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Marburg, Mittwoch, 13. Januar 1886.

XXI. Jahrgang.

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Frschejnt täglich außer an ffierftagen nach Sonn-und Feiertagen. Quartal» LbounementS-Drei- bei der Srpedition 2*/« , bei

-en Postämter 2 Mk 50 Pfg. (excl. Best llgeld). Insertionsgebübr für die ^rspaltene Zeile 10 Pfg. Aeklam n für die Zeile 25 Pfg.

GkchkUlhr jcitunii.

Anzeigen nimmt entgeg« die Expedition d Blatte«, sowie d.Nnncncen-Burraux vvn Haosenstein undPogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wt«v, Rudolf Messe in Frankfurt a M., Berlin,Wünchen nnd Köln; G. L. Daube und <*0. in Frankfurt a. M., B rlin, Hannover u.Pari».

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Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illnstriertcs SanntagSblatt.

Expedition-. Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Loch.

Deutsches Reich.

Berlin 41. Jan. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Da durch den Abbruch der Sitzung der spanischen KorteS und die Ankündigung ihrer Auflösung der endgiltige Ab­schluß der Karolinenfrage vertagt ist, sind die Verhand­lungen darüber noch als schwebend anznsehen und bleiben nach diplomatischem Brauche die Veröffentlichungen darüber voraussichtlich bis zum Abschlüsse verschoben. Man muß Herrn von Goßler nachrühmen, daß er allen Zweigen des Nnterrichtswesens Fürsorge und Förderung angedeihen läßt. Vivisektion auf den Universitäten, Lehrplan für Gymnasien und Realgymnasien, Mittelschulen und Töchter­schulwesen, Kurzsichtigkeit und Schwerhörigkeit in den Schulen (um nur einiges Wenige zu nennen), das sind alles Dinge, die nach und neben einander ihn beschäftigen. Neuerdings hat er sich mit der Frage befaßt, ob die Ver­anstaltung von staatlichen Prüfungen für Kinderlehrerinnen, Kindergärtnerinnen, Erzieherinnen am Platze sei. Er ist zu dem Resultate gekommen, daß diese Frage zu verneinen sei, aber das Reskript, in welchem er seine Entschließungen den Bezirksregierungen und Provinzialschulkollegien zur Kenntnis bringt, zeigt, daß er der Sache die vollste Auf­merksamkeit zuwendet. Die von ihm eingeforderten Berichte haben, wie er sagte, ein interessantes Bild von der Ent­wickelung gegeben, welche die Sorge für die noch nicht schulpflichtigen Kinder innerhalb der letzten Jahrzehnte in den verschiedensten Teilen der Monarchie genommen hat. Von der Unterrichtsverwaltung könne dies nur mit Freuden

begrüßt werden; denn wenn auch der große Umfang und ' die sich steigernde Bedeutung ihrer Aufgaben gegenüber * der schulpflichtigen Jugend ihr nicht gestatte, den Anstalten I für Bewahrung, Unterweisung und Erziehung kleinerer Kinder in derselben Weise, wie der Volksschule thätige Förderung angedeihen zu lassen, bezw. ihnen aus Staats- ! Mitteln Zuschüsse zu gewähren und die Ausbildung der ! Lehrerinnen und Erzieherinnen für sie in eigene Hand zu nehmen, so habe sie doch alle Veranlassung, ihnen ihre 1 Fürsorge zuzuwenden. Offiziöser Versicherung zufolge werden im nächsten preußischen Etat Gehaltserhöhungen verlangt für die Forstschutzbeamten, welche mit Rücksicht auf die ihnen im dienstlichen Jntereffe notwendig zu über­weisenden Dienstwohnungen von der allgemeinen Auf­besserung der Beamtengehälter durch Beilegung des Wohnungsgeldzuschuffes ausgeschlossen waren, für gewisse Kategorieen von Eisenbahnbeamten, deren Funktionen in­folge der Neuorganisation der Staatseisenbahn-Verwaltung an Umfang und Bedeutung gestiegen sind, und für die Bau-Inspektoren, denen eine erwerbliche Nebenbeschäftigung in der Regel ganz untersagt, ausnahmsweise nur im dienstlichen Auftrage und gegen eine von der Dienstbehörde festgesetzte Vergütung gestattet werden soll. In der letzten Sitzung der Budgetkommission des Reichstags wurden ohne Abänderung und fast debattelos die Ausgabetitel der

Zentralverwaltung des Postetats genehmigt. Bei der Be­ratung der Ausgaben für die Betriebsverwaltung wurde in die bereits angeregte Erörterung der Beamtenverhältnisse eingetretcn. Für die Oberpostdirektionen in Berlin, Kös­lin, Magdeburg, Königsberg und Dresden wurden je eine neue Pvstratsstelle und ebenso fünf neue Post-Inspektoren bewilligt. Auf eine bezügliche Anfrage erklärte ein Ver­treter der Post-Verwaltung, daß bei unter den verschiedenen Titeln beantragten Stellenvermehrungen auch auf die der Post durch die Auszahlung der Unfallrenten erwachsende Mehrarbeit Rücksicht genommen sei. Eine prinzipielle Er­örterung knüpfte sich an die Forderung für Umwandlung von 5 Postämtern zweiter Klaffe in solche erster Klasse. Der Vertreter der Postverwaltung war auf eine Anfrage aus der Mitte der Kommission nur zwei dieser Postämter zu nennen im Stande und erklärte, daß von 16 anderen, von den Oberpostdirektiouen dazu vorgeschlagenen die Wahl noch ausstehe. Als aus der Kommission geltend gemacht wurde, daß das Bedürfnis der Umwandlung der Post- j amtet ein rein lokales sei und daß man nur, soweit ein 1 solches für bestimmte Orte nachgewiesen fei, eine Bewilli- \ gung eintreten lassen könne, bezeichneten die Vertreter der | Postverwaltung noch drei andere Orte. Die Bewilligung i wurde aber von der Kommission nur in der Voraussetzung I ausgesprochen, daß künftig von vornherein das lokale Be- [ dürfnis durch Bezeichnung der betreffenden Aemter nach­gewiesen werde. Entsprechend einem Beschluß aus der vorigen Session wurde ein besonderer Fonds von 125000 Mark ausgeworfen, um den General-Postkassenbuchhaltern, den Ober-Postkassenbnchhaltern, den Kassierern und Ober- sekretären mindestens dasjenige Gehalt zu gewähren, welches sie nach ihrem Dienstalter als Sekretäre beziehen würden. Außerdem aber wurde bei diesem Titel eine sehr eingangs liche, schon bei früheren Positionen mehrfach berührte Er­örterung über die, Anciennetäts- und Avancements - Ver­hältnisse der Postbeamten geführt. Der Vertreter der Ver­waltung gab dabei ausführliche Auskunft über die Normen des Aufrückens in die höheren Gehaltsstufen; es ging dar­aus hervor, daß die Stufen gleichmäßig gebildet sind und das Aufrücken lediglich nach dem Dienstalter stattfindet. Die Klasse der Postsekretäre ist bisher noch nicht mög­lich gewesen, in gleich große stufen zu teilen, weil noch nicht ein gleicher Durchschnittssatz für alle erreicht fei. Jetzt bestehen 14 Stufen von 1700 bis 3000 Mk, von welchen die mittleren mit 400 bis 600, die höheren mit durchschnittlich 250, die unterste mit 326 Beamten besetzt ist. Die Anciennetät wird nach der Ernennung als Sekre­tär, bei gleichem Eruemiungsdatum nach dem Grade des Examens, und wenn auch dieser gleich ist, nach dem Lebens­alter bestimmt. Die Kommission glaubte sich mit diesen Erörterungen, die vom Referenten dem Plenum vorge­tragen werden sollen, begnügen zu können und genehmigte den Titel ohne Debatte.

Heißer ein«.

Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

Ida hingegen dachte anders: sie hoffte immer noch an eine Wiedervereinigung und keine Stunde hätte sie unvor­bereitet gesunden, ihn zu empfangen. Ihrem Knaben hatte ste von seinem Vater erzählt und ihm denselben als den edelsten und besten Menschen geschildert; auch in dem Kinde hatte ste die Hoffnung geweckt, daß der Vater einst zurück- kehren werde von einer langen und gefahrvollen Reise.

Doch nur mit feiner Mutter sprach der kleine Reinhard von seinem Vater; eS ward einem heiligen Geheimnis gleich zwischen Beiden der NamePapa, gehalten, wie auch die Verehrung und Liebe zu dem Manne, von dem die Anderen eie sprachen, dessen Namen niemals erwähnt wurde.

Einmal nur hatte der Knabe eine dritte Person in sein kindliches Geheimnis gezogen Adele* war sein Liebling neben der Mama natürlich und die Großeltern waren manchmal eifersüchtig auf daS junge Mädchen, welches das kleine Herz ihres Enkels sich so ganz zu eigen gemacht.

Der Junge verrät Geschmack,* meinte eines Tages Herr v. Recklingen gutmütig zu seiner Frau.Wer könnte denn auch dem schönen, lieben Mädchen nicht gut fein? Ich kann es gar nicht begreifen, daß fie nicht schon längst verheiratet ist, denn ein solch Prachtmädel dürste nicht 27 Jahre alt geworden fein, ohne einen Manu gesunden zu haben?*

Verehrer und Bewerber hat fie genug,* bemertte Frau ». Recklingen;doch Ida sagte mir, ihre Freundin wolle Überhaupt nicht heiraten. Eine unglückliche Liebe oder der­gleichen muß wohl dabei im Spiele fein und die Erinnerung daran fie znrückhalten.*

DaS wäre eine Schande!* rief ganz empört der alte

Herr und blies dicke Rauchwolken ans seiner Pfeife vor sich hin.Solch Kernmädel will eine alte Jungfer werden?!

Seine Frau blickte lächelnd ans ihren enthnsiasmirteu Gatten, indem sie erwiderte:

Wärest Du zwanzig Jahre jünger, Alexander, ich könnte wirklich eifersüchtig werden! Du hast ja eine förmliche Leidenschaft gefaßt für Adele v. Soden nnd .....*

Na, eifersüchtig brauchst Du nun gerade nicht zu werde», Frauchen,* unterbrach sie Herr v. Recklingen,aber fie ist sicher das schönste, herrlichste Märchen, das ich je gesehen, und fie muß allen Männern, die Herz und Augen auf dem rechten Fleck haben, notwendig die Köpfe verdrehen! Hätte ich einen Sohn, so müßte sie meine Schwiegertochter werden!*

Wir werden Adele sehr vermissen; sie ist ein Glück und Segen für jedes Haus,* meinte Idas Mutter, in das enthusiastische Lob ihres Gatten einstimmend. Wie oft hatten Beide schon in ähnlicher Weise Adele v. Sodens Vorzüge gepriesen und sich glücklich geschätzt, sie kennen ge­lernt zu haben!

Es war wenige Tage vor der Abreise Adeles mit Ida und deren Sohn nach Bad Bergenau, als gegen Abend der kleine Reinhard zärtlich bat, daßTante Adele* ihn zu Bett bringen möge, was sonst gewöhnlich seine Mama that. Ida erfüllte denn auch den Wunsch deS Knaben nnd Adele nahm die kleine Hand des Kindes nnd führte ihn nach seinem und seiner Mutter Schlafzimmer.

Unter herzigem Geplauder brachte Adele ihn zu Bett und ließ ihn dann seine Händchen zum Abendgebet falten.

Doch Reinhard blickte fie mit seinen großen Augen wie nachdenkend an nnd sagte leise:

Tante Adele, ich möchte mtt Dir so beten wie mit Mama.*

Wie betest Du denn mit Mama, Reinhard?* fragte

Mit der UeberschristFriedensaussichten" schreibt diePost": Es scheint als bereite sich die griechische Re­gierung auf ein Einlenken vor. Es wird jedoch nicht über­flüssig sein, nochmals darauf hinzuweisen, daß ans der griechisch-türkischen Verwicklung, selbst wenn sie zu einem Zusammenstoß sichren sollte, für den europäischen Frieden eine Gefahr ans keinen Fall zu befürchten ist. Nach dem ganzen Eindruck der allgemeinen Situation, wie sie sich jetzt dem Anschein nach für eine längere Zeit gestaltet hat, ist zu entnehmen, daß die Großmächte ganz und gar nicht gewillt sind, durch ihr Einschreiten die Folgen eigenmächtiger Friedensstörungen von denjenigen Balkanstaaten abzuwenden, welche vor solchen Störungen nicht zurückscheuen. Die Regel wird künftig sein, daß wer von den Balkanstaaten eine Veränderung in der Ordnung der Balkanhalbinsel mit eigener Kraft erzwingen will, seinem Glück und dessen Folgen überlassen bleibt. Der serbisch - bulgarische Streit ist allerdings durch die Großmächte gehemmt worden und wird vermutlich durch ihr Eingreifen geschlichtet werden. Nunmehr dürfte es jedoch vorbei damit fein, daß Europa Regierungen, welche dem unbesonnenen Verlangen ihrer Bevölkerungen durch gewagte Schritte nachgeben zu müssen glauben, vor den Folgen solcher Schritte bewahrt. Daß die Pforte ein militärisch nicht zu verachtender und einem kleinen Staat mehr als gewachsener Gegner ist, hat Serbien vor 10 Jahren erfahren. Die militärische Leistungsfähig­keit der Pforte hat sicherlich seitdem nicht angenommen und es ist außerdem nicht unmöglich, daß sie nach dem Verlaus der ostrumelischen Angelegenheit ein gewisses Bedürfnis hat, zu zeigen, daß sie im stände und gewillt ist, für die vertragsmäßig geregelten Zustände der Balkanhalbinsel mit Erfolg einzutreten. Die Besorgnis vor europäischen Kom­plikationen wird ihren Arm demnächst bei der Verteidigung des eigenen Reiches nicht mehr lähmen. Es würde sich also im äußersten Fall um einen türkisch-griechischen Kampf handeln, bei dem Europa Zuschauer bliebe und der in feiner Weise im Stande wäre, das so berechtigte Verlangen nach einem durch politische Besorgnis ungehemmten Gedeihen von Handel und Wandel zu beeinträchtigen."

In der dritten Sitzung des Deutschen Landwirt­schaftsrats gelangte zunächst die Reform der Branntwein- befteuerung zur Verhandlung. Eine gestern zusammen- gettetene Kommission, an deren Verhandlungen beide Referenten Teil nahmen, hat die vorgestern bekannt ge­wordene preußische Vorlage an den Bundesrat, betreffend das Branntweinmonopolin Erwägung gezogen und empfiehlt, der Landwirtschaftsrat wolle erklären: In Erwägung, daß der von der königlich preußischen Regierung dem Bundesrat vorgelegte Gesetzentwurf, belr. das Branntwein­monopol, im Wesentlichen den im gemeinsamen Anträge der Referenten aufgestellten Forderungen entspricht, erklärt der Deutsche Landwirtschaftsrat sich int Prinzip mit dem obengenannten Entwürfe einverstanden. Außerdem hat ----i ..V-TJÜLLZ i~* ~j i |QI I .7 1

ste und kniete am Bettchen nieder, ihren schönen Kopf an den kleinen Lockenkopf anschmiegend.

Und leise, eindringlich flüsterte der Knabe ihr zu. ES war eine Bitte zn Gott, daß dieser den geliebten Vater wieder zurückführen möge zu Mutter und Kind.

Dies bete ich nur mtt Mama!* sagte der Kleine und schlang zärtlich seine Aermchen um Adeles Hals.

Tief erschüttert war diese durch das kindliche Gebet. Sie drückte Reinhard an sich und in höchster Inbrunst betete nun auch sie. Es war ein stummes aber nichts destoweniger beredtes und heilig und tief empfundenes Gebet, daS sie hinauf sandte zum allwaltenden und allgütigen Lenker mensch­licher Geschicke und Herzen. Sie bat Golt, er möge den Gatte» und Vater zurückführen, ihn seiner Pflicht eingedenk werden lassen, die sündige Liebe zu ihr selbst auS seinem Herzen entfernen. Sie hielt sich auch für schuldbelastet und flehte unter Thränen zu Gott, eine Schuld von ihr zu nehmen, die heiß wie nie zuvor auf ihrer Seele brannte.

Lange noch kniete Adele v. Soden an Reinhards kleinem Bett, als der Knabe schon längst entschlafen war. Endlich erhob fie sich, küßte leise, fast ehrfurchtsvoll, die reine Slirn des unschuldigen, herzigen Kindes und ging bann zu ihrer Freundin Ida und deren Eltern. Sie hätte ihnen Allen Abbitte leisten mögen für das, was durch ste geschehen; sie erntete Liebe, wo fie Unglück gefäet nnd sich zu Liebe nicht berechtigt glaubte.

Hätten so dachte Adele Idas Eltern MeS gewußt: würden fie diejenige nicht hassen müssen, durch die daS Glück ihres einzigen Kindes zerstött worden? . . .

Du siehst traurig aus, Liebe,* sagte zärtlich Ida, in­dem fie ihre» Arm nm AdeleS Taille legte und die Freundin sanft an sich zog.

Ich glaube, ich habe ein wenig Heimweh nach Papa,* entgegnete Adele ausweichend. (Fortsetzung folgt)