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Marburg, Dienstag, 12. Januar 1886.
XXI. Jahrgang.
Erscheint täglich außer an Kürettagen na» Sonn-und Feiertagen. — Quartal» Lbonnements-Prei» bet der Expedition 2*/« Vk. bei den Postämter 2 Pik. 50 Pfg. (excl. Bestellgeld). Jnsertionsgebübr für die gespalten« Zeile 10 Pfg. Reklam n für die Zeile 26 Pfg.
GkWschk Aitilitz.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte-, sowie d.Anncncen-Bureou^ von Hoasenstein untPogler in Frankfurt o. M , Caff.l, Magdeburg und Wien, Rudolf Mosse in Frankfurt a M-,Berlin,P-ünchenund Köln; CS. L. Daube und f'D. m Frankfurt o. 'Dl., B rlin, Hannover u.Paris.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. - Illustriertes Sanutagsblatt.
__________________________Expedition- Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Deutsches Reich.
sähe, wie Du jetzt bist, so würde Dein Anblick ihr großen I Schmerz bereiten. Du bist krank an Leib und Seele, Freund,
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,D gewiß, und ich kann Dir sagen, daß eS ihr — abgerechnet die stets nagende Sorge um Dich — ganz gut doch Du wirst sie bald sehen, Reinhard. — Ueberlaß wieder zusammen zu führen; erst mußt Du W die Wohlthat unserer Bergluft an Dir empfinden, Dich körperlich wieder erfrischt haben; Du mußt wieder ganz gesund werden, vor allen Dingen wieder lebensfroh, wie Du es sonst warst, wenn Deine Mama Dich so wieder-
»So, nun komm» denn hier bist Dn zu Hause," sagte Walter.
Heißer Tin«.
Roman von Theodor Küster. (Fortsetzung.)
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Der preußische Landwirtschaftsminister Herr Dr. Lucius hat in der Sitzung des Deutschen Landwirtschaftsrates am S. d. M. offen ausgesprochen, daß die bisherigen getroffenen Maßregeln zum Schutze der Landwirtschaft den gewünschten Erfolg nicht gehabt hätten, also genau das, was die konservative Presse stets behauptet. Wenn der Herr Minister hinzufügte, daß es mit „Zollerhöhungen allein nicht gethan fei, sondern daß auch die allgemeine Weltkonjunktur erwogen werden muffe", so stimmen wir ihm darin ebenfalls zu. „Zur allgemeinen Weltkonjunktur" gehört in diesem Sinne jedenfalls aber auch die Währungsfrage; auf diese müssen wir die öffentliche Aufmerksamkeit besonders hinlenken. Die Thatsache, daß gegenwärtig, d. h. unter der Herrschaft der Goldwährung, die Einfuhr von billigem Getreide aus Silberländern wie Ostindien erheblich erleichtert wird, steht doch außer Zweifel. Gerade Ostindien aber hat seinen Weizenbau in den letzten Jahren dermaßen ausgedehnt, daß seine Zufuhren auf dem Weltmärkte eine in gewissem Sinne maßgebende Rolle spielen. Für sich allein könnten sie das natürlich nicht. Sie stellen eben so zu sagen den Tropfen dar, der das Faß zum Ueberfließen bringt, d. h. in diesem > Falle den Preisdruck bis zum Aeußersten steigert.
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1886:
»Wohnst Du hier?" fragte Brunner.
„Nein, ich muß mitten unter meinen Patienten, im Centrum des Badelebens wohnen; dieselbe Beipflichtung hast uSt, und da ich weiß, daß Du Ungenirtheit, Stille cz cntbfl und Einsamkeit liebst, habe ich Dir das Nestchen hier aus- gesucht.. Hier bist Dn weit bester aufgehoben als in meinem »ntwetlig geräuschvollen Hause. Aber bester Freund," fuhr Dr. Grell lächelnd fort, „Du hast mich ja gar noch nicht einmal gefragt, ob ich einen eignen Hausstand habe, ob ich verheiratet bin: ober denkst Du, ich müsse eo ipso eiu Hage-
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Berlin, 9. Jan. Der Kaiser empfing heute mittags den General von Albedyll. Nachmittags fand ein Diner mit den badenschen Herrschaften und abends Thee bei der Großherzogin von Baden statt. Der französische Botschafter t Baron de Courcel ist heute mittags nach Paris abgereist. — Der Gesetzentwurf, betreffend das Branntweinmonopol, ist nunmehr dem Bundesrat zugegangen und basiert auf fol- 1 genden generellen Grundlagen: Der Gesetzentwurf zerfällt T in acht Hauptabschnitte mit im ganzen 88 Paragraphen.
1 •utaIc:| Die allgemeinen Grundlagen besagen, daß die Herstellung
Aus das mit dem 1. Januar begonnene Abonnement auf die
Oberhessische Zeitung
nebst deren Beiblätter
Amtliche Nachrichten fitr die Kreise Marburg und Kirchhain und
Illustriertes Gonntagsblatt werden von allen Postanstalten Bestellungen noch angenommen.
Die deutsche Landwirtschaft und die Goldwährung.
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Nr. 42
rohen Branntweins der privaten Gewerbsthätigkeit überlassen bleibt, daß das Reich diesen gesamten rohen Branntwein von den Herstellern, und Branntweine aller Art aus dem Auslande bezieht, die Reinigung des Branntweins sowie seine weitere Bearbeitung zu alkoholischen Getränken und den weiteren Verkauf von Branntwein aller Art übernimmt. Die Verwaltung führt das dem Reichskanzler unterstellte Monopolamt. Für den Absatz im großen werden von dem Monopolamt Agenten, für den Absatz im kleinen von den Landesregierungen Verschleißer angestellt. Die am 1. Oktober 1885 vorhandenen Brennereien können in Zukunft dieselbe Menge rohen Branntwein wie bisher bereiten; die Brennereien, welche um die genannte Zeit erst in Herstellung begriffen waren, sollen zu einer verhältnismäßig gleich großen Branntweinproduktion zugelassen werden. Bei kleinen Brennereien können die Landesregierungen besondere Begünstigungen zugestehen. Der Bundesrat bestimmt den Tarif für Rohbranntwein, welcher bis auf weiteres für Kartoffelbranntwein zwischen 30 und 40 Mk. betragen soll; für bessere Branntweinarten soll der Tarif entsprechend höher sein. Bei kleinen Brennereien kann ein Zuschlag bis zu 2 Mk. gewährt werden. Das Guthaben kann von dem Brennereibesitzer sofort bei der zuständigen Zahlstelle erhoben und Ansprüche dritter können nur auf richterliches Ersuchen berücksichtigt werden. Die Monopol- verwaltung stellt aus dem rohen Branntwein gereinigten Branntwein, sowie die dem Bedürfnis des inländischen Konsums entsprechenden alkoholischen Getränke her und führt ausländische Branntweine, soweit ein Bedürfnis dazu be- stcht, ein. Der Verkaufspreis des Branntweins wird vom Bundesrat mit der Maßgabe bestimmt, daß bei ordinären Trinkbranntweinen ein Preis von mindestens 2 Mk. und höchstens 3 Mk. für das Liter reinen Alkohols anzusetzen ist. Für gewerbliche Zwecke einschließlich der Essigbereitung, für Heizungs- und Beleuchtungszwecke verabfolgt die Monopolverwaltung Branntwein zum Selbstkostenpreis. Der Verkauf von Branntwein aller Art zum inländischen Verbrauch erfolgt ausschließlich durch die Branntweinagenten und Verschleißer, welche die Verkaufspreise, die Maßstäbe des Verkaufs und die Lieferung der Ware in der Originalverpackung ait die Käufer genau innehalten müssen. Besondere Erleichterungen sind für die Gastwirte und Kaufleute getroffen. Gastwirte, Restaurateure, Inhaber von Cafes und Konditoreien, Vorstände von Kasinos, Resourcen und dergleichen können den von der Monopolverwaltung entnommenen Branntwein ohne Beschränkung auf die von den Verschleißern innezuhaltenden Preise verkaufen. Personen, welchen die Erlaubnis zum Branntweinausschank erteilt ist, ist es gestattet, Trinkbranntwein aller Art zum Zwecke des sofortigen Genusses untereinander oder mit anderen Stoffen zu mischen oder zu verabfolgen. Die Schutzbestimmungen sind naturgemäß eingehend gehalten, jedoch sind überall zu lästige Kontrollen vermieden. Das
stolz geblieben fein? — Ja, sieh mich nur recht erstaunt J <4 habe eine kleine, reizende Fran, mit der ich Dich bald bekannt machen werde!"
.t "Du bist Gatte und.....glücklich, Walter - ich
sehe DirS an, ja, Du brauchst mir es gar nicht zu sagen. Du warst ja immer glücklicher als ich!" —
Noch etwa eine Stunde saßen die Freunde beisammen, plaudernd von alten Tagen, von der Gegenwart und der allernächsten Zukunft; dann mußte der Arzt seinen BemfS- pflichten nachgebeu. Walter versprach am nächsten Morgen zukommen und dann Reinhard längere Zeit zu widmen.
Nach Doktor Grells Entfernung saß Reinhard gedankenvoll da. Er füllte, daß Walter ihm nicht Alle» gesagt, nicht so wie er es wußte. Die Frage nach Ida hatte der Arzt nur fluchtig beantwortet, daß es der Gattin des Freundes gut gehe, sie eine Scheidung von ihm nicht beantragt habe, uoch beantragen werde.
So war denn auch sie ihm treu geblieben! — »arm ftrömte sein Blut zum Herzen und ließen feine Pulse heftig schlagen, weil fein Weib ihn nicht verstoßen, nicht verachten mochte. —
Nach Adele v. Soden zu fragen, hatte er ganz vergessen: was er so wenig gehofft, daß feine Gattin ihm Treue be- wahrt, hatte sein Herz so erfüllt, haß er an Diejenige, welche die unschuldige Ursache des Bruches zwischen den Ehegatten gewesen, gar nicht gedacht hatte.
Es war ein behagliches Heim, in welches fein Freund ihn gebracht. Eine ältere Dame stellte sich ihm als feine Wirtin vor und fragte nach seinen Wünschen. Wie lange Ächt mehr, so fühlte er sich jetzt behaglich in dem von Wald und Bergen umgebenen Häuschen; wohin sein Auge auch schweifen mochte, überall blickte es auf junges Grün, welches der Lenz hervorgezanbett. Mit durstigen, nimmer» satten Zugen sog er die reine, erfrischende Luft ein und
k ““V# bin entschlossen, Dich nicht eher unter die Menschen - <•.* tn' bevor Du nicht ganz wieder der Alte geworden orzuglM bist."
Reinhard ntckte stumm, wie resignirt.
Der Wagen hielt vor einem abseits gelegenen, allerliebsten Mlen.1 "einen Landhause, dessen schattiger und ausgedehnter Garten -1 hinten zu aufstieg und am Rand des Hochwaldes seinen | Abschluß fand.
1 Gesetz soll am 1. August 1888 in Kraft treten. Für die Aufhebung oder Beschränkung der Privatbetriebe sind weit»
1 gehende Real- unk Personalentschädigungen vorgesehen. — In den Motiven zum Branntweinmonopol-Entwurf ist der Reinertrag auf dreihundert Millionen Mark veranschlagt.
Berlin, 10. Jan. Bei dem Kaiser und der Kaiserin findet heute nachmittag 5 Uhr ein Diner von 36 bis 38 Gedecken statt, zu welchem die badischen Herrschaften, der Herzog von Sagau, der russische General Graf Adlerberg und andere Einladungen ei halten haben. — Die Nachricht, der Papst habe mit Beziehung auf die katholische Missionen ' an den Kaiser geschrieben, bezeichnet die „Nordd. Allg. Ztg." als eine Erfindung der Ultramontanen. Dasselbe Blatt wendet sich offiziös gegen die ungerechte Kritik in österreichischen Blättern wegen des Verhaltens der preußischen Staatsbahnen gegen die österreichischen. Die Behauptungen, daß von preußischer Seite heimlich Frachtbegünstigungen an größere Spediteure bewilligt worden, sei unwahr. Man beschwere sich über Maßregeln preußischer, sächsischer und bayerischer Staatsbahnen zur Erhaltung des Verkehrs zwischen Schlesien und Bayern, obwohl doch auch Oesterreich den Verkehr zwischen Galizien und Nordböhmen und darüber hinaus nach Sachsen durch erhebliche Umwege den eigenen Bahnlinien zu erhalten suche. Bei Eröffnung der Arlbergbahn habe unter diesem Grundsätze die bayerische Staatsbahn schwer gelitten. Gleichwohl haben sich die deutschen Bahnverwaltungen zu einer Vereinbarung über eine angemessene Beteiligung der österreichischen Transitroute bereit gezeigt. Die österreichische Verwaltung lehnte aber den Vorschlag ab, indem sie hoffte, durch Gewährung von Refaktien den Verkehr für die böhmischen Routen zu sichern. Die Verstimmung der österreichischen Blätter entspringe aus dem Mißerfolg dieses Beginnens.
Ausland.
Wie«, 9. Jan. In einer gestern unter dem Vorsitze des Kaisers stattgehabten gemeinsamen Ministerkonferenz wurde konstatiert, daß bezüglich der Ausgleichsangelegen- hetten eine Verständigung erzielt ist und beschlossen, über die noch unerledigten Punkte, in betreff deren eine Vernehmung der Experten nottvendig ist, schriftlich zu verhandeln. Da« Zoll- und Handelsbündnis wird mit wenigen Modifikationen aufrechterhalten. Gutem Vernehmen nach beabsichtigen die beiderseitigen Regierungen, nach erfolgter Verständigung über die schwebenden Punkte, die resp. gesetzgebenden Körperschaften aufzufordern, behufs einer Vereinbarung über die Beittagsquote Regnikolardeputationen zu entsenden und denselben gleichzeitig alle den Ausgleich betreffenden Gesetzentwürfe zu unterbreiten. Ferner wurde beschlossen, auch die Verhandlungen wegen eines Handelsvertrages mit Rumänien wieder aufzunehmen. Die Ver- haudlungen bezüglich Erneuerung des Subventionsverttages in seiner Brust wogte es von Gefühlen, wie er sie lange nicht gekannt. Ihm war so hoffnungsfroh zu Mut, er blickte so wonnetrunken hinaus in den Frühling, daß e» ihm war, als höre er eine Stimme der Verheißung, welche ihm aus der erwachenden Natur zurief:
»Frühling, Frühling ist es nun auch in den Herzen der Menschen!" —
Auch für ihn? ... —
Auf Gut Recklingen befand sich Adele v. Soden seit mehreren Wochen berettS als Gast. Im Sturm hatte sie sich die Herzen von Idas Ettern erobert, welche nicht ahnten, daß AdeleS Schönheit und Liebreiz es gewesen, durch welche das Lebensglück ihres einzigen Kindes zerstört worden: dieser Umstand war ttefes Geheimnis geblieben zwischen den beiden PenfionS-Freundinnen; selbst Reinhards Mutter war nur teilweise in die Verhältniffe eingeweiht worden. Herr und Fran v. Recklingen schwärmten für daS schöne Mädchen.
Einem Gefühle der Schuld bedrückte eS AdeleS Herz, daß sie — obwohl schuldlos, unwissentlich — das Glück der Freundin vernichtet. Mtt der liebenswürdigsten Freundlichkeit und Bescheidenheit erwies sie Ida und deren Eltern die denkbar möglichste Aufmerksamkeit. Dem kleinen Reinhard hatte sie eine förmlich abgötttsche Liebe gewidmet; stundenlang oft konnte sie in das schöne, mutig »offene Kindergesicht blicken; es waren dies Adeles schönste Stunden und — die Züge des Knaben waren ja bieffelben, welche sie einst so sehr geliebt hatte.....-
Adele härte Alles darum gegeben, dem Knaben den Vater wiedergeben zu können; allein es Warschau eine Reihe von Jahren fett der Trennung der Eltern vergangen und die Hoffnung, daß Reinhard v. Brunner zu seiner Gattin zn- rückkehren werde allmählig in Adele geschwunden. Sie dachte an den Vater des Knaben gleichwie an einen Toten' (Fortsetzung folgt)