Einzelbild herunterladen
 

worden. Aufständische Volksbewegungen waren ausgebrochen, geschüit durch die Anhänger Mancinis. Die Bevölkerung war von Bangigkeit erfüllt and rief ängstlich nach Justiniani als Retter.

Graf Montalto laS die Depeschen des Rats und legte ste dann in die Hände des altbewährten Feldherrn, der mit bewegtem Herzen davon Kenntnis nahm und dann sich an seine edle Tochter wandte: »Als ich meine undankbare Vaterstadt verließ, sagte er zu ihr, that ich ein feierliches Gelübde, niemals dahin zurückzukehre«, als wenn sich mich darum bitte. Vor dem Altar schwur ich, nie mein Schwert für ste zu ziehen, als an dem Tage, da ste mit plötzlichem Untergange bedroht wäre. Atzt ist sie wirklich in dringender Gefahr. Aber ich habe noch ein diittes Gelübde abgelegt, das ernsteste und feierlichste von all-n: niemals diesen Ort ohne Deine Bestimmung zu verlassen!* Adriana wandte sich ab, nm ihre tiefe Bewegung zu verbergen; ste weinte und zögerte, ein entscheidender Wort zu sprechen. Montalto bat mit Wärme um Bescheid; sie flüsterte nur: .Gehe!" Justiniani schloß ste in seine Arme.

Wenige Tage nur vergingen und der einst Verbannte wurde von den Edlen und dem Volke Venedigs mit Be­geisterung begrüßt. Seiner Galeere fuhr die des RatS, umgeben von den Gondeln d r Patrizier, entgegen. Wohl donnerte in der Ferne daS Geschütz des Herzogs von Sforza gegen die Bastionen von Fusina; aber das Volk ließ sich in seiner Freude nicht stören: hatte eS doch jetzt einen Mann seines Vertrauens, einen bewährten, tapfer» und weifen Feldherr» ia fetuer Mitte!

Bald lieferte Justiniani de» Beweis, daß die Zurückge­zogenheit feine großen Eigenschaft-» nicht verringert hatte.

Ungeachtet seiner 70 Jahre, entwickelte er die ThLtigkett eines jugendlich rüstige« Man«», »uterwarf de» HeereSbe.

stand einer genauen Prüfung und Verbefferung im Einzelnen wie im Ganzen, ergänzte die Lücken in der AuSrüstnng der A'stnale stellte wieder eine se. tüchtige Flotte her und lief mit derselben aus, ehe die Mailänder noch recht zum Be­wußtsein gekommen waren, welche Aenderung sich in Venedig vollzogen habe. Eine genuesische Flotte hatte die erste Wucht seines Angriffs erfahren; sie wurde geschlagen und zerstreM. Dann setzte Justiniani ein stattliches Trupp-nkorps ans Land, welches alsbald von Sforza mit seinem mavtuauischen Elite - Heer angegriffen wurde.

Rach verzweifeltem Kampf wurde der Herzog bis Pa­dua zurück getrieben. Im Voidertreffen war bei dieser hoch­ernsten Affaire stets der Graf Momalto zu finden, als ein mutvoller Kämpfer, der feine Lorbeeren frisch erhalten will. Wäre nicht eigenes kriegerisches Feuer hinreichend gewesen, ihn zu heroischer Haltung zu bewegen, so würde die Bra- vour, mit welcher Justiniani selbst im entscheidenden Au­genblick mit dem Kern seines Heeres sich den feindliche» Geschossen aussetzte, den Mut deS jungen Helden vollends entflamt haben.

Triumphierend kehrte die siegreiche Streitkraft nach Ve­nedig zurück, das sie mit den laut sten und schmeichelhaftesten Freudenrufen empfing. Was Ven-dig an Auszeichnungen für hochverdiente Krieger bieten konnte, ward dem Grafe» Montalto zu Teil. Justiniani aber gewährte ihm daS Köst­lichste und Liebste war er hatte, die Haud seiner schöne» Tochter Adriana.

Um diese Zeit tauchte bei de» F. stlichkeiten, welche zu Ehre» der heiwkehreuden Sieger in Venedig gegeben wurde», ein junger Improvisator von ungewöhnlichen Eigenschaften auf; Kraft und Lebhaftigkeit seines Vortrages, wie feine poetische Erfindungsgabe zeichneten ihn aus.

(Forts tznug folgt.)

rich des Großen in Schlesien hinweist, so ist diese letztere Berufung höchst unglücklich. Denn Friedrich der Große siedelte die polnischen Oberschlesier mit Vorliebe in rein deutschen Gegenden an und ersetzte sie in den polnisch redenden Landesteilen durch rein deutsche Ansiedler; er germanisierte auf diese Weise doppelt: Die in rein deutsche Gegenden verpflanzten Oberschlesicr sind längst völlig deutsch geworden, während der deutsche Zuzug in Oberschlesien sich nicht nur seine Nationalität erhalten, sondern bis auf die neueste Zeit das planmäßige Vorgeheil des PolentumS auch die polnische Bevölkerung günstig beeinflußt hat. Jedenfalls aber giebt diese Gegnerschaft des Fortschritts in Wasserstiefeln gegen die Stärkung des deutschen Ele­ments in den zweisprachigen Landesteilen zu denken.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Febr. Se Majestät der Kaiser hat dem General der Kavallerie von Rauch I., Chef der Land- Gendarmerie, zu seinem heutigen 50jährigen militärischen Dienstjubiläum folgendes Handschreiben zugehen lasten: Ich wünsche Ihnen an deni heutigen Tage, an welchem Sie auf eine 50jährige Dienstzeit zurückblicken, Meine ehrende Anerkennung der von Ihnen geleisteten Dienste und Mein Wohlwollen dadurch zu bethätigen, daß Ich Ihnen hierdurch ausnahmsweise ein Patent Ihrer Charge verleihe. Berlin, den 16. Februar 1886. Wilhelm. Die erste Gratulation überbrachte das Offizierkorps der Gendarmerie, welches eine Deputation des Oberst von Raabe, Brigadiers der ersten Gendarmeriebrigade abge­sandt hatte und einen kostbaren silbernen Tafelaufsatz über­reichen ließ. Die Ausschüsse des Bundesrats haben die zweite Beratung der Branntwein-Monopol-Vorlage be- gonnen. Für die weitere Beratung derselben sind umfang­reiche finanzielle Aufftellungen gemacht worden. Es be­stätigt sich durchaus, daß der Monopolentwurf für das gesamte deutsche Reich vorgelegt werden wird, unbeschadet der Vorbehalte, welche die süddeustchen Regierungen in den Ausschüssen durch ihre Vertreter haben aussprechen lasten. Wie die Dinge jetzt liegen, ist es mehr als wahrscheinlich, daß die Monopolvorlage erst gegen Ende dieses Monats dem Reichstage zugehen kann. Die Gerüchte, daß die Re­gierung mit dem Gedanken umgehe, die Monopolvorlage zurückzuziehen, sind absolut wertlos. Am Sonntag nachmittag 2 Uhr fand, wie dieB. P. N." erfahren, unter Vorsitz des Reichskanzlers eine Sitzung des Staats­ministeriums statt. Man wird wohl kaum fehlgehen, be­merkt dazu das Blatt, wenn man annimmt, daß in der­selben die heute im Herrenhause zur Verteilung gelangte kirchenpolitische Vorlage festgestellt worden ist, und daß der Vortrag, welchen der Kultusminister von Goßler am gestrigen Nachmittage dem Kaiser zu erstatten hatte, den­selben Gegenstand betraf. Nach einem an die Eisenbahn behörden ergangenen Erlasse des Ministers der öffentlichen

Arbeiten hat der Bundesrat die Bundesregierungen zu er­suchen beschlossen, bei allen Betriebs- und organisatorischen Einrichtungen für die ihnen unterstellten Eisenbahnlinien als allgemeine Bezeichnung aller Anhalte- und Aufenthalts­stellen den AusdruckStationen" einzuführen, als Unter­arten aber zu unterscheiden und zu bezeichnen: 1. Stationen mit bedeutenderem Verkehre alsBahnhöfe", wobei davon auszugehen ist, daß dieser Abteilung jedenfalls diejenigen Stationen zuzurechnen sind, für deren ordnungsmäßige Leitung nach dem Ermessen der Verwaltung die Bestellung eines Haltestellen-Vorstellers (b. i. eines telegraphierenden, expedierenden Weichenstellers und Bahnwärters) nicht für ausreichend erachtet wird 2. Stationen mit geringerm Verkehre, welche mit mindestens einer Weiche für den öffentlichen Verkehr versehen sind, alsHaltepunkte." Nach der jetzt veröffentlichten vergleichenden Uebersicht des Postpäckereiverkehrs in der Weihnachtszeit (14 Tage vom 12. bis einschließlich 25. Dezember) der Jahre 1885 und 1884 in den 37 Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern nach der Zählung von 1880 (die neueste Zählung hat noch drei Städte hinzugefügt: Darmstadt, Kiel, Potsdam) be­trug 1855 die Gesamtstückzahl der aufgegebenen und der eingegangenen Pakete 3516367 oder 184262 mehr, wozu noch 115184 Pakete der zuletzt genannten Orte treten. Von der Gesamtzahl kommen unter andern: auf Berlin 880003 »(34 367 mehr), Köln 140 034 (4473 mehr), Barmen mit Nittershausen u s. ro. 51117 (898 mehr), Düsseldorf mit Oberbilk 63890 (5105 mehr), Elberfeld mit Hahnerburg 68528 (2912 mehr), Aachen 37413 (1668 mehr), Crefeld 42 763 (905 mehr). Weniger hatten hierbei überhaupt nur drei Städte: Königsberg, Dortmund und Frankfurt an der Oder. Von der Ge­samtstückzahl waren aufgegeben: 1929094 (80312 mehr), eingegangen: 1587273 (67950 mehr. Gegen den deutsch-freisinnigen Reichstagsabgeordneten Münch, Ingenieur in Diez a. d. Lahn, soll wegen Be­leidigung des Fürsten Bismarck eine Beleidigungsklage erhoben worden sein, weil derselbe in einer dieser Tage stattgehabten Volksversammlung gesagt habe:Mit dem Vorschläge des Branntweinmonopols könnten die großen Branntweinbrenner wohl einverstanden sein, denn ste füllen ihre Taschen. Der Fürst Reichskanzler sei selbst dabei beteiligt, denn er fabriziere jährlich über eine Million Liter, werde folglich 80000 Mk. jährlich mehr einnehmen." Eine gleiche Anklage soll auch gegen Otto Hermes, den Freund Richters, erhoben worden sein. Es hat in der Ocffentlichkeit einiges Aufsehen erregt, daß der hiesige Union-Klub, dem alle unsere reichen Sportsmen ange- hören, durch eine Aenderung der Statuten das Hazardspiel verboten hat. Wie man jetzt erfährt, ist das der Initiative keines Geringeren, als des Prinzen Wilhelm zu verdanken, der in dem Ofsizierstande gewisse Nnzuträglichkeiten be­seitigen will.

gt bei!

irr

fl.

jeilnch r dt«,

:n Gaq

(' l Srelk en D«

tt!

cngaM | die H

16

»säht

»ttrrir.

Z 1886 . «eil auflvch 10 Ml [68

i r»»

Nr. 3.

t RM i mich (6

t Bm

i Wie-

nkluf in.

--------k

lies,

tim

II

ö.

ezüglii !fg>, '

lies.

mrg,

stutzet

wird

p. d.

lnweisi ing J M erhöbe»

VorwiW

Friede i

>e, foi > bezeug

3*/i 10*

l 101

10! !

221

i

7 ) i1/«

i

101 ioi lOi 5?

71 81

VI. 101 ^'0> aVjios 1%I1O 10*101

$/. z i1/.

»r. «1.

Marburg, Donnerstag, 18. Februar 1886.

XXI. Jahrgang.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal» Aboimements-Pteis bei bet Expedition 2>/t Mk, bei ben Postämter 2 Mk. 5.0 Wa. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebahr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. ReTamcn für bie Zeile 2» Pfg.

O)linlielMd|c jeitutig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein undVogler in Frankfurt o. M , Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Messe in Frankfurt a M , Berlin,München unv Köln; G. L. Daube und So. -n rtranklmt o. M., Berlin, Hannover ».Paris

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition- Markt 21. Redaktion, Druck und Berlag von Joh. Aug. Koch.

Opposition auf jeden Fall.

Zu den charakteristischen Merkmalen unserer freisin­nigen Opposition gehört die grundsätzlich gegnerische Stel­lung, welche sie selbst dann gegen die Vorschläge der Regierung einnimmt, wenn letztere sich anschickt, ihrerseits von den Liberalen erhobene Forderungen zu erfüllen. So war es schon 1864 und 1866, als Bismarck das alte Postulat der preußischen Spitze für Deutschland, freilich nicht mittelst Gesang- und Schützenfesten, sondern mit dem Lchwerte durchführte. So lange die Fragen der inneren Festigung Deutschlands dem Kanzler Zurückhaltung in Bezug auf eine aktive überseeische Politik auferlegten, wurde gerade von linksliberaler Seite dies als schwere Unterlassungssünde angerechnet; von dem Augenblick, wo mit Kraft und Erfolg in die Bahnen überseeischer Politik eingelenkt ist, wird diese, soweit der Stand der öffentlichen Meinung es irgend gestattet, bekämpft. Herr Eugen Richter und seine Presse thut dies sogar mit einem ge- wiffen Fanatismus. Die Sonderstellung der Hansastädte außerhalb des Zollvereins war von dem Freisinn bei der Beratung der Reichsverfassung lebhaft angefochten worden; als deren Beseitigung vor wenig Jahren herbeigesührt wurde, waren die Fortschrittler die entschiedensten Gegner der Maßregel. So lange die Regierung an die schwierige Frage der höheren Besteuerung des Branntweins nicht heranging, scheute der Freisinn vor keinem Vorwurf zu­rück; selbst zu persönlichen Verdächtigungen wurde ge­griffen. Sobald aber die Regierung daran denkt, den Branntwein für die Aufgaben des Reichs in höherem Maße, als bisher, nutzbar zu machen, so setzt der Freisinn Himmel und Erde gegen die Pläne der Regierung, und zwar nicht blos gegen das Monopol, sondern auch gegen jede andere höhere Besteuerung des Branntweins in Bewegung.

Wie oft ist nicht von jener Seite endlich die Inan­griffnahme der inneren Kolonisation gefordet, wie ost der Regierung ein Vorwurf daraus gemacht, daß sie nach den mißglückten Experimenten in Neu-Vorpommern von weiteren Versuchen zur Ansiedelung von Bauern abgesehen hatte, wie lebhaft hatte nicht noch bei der letzten Generaldebatte über den preußischen Etat der freisinnige Redner die An­siedelung deutscher Bauern im Gegensätze zu den Aus­weisungen als Hauptmittel gegen die Polonisierung em­pfohlen! Jetzt aber, wo die Regierung mit dem Plane einer inneren Kolonisation im großen Style vorgeht, mäkelt die freisinnige Presse nicht allein an allen Einzel­heiten der Vorlagen herum, und versucht, Mißttauen gegen die zur Durchführung eines solchen umfassenden Planes unerläßlichen Vollmachten zu erwecken, sondern die spezifisch Richtersche Presse wendet sich auch mit Entschiedenheit gegen den Gedanken der Ansiedelung rein deutscher Elemente. Wenn sie sich dabei freilich auf das Beispiel der preußischen Könige beruft und insbesondere auf das Verfahren Fried-

Ad r r a « a.

Eine altoenetianische Geschichte. Neuerzählt von Otto v. Breits chwert-

(Fortsetzung.)

Manch schönes Weib hatte er auf seinen Kriegszügen und wetten Reisen erblickt. Weder die statuenhafte, gran­diose Schönheit der Griechin, noch die pikante schalkhafte Anmut der Franzöfi», noch endlich die gluthvolle Empfindung und üppige FormenfMe der Italienerin war ihm als Be­obachter entgangen; sein Herz aber hatte noch immer ge­schlummert, und erst die zündenden Blicke aus ben Feuer- ongen Adrianas weckte» es auf zu leidenschaftlichem Begehren nach der Huld des lieblichen FrauenbildeS, dessen Anblick ihn so mächtig ergriffen hatte.

Schon hatte er ben Fuß im Steigbügel mit bem stillen Entschlüsse, Alles einzusetzen unv balb als würbiger Bewerber um Adrianas Hand, reicher noch au Verdiensten und Ehren als jetzt schon und, auf einer höheren Ehren-Stufe deS Staatsdienstes stehend, zu ihr und ihrem Vater zurückzu­kehren.' Da scholl et» Trompetenstoß durch das Gehölz, welches bie Lanbstraße bem Blicke ber Schloßbewohner ver­barg, nnb ein kleiner Trupp Berittener in militärischer Tracht nnb Rüstung schwenkte aus bem Waldwege hervor.

In vollem Galopp heransprengenb, bot bet Führer ber neuangelamteu Schaar bem Grafe» Montalto et» Päckchen Schriftstücke bar, welche» mit bem Ratsfiegel verschlossen war. Die Papiere enthielten beunruhigenbe Nachrichten über bie Bewegungen ber Land- nnb See - Streitkräfte des Herzogs von Mantua, welche Leuebig unmittelbar mit einem Uederfall bedrohte». Schon waren bie veuetianischen Truppe» auf bem Festlaube zum Weiche» gebracht »nb das Geschwader Venedigs i» bie Gewässer ber Vaterstadt zurückgetriebe»