Marburg, Freitag, 8. Januar 1886
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Ein trauriges Ende allerdings war es gewesen, das Beide betroffen hatte, und bittre Reue quälte ihn, doch er wußte nun, vaß sein Vater ihm auch verziehen haben würde, »alte er gewußt, wie Hugo jahrelang nach ihm und seiner Schwester gesucht, wie er nicht Ruhe und Frieden zu finden »rrmocht, wenn er daran denken mußte, daß jtne zwei ihm 1° nahe stehenden Wesen in Elend und Armut verkommen waren, in die seine Schuld sie gestoßen hatte.
Nun waren sie Beide tot. ©infame Gräber, in fremder, Vaterlande durch den Ocean getrennter Erde hatten Iw ausgenommen — nur Selma, seine Nichte, war ihm gerieben .....— An ihr konnte, mußte und wollte er
Vergeltung üben, und er that es auch — that es auch mit
mag er zusammengesetzt sein, wie er will, doch so patriotisch sein, daß er nicht um eine Handvoll Soldaten mehr oder weniger großen Streit beginnt. Wir zweifeln auch gar nicht daran, daß hierüber eine Einigung erfolgen wird, wenn nur erst die Stärke der Armee selbst festgestellt ist. Wir brauchen eine starke Armee, das dürfen wir nicht vergessen, aber auch eben so wenig, daß die Steuer- und Militärlasten bereits große sind. Es ist eine schwere und wichtige Frage, die der Lösung harrt, und Patriotismus muß dabei nicht weniger mitarbeiten, als umsichtige Berechnung der wirtschaftlichen Kräfte des Reiches.
Es war jetzt ein traulicher Familienkreis in dem frei» Glichen Hanfe. Selmas belebender Einfluß hatte auch
Heißer Sinn.
Roman von Theodor Küster.
(Fortsetzung.)
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Deutsches Reich.
Berlin, 6. Jan. Unter dem Vorsitz des Fürsten Bismarck hat heute eine Sitzung des Staatsministeriums stattgefunden. — Der Johanniter-Orden zählte am Ende des vorigen Jahres 2134 Mitglieder, die sich in nachstehender Weise klassifizieren: 1 Herrenmeister (Prinz Albrecht von Preußen), 14 Kommendatoren (Graf zu Dohna - Schlobitten, Graf von Krassow, Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode, auch Ordenskanzler, Frhr. v. Sell, Graf v. Taubenheim, v. Holtzbrinck, Prinz von Schönburg-Waldenburg, Graf v. Bismarck-Bohlen, auch Ordens- Sekretär, Graf v. Arnim-Boitzenburg, Graf v. Brockdorff- Ahlefeldt, Freiherr v. Burgk, v. Malortie, Freiherr von Unruhe-Bomst und Freiherr von Plettenberg), 3 Ehren- Kommendatoren (Fürst v. Bismarck, v. Levetzow, auch Ordens - Schatzmeister, Graf v. Zielen - Schwerin, auch Ordens-Werkmeister), 1 Ordens - Hauptmann (General v. Treskow); 550 Rechtsritter, 4 Ehrenmitglieder (die Herzöge von Anhalt und Sachsen-Altenburg, und die Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen und Rudolstadt), und 1561 Ehrenritter. Die Mitgliederzahl belief sich Ende 1884 auf 2118 und auf 1280 zur Zeit der Wiederaufrichtung der Balley. Seit dieser Zeit sind im Ganzen 2814 Ehrenritter ernannt und 982 Mitglieder durch Ritterschlag und Investitur zu Rechtsrittern ausgenommen; die ersten von letzterer Kategorie, 14 an der Zahl, sam 17. Mai 1853 in der Kapelle des Schlosses zu Char- lottenburg bei der Installation des Prinzen Karl als Herrenmeister. In den Jahren 1854—1856, 1858 und 1859 wurde die feierliche Zeremonie in der Kapelle des königlichen Schlosses zu Berlin, und von 1860 ab in der Ordenskirche zu Sonnenburg, vorgenommen, mit Ausnahme der Jahre 1863 und 1869, wo Ritterschlag und Investitur im Palais des Prinzen Karl abgehalten wurde. Gestorben sind während des Jahres 1885, soweit dies zur Kenntnis gelangt ist, 4 Kommendatoren (Freiherr v. Massenbach, Freiherr v. Rigal - Grünland, Graf v. Schlitz, genannt v. Görtz, Freiherr v. Zedlitz und Neukirch), 1 Ehren- Kommendator (Prinz Friedrich Karl), 30 Rechtsritter und 38 Ehrenritter. — Der vom Papste dem Reichskanzler verliehene Christus - Orden war von einem eigen-
gezogen, der der Sanftmut und des gegenseitigen Verständnisses, der nun herrschte, wo vorher nur Stolz und Strenge das Scepter geführt hatten.
Mit mehr als schwesterlicher Zättlichkeit und Schwärmerei hing auch Frieda v. Rospangeu an ihrer Cousine und deremftigen Schwägerin. Wer die beiden jungen Mädchen sah, hielt sie für Schwestern, so ähnlich waren sie sich: eS waren bei Beiden die edlen, feinen Züge der Rospangeu in ihrer ganzen Schönheit. Frieda war das fröhlige, lebens» lustige und liebenswürdige Mädchen, das durch seine offene, grade Waise, sich zu geben, Alle entzückte; — Selma war ernster, denkender, ihr wechselvolles Leben hatte sie zeittger gereift, sie denken gelehrt und tiefer empfinden.
Aus Wunsch des Freiherrn war bisher eine öffentliche Verlobung Selmas mit seinem Sohne noch nicht erfolgt; die Liebenden sollten erst ein Jahr hindurch im engen Familienkreise zusammen leben, um sich besser kennen zu lernen, ehe sie den unwiederruflichen Bund fürs Leben schloffen. Er selbst wußte ja aus Erfahrung — oder glaubte cs zu wissen, wie oft dem einmal und zu schnell geschloffenen Ehe- bund die Enttäuschung zu folgen pflegt, wenn die Charaktere der beiden Gatten sich nicht in einander zu schicken vermögen, wenn einmal der erste Liebesransch verflogen ist und kleinere oder größere Schwächen des einen oder des andern Teils zu Tage treten. —
Es war eine schöne Zeit für Selma und William. Sie lernten einander kennen und mehr und mehr schätzen. Ihnen war die allgewaltige Liebe ahnungslos, unbewußt gekommen, gerade wie ein plötzlich zündender Gottesfunken. Warum sie sich liebten, sie wußten es selbst nicht, konnten es nicht sagen: Jeder hielt den Andern für das vollkommenste Wesen, für das Ideal seiner eigenen Träume.
(Fortsetzung folgt.)
Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg n. Kirchhain
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erst recht nichts Anderes erwarten. Frankreich hält Frieden mit uns und wird ihn unter verständiger Leitung so lange halten, als es die Gewißheit hat, in einem neuen Kriege abermalige Hiebe zu bekommen. Schwindet diese Gewißheit ober wird sie durch irgend ein Ereignis weniger sicher, so können wir auch fest darauf rechnen, daß die Säbelraffelei wieder losgeht. Wäre seiner Zeit der Abschluß des deutsch - österreichischen Bündnisses nicht so schnell erfolgt, Frankreich und Rußland hätten unbedingt aus uns losgeschlagen. In Rußland haben sich die Gesinnungen wohl etwas geändert, in Frankreich aber kocht der Revanchetopf am Feuer des Deutschenhaffes munter fort. Aus solchen Thatsachen ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, daß wir auf militärischem Gebiete unserem Nachbar gegenüber uns nichts vergeben dürfen, denn die französische Phantasie wird alles in zehnfacher Vergrößerung sehen und der Spettakel wird nicht lange aus sich warten lassen. Das ist vor allem zu beachten.
Bei der erneuten Feststellung der Friedensstärke der Armee fallen im speziellen nun zwei Umstände ins Auge. Zuerst die Hauptsache: Wie stark soll die Armee sein? Soll sie so vermehrt werden, daß sie wieder gleich 1 Prozent der in den letzten sieben Jahren nicht unbeträchtlich gewachsenen Bevölkerung wird oder soll sie auf dem jetzigen Staude bestehen bleiben? Die militärische Oberleitung hat hier dem Reichstage, wie sie das schon wiederholt gethan, in seiner Budgetkommission reinen Wein einzuschenken, und es sind ja von letzterer schon anstandslos Summen bewilligt worden, um welche ein großer Streit erwartet wurde. Auch die letzte Beratung des Militäretats ist unter solchen vertraulichen Besprechungen viel schneller verlaufen, als anfänglich erwartet wurde. Verlangte die Reichsregierung i nur einige sich als notwendig herausstellende Verstärkungen von Truppengattungen, so würde darüber wohl bald eine Verständigung erzielt fein. Anders würde sich die Sache allerdings stellen, wenn die Vermehrung der Armee aus 1 Prozent der Bevölkerung verlangt wird. Die Kosten dafür wären bedeutende, und es würde an Widerspruch sicher nicht fehlen, ebensowenig wie er 1881 bei der damaligen Armeefeststellung gefehlt hat. Die Zcnttumspartei, die freisinnige Partei, die Sozialdemokraten re. würden einer solchen Forderung nicht ohne weiteres zustimmen, und diese Parteien sind die Majorität int Reichstage.
Die zweite Sache, um die cs sich dreht, ist die, auf wie lange im Voraus soll die Friedensstärke der Armee bestimmt werden? Die jetzige Ziffer — sieben Jahre — findet Widerspruch, man nennt drei Jahre, auch nur ein Jahr. Diese Frage hat nicht die Bedeutung der ersteren, der Teilten Geldfrage, obgleich voraus zu sehen ist, daß auch sic Staub genug aufwirbelu wird. Einerseits haben sich bei einer längeren Vorausbewilligung noch keine besonderen Nachteile herausgestellt, andererseits wird — bei kürzerer Vorausbestimmung — jeder Deutsche Reichstag,
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die Freifrau ihren stillen Gemächern, ihrem ttaumvollen Dasein entrissen; Ellen Moulders, Frau v. Rospangen, die schöne, stille und bleiche Frau, ward von der jugeudftischen Selma innig und aufrichttg geliebt — war sie doch ihres Erwählten — Williams — Mutter! — Selma hatte ihre Mutier so früh verloren, daß sie sich derselben kaum zu erinnern vermochte, und hing nun mit wahrhaft kindlicher Hingebung an der Mutter ihres Geliebten. Sie verstand es, Herz und Verttauen der einsamen, vergrämten Frau zu gewinnen, indem sie mtt großem Zartgefühl und feinem Takt dahin zu wirken wußte, daß die Freifrau die Stellung einnahm, welche ihr gebührte.
Und auch Herr v. Rospangen ließ sie gewähren, Selma nämlich: war er selbst doch jetzt weit sanfter und nachgiebiger gestimmt, mußte er sich doch sagen, daß er all sein Glück seinen Reichtum unb . . . die Möglichkeit zu sühnen — seiner Frau allein verdankte!
Gewissensbisse und Reue hatten ihn zunächst hart und unmutig gemacht; die Ruhe seiner Seele hatten ihm ja die Millionen Ellens nicht geben können — namentlich nicht, so lange er in Ungewißheit blieb über das Schicksal von Vater, Schwester und Nichte, die er — beraubt, um das zu ihrem Unterhalt Nötige betrogen hatte! Nun erst fühlte er, welch hohen Grad von Dankbarkeit er seiner Gattin schuldete, und er zeigte sich von nun an so liebevoll und freundlich gegen dieselbe wie nie zuvor.
Wie wohl that der Freifrau die Umwandlung im Benehmen ihres Gatten gegen sie.....— Ach, wäre er
doch immer so gewesen: wie anders würde ihr Leben, und das der Ihrigen sich gestaltet haben!
Und wie dankbar fühlte sie sich Selma gegenüber! — Mit der Ankunft dieses freundlichen jungen Mädchens — das hatte die Freifrau bald genug empfunden — war ein ganz anderer, ganz neuer Geist in Hans und Familie ein-
104*,*i ganzem Herzen und im vollsten Umfange und dantte seinemGotte, 104 daß Er ihn das hatte erleben, es ihn möglich werden lassen. Ein ganzes, ansehnliches Vermögen hatte der Freiherr o! " Rospangeu seiner Nichte -gerichtlich verschrieben; die Ge- 100-L ™tfumme betrug den Umfang des Vermögens ihrer Mutter 104 2ius auf Zins pon dem Tage an, an welchem er — wflo v. Rospangen — seines Vermögens dem nimmersatteu !;i «oloch seiner Leidenschaft fürs Hazardspiel geopfert. Sie ivllte von ihm materiell völlig unabhängig sein, nicht zu
Vi Glauben gebracht werden, daß sie von seinen — ihres Oheims — Wohlthaten existieren müsse. Das Bewußtsein, v ~ bie letzte ihn drückende — Schuld der Ehre und *s Gewissens getilgt zu haben, sowett das in seinen Kräften , toub, erleichterte ihn sichtlich und ließ ihn freier und froher achmen.
Auf das mit dem 1. Januar begonnene Abonnement auf die
Oberhessische Zeitung
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Die Militärfrage im Reichstage.
Die Friedensstärke der deutschen Armee ist gesetzlich auf sieben Jahre im voraus festgestellt (bis 1888), dagegen ist bei der letzten Festsetzung derselben die Bestimmung gestrichen worden, nach welcher die Armeeziffer gleich 1 Prozent der Bevölkerung des Deutschen Reiches sein soll. Ter Reichstag wird bald an die Aufgabe herantreten müssen, die fernere Feststellung der Friedensstärke der Armee zu regeln, denn es liegt auf der Hand, daß eine so wichtige- Angelegenheit nicht bis zur letzten Stunde vertagt werben kann. Man nimmt an, baß schon biese Session ber Volksvertretung bie neue Militärvorlage bringen wird, wenn bas auch keineswegs ganz sicher feststeht. Wirb aber bie gegenwärtige Session mit ber Beratung ber Militärfrage verschont, so muß die kommende sich unbedingt damit beschäftigen, die freilich weniger dazu geeignet fein dürfte, als die laufende Session, denn sie ist die letzte vor den Neuwahlen. Besonders deshalb können wir darauf rechnen, daß in diesem Frühjahr die Ncubewilligung der Friedensstärke zur Erörterung gestellt wird; wird bann noch keine Einigung erzielt, so kann die Beratung 1887 sortgesührt werden, und nach der Lage der Verhältnisse ist kaum daran zu denken, daß so schnell eine Verständigung erfolgt.
Es ist ganz außer Frage, daß wir die Sicherung des Friedens zumeist unserer schlagfertigen Armee verdanken. Eine Reihe europäischer Staaten, die große Mehrzahl, ist durch die Friedenspolitik unseres Kaisers und des Deutschen Reiches gewonnen worden, aber wer nicht dadurch zur Aenderung seiner Gesinnung veranlaßt worden, sondern nur auf eine günstige Gelegenheit zum Losschlagen wartet, ;das wissen wir auch. Die Verhältnisse in Frankreich sind momentan viel weniger konsolidiert, als vor einem und zwei Jahren, und wenn es sogar die bekannten Staatsmänner und Parteiführer nicht verschmähen, Deutschland alle Augenblicke beim Wickel zu nehmen, wenn auch in verschämter Form, so können wir von der großen Menge
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