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Rr 96.

Marburg, Sonntag, 31. Januar 1886.

XXI. Jahrgang.

beWschr ZritW

, , --------------------------------------------Berlin. Hannover u.PariS.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. - ZIliistricrtes Svuntaasblatt.

______________ Expedition Markt 21. Redattiou. Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch. '

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal« Äbonnements-Preis bei der Expedition 2*/4 M.. bei -den Postämter 2 M. 50 Pfg. lexcl. Bestellgeld!. lJrilcrtionsaebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Äetlamu für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Haasenstein nndPogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien;. Rudolf Mosse in Frankfurt a Ai, Berlin,München und

Köln; G. L. Daube und Co. n Srantfutt a. M.,

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München, 29. ^an. Die Reichsratskammer beriet den Untrag Kopp auf Ablehnung des bayrisch-russischen Auslieserungsvertrages. Referent Reumayer bestritt die Kompetenz des Landtages in dieser Angelegenheit. Graf -^rtenburg verteidigte das Besprechungsrecht und bemängelte die Harten des Vertrags. Der Minister des Innern verteidigte den Verttag in seinen Einzelheiten. Schließlich

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«Äür die Monate Febknnr mid März werden von ö allen Postanstalten Bestellungen auf die

OLerhessische Zeitung

mit deren Beiblättern angenommen.

Soweit der Vorrat reicht, wird den ^«1= bestellungen ein Wandkalender für 1886 beigefügt.

Ja oder Nein?

Eine Geschichre aus dem Neapolitanischen.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Auf dem Grunde einer tief in den Fels geholten Cisterne kam sie wieder zu sich. Dichtes Gebüsch von Lorbeer und Myrtheu erfüllte den engen Raum um sie her und reichte ihr weit über den Kopf. Nur ein Stückchen blauer Himmel lachte oben herein, und als sie emporblickte, sah sie mitten

JF/1«neE tiefschwarzen Fleck das bärtige Gesicht Michele Lampis, der oben auf dem Bauche lag und herunter ftagte: .Willst Du mein sein, Madona? Ja 4ber nein?*

Nein,* kam es aus der Tiefe zurück, wie ein Echo seiner eignen Stimme. Der schwarze Fleck oben verschwand

Die sonne stand gerade über der Cisterne, da scholl nein«* °6en toieber $erab' b""pf und drohend:Ja oder

Nein!* gab das Echo leise wimmernd zurück.

Und als der Mond über der Grube stand, da scholl es zum drittenmal hinab, wutbebend und fast wie ein Ttaer- gebrüll anzuhören:Madonna, ja oder nein?* ~

Nein,* kam es zurück, leise, leise, wie ein ersterbender

Still und schlaflos wurde die Nacht. Am Rande der Grube lag Michele Lampi die ganze Nacht und blickte in die schwarze Tiefe hmab unverwandt und horchte hinab mit allen Sinnen glühender Leidenschaft. Aber nichts rührte sich unten.

Was ging in seinem Gehirn vor? Welcher barbarische oder wahnwitzige Entschlnß reifte in seiner Brust? Wie «it tausend Hämmern pochte es in allen seinen Nerven »ud hielt den Schlummer von seinen Lidern ab. Was hatte er für den Morgen vor? Wußte er es selbst? Wußte er auch nur zu deuten, was in seinem Herzen vorging diese Nacht? Hatte er solchen Schmerz und solche Verzweiflung schon je zuvor gefühlt? Wie im Fieber lag er oben im suhlen Nachttau und lauschte und lauschte hinab in den schwarzen Schlünd des Brunnens.

ten ui Neu« der.

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1886

Deutsches «eich.

«erlitt/ 29. Jan. In der gestern unter dem Vorsitz des Staatsministers, Staatssekretärs des Innern, v. Böt­ticher, abgehaltenen Plenarsitzung erteilte der Bundesrat dem Gesetzentwurf, betreffend die Unzulässigkeit der Pfän­dung von Eisenbahn-Fahrbettiebsmitteln, die Zustimmung Von der Uebersicht der Geschäfte des Reichsgerichts im Jahre -1885 und der Nachweisung über die in den ein­zelnen Bundesstaaten bis Ende Dezember 1885 über­wiesenen Beträge an Reichs-Silber-, Nickel- und Kupfer­münzen nahm die Versammlung Kenntnis und überwies die Vorlage, betteffend die anderweite Festsetzung des Be­trages der umlaufenden Reichskaffenscheine in Abschnitten zu 20 Wk. und zu 5 Mk., den Ausschüffen für Rechnungs­wesen und für Handel und Verkehr. Ueber den Entwurf einer Verordnung, betteffend die Verwendung von Blei und Zink bei der Herstellung von Nahrungsmitteln, Genuß­mitteln und Verbrauchsgegenständen, fand die erste Be­ratung statt, in deren Verfolg Teile des Entwurfs an die Ausschüsse zurückgewiesen wurden. Endlich wurde über die Zollbehandlung verschiedener Gegenstände und über die geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben Beschluß ge­faßt. Die vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Handel und Verkehr und für Justizwesen hielten heute eine Sitzung.Die gestrige Sitzung der Kommission XIII. des Reichstags beschäftigte sich zunächst mit der Prüfung der wirtschaftlichen Bedeutung der von dem Bundesrat b^ Ichloffenen gesonderten Verzollung der mit Petroleum gefüllt -eingehenden Jäger. Der Regierungskommissar Geheimrat "raut hob hervor: daß es in der Absicht gelegen habe einerseits durch diesen Zoll, der nur die im Jnlande ver­bleibenden, mcht die nach der Entleerung wieder ausgehen­den Jasser treffe, und der daher zu einer verstärkten Wieder­ausfuhr der leeren Fäffer führen werde, dem jetzt durch das massenhafte Eindringen unverzollter Petroleumfässer in den deutschen Verkehr erheblich geschädigten inländischen Bottchergewerbe zu Hilfe zu kommen, andererseits den Zoll- I vorteil zu beseitigen, den bis dahin das in Fässern ein- I Sehende, vorwiegend nordamerikanische Mineralöl dem in Zisternenwagen eingehenden russischen gegenüber dadurch 1

imrg [411 ergei 586: ereilen rde.

genossen habe, daß die einen selbständigen Handelswert be° sitzende Fastage ohne Zollenkrichtung mit eingelassen sei. I Darüber, daß diese Maßnahme den ersteren Zweck erreichen

werde, und ob auch der zweite sich nicht in anderer Weise habe erreichen lassen, erhob sich eine lebhafte Diskussion, I bei welcher schließlich anerkannt wurde, daß die praktischen I folgen der Maßnahmen in der jetzigen Uebergangszeit, in I welcher sich der Handel mit den neuen Bestimmungen ein» | ^kbm beginne, noch nicht vollständig zu übersehen seien. I Es wurde darauf von dem Abg. Struckmann der Antrag i stellt, an Stelle der in dem Anträge Ausfeld vorgeschlagenen

Änderungen des Zolltarifgesetzes Bestimmnngen in das k ZEtarifgesetz aufzunehmen, welche die Frage, in welchen . Fallen Umschließungen gesondert zur Verzollung gezogen werden dürfen, sowie die Frage eines Tarazollzuschlages I 'ut^ren, die ohne die bei der Bemessung des Zolls k vorausgesetzte Umschließungen in Zisternenwagen u. s. w. k emgehen, in wesentlicher Uebereinstimmunq mit der österreichisch - ungarischen Zoll - Gesetzgebung regeln | Wllen. Die eingehendere Diskussion über diesen Antrag I wurde bis nach der Drucklegung desselben ausgesetzt. | Der Rücktritt des Ministeriums Salisbury hat hier Be- dauern erregt, wie dies auch zweifelsohne in den poli- tsichen Kreijen in Wien und Rom der Fall sein wird, da Ä. entschiedene und zuverlästige Art des Vorgehens jenes SS ^eifen ^oßes Vertrauen zu seiner

Politik erweckt hatte. Große Ueberraschuug jedoch hat jenes Ereignis nicht hervorgerufen, da man sich aus der Zusammensetzung des Parlaments an den Fingern ab- zahlen konnte, daß Salisbury nur so lange eine Mehrheit jur sich haben würde, wie dies Herrn Gladstone aefiel und daß also sein Rücktritt unabhängig von zusehenden Ereignis täglich erwartet werden durfte. Salis-

I? Ä" kurzer Regienmg vom Ministerium zu-

S wohlverdienten Lorbeeren, die er sich namentlich mif dem Gebiete der äußeren Politik erworben hat. Daß Gladstone ihn in dieser Beziehung mit gutem Erfolge werde ersetzen können, wird vielfach bezweifelt; jedoch ist dies zunächst Sache der Engländer, und man wird sich

. den Kops nicht darüber zerbrechen. Es ist wohl mogttch daß die englische Politik Griechenland gegenüber nunmehr einen anderen Charakter annehmen werde; dies durfte aber auf die Haltung der drei Kaisermächte und stallens einstweilen von keiner Bedeutung sein, da man enr stillt, die einmal eiiigeleiteten Schritte, welche Griechenland zu einer ftiedfertigen Haltung nötigen -fS'rS Am ^rs°kge durchzuführen. Die kürzlich ver- ofsentlichte Depesche aus Athen, wonach Gladstone Griechen-

'er Ai ttrrei Schuh' i Bru<

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land den Rat erteilt, sich dem Willen der Mächte zu n tour.be die zuversichtliche Annahme rechtfertigen, daß Gladstone in Bezug auf Griechenland sich voii den anderen Machten Nicht absondern wird, wenn man bei der Ver- gaiigenheit des genannten englischen Staatsmannes nicht beruchlchtigen mußte daß seine politischen Ansichten voll- standlgen und schnellen Umwälzungen ausgesetzt sind. __

dem Prozesse gegen die Vereinsbank und den Banquier Sternberg wegen formaler Verstöße gegen das Aktiengesetz bei Gründung der Oelheimer Petroleumgesellschaft erkannte die-Ltraskammer des Landgerichts auf vierwöchentliches Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 3 Monate bean- Bia""h®er-trTi9e ^ll des Professors Birnbaum in der nn langes, wissenschaftlicher Thätigkeit und den offenttlchen Interessen gewidmetes Leben jetzt allem Anscheine nach nut Gefängnisstrafe und Ehrverlust wegen Be rngs beschließen soll, erregt hier unter seinen Bekannten viele Teilnahme, am meisten natürlich unter denjenigen, von 18711874 im Reichstage auf den­selben Fraktlonsbanken saßen. Birnbaum befand sich seit längerer Zeit ni schlechten Vermögensverhältnissen und hatte bereits den Manifestationseid geleistet. Nun nahm er auf einer Reise in Jena angeblich unter falschen Vor­spiegelungen ein kleines Darlehen von 600 Mark auf murde die Sache zur gerichtlichen Kognition gebracht und Staatsanwaltschaft tote Gerichtshof fanden in dem Vor-

Birnbaums die Kriterien des Betruges. Ob das m Preußen auch so gewesen wäre, bleibe dahingestellt jedenfalls ist es eine von den Richtern in der benack' ^ preußischen Provinz Sachsen längst anerkannte ^chatsache, daß m Leipzig tut allgemeinen bei weitem sttengere Bestrafungen erfolgen, als vor den preußischen Gerichten, jedenfalls wird der Verurteilte Revision ein- $ßc" Brrnbaum ist 57 Jahre alt, er wurde 1829 als S?" bes damaligen Professors des Staatsrechts Birn­baum , in Löwen in Belgien geboren. Schon sein Vater ^ ^ bekamlter Mann, in jungen Jahren als Dramen- dichter genannt, endete er feine öffentliche Thätigkeit als Kanzler der llniversitat Gießen.

. dkeSlatt,^29. Jan. In dem Diätenprozeß gegen den Reichstagsabgeordneten Kraeker beschloß das Ober- mär? biC Beweiserhebung durch Vernehmung mehrerer Zeugen. b

28. Jan. Das Präsidium und die erste Kommission der Handels- und Gewerbekammer zu Dresden haben sich gegen das Branntweinmonopol erklärt, dagegen e'ue höhere Besteuerung des Branntweins vom moralischen, gesundheitlichen und finanziellen «Standpunkte als empfehlens­wert, sowie vor der gesetzgeberischen Entscheidung dieser Frage eine umfassende Befragung von Sachverständigen und Interessenten im ganzen Reiche für unerläßlich erachtet und tn diesem ©inne an das königliche Ministerium des jnnern berichtet.jn der Finanzdeputation der Zweiten Kammer wurde bei Beratung des Forstetats an die Re- ^^'^skomnussare die Anftage gerichtet, ob nicht in Ke der Ein uhrung des Holzzolles ein höherer Durch- schntttserlos als von 13 Mk. 40 Pfg. pro Festmeter Derbholz zu erwarten sei. Von der königlichen Staats- reglerung wurde hierauf erwidert, daß der Einfluß der -lr Akzzolle auf die Holzpreise sich zur Zeit L "Ä 6^7 den letzten Monaten des ÄXä? bei dem Getreide, eine kleine

Abmmderung der Holzpreise wahrzunehmen gewesen. Außer- dem sel durch die an der Grenze und an anderen Punkten gewahrten Begünstigungen der freien Einfuhr von Schleif­holz, sowie neuerdings durch vermehrte Zufuhr aus Baiern SUÄ* Zeigen der Holzpreise fraglich, ja bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage ein Fallen der- selben nicht ausgeschlossen. Nur in normalen Zeiten lasse sich eine Mehreinnahme erwarten.

Leipzig, 28. Jan. Jnbezug auf den am 1. Febr. »er dem Reichsgerichte beginnenden Landesverratsprozeß gegen Sarauw und Röltger steht, wie dasLeipz. Taqbl." meldet, nunmehr jeft, daß die ganze Verhandlung unter sttengem Ausschuß der Oeffentlichkeit geführt werden wird und daß aus diesem Anlasse Eintrittskarten an niemand ausgegeben werden.

Als der Morgen kam, emachle er aus diesem Erwacken voll Versunkenheit, Wahn und Rausch. Er schüttelte sich wie ein wildes Tier und fuhr mit den Händen über fein versiortks Gesicht. Dann streckte er den Hals, neigte sich ?dErdenRand hinab und wie Donner tönte es hinein in die Schlucht:Ja oder nein, Madonna?* V

Er lag und horchte gespannt. Alle Fasern an seiner

e dem Echo, das da kommen würde. Von

diesem Echo hing all das Gräßliche, Teuflische ab was in d« s-u-r seiner Leidenschaft °d,7 R-chi über in ihm ,n? Reife gegohren. ' 1

., Kein Ecko kam. Im ttopischen Gebüsch unten reate R<fi 6 f8- W

stehr"üb"r Diri*" £ie^en' onf' bie Sonne der Liebe Kein Laut da unten.

t kühlt, wie sein Herz sich znsammenschnürt seltsam! Das siedende Blut in ihm, es ist im Augenblick zu Eis erstarrt. Was er ahnt, er weiß es nicht, aber etwas ahnt er. Hinunter, hinunter!

-r-.rL«dicker Epheu in langen Gehängen reicht an den Felswänden hinab bis auf den Grund. Michele klimmt gleitet, springt in die Tiefe, da liegt seine schöne Gefangene im Lorbeergebüsch, bleich, kalt und stumm. Eine Kreuzotter hatte sie gestochen oder eine Viper, deren es in solchem tro­pischem Uhrdickicht die Fülle giebt.

Tod, tob! undNein!* war ihr letzter Hauch gewesen r Ohr fort, dieses Nein, dieses

<C LeI dahinsterbende Nein, mit dem ihre Seele entfloh. Wild lachte er ans und raunte mit dem Schädel gegen die Steinwande, dann warf er sich über die Leiche und bedeckte sie mit Kusien, deren Hollengluth sie doch nicht erwärmen konnte. Dann lachte er wieder und sang und tobte und ^"te und raufte sein Haar und die Lorbeerbüsche aus. Mit Gewalt mußten ihn die Genossen aus der Cisterne ziehen, die sie verschütteten. (Schluß folgt.)