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Erscheint tS,lich außer en D«ttage» nach Sonn-and Zciatagen. Quartal« NboaaementS-Drei- bei der Expedition 2>/. Mk. bei bni Postämter 2 Mk.O «>j. texcl. Best-llgelb,. AnfertionS^cbübr für die -e'paltene Zeile 10 Pfg Si-Üam n für die Zeile 25 Pfg.

Marburg, Sonnabend, 9. Januar 1886.

XXI. Jahrgang.

GttMlhr Jritmiii.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b Blattes, sowie d.Anncncen-Bureaux von Hoalenstein untPoal« in FranIfurt a. M , Gaffel, Magdeburg und Wien, Rudolf Stoffe in Frankfurt a M , Berlin,München und Köln; ®. L. Daube und Lo. in Frankfurt a. M., B rlin. Hannover u.Paris.

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger s. d. Kreise Marburg n. Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt.

Expeditione Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. »och.

Auf das mit dem 1. Januar be­gonnene Abonnement auf die

Oberhessische Zeitung

nebst deren Beiblätter

Amtliche Nachrichten sür die Kreise Marburg und Kirchhain und

Illustriertes Tonntagsblatt werden von allen Postanstalten Be­stellungen noch angenommen.

Die Wiederaufnahme der Reichstagsarbeiten.

Heute nimmt der deutsche Reichstag nach dreiwöchiger Ruhepause seine Sitzungen wieder auf, für die er nun länger als ein Vierteljahr bis Ostern freie Bahn hat. Der Reichstag kann aber auch diese Zeit vortrefflich gebrauchen, er hat einen Berg von Arbeiten in Aussicht, der nicht so leicht beiseite geschafft ist. Er hat vor dem Weihnachtsfest schon 19 Sitzungen abgehalten, aber das praktische Resultat derselben war ein recht winziges, und beschränkt sich in der Hauptsache auf die Beratung des noch in der Lust schwebenden Beamtenpensionsgcsetzes und die Fertigstellung des Militäretats. Etwas ist freilich besser, als gar nichts, aber wesentliche Erleichterungen sind dem hohen Hause daraus sür die Zukunft nicht erwachsen.

Nach der Wiederaufnahme der Sitzungen wird man voraussichtlich in erster Reihe die schon vorliegenden Gesetz­entwürfe in erster Lesung erledigen und sie zur Spezial­beratung besonderen Kommissionen überweisen. Wir haben da den Gesetzentwurf über den Bau des Nord-Ostseekanals, über die Zuckersteuerreform, beides Vorlagen, die ganz be­deutende technische Erörterungen verlangen und demgemäß viel Zeit in Anspruch nehnien werden. Der Nord-Ostsee­kanal findet kaum prinzipiellen Widerspruch, lediglich die finanzielle Seite könnte Bedenken erregen und deshalb wird hier genaue Klarheit zu schaffen sein. Die Zuckersteuer ist seit mehreren Jahren das Leidenskind der Reichsfinanzen; sie niuß gründlich auf feste Füße gestellt werden, damit Ueberraschungen, wie sie bei dem Ertrage der Zuckersteuer wiederholt vorgekommen, verinicden werden. Ein definitiver Beschluß ist aber unmöglich ohne eingehende Prüfung der Lage der Zuckerindustrie, und dazu gehört ebenfalls viel Zeit. Die Kolonialpolitik wird zu ausführlichen Debatten Anlaß geben bei Gelegenheit der Beratung der Vorlage über die Rechtspflege in den deutschen Schutzgebieten; hinzu­kommen noch eine Reihe von Denkschriften und Akten­sammlungen über kolonialpolitische Verhandlungen und

endlich die Vorlage über die Zinsgarantie für die neue egyptische Anleihe. Die Sozialpolitik ist vertreten durch den Gesetzentwurf betreffend die Unfallversicherung der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter. In den Kom­missionen befinden sich bereits die Anträge wegen Herbei­führung eines Arbeiterschutzgesetzes (Sonntagsruhe, Verbot der Frauen- und Kinderarbeit :c.), ein Antrag auf Ein­führung des Befähigungsnachweises für eine Reihe von Handwerken ist noch zu beraten, und dann kommt die große Reihe der von den einzelnen Parteien eingebrachten An­träge, die allein schon geraume Zeit in Anspruch nehmen. In zweiter und dritter Lesung kann sofort das Unfall­versicherungsgesetz für die Reichsbeamten beraten werden.

Zu allem kommt die Fortsetzung der Etats-Beratung. Das ist schon Arbeit genug, aber sie würde doch inimerhin noch biö zum Osterfest zu schaffen sein. Am Reichstags- Himmel drohen aber noch drei Vorlagen, die allein eine ganze Session ausfüllen können und die gegenwärtige leicht bis in den Hochsommer hinein zu verlängern vermögen: Da ist zuerst das Branntweinmonopolgesetz, das sicher kommt, die Verlängerung des Sozialistengesetzes, die gleichfalls be­antragt werden muß, endlich die ziemlich wahrscheinliche Vorlage über die weitere Feststellung der Friedensstärke der Reichsarmee von 1888 ab. Wenn man daran denkt, daß die Militärausgaben den Löwenanteil der Reichsein- nahmen beanspruchen, während andererseits doch die poli­tische Lage nach wie vor gebietet, der Armee besonderes Interesse zuzuwenden, so ergibt sich von selbst, daß die Militärfrage nicht so schnell von neuem geregelt sein wird. Das Sozialistengesetz läuft mit dem 1. Oktober d. I. ab, es war im Vorjahre nur um ein Jahr verlängert worden. Damals hatte ein Teil der freisinnigen Partei noch dafür gestimmt, wie erklärt wurde, zum letztenmal. Eine gleiche Erklärung ist von feiten der Mitglieder der Zentrumspartei, welche unter Führung des Abgeordneten Reichensperger für das Gesetz eingetreten waren, nicht ab­gegeben worden und es ist daher wohl anzunehmen, daß dieselben wieder dafür stimmen werden. Trotzdem würde aber die Annahme des Gesetzes doch sehr fraglich fein, eint einzelne Stimme kann für oder wider den Aus- fchlag geben. Wahrscheinlich ist, daß auch in diesem Jahre aus der Mitte des Hauses der Antrag gestellt werden wird, das Gesetz in einigen Punkten milder zu gestalten. Im vorigen Jahre hatte der Abgeordnete Wiudthorst die bezüglichen Anträge gestellt. Was nun endlich das Brannt­weinmonopol anbetrifft, so läßt sich schwer absehen, wie es im Reichstage die Mehrheit finden soll, so lange nicht bewiesen worden ist, daß die Ziele des Monopols nur auf dem Monopolwege erreicht werden können. Die Zentrums- Partei, an der Spitze Herr Wiudthorst, will sehr teueren Schnaps, die kleine Exccllenz hat wiederholt gesagt, es wäre ihr am liebsten, wenn Branntwein nur in den Apotheken zu haben sein würde. Herr Wiudthorst hat

sich aber auch ebenso entschieden gegen alle Monopolpläne ausgesprochen, und ohne seine Unterstützung kann auch das Branntweinmouopvl nicht durchgehen. Wenn der Monopolcutwurf im Reichstag einer Kommission über­wiesen wird, so wird cs Aufgabe desselben sein, die Grund­züge einer gesunden Branntweinsteuer festzustellen, beim daß der Branntwein mehr leisten kann, ist ohne Frage. Ebenso muß der Reichstag über eine zweckmäßige Ver­wendung der erhöhten Branntweinsteuercrträge entscheiden, das Recht hat er dazu und auch die Pflicht.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. Jan. DerReichsanzeiger" meldet: Se. Majestät der Kaiser und König haben allergnäoigst geruht dem Reichskanzler und Präsidenten des StaatsministeriumS Fürsten von Bismarck die Allerhöchste Erlaubnis zur Annahme und Anlegung des demselben von Sr. Heiligkeit dem Papste verliehenen Christus - Ordens in Brillanten zu erteilen. Das preußische Staatsministerium hat in seiner gestrigen Sitzung den Entwurf eines Gesetzes be­treffend das Branntweinmonopol fortgesetzt und genehmigt. Sobald derselbe vom Kaiser gebilligt und vollzogen worden ist, wird er dem Bundesrate zugehen; voraussichtlich wird das schon in spätestens zwei Tagen geschehen. Sicherm Vernehmen nach ist im Entwürfe zum nächstjährigen preußischen Staatshaushaltsetat eine Erhöhung der Ge­hälter für die Bauinspektoren und das Forstschutzpersonal vorgesehen; die Bauinspektoren sollen in Zukunft verpflichtet werden, auf jedes Nebenverdienst aus Privatarbeit zu verzichten und müssen dafür entschädigt werden. Das Forstschutzpersonal ist bei der letzten Regelung der WvhnungS- geldzuschüsse zu unrecht übergangen worden, und das ver­säumte soll jetzt nachgeholt werden. Außerdem werden für eine Reihe unterer Beamten im Eisenbahnaußendienst, wie in frühem Jahren, insoweit Gehaltsaufbesserungen vorgeschlagen, als diese Beamten bei der durch die Ver­staatlichung eingetretenen Reorganisation einen über ihren bisherigen Geschäftskreis erweiterten Dienst erhalten haben, ohne daß dafür bisher die erforderliche Gehaltsausgleichung ftattgefunben hat. Gehaltsaufbesserungen weiterer Beamten- klassen sind im Etatsentwurf nicht vorgesehen. Die Berl. Pol. Nachr" kündigen auf Mehrausgaben im preußischen Staatshaushaltsetat für 1886/87 an, die durch die von der Regierung beabsichtigten Gehaltsauf­besserungen ganzer Beamtenkategorieen veranlaßt werden. Diese Beamtenkategorieen werden nicht näher bezeichnet, es heißt nur:Selbstredend können solche Aufbesserungen nur in soweit in Aussicht genommen werden, als es möglich ist, ohne ein Präjudiz für weitere Beamtenklassen zu schaffen, deren Verbesserung in den Rahmen der mehrfach als ein weiteres Bedürfnis anerkannten allgemeinen Gehaltsauf­besserung fallen würde. Wo aber besondere Umstände eine derartige ausnahmsweise Behandlung rechtfertigen, ist

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Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

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Bald indessen war es anders geworden nick t schlimmer jedoch: im täglichen Verkehr unter einander halten sie sich kennen gelernt, ihr gegenseitiges Empfinden und Denken war ihnen ganz klar geworden und wie in einem offenen Buch konnten sie Einer in des Andern Seele lesen.

Nach einem Jahre so hatte Herr v. Rospangen bestimmt sollte William um seinen Abschied einkommen und, wie alle Rospangen, von da an die Selbstverwaltung der Fa- miliengüter übernehmen.

Mit Aufopferung schwerer Summen war es dem Frei- Herrn gelungen, das Stammschloß der Famllie wieder in seinen Besitz zu bringen. Eine lange Reihe von Jahren hatte dort ein geldstolzer Parvenü restdirt, der sich nach langwierigen Unterhandlungen endlich durch eine unverhält­nismäßig hohe Offerte seitens des Herrn v. Rospangen be­stimmen ließ, dem angestammten Gutsherrn den Besitz seiner Familien -Domaine wieder zu überlassen.

Das Schloß die Besitzung führte den Namen der Familie hatte der Freiherr mit wiederum großen Kosten sehr vorteilhaft renovieren lassen und noch immer wurde an der Verschönerung desselben gearbeitet. So schön, so reizend wie nie zuvor stand in allen seinen Teilen das Rittergut Rospangen jetzt da, auf welchem William mit seiner jungen Gemahlin demnächst leben, wo ein neues Geschlecht der alten Familie erblühen sollte.

Nur ein Umstand war cs, der einen Tropfen Wermut vvß in Selmas seliges Liebesglück: schwer unsagbar schwer war ihr der Abschied von ihrem Beschützer von Reinhard v. Brunner geworden! Ein festes, denkbar

kaum lösliches Band hatte Beide die langen Jahre hindurch so eng verknüpft und nun sollte dieses Band so unvor­bereitet schnell und für immer gelöst sei»?! Hätte Selma ihren treuen Führer, den vom Großvater auf dessen Ster­bebett ihr bestellten Vormund, nicht so einsam, so ganz von allem Verkehr mit der Welt getrennt gewußt, es möchte ihr wohl leichter geworden sein, ihn zu verlassen; doch wie eS war und sie wußte, daß es war, mußte sie unaufhörlich an ihn denken, an feine Einsamkeit ... Wie schwermütig hatten seine Augen geblickt, als er ihr Lebewohl gesagt! Sie, der Freiherr, William, Frieda Alle hatten sie ihn mit Bitten bestürmt, bei ihnen oder doch in ihrer Nähe zu bleiben; doch ihn trieb es fort! Seit er wieder im Vaterlande war, hatte auch seine bisherige Ruhe ihn ver­lassen und Selma das auch recht wohl gemerkt, und sein geheimes Leid, das sie ja nicht kannte, nicht ahnte, drückte auch sie und hinderte sie, ihr neues Glücksloos voll zu ge­nießen. Ihr einziger Wunsch war, ihrem Beschützer ein Glück wiedergeben zu können, was er sichtlich verloren hatte und um welches er tief zu trauern schien.

Ach ja, cs war auch Reinhard recht schwer geworden, sich von Selma zu trennen! Wie fehlte sie ihm jetzt mit ihrem lieblich-kindlichen Geplauder, ihrer süßen Stimme, die ihn nie so schön wie jetzt gedünkt, namentlich, wenn er sich die Abende erinnerte, welche sie zusammen verlebt und an denen sie im dämmerigen kaum notdürftig erleuchteten Zimmer mit ihrer klangvollen, melodischen Stimme für ihn allein gesungen und ihre ganze Empfindung dann in diesen Gesang bineingelegt hatte!

Das Alleinsein war ihm sitzt unerträglich. Wie leicht hätte er Selma? und ihres Oheims Bitten erfüllen und bei^ ihnen bleiben können; doch er fühlte, daß fein Gehen besser fei: Selma v. Blankenberg, die selbstständige, nun sogar sehr vermögende junge Baronesse, war nicht mehr

das arme, schutzbedürftige Kind, dem er einst Wohlthateu erwiesen. Sie mußte sich ganz loslösen von ihm und er von ihr: war sie doch auch ihrer gesamten früheren Le­bensphäre jetzt entfremdet, ein neuer Lebensabschnitt für sie hatte begonnen und Reinhard fühlte sich nicht berufen, in diesen mit einzutreten.

Ans vollem, ganzen Herzen wünschte er ihr alles Glück fürs Leben, das ja nun so glückverheißend und glänzend vor ihr da lag. Sie hatten Abschied genommen von einander vielleicht um sich nie wiederznsehen.

Wenn Sie jemals Sehnsucht empfinden nach Menschen, welche Sie von Herzen lieben und verehren, dann kehren Sie zu uns zurück, teuerster Oheim!" Sv hatte Selma im letzten Moment des Abschieds zu ihm gesprochen.

Und nach Liebe sehnte er sich jetzt mehr denn je. Würde er sie jemals wtederfinden, so mußte er sich fragen die Liebe, gegen dir er so schwer gefehlt?

Ein Herz schlug treu für ihn das wußte er: das Herz seiner Mutter! Zu ihr wollte er eilen; doch eS fehlte ihm der Mut zu diesem Wiedersehen. Seine Mutter war schon alt, hatte so manches Leid im Leben ertragen, müssen wenn er sie nun nicht mehr fände?

Auch an Ida mußte er denken. Er hätte gern gewußt, wo und wie sie lebte. ..... Dann trat auch Adele v. Sodens glänzendes Bild vor feine Seele hin doch nickt mehr so heiß, so leidenschaftlich wie einst, wie in Tagen zwischen denen und jetzt Jahre lagen! Sein Herz schlug ruhiger, indem er ihrer g backte; er erinnerte sich ihrer wie eines Glückes, das er geträumt, das ihm jedoch nicht be= schieden gewesen. Ob ein Anderer es bei ihr sie bei ihm gesunden?..... Ob er Reinhard ganz

von ihr vergessen?

(Fortsetzung folgt.)