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*t. 89.

Marburg, Dienstag, 16. Februar 1886.

XXI. Jahrgen,.

WtlhcUlhk Mma

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - Illustriertes Souutagsblatt.

_______________________________________________________ Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Strlag von Ich Sug. Loch.

1886/7

1885'6

28563006

26963994

1065 690

1060690

5630000 32465513

122436 712

263001 670

8012000

14230860

35 738856

138443060

262 004240

7 976500

1580000

26 961588

1800000

27 725505

mußte denn der sonst übliche Weg der Wiederwahl durch Akklamation aufgegeben werden und Herr von Köller das erdrückende Tadelsvotum von 37 deutschfreisinnigen unbe­schriebenen Zetteln über sich ergehen lassen. Andererseits lehnten aber auch die Freikonservativeu und National­liberalen die Wiedenvahl des ersten Vizepräsidenten, Frei- Herrn von Heeremann, ab, weil dieser in der Sitzung vom 10_ d. seinen Fraktionsgenossen', Herrn von Schorlemer, aus gründ der Aeußerung desselben, daß er am 30. Januar nut einem Gefühl des Widerwillens, um nicht zu sagen des Ekels" den Saal verlassen habe, nicht zur Ordnung gerufen hat. Herr von Heeremann war aber auf eine von deutschkonservativer Seite an ihn gerichtete Interpellation über diese allerdings befremdliche Bethätigung von Nachsicht in der Lage, versichern zu können, daß er die in Red« stehenden Worte des Freiherrn von Schorlemer nicht ver­standen, deshalb und um sich Gewißheit über die Be­schaffenheit und Tragweite des Ausfalls zu verschaffen, die Frage an denselben gerichtet hätte, ob er mit seiner Aeuße­rung Mitglieder des Hauses im Auge gehabt, und ledig­lich durch das mutige Nein, mit dem Herr v. Schorlemer es jetzt vorzog, sich den Konsequenzen seiner Bravade zu entziehen, daran verhindert wäre, den sonst auch nach seiner Meinung verdienten Ordnungsruf ergehen zu lassen. Unter diesen Umständen und dieser Erklärung gegen­über glaubte aber _ die deutschkonservative Fraktion von einem weiteren Verfolg der Angelegenheit abschen und sich dafür entscheiden zu müssen, lediglich die Erwägung, daß das Zentrum als zmeitstärkste Fraktion gegründeten An­spruch auf den ersten Vizepräsidentenposten hat, für ihre Haltung maßgebend sein zu lassen. Herr v. Heeremann wurde demnach bei einer Gesamtzahl von 340 Votierenden mit 218 Stimmen, denen 118 unbeschriebene Stimmzettel gegenüberstanden, wieder gewählt. Auch Herr von Benda endlich vereinigte bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenteu eine genügende Anzahl von Stimmen auf seine Person, sodaß wenigstens äußerlich als Gesamtresultat dieser Stürme alles beim alten blieb.

StaiimbUtg, 13. Febr. In dem Diätenprozesse gegen den Abg. Hasenclever ist der neue Termin wegen neu aufgestellter Behauptungen auf den 10. April verlegt. I» dem Prozesse gegen den Abg. Lerche soll Beweis darüber erhoben werden, ob und welche Beträge Lerche aus dem Fond der Fortschrittspartei und der freisinnigen Partei erhalten habe. Als Zeugen sind Bamberger, Parisius, Langerhans, Zelle, Virchow, Hänel, Bankier Schönfeld in Nordhausen und Justizrat Löbnitz in Nordhausen vorgeladen.

Karlsruhe, 1'. Febr. Anläßlich der Erklärung des Ministers Turban bei Beantwortung der wegen des Brannt­weinmonopols an ihn gerichteten Anfrage brachte die liberale Kammermehrheit den Antrag ein, die Kammer wolle eine Resolution zu Protokoll geben, es sei erwünscht, bei der Belastung des Reiches und der Einzelstaaten, sowie im Interesse der Sittlichkeit und der Gesundheit aus dem Branntwein höhere Erträgnisse zu ziehen. Das Aufgeben des Reservatrechts werde einer gewissenhaften Prüfung unterzogen werden.

München, 13. Febr. Die Abgeordnetenkammer setzte henk die Beratung des Kultusetats fort. Der Kultus­minister lehnte die von klerikaler Seite angeregte Erwägung der Aufhebung der Kreisschulinspektoren ab. Die Kammer bewilligte ohne Debatte 15000 Mark für die Porta praetoria in Regensburg, 15000 Mk. für den Ankauf des von Lenbach gemalten Porträts des Papstes Leo XIII. für den Staat, beschloß sodann die Aufstellung der Büste des Königs Ludwig 1. gelegentlich des diesjährigen Centen- itariumüi in der Walhalla zu Regensburg und genehmigte endlich den Etat der wifsenschaftlicheu und Kunst-Sammlungen.

17073300

2605000

7174138

Summa totalis 696615509 612325592

Aus dieser Zusammenstellung ergibt sich ein nicht un­bedeutendes wenn auch naturgemäßes Anwachsen der verschiedenen Positionen der fortdauernden Ausgaben.

Diesem Wachsen der Ausgaben stehen teilweise Er­höhungen gegenüber.

Ass erfreuliches Resultat ist aber zu bezeichnen, daß die nach der Franckensteinschen Klausel an die Einzelstaaten zu überweisenden Beträge um rund 53 Millionen gewachsen und dem gegenüber die Matrikularbeiträge nur um 16 Mil­lionen gegen das Vorjahr gestiegen sind, so daß das Ge­samt-Resultat der Berechnung aus Matrikularbeiträge« und Ueberweisungen für die Einzelstaaten Dank der Zoll- und Wirtschaftspolitik unserer Reichsregierung sich um 37 Millionen Mark günstiger als im vorigen Etat gestaltet.

Dessau an die ihn empfangenden Anhalter herzoglichen Herrschaften, Prinzen Eduard und Prinzen Aribert, in der ihm eigenen herzgewinnenden Weise folgende Worte: Ich bin von Sr. Kaiserlichen Majestät beauftragt wor­den, Allerhöchstderselben tiefgefühlte Teilnahme bei dem schmerzlichen Verluste, den das anhaltische Herzoghaus be­troffen, auszusprechen. Gleichzeitig ist es aber auch Mir ein Herzensbedürfnis gewesen, Eurer Hoheit sowie Ihrer Hoheit der Fran Herzogin und Ihrer Hoheit der Frau Erbprinzessin persönlich Meinem innigsten Mitgefühl Aus­druck zu geben." DieKreuz-Zig." erfährt von glaub­würdiger Seite, daß die Regierung nicht beabsichtige, dem Landtage noch weitere politische Vorlagen bezüglich der Polenfrage zu machen; dagegen sei die Frage noch nicht entschieden, ob noch ein weiterer Betrag von mehreren Millionen gefordert werden solle zur besseren Dotierung schon bestehender Schulen oder zur Erleichterung der die­selben unterhaltenden Kommunen. DieNordd. Allg. Ztg- publiziert den Wortlaut der Antwort Griechenlands vom 2. Februar auf die Kollektivnote der Mächte. Mit Weglassung der üblichen Einleitung und des Schlusses lautet die Note in der Uebersehung folgendermaßen:Die Königliche Regierung hat von dieser Deklaration Kennt­nis genommen, allein sie hält es für überflüssig, ihre An­sichten über eilte Frage darzulegen, mit welcher sie schon die Großmächte befaßt hat. Aus diesen Gründen glaubt die Königliche Regiernng, die Verantwortung für die Fol­gen eines eventuellen Konfliktes ablehnen zu müssen. Die Königliche Regierung glaubt jedoch nicht verhehlen zu sollen, daß sie jedes Hindernis, welches der freien Dispo­sition ihrer Seestreitkräfte entgegengestellt würde, als un­vereinbar mit der Unabhängigkeit deS Staates und den Rechten der Krone und zugleich als nachteilig für die politischen Interessen des Landes ansehen würde." Die deutsch - konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses hat einen Gesetzentwurf, betreffend die Gleichstellung der Lehrer an den nichtftaalichen höheren Lehranstalten mit denen an Anstalten staatlichen Patronats eingebracht. Derselbe lau­tet: 8 1. Die Lehrer an den nicht staatlichen höheren Lehr- Anstalten werden hinsichtlich des Ranges und des Ge­haltes den Lehrern an den entsprechenden Anstalten staat­lichen Patronates gleichgestellt. § 2. Die gesetzlichen Be­stimmungen über den Wohnungsgeldzuschuß, über die Pen­sionierung, über die Zahlung der Beamtengehälter und über das Gnadenquartal, über die Fürsorge für Witwen und Waisen finden auch auf die Lehrer an den nicht- staatlichen Lehranstalten sinngemäße Anwendung. § 3. In denjenigen Fällen, wo das Fortbestehen einer nichtstaat- lichen höheren Lehranstalt im öffentlichen Interesse liegt, die eigenen Einnahmen der Anstalt und die Mittel der Schulunterhaltungspflichtigen aber zur Erhaltung derselben nach Maßgabe der 1 und 2 nachweisbar nicht aus­reichen, tritt eine Subvention aus staatlichen Fonds ein. § 4- Alle 6 Jahre findet eine Neuregulierung der staat­liche Subvention nach Maßgabe der im § 3 aufgeführten Erfordernisse statt. § 5. Subventionen, welche auf recht­lichen Verpflichtungen des Staates beruhen, werden durch dies Gesetz nicht berührt. § 6. Verträge, welche diesem Gesetz zuwiderlaufen, sind nichtig. Gestern fand in den Räumen des Kaiserhofes das erste Diner der konserva­tiven Fraktion des Abgeordnetenhauses statt, welches zahl­reich besucht war und an welchem, neben anderen Gästen, auch der Vizepräsident des Staatsministeriums, Minister v. Puttkamer, teilnahm. Der erste Toast, welcher von Herrn v. Rauchhaupt ausgebracht wurde, galt Seiner Majestät dem Kaiser und Könige, als der erhabenen Per­son, um welche sich alle Konservativen scharen und dem alle Konservativen Herzen entgegenschlagen. Diesem Toast folgten andere, auf den anwesenden Herrn Minister, auf die konservative Fraktion des Abgeordnetenhauses und wei­ter auf ihren Vorstand, auf die Armee und die anwesenden Gäste. Der konservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses bot sich so zum ersten Male nach den Wahlen die Ge­legenheit, in zwanglosem geselligen Verkehr sich ibres Er­folges zu freuen und die persönlichen Bande des Vertrauens und der Gemeinsamkeit in allen ihren Gliedern fester zu knüpfen.

Im Abgeordnetenhause hat sich die heutige definitve Wahl de» Präsidiums nicht so glatt vollzogen, wie die provisorische vor vier Wochen und wie ftühere. Einerseits glaubte nämlich die deutschfreisinnige Fraktion gegen den Präsidenten von Köller, weil sich derselbe am Schluß der Polendebatte nicht als dienstbereiter Präsident der Minorität und Vollstrecker der Eugen-Richterschen Geschäftsordnungs- Scherze hat finden lassen, demonstrieren zu sollen, und so

17 847 400

2 447500

7 748879

Auslanv.

Madrid, 13. Febr. Infolge Entdeckung eines Patronendepots in einer hiesigen Vorstadt haben einige Verhaftungenstattgefunden. Die gestrigen republikanischen Banquets waren weniger zahlreich besucht, als im Vorjahre; die Ordnung wurde nirgends gestört.

London, 13. Febr. Nach den letzten Nachrichten aus Leicester von abends 11 Uhr gelang es der Polizei, nachdem sie ausreichende Verstärkungen erhalten hatte, die Ruhestörer ohne militärische Hilfe zu zerstreuen. 27 Per­hastungen wurden vorgenommen. Die Arbeitgeber machten den Arbeitern einige Konzessionen und schlugen vor, andere streitige Punkte einem Schiedsrichter zu unterbreiten. Bei der Unterhauswahl zu Newcastle wurde bet Staats­sekretär für Irland, Morley, mit 11000 Stimmen gegen den konservativen Kandidaten Hamond wiedergewählt, welcher

V 3um Sr-ichsharrShalis-Etal 1886 7

1) Zölle und Verbranchs- Steuern .....

2) Reichsftempel - Abgaben

3) Post- und Telegraphen- Verwaltung

Einnahme ISO 291220

Ausgabe 151728214

4) Reichsdruckerei Einnahme 3 991820 Ausgabe 2926130

5) Eisenbahnverwaltung Einnahme 47391700 Ausgabe 29 544300

6) Bankwesen ....

7) Diverse Einnahmen .

8) Zinsen ans belegten Fonds .....

9) Aus dem Jnvalidenfonds

10) Verbrauch liegender Ka­pitalien .....

11) Ans der Anleihe . .

12) Matriknlar-Beiträge .

Erscheint täglich außer en Werktage» nach Senn- und Uertageu. Quartal- Ädouuements-PreiS bei der Expedition 2*/« Mk., bei dm Postämter 2 Mk. fO (erd. Bestellgeld».

JllsertionSgebahr für bie gespaltene Zeile 10 Pfg. Rellamn für die Zeile

26 Pfg.

Nach nunmehr beendigter dritter Lesung des Reichs- Haushalts-Etats pro 1886 7 bringen wir nachstehend eine Aufstellung desselben in seinen Hauptziffern und im Ver­gleich mit den bezüglichen Ziffern des letzten Etats.

Reichshaushalts.Etat pro 1886/7.

Einnahmen

Nuzrigeu nimmt entgegen die Srpebition d. Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von Haafenstein undBogler in Franlfurt a. 3)1, Cassel, Magdeburg und Wien: Rudolf Messe in grantfurt a M-, Berlin,München und Köln; G. L. Daube und po. n Frankfurt o. M-, Berlin, Hannover u.PariS,

Deutsches Reith,

Berlin, 13. Febr. Nach demAnh. St.-Anz." richtete Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kron­prinz bei Höchstseiner Anwesenheit bei der Trauerfeier in

13) Durch laufende Gelder

545640509 514915592

nach claus.

Franckenftein 128600000

Börsensteuer 22375000

150975000

97410000

Summa totalis

-696615509

612325592

Ausgaben

1886 7

1885 6

1) Defizit ex 1884 5 . .

5570303

1740319

2) Verzinsung der Reichs­schuld (481000000) .

18302500

17102500

3) Reichsverwaltung . .

14591458

14 253348

Einmalige ....

7 435715

6138322

4) Reichsheer und Marine. Heer.

Forlausende . . .

343 036 713

340 672513

Einmalige .... Marine.

Fortlaufende . . .

41511588

32143358

37101 185

33080594

Einmalige ....

9701900

9259400

Pensionen. Heer......

20658470

20299 628

Marine.....

629 705

596 669

5) Invaliden ....

26961588

27 725 505

6) Eisenbahnbauten . .

3 294460

3834920

7) Gemeinnützige Unterneh­mungen.

Forlausende (Postdpfer.rc.)8 895 814 Eimalige (Hamburg-

Bremen rc.) 7 949 HO

16 844924

8068516

8) Durchlaufende Gelder . Zahlung an die Einzel­staaten . . . . .

545640509

150975000

97410000