Mr. 21.
Marburg, Dienstag, 26. Januar 1886.
XXI. Jahrgang.
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Bedürfnis nach den kleinern Abschnitten herausgetreten. Auch spricht der verhältnisinäßig geringe Bestand der Reichsbank an solchen Scheinen dafür, daß dieselben vom Verkehr als ein nicht entbehrliches Zahlungsmittel dauernd fest- gehalten werden. Insbesondere macht sich sowohl in den industriellen Gegenden bei der Auszahlung der Löhne als auch ans dem Lande, wo kleines Papiergeld nur schwer, stellenweise nur gegen Aufgeld zu bekoinmen ist, ein größerer Bedarf nach solchen Scheinen fühlbar. Unter diesen Umständen erheischt es das Jntereffe weiter Kreise, dem Verkehr eine größere Menge kleinerer Umlaufsinittel zur Verfügung zu stellen. — Die Bndgetkommission des Reichstags hat heute die Beratung des Marine - Etats beendet. Bei den einmaligen Ausgaben beträgt die Zahl der Abstriche 1400 000 Mk., bei den fortdauernden Ausgaben sind gestrichen 119000 Mk. und 178000 Mk., zusammen find vom Marine-Etat abgestrichen 1697000 Mk. Der sehr geschickten Vertretung des Etats durch den Chef der Admiralität, General v. Caprivi, ist es beizumeffen, daß die Summe der Abstriche sich nicht höher beläuft. — Die zweite Lesung des Reichshaushaltsetats wird nun wohl im Laufe der nächsten Woche beendet werden und die dritte Lesung in der ersten Februarwoche erfolgen. — In Ab- geordnetenkrcisen wollte man heute wissen, daß das Befinden des Reichskanzlers Fürsten Bismarck augenblicklich zu wünschen übrig lasse. Der Fürst lege sich selbst Schonung auf und halte sich nur auf seine Arbeit beschränkt und zurückgezogen. — Die Kommission zur Vorberatung der Anträge wegen Entschädigung unschuldig Verurteilter beschloß, daß nicht nur die auf Grund des geführten Unschuldsbeweises Freigesprochenen, sondern alle im Wiederaufnahmeverfahren Freigesprochenen zu entschädigen seien. — Die Konservativen, Nationalliberalen und Freikonservativen des Abgeordnetenhauses brachten eine Resolution ein, ivonach das Haus in Anerkennung des Rechtes und der Verpflichtung der Staatsregierung zum Schutz der nationalen Interessen in den Ostprovinzen nachdrücklich einzugreifen beschließt, seine Genugthuung darüber auszusprechen, daß in der Thronrede Maßregeln, welche den Bestand und die Entwickelung der deutschen Bevölkerung und der deutschen Kultur in diesen Provinzen sicher zu stellen geeignet sind, in Aussicht gestellt worden sind; ferner seme Bereitwilligkeit zu erklären, die zur Durchführung solcher Maßregeln, insbesondere auf dem Gebiete der Volksschule und der allgemeinen Verwaltung, sowie zur Förderung der Niederlassung deutscher Landwirte und Bauern in diesen Provinzen erforderlichen Mittel zu gewähren. — Die Abgg. Uhlendorff und Genossen (Deutschfreisinnige) brachten int Abgeordnetenhause den Antrag ein, die Regierung um eine Vorlage zu ersuchen, durch welche die öffentliche Stimmabgabe bei den Wahlen zum Abgeordnetenhause
er doch nie geahnt, gewußt, wie ein W-ib zu lieben vermag Und jetzt dünkte ihn nichts schöner, als die sanft blickenden, liebend auf ihn gerichteten Augen seiner Ido. — Wie vorteilhaft hatten die Jahre die zarte, schlanke Mädchengestalt verändert, wie unendlich schön und liebenswürdig erschien sie ihm sitzt in der Würde der sorglichen Mutter nnd des treuen, liebenden Weibes. Warm und innig drückte er ■dba die Hand und im Herzen gelobte er sich dabei, sein ganzes Leben hindurch die Frau über Alles zu ehren und zu lieben, welche so um ihn gelitten hatte und ihm doch so anhänglich und treu geblieben war.
Es war bereits vollständige Dunkelheit eingetreten, als Remhard. mit Frau und Kind in der Villa Grell seinen Einzug hielt. Walter und Ella saßen gerade in der Veranda beim Abendessen, als Beide voll freudigen Erstaunens die Ankommenden wahrnahmen.
»Ich habe ihn wieder!» rief freudig Frau v. Brunner, und diese Freude ward von Allen g teilt.
Noch spät saßen die beiden Ehepaare zusammen und es ward beschloffen, daß schon am andern Tage Ida und Reinhard mit dem Kleinen nach der Heimat, zunächst nach dem elterlichen Gute Rcckliugen, abreisen sollte, wo augenblicklich sich auch Brunners Mutter aufhielt. w w
.Reinhard,» sagte Doktor Grell zum Freunde, „ich will Dir einen Vorschlag machen: es ist nicht weit von Mitternacht, weshalb wolltest Du jetzt noch, den etwas weiten Weg nach Deiner Wohnung machen? — Dein Söhnchen schläft bereits sanft oben im Fremdenzimmer und dort ist auch noch für Dich ein Bett bereit. Morgen nach dem Frühstück SeM Du heim, ordnest Deine Sachen nnd schickst sie zum Bahnhof. Ich werde Deine Frau zetzt zu Soden» bringen, die sie auf die morgende Abreise vorbereiten kann. Morgen Vormittag kommt sie zu uns zurück und nach dem Essen fahre ich mit Euch zur Bahn; der für Euch passende Zug geht kurz nach zwei Uhr.»
('o. >n stranksurt a. M, B.il'n, Hannover u.Paris.
Heißer Sinti.
Roman von Theodor Küster.
(Fortsetzung.)
„Nun, komm zu Grells, Reinhard,» sagte sie; „die lieben ^eute sollen es zuerst wissen, daß wir wieder vereint sind. Eigentlich sollte ich dem Doktor böse sein, daß er Dein Hiersein mir so lange verschweigen konnte und . . .» —
„Mein liebes Herz, er hat mir ja auch Dein Hiersein geheim gehalten; Walter ist mein treuer, mein einziger freund und er hat gewiß die beste Ursache gehabt, so zu handeln, wie er es gethan, und seine Handlungsweise war iicher zu unfern beiderseitigen Besten,» entgegnete Brunner und ging, leine Frau am Arm, sein Söhnchen an der Hand, durch die Promenadenwege der Villa seines Freundes zu.
,jn des Doktors Frau wirst Du eine Bekannte finden,» i-gte Frau v. Brunner, als sie ihrem Ziele schon ziemlich »ahe waren. Ihr Blick besorgt auf das Gesicht des Gatten gerichtet, fuhr sie fort: „Ella v. Soden ist Walter Grells Frau.» —
, Brunner fdjaute erstaunt auf bei dieser Mitteilung; ^e ein Schatten flog es über sein Gesicht. Seine Fran beeilte sich hinznzufugen:
„Adele ist mein? beste Freundin und die Verlobte des Grafen Leopold Dernbnrg.....- Sie ist glücklich,
Neinbard; auch sie hat alles Vergangene gern verziehen, hat. Dir überhaupt nie gezürnt und ihr höchster Wunsch ist erfüllt, wenn sie uns vereint weiß.» —
Nun wußte er Alles; auch von seiner Mutter hatte sie 'hm erzählt und ihm auch nach dieser Seite hin die beruhigendsten Versicherungen geben können.
Reinhard war so wohl, so frei zu Mut und er fühlte nun so beglückt, daß all die Wirrniffe, die er heranf- schworen, gelöst waren. — Voll inniger, heiliger Liebe uud Dankbarkeit blickte er aus die edle/ treue Gattin: hatte
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Jan. In der heutigen Bundesratssitzung knüpfte der Vorsitzende, Staatsminister v. Bötticher, an ein Schreiben des Reichstagspräsidenten, welches die am 16. c. gefaßten Beschlüsse bezüglich der Ausweisungen mitteilt, folgende Erklärung: Die preußische Regierung hält die in der Resolution vom 16. d. M. ausgesprochene Ansicht der Reichstagsmajorität für eine irrtümliche und hält an der Ueberzeugung fest, daß die ftaglichen Ausweisungen, welche sie innerhalb der verfaffungsmäßigen Rechte angeordnet hat, im Jntereffe Preußens und der deutschen Nationalität zweckmäßig und notwendig waren. Es wurde einstiminig folgendes beschlossen: Der Bundesrat lehnt es ab, die vom Reichstage am 16. d. M. beschlossene Resolution in Beratung zu ziehen, da die Kompetenz der preußischen Regierung zu den in der Resolution erwähnten Ausweisungsmaßregeln eine zweifellose und ausschließliche ist. — Der Reichskanzler hat bei dem Bundesrat einen Beschluß dahin beantragt, daß unter Abänderung der Beschlüsse vorn 25. Juni 1881 und vom 15. November 1883 der Umlauf der Reichskassenscheine in Abschnitten zu 20 Mark auf den Betrag von 30 Millionen und der Reichskassenscheine in Abschnitten zu 5 Mk. auf den Betrag von 20 Millionen festzustellen sei. Der Antrag ist wie folgt begründet: „Durch den Beschluß des Bundesrats vorn 25. Juni 1881 wurde der Umlauf der Reichskassenscheine m Abschnitten zu 20 und 5 Mk. auf je 10 Millionen festgestellt. Eine Aenderung dieser Bestimmung erfolgte demnächst durch den Bundesratsbeschluß vom 15. November 1883, durch welchen für den Umlauf der Reichskassenscheine in Abschnitten zu 20 Mark vorläufig der Betrag von 20 Millionen festgesetzt wurde. Demgemäß verteilt sich nunmehr der gesamte Umlauf an Reichskassenscheinen auf 111 186250 Mk. in Abschnitten zu 50 Mk., auf 20 Mill, in Abschnitten zu 20 Mk., auf 10 Millionen in Abschnitten i» 5 Mk., wovon sich am 31. Dezember 1885 im Bestände der Reichsbauk befanden rund 19 983000 Mk. in Abschnitten zu 50 Mk., rund 859 000 Mk. in Abschnitten zu 20 Mk., rund 286900 Mk. in Abschnitten zu 5 Mk. Nach den in bezug auf den Umlauf der Fünfmark- und der Zwanzigmarkscheine gemachten Wahrnehmungen ist in der Zwischenzeit im Verkehr, namentlich der kleinen Gewerb- treibenben und Handarbeiter, ein größeres und nachhaltigeres
flkür die Monate Februar und März werden von
(J allen Postanstalten Bestellungen auf die
Oberhessische Zeitung
mit deren Beiblättern angenommen.
* x- Soweit der Vorrat reicht, wird den bestellungen ein Wandkalender für 1886 beigefügt.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b Blattes, sowie d.Annencen-Bureoux von Haasenstein undVogler in Zranlsurt a. M, Cassel, Magdeburg und Wien, Rudolf Moffe in Franlfurt ♦ a M-, Berlin,München und
Köln; G. L. Daube und
und zu den Koinmunalvertretungen beseitigt und durch die geheime Abstimmung ersetzt wird.
— [3um Branntweinmonopol.j Eine heute stattgefundene große Versammlung von Kornbrennern und Preßhefe-Fabrikanten au» allen Teilen Deutschlands beschloß nach einem Referat von Witte-Rostock einstimmig, daß das Monopol in jeder Form verwerflich sei, weil durch dasselbe ihr Gewerbe völlig ruiniert würde. — Herr Amtsrat Schütz auf Grünthal, ein Landwirt, veröffentlicht in verschiedenen Blättern einen Artikel, in welchem er sich im jntereffe der Landwirtschaft gegen das Monopol und für Erhaltung der feit 65 Jahren bewährten Maischraumsteuer und Neueinführung einer Getränksteuer auf Schnaps, aber gegen eine Fabrikatsteuer, welche die landwirtschaftliche,i Kartosselbrennereien zu Grunde richten würde, ausspricht. Er sagt: „Man vergißt, daß ein Spiritusmonopol beit Brennerelbesitzern: 1) ihr Eigentumsrecht (das freie Ver- jugungsrecht) an ihrem Produkt raubt, 2) daß die natürlich erforderliche Staatskontrolle den ©eroerbtreibenben sehr läftig wirb, 3) baß ben bisherigen Zwischenhändlern zwischen Probuzeitten unb Käufern ber Erwerb genommen wird, deren eifriger Handelsbetrieb den regen Absatz belebt pat und 4) daß schließlich die Breimereibesitzer mit jedem Preis zufrieden fein müssen, welchen ihnen die Regierungs- beamten geben wollen. Die ausgesprochene Ansicht, daß der Sptritnspreis nach dem Werte der Kartoffeln geregelt werben soll, ist doch eine sehr unsichere und wenigen zu- svgende; denn in jeder Provinz, beinahe in jedem Kreise find die Ernten der Kartoffeln, ebenso bereu Preise verschieben, und wenn die Regierung als Käuferin des Spiritus die Produzenten oder Breimereibesitzer reell be- handeln will, so wird dieselbe jedenfalls ein sehr schlechtes Geschäft machen." lieber den Schaden, welcher ber Land- wlrtschaft und dem Spirituserport von dem Monopol droht, bemerkt Herr Schütz: „Es soll mit dein Eintritt °es Monopols den Spir.tusproduzenten unb ben Abnehmern ber Preis für bie Ware diktiert werden. Der bisherige Konsum in Deutschland ist auf etwa 300 Mill. Stter tm Jahre veranschlagt worden, während die mehr produzierten 100 Millionen Liter exportiert wurden. Erfahrungsgemäß steht fest, daß bei verteuerten Preisen ber Konsum einer bedeutenden Beschränkung unterliegt und man schwerlich zu hoch greift, wenn man annimmt, daß der inländische Konsum sich um 25 pCt. verringert, also bei der heutigen Produktionshöhe 175 Millionen Stter ins Ausland verwiesen werden müßten, ein Quantum, welches bisher nicht ausgeführt ist. Soll sonach die Produktion nicht einer kolossalen Reduktion unterliegen, fo würde ber Schaben an bem exportierten Quantum bie Gewinnberechnung be« Monopols, wenn nicht ganz hinfällig machen, so boch wesentlich alterieren. Das geschähe m Rttt diesem Vorschlag waren Alle einverstanden unb Walters Bestimmungen wurden auch sofort zur Ausführung
Als Ida v. Brunner in das Zimmer trat, welches sie mit Adele gemeinschaftlich bewohnte, sand sie diese lesend und ihrer harrend. Ueberrascht blickte die junge Braut auf die Freundin, deren Gesicht von Glück strahlte, und aufspringend rief sie:
„Ida, Du mußt eine sehr frohe Botschaft erhalten haben: ich lese cs in Deinen Zügen! ?»
„Nicht eine Botschaft, teure Freundin,» entgegnete Frau b. Brunner mit verklärtem Lächeln; und unter unaufhaltsam bann hervorstürzendeu Freudenthränen Adele umarmend, si ßle sie hinzu: „Ich habe ihn wiedergefunden — Reinhard! — Wir sind versöhnt — vollständig versöhnt unb werden zusammen morgen mit dem Kleinen zu seiner Mutter und meinen Eltern nach Reckllngeu reifen — Adele, willst Du Reinhard vorher sehen? ...... —
Die Mitteilung war doch einem erschüttertem Schlage gleich über Adele v. Soden gekommen; indessen ließ sie das um so weniger merken, als ja ihr Lebensweg ihr nun vor- gezeichnet und an ihm auch Nichts mehr zu ändern war. Sie freute sich innig des nun wieder gefundenen Glücks der lieben Freundin; Reinhard wiederzusehen lehnte sie in richtiger Würdigung ab.
«Nein, es ist besser für mich und für ihn,» sagte sie, „wenn wir uns nicht mehr begegnen — wenigstens jetzt noch nicht. Grüß Deinen Gatten von mir und sage ihm, ich fei feine aufrichtige Freundin und segne die Stunde die ihn zu Dir und zu Eurem Kinde zurückgeführt hat.»
wurde zwischen den beiden Freundinnen noch be- Ichlossen, daß Adeles Vater von all dem Vorgefalleuen für letzt Nichts erfahren solle; dann gingen Beide zur Ruhe.
(Schluß folgt.)
@rf*dnt täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal» Äbonnements-Preis bei ber Expedition 2'/« R't . bet den Postämter 2 Mi. 50 $fg. (erd. Best Eigelb). Jnfertionsgebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Jteuamen für bie Zeile 25 Pfg.
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