesandte erschien am 17. Februar bei dem Minister Garaschanin und drückte namens der Pforte den Wunsch eines baldmöglichsten Friedcnsabschlusses aus, was um so leichter sei, da, ab­gesehen von der Kriegsentschädigungsfrage, keine andere Frage Schwierigkeiten darbiete. Weiter verlangte der Gesandte Aufklärungen über die Rüstungen und lud die Regierung zur Demobilisierung ein. Garaschanin konferierte gestern und heute telegraphisch mit dem Könige, dessen Entscheidung voraussichtlich morgen erfolgt. Gestern und heute konferierten Garaschanin und der Minister des Innern mit hervorragenden Mitgliedern der Fortschritts­partei, welche aus der Provinz ein trafen, über die innere Lage. Der Fürst von Montenegro ist heute früh hier eingetroffen.

Madrid, 14. Febr. Die Regierung hält es endlich an der Zeit, den republikanischen Drohungen mit der That zu antworten. Bei der ersten gestern von der Polizei Hierselbst veranstalteten Razzia sind denn auch an drei verschiedenen Orten Flinten, Pistolen, phrygische Mützen, Bildnisse republikanischer Führer und Schießvorrat ge­funden worden. Verhaftet sind sieben oder acht Personen, von denen einige als Föderalisten bekannt sind. Diese Verhaftungen stehen in Beziehung zu der Untersuchung gegen die Urheber des jüngsten Putsches von Cartagena und beweisen, daß die Föderalisten und Cantonalisten lebhaft thäkig sind und daß nicht die Zorrillisten allein Verschwörungen anzetteln. Die Londoner Unruhen haben die hiesigen Anarchisten und Sozialisten in große Er­regung versetzt, welche möglicherweise bald in irgend einem tollen Aufruhrversuche in Catalonien oder Malaga einen Ausbruch finden dürfte. Die Republikaner Cataloniens, Sevillas und Malagas haben sich entschlossen, unter dem­selben Banner zu den bevorstehenden Corteswahlen zu eilen. Das republikanische Wahlbündnis ist also einge­leitet, ob aber sämtliche Republikaner des Landes folgen werden, ist sehr fraglich, da persönliche Beweggründe der Führer die drei Lager getrennt halten und Castelar bei seiner abwartenden Taktik beharrt.

London, 19. Febr. (Unterhaus.) Der Kriegs- minister Childers bedauerte die jüngsten Ruhestörungen und hob hervor, die in den Straßen von London getroffenen Maßregeln würden eine Wiederholung derartiger Vorgänge unnwglich machen. Uebrigeus sei jetzt der Bericht der Untersuchungskommission abzuwarten und festzustellen, wen die Veranttvortlichkeit treffe. Das Haus begann hierauf wieder mit der Adreßdebalte. Die Opposition tadelte die Vertagung der irischen Frage. Gladstone wies diesen Tadel zurück und erklärte, die irische Frage werde sorgfältig ge­prüft werden. Die Regierung widme sich dieser schwierigen Aufgabe und sei entschlossen, dieselbe so schnell wie nwglich zu lösen Das Haus verwarf alsdann mit 134 gegen 104 Stimmen das von der Regierung bekämpfte Amendement zu gunsten der Suspendierung der Exmission der Klein­bauern in Schottland. Die Adresse wurde hierauf ohne besondere Abstimmung angenommen. Anläßlich des An­trages, den Bericht über die Adresse anzunehmen, betonte Maccarthy bezüglich Irlands, es sei absolut notwendig, die Homerule-Frage vor jeder anderen Frage zu lösen. Der Adreßberichl wurde sodann genehmigt. Die Bill, den un­abhängigen Frauen das Wahlrecht zu gewähren, wurde in zweiter Lesung angenommen. Im Oberhause entstand eine lebhafte Debatte über die jüngsten Londoner Straßen­unruhen. Lord Rosebery gab in Beantwortung einer An­frage Lord Salisburys bezüglich der griechischen Frage Erklärungen ab analog den von Gladstone im Unterhause, die Regierung wünsche nicht nur, den europäischen Frieden zu wahren, sondern auch Griechenland gegen sich selbst zu schützen; sie sei deshalb entschlossen, die von ihren Vor­gängern eingegangenen Verpflichtungen auftecht zu erhalten und mit Festigkeit danach zu handeln Lord Roseberys und Gladstones Erklärungen über die griechische Frage werden von den Morgenblättern allgemein als hochbefriedigend und als Bürgschaft für die Aufrechterhaltung des Friedens bezeichnet. DieTimes" erfährt, die Herzogin von Roxburghe habe den ihr von der Königin angetragenen Posten einer Oberbofmeisterin abgelehnt, weil ihr Gemahl außer Stande sei, Gladstones irische Politik zu unterstützen.

Petersburg, 19. Febr. Das Gesetzblatt giebt die Kündigung der bestehenden russisch-französischen und russisch­belgischen Konventtonen, betreffend da» litterarische und künstlerische Eigentum, zum 14. Juli, resp. 14. Januar 1887, bekannt.

Moskau, 19. Febr. Wie dieMoskauer Zeitung" meldet, soll das russische Schiffsgeschwader gegen den 21. Februar bei Syra eintreffen.

Kairo, 19. Febr. Mnkhtar Pascha unterbreitete dem Khedive und Sir Drummond Wolff ein Memorandum, in dem er sich entschieden für die Wiederbesetzung von Dongola als einer strategischen Notwendigkeit ausspricht: Dongola sei die einzige wirksame schranke zwischen den Egyptern und den aufständischen Araberstämmeu. Die egyptische Armee müsse eine der türkischen analoge Organisation haben. Der Posten eines Serdars müsse beseitigt und eine muselmännische Militärverwaltung eingerichtet werden. Die egyptische Armee müsse aus 18 Bataillonen mit eingeborenen Offizieren bestehen.

Hoffen-Nassau.

Marburg, 20. Febr. Wie uns aus Berlin telegraphiert wird, ist in dem dem Abgeordnetenhause zugegangenen Gesetzentwurf über den Bau von Sekundärbahnen unter Nr. 18 die Bahn von Sarnau nach Frankenberg aufgeführt. Eine Nachricht, die gewiß allseitig mit Freuden begrüßt wird.

Marburg, 20. Febr. Der akademische Konzertvereiu wird das Winter-Semester mit Veranstaltung zweier großen Konzerte beschließen. Wie wohl schon allgemein bekannt, soll das 3. und 4 Abonnementskonzert, wenn man so sagen darf, zu einem kleinen Musikfest vereinigt werden, um den Erinnerungstag an die Gründung des ersten musikalischen Vereins in Marburg zu feiern. Daß die Stiftung des Liebhaber-Konzertes zu Marburg am 4. Februar 1786 dem Vorstand des Konzert-Vereins als ein einer größeren musikalischen Feier würdiger Gegenstand erschienen ist, daran wird hoffentlich Niemand Anstoß nehmen. Ist doch dieser alte Verein, der die Musik eifrig und freudig gepflegt, allen späteren und auch den jetzigen Verein mehr oder weniger eine Grundlage geworden und es ist billig, das Andenken an unsere kunstliebenden Altvordern in Ehren zu bewahren. An dieser Stelle sei es uns gestattet, auf die Konzerte des 2. und 3. März und die darin zur Aufführung kommenden Werke hinzuweisen. Der erste Abend soll eröffnet werden durch die Ouvertüre zur Weihe des Hauses von Beethoven. Die Wahl dieses Werkes findet außer in anderm auch darin Berechtigung, daß dasselbe vom Komponisten im Händel- scheu Stile geschrieben ist und sich also das nachfolgende OratoriumIsrael in Egypten" von Händel sehr passend daran anschließt. DerIsrael" ist in seiner Art vielleicht das größte Chorwerk, welches je geschrieben ist, es stellt an den Chor die höchsten Anforderungen und wird über­haupt sehr selten aufgeführt. Eine Aufführung des Israel ist jedesmal ein Ereignis in der musikalischen Welt. Um so mehr ist es anzuerkennen, daß der Konzertverein sich an dies selten gehörte Werk gemacht hat, durch seine frü­heren Leistungen, ich erinnere nur an die Matthäuspassion und Luther in Worms, ist der Chor wol berechtigt, das Studium eines solchen Werkes zu unternehmeu. Händel hat den Israel im Oktober 1738 im Zeitraum von 4 Wochen komponiert. Der erste Teil enthält die Not der Israeliten, die über Egypten verhängten Plagen und den Auszug Israels. In demselben kommen nur zwei Recitative und eine Alt­arie vor, die Bedrängnis der Kinder von Israel, die Plagen (mit Ausnahme von zweien), der Auszug, der Durchgang durchs rote Meer, alles das bringen höchst charakteristische und äußerst wirkungsvolle Chöre zur Darstellung. Wegen der geringen Abwechslung von Solls und Chören könnte man vermuten, Langweile empfinden zu müssen, aber gerade hierin zeigt sich die großartige Be­gabung Händels, der in einer Reihenfolge von acht Chören die verschiedenartigsten Stimmungen und Ereignisse so wunderbar dargestellt hat, daß er damit den erhebendsten, und andererseits auch den erschütterndsten Eindruck her­vorbringt. Was aber noch mehr zu betonen ist, der ein­geschlagene Weg ist nicht ein willkürlicher Vorsatz Händels, nein, was da steht, bewährt sich als durch den Gegenstand bedingt und gegeben. Es ist nur ein natürlicher Fort­gang in dem einmal angeschlagenen musikalischen Sprach­ton ; der eine Chor ruft den anderen als notwendige Folge und Ergänzung hervor. Der zweite Teil des Israel ent­hält das Lied MoseS, den Preisgesang über die Errettung aus der Hand der Egypter. Wenn die Chöre des ersten Teiles besonders charatteristisch sind, so werden sie von denen im zweiten Teile nur an Großartigkeit übertroffen, und ei sind denn auch diese das Gewaltigste, was in dieser Gattung der Komposition je hervorgebracht ist. Besonders hervorzuheben sind der Anfangs- und Schluß- chor »Ich will fingen zu dem Herrn, denn er hat geholfen