ireti
if«.. ।
105 c hle-
?8
1. Ap,
Nr. 1. straße
Dam,
««mA
Garte [12
wöblird ncnstra lhens
[10
:Stöh t erbach früher
[10
t-hend | Äche ui frmietbfl
[e 18.
on z» >ller Kc . 20.1
rbllkL
r 1886 cllung. iiigethi m Stad
m.
'ieg
cten v»
»rchester irkaufto
2,00 M 80
aufmar , I Plis- n gego igkeit.
Uio».
East 1886. st. Orleans
t
urgz 9.
en.
3/; 299
65
%
ja
%j
!/« 218
Lrte 108 101(( | 1042fl 99*/i
108 104’6 104 104*6 68 81*4 loo1» 104 101 55 <9.
Nr. 8.
Marburg, Sonntag, 10. Januar 1886.
XXL Jahrgang.
N6•int täglich außer an Werktagen nach Lrnn- und Feiertagen. — Quarta t- Äbonnernents-Prei^ bei der Expedition 2'/< 'b"'t . bei de» Postämter 2 Mk. "0 Pfg. (ejd. Bestellgeld). Insertionsgebübr für die Äteile Zeile 10 Big.
n n für die Zeile 25 Pfg.
WchMc Jcitiiiiii.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annvnccn-Bureoux von Haafenstein undVoaler in Franlsnrt o. M , Cassel, Magdeburg und Wien, Rudolf Moste in Franlsurl a M , Berlin,München und Köln; G. L. Daube und i'o. in siranllmt a. M., B. rlin, Hannover ».Paris.
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d.
». Kirchhain. — ZllnstricrteS CsnntagSblatt.
Expedition! Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Auf das mit dem 1. Januar begonnene Abonnement auf die
Oberhessische Zeitung
nebst deren Beiblätter
Amtliche Nachrichten für die Kreise Marburg und Kirchhain und
Illustriertes Sonntagsblatt werden von allen Postanstalten Bestellungen noch angenommen.
Wochenschau.
In der Thal eine festreiche Zeit ist es, die hinter uns liegt! Weihnachten, Neujahr und dann das große patriotische Fest des 25jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms, das in begeisterter Weise Millionen Deutsche dem greisen Herrscher hat zujauchzen lassen. Mit Deutschland feierten unsere Stammesgenossen im Auslande, ja das ganze friedliebende Europa den Ehrentag des „Beschützers des Friedens", und es ist seit langen, langen Jahren das erstemal, daß die Völker so einig waren, wenn es galt, einem einzelnen Menschen Ehre zu erweisen. Die Fürsten Europas haben durch besondere Abgesandte dem Kaiser ihre Glückwünsche übersandt; wie die Völker gedacht, beweisen die Auslassungen der Presse, die ohne Ausnahme den Nestor unter den regierenden Fürsten verherrlicht. Unseren Kaiser hat diese allgemeine Liebe, dieses allgemeine Vertrauen tief gerührt; tiefe Rührung spricht sich in dem Erlaß aus, in welchem er allen, allen dankt, die des Jubiläumstages gedacht, erhebend ist die darin obwaltende Zuversicht auf die in Liebe und Treue zu ihrem Kaiser einige deutsche Bevölkerung. Hoffen wir mit Kaiser Wilhelm, daß sein Jubiläum und dessen Feier reiche Frucht trage zum Besten Deutschlands und des ganzen deutschen Volkes.
Ruhig und ungestört hat sich der Uebergang in das Neue Jahr vollzogen; dem alten sind nicht allzu viele freundliche Blicke nachgesandt worden, denn es war ein Unruhestifter, wie er im Buche steht, ein Jahr, von dem zu wünschen, daß sein Nachfolger ihm nicht ähneln möge. Erfreulicherweise sehen wir auch nach außen hin reine Bahn, nur im Innern ist der politische Himmel voller Wolken. Jndeffen wir wollen das nicht zu tragisch nehmen. Das Deutsche Reich ist ein gar festes Gebäude, das nicht nur manchen Puff vertragen kann, sondern auch schon manchen Puff vertragen hat, also werden wir auch über die Folgezeit glücklich hinwegkommen. Bundesrat und Reichstag haben mit Schluß dieser Woche ihre durch die Weih
nachtsferien unterbrochenen Arbeiten wieder aufgenonuncn, in die nun fürs erste keine Unterbrechung wieder einzutreten braucht, denn das Osterfest liegt noch weit im Feloe. Der Reichstag könnte vielleicht, wenn er sich recht heranhielte, bis zum Osterfest seine Aufgaben beendet haben,— wenn das Branntweinmonopol nicht wäre. Da das aber ganz sicher zur Beratung erfolgen wird, so können sich die Reichsboten nun auf eine Session bis in den Sommer hinein gefaßt machen. Der Wortlaut der Branntweinmonopolvorlage ist übrigens noch immer nicht bekannt, es heißt aber doch, der fertige Entwurf sei den Regierungen zur Begutachtung unterbreitet worden. Man wird also wohl bald 'Näheres erfahren. Mitte nächster Woche tritt auch der preußische Landtag zusammen, dem wenig oder keine wichtige Beratungsgegenstände unterbreitet iverden sollen, wie behauptet wird. Vor Ueberraschungen sind wir freilich niemals sicher, und gar so umnögtich wäre es nicht, wenn plötzlich eine neue Kirchenvorlage auftauchte. Die Zeitverhältniffe find ganz darnach angcthan.
Man sollte meinen, Fürst Bismarck, der zusammen mit dem Grafen Moltke bei der Jubiläumskur im königlichen Schlosse zu Berlin in besonderer Weise ausgezeichnet worden ist, hätte alle Orden der Welt. Er hat nun aber doch noch einen erhalten und zwar den höchsten Orden des Papstes, den Christusorden in Diamanten, aus Anlaß der glücklich beendeten Vermittelung in der Karolinenfrage. Diese Ordensverleihung ist gewaltig bemerkt worden, und man hat sich gefragt, ob nicht etwa mehr dahinter stecke. Ist der Karolinenstreit in Rom zu Grabe getragen worden, warum soll nicht auch der Kirchenstreit dort jetzt oder bald zum Abschluß gelangen? Gerade der Umstand, daß über die kirchenpolitischen Verhandlungen nicht das geringste mehr verlautet, gibt zu denken: Stille Wasser sind bekanntlich tief, und daß Fürst Bismarck ein Meister der Ueberraschungen ist, hat er oft genug bewiesen. — Dem Leiter unseres Postwesens Exzellenz Dr. von Stephan hat der Kaiser in einem besonderen Erlasse seine ganz besondere Anerkennung für die Erfolge der Reichspostverwaltung im verflossenen Jahre ausgesprochen. — Der Chef der Admiralität, Generalleutnant von Caprivi, ist von feiner langwierigen Krankheit genesen und hat die Leitung der Marinegeschäfte wieder übernommen.
Die Zeit, in welcher die Neujahrsempfänge an den fürstlichen Höfen Ereignisse mit wichtigen politischen Reden waren, ist längst vorüber; heute sind es nur noch einfache Zeremonien, die kaum beachtet werden. Deshalb läßt sich auch von den Empfängen an den europäischen Höfen nichts weiter sagen, als daß es einfache Gratulationen waren. Ein paar politische Worte hat Herr Grevy, der Präsident der französischen Republik, gesprochen, aber es war nicht mehr und nicht weniger, als die sich alljährlich wiederholende Friedensphrase. Die besagt aber für Frankreich nicht viel, denn wenn die Franzosen ihre schlimmen Stunden
Heißer Sin«.
Roma» do» Theodor Küster.
(Fortsetzung.)
Er schalt sich töricht, daß er allein so lieben mußte — so heiß und verzehrend, so ernst und nachhaltig. Adele mußte ihn wohl längst vergessen habe», war wohl jetzt eine stolze, glückliche Frau und — wenn er in der Gesellschaft ihr vielleicht einmal begegnete, dann — würde sie sich eben so flüchtig seiner erinnern als eines ftüheren Bekannten, gewiß sehr liebenswürdig gegen ihn sein und lächelnd ihn ihrem Gemahl vorstellen.
Nein, es wäre ihm unmöglich gewesen, seine Ruhe dann zu bewahren: mußte denn sein Herz die Macht und die Qual der Liebe so mächtig empfinden und all ihren Schmerz bis zum Bodensatz auskosten?!
Doch ihm blieb ja noch de» Freund — Walter Grell, der Freund von ... . ehedem!.....— Ob Der noch
sein Freund war?!.....— Oder sollte er auch hier
fich getäuscht, er allein mit seiner heißen Seele diese Freundschaft gewahrt haben — durch die langen Jahre der Trennung hindurch? — Mit dem Freunde aus der Jugendzeit wollte Reinhard es auf alle Fälle versuchen, au ihn sich wenden, von ihm erfahren, ob es für ihn noch etwas Anderes geben könne, als ein einsames, trostloses, liebeleeres Leben.
So schrieb denn Reinhard v. Brunner jenen eingehenden, bereits mitgeteilten Brief an den jungen Badearzt, in welchem er diesem sein Leid, seine Befürchtungen und Hoffnungen offen darlegte.
Voller nervöser Unruhe wartete er auf die Antwort — und als sie dann kam, da hob sich seine Brust leichter, fröhlicher, denn nun wußte er, daß der Freund ihm erhalten geblieben war, daß er in Walter Grell sich nicht getäuscht hatte.
Mit krankhafter Hast machte Reinhard sich retfefertig; er konnte es kaum erwarten, den Freund wiederzusehen, von ihm zu hören, wie eS seiner Mutter ging; auch von Ida — seiner Gattin — wußte ihm Walter sicher zu erzählen. Adele v. Soden hatte der Doktor allerdings nie gekannt, vielleicht aber doch von ihr gehört und konnte ihm auch Einiges über sie mitteilen. Die letzten Stunden seiner freiwilligen Verbannung aus dem Kreise der ihm so nahe Stehenden wurde ihm so lang, so schwer; er sehnte sich mit aller Macht nach einem Händedruck des Freundes, nach einem Blick in dessen treue, gute Augen.
Endlich — endlich hielt der Zug!
„Station Bad Bergcnan!" riefen die Schaffner und öffneten die Conpö-- Türen.
Und da stand auch Walter Grell auf dem Perron und seine Blicke glitten die Fensterrethen der Waggons entlang, aus der so mancher neugierig oder forschend blickende Kops fich abhob. Einigemal schon hatten des Doktors Blicke ihn gestreikt und Walter ihn nicht wieder erkannt..... —
Reinhard lächelte wehmütig. Er wußte wohl, daß und wie sehr er sich verändert. Jetzt, wo er den Jugendfreund so frisch und blühend vor sich sah — ganz wie sonst, nur etwas männlicher und stattlicher wie früher: da dachte er daran, was die Jahre eines menschenscheuen, grübelnden Daseins aus ihm selbst, dem einst so heiteren, lebensfrohen Assessor gemacht. Er ging auf Doktor Grell zu und sagte mit traulichem Lächeln:
„Walter — Du kennst mich nicht?.....• —
„Ah! — Reinhard, da bist Du ja!" rief nun sichtlich überrascht der Arzt, warm und herzlich des Freundes beide Hände drückend.
Voller Schreck blickte jer auf Reinhards Gesicht — die früher so frischen, lebensvollen Züge, wie waren sie gealtert! ? Die früher so rosigen Wangen hatten einer durchgehenden
bekommen, dann stellen sie trotz Neujahrsreden und Friedensversicherungen doch alles auf den Kovf. Das endlich fertig gewordene Ministerium des Herrn Freycinct hat auch gerade nicht nötig, mit lachendem Gesicht in die Zukunft zu schauen Die Kampfhähne in der Volksvertretung sind unberechenbar und Freycinet weiß das aus seiner früheren Ministerpräsidentschaft sehr wohl, wo sich binnen 24 Stunden die Ansicht der Kammer so radikal veränderte, daß Freycinet abdanken mußte. Die Neuordnung der Dinge in Ostasien bietet noch so viele Schwierigkeiten, daß manches Ministerium über ihre Lösung einen Purzelbaum schlagen kann, und eigentlich noch schlimmer stets bei den Staatssinanzen Frankreichs selbst, da siehts aus, daß Gott erbarm!
Auch John merkt, daß nicht immer alles nach seinem Willen geht, nicht einmal in Hinterindien, in Birmah. Das Land ist ja annektiert und dem brittischen Reiche einverleibt, aber zwischen dem, was auf dem Papier steht und der Wirklichkeit ist doch ein großer Unterschied. Der Aufstand der Birmahnen hat sich riesig ausgedehnt, in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt Mandalay sind mehrere Europäer ermordet und die Sicherheitszustände in der Stadt selbst sind die miserabelsten. Die englischen Offiziere verlangen fortwährend Truppennachschübe, da die ihnen zur Verfügung stehenden Streitkräfte zu schwach sind. Im Sudan ists richtig gekommen, wie allgemein vorausgesehen wurde: Großer Sieg der Engländer über die Araber, große Flucht der Araber und endlich großer Rückzug der Engländer, die gemerkt, daß der Feind doch stärker war, als sie gedacht. Es ist die alte Geschichte: die Engländer siegen, haben aber keinen nachhaltigen Erfolg; ihre Truppen werden nach jeder Schlacht schwächer, die der Araber stärker.
Was die russische Regierung im vorigen Jahre mit so großem Erfolge begonnen, die Russifizierung der Ostseeprovinzen, wird im neuen munter fortgesetzt. Kurland hat einen neuen echtrussischen Gouverneur bekommen, der den Kurländern schon den Standpunkt klar machen wird. Daß dabei wohlverbriefte und versiegelte Rechte kurz und bündig zerstört werden, ist ja für Rußland Nebensache. — Große Klagen kommen auch aus Oesterreich über den neuen Kultusminister von Gautsch, der dem Lehrerstande mit allerlei Vorschriften manche schwere Stunde bereitet. Bald läuft die Geschichte darauf hinaus, daß die Lehrer froh sein müssen, wenn die österreichische Jugend die Güte haben will, sich von ihnen unterrichten zu lassen.
König Milan, der glorreich Besiegte, ist wieder nach seiner Residenz Belgrad zurückgekehrt: Feierlicher Empfang, Ansprachen, Erwiderung, Hurra und Hoch; nur die Illumination Abends fehlte, die paßte sich denn angesichts der serbischerseits empfangenen Haue doch nicht recht. Die Behörden hatten alles sehr schön gemacht und König Milan konnte zufrieden sein. Daß es im Lande sehr bös aussieht, alles murrt, davon meldet der Belgrader Telegraph fteilich nichts. Und das Murren wird noch stärker werden,
Blässe weichen müssen; aus dem (leinen kecken Schnurbärtchen von ehedem war ein dunkler Vollbart geworden, der die Blässe deS Antlitzes nur noch mehr hervortreten ließ; die einst blitzenden, von Geist und Humor sprühenden Augen blickten nun müde und der vor Jahren so stolz und stegeS- gewiß hochgetrageue Kopf war vorn übergebengt. Nur das glänzende, dunkelgelockte und üppige Haar war noch das frühere, nur daß es jetzt eine gedankenvolle Stirn beschattete.
Das war ein ganz anderer als der Reinhard v. Brunner vor nur wenigen Jahren! — Schmerzliche Rührung ließ Walter Grells Stimme erbeben, als er, Reinhard herzlich umarmend, leise sagte:
„Du hast Dich sehr verändert, Freund!" — Heiterer fuhr der Arzt dann fort: „Doch nun gieb mir Deine Gepäckscheine, Reinhard, und laß mich Alles besorgen."
Schnell erteilte er einem Packträger die erforderliche» Instruktionen, während Brunner ruhig neben dem Freunde stand. Wie lange war es her, daß Jemand sich überhaupt um ihn gekümmert, für ihn so, wie eS der Jugendgenosse jetzt that, gesorgt hatte?!
Das leichte Koupee des Badearztes stand vor der Bahnhofshalle und Walter und Reinhard bestiegen es. Durch eine lange, schöne Straße fuhren sie, die prächtigen grünen Berge vor sich. Der Neuangekommene blickte bewundert auf die liebliche, herrliche Landschaft, die Landhäuser mit ihren schönen Gärten und sagte endlich zum Doktor:
„Nun, Walter, das muß man Dir lassen, ein hübsches, ja reizendes Plätzchen hast Du Dir ausgesucht! — Erzähle mir, wie es Dir seit unserer Trennung ergangen — vor allen Dingen sage mir: wie ergeht es meiner Mutter? — Erhältst Du zuweilen Nachrichten von ihr?"
(Fortsetzung folgt.)