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Marburg, Donnerstag, 7. Januar 1886.

XXI. Jahrgang.

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(OlirrlirffifdK Jritmiii.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonHaasenstein undBogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien, Rudolf Moste in Frankfurt a M, Berlin,M ünchen und Köln; G. L. Daube und Go. in Frankfurt a. M. Berlin, Hannover u.Paris'

Kolb

Zllustricrtcs Lonntagsblatt.

® Kochentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. l>. Kreise Marburg n. Kirchhain.

,l Expedition Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

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verantwortlichen Fürstlichen Berufes mit ungeahnten glück-

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In den Reichskanzler und Präsidenten des Staats- Ministeriums.

lingt, bin Ich von kommunalen und kirchlichen Ver- ä tz e: Kint>eit, von anderen Körperschaften und Kollegien jeder sitz 2,0 lrt, von Vereinen und Anstalten in zum Teil kunstvoll latz 8C lusgestatteten Adressen, sowie von einzelnen Personen in f. Zuschriften, poetischen wie musikalischen Ergüssen und in t Kauf Äegrammen beglückwünscht. Auch in festlichen Veran- ~~ ' laltungen und Versammlungen hat das Gefühl des Volks ur Feier des Gedenktages sich kund gethan; und nicht üben ainder sind Mir aus dem Kreise Meiner ehemaligen Sültigk« men Krieger Beweise der Treue in großer Menge zu- ircctia -ganzen. Solche ungemein zahlreichen Zeugnisse von ______ lnhänglichkeit nnd Verehrung, welche dem Tage die rechte

Veihe geben, erfüllen Mein Herz mit tiefer Erkenntlich- llllll eit und stärken Mich in Meinem hohen Alter zu weiterer - t lusübung Meiner Fürstlichen Pflicht für die Zeit, welche

)iir hienieden noch beschieden sein wird. Aus über- vo'A römendem Herzen danke Ich Allen, Allen, welche Mich 30 md ebenso Meine Gemahlin durch ihre Teilnahme be­bet juckt haben; mit ihnen vereinige Ich Mich in dem ge- i W e »einsamen Wunsche: Gott sei auch ferner mit unserem Kutschen Vaterlande!

Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kennt- ; find« tis zu bringen.

*" Berlin, den 4. Januar 1886.

Wilhelm.

flnrh lche'l Erfolgen zu walten. Unerschöpflich ist Mein Dank 4Ulv ^en den Allmächtigen, der Mich diesen Tag Meines i.) ftgierungs-Jubiläums noch erleben ließ, der Mein ganzes aar 1| »nges Leben hindurch, namentlich in dem letzten Viertel- ustellui »hrhundert, mit Gnade Mich überhäuft, der im wechsel- Men Laufe der Geschicke Meine Königliche Regierung im etl s jnnern wie nach Außen reich gesegnet hat. Was Mich Mm «i der Feier des frohen Ereignisses besonders erhebt, das en' ft das unerschütterliche Vertrauen, die treue, unwandel- kise«. ttte Liebe Meines Volkes, welche Ich bei den vcrschie-

m Se. Majestät der Kaiser und König hat an den Reichskanzler den nachstehenden Allerhöchsten Erlaß gerichtet: *! Als Ich im Januar des Jahres 1861 durch Gottes einem Snabe dazu berufen wurde, den Thron Meiner Väter zu iemeind «steigen, durste Ich bei Meinem schon damals vorge- dabet chrittenen Lebensalter nach menschlicher Berechnung kaum dieses offen, daß Mir eine lange Dauer der Regierung be- inde u Heden sein würde. Jetzt blicke Ich in Gemeinschaft mit Keiner Gemahlin auf eine Reihe von fünfundzwanzig 'Mtiub N)ren zurück, in denen es Mir« vergönnt gewesen ist, mter freud- und leidvollen Erfahrungen Meines schweren

«usten Gelegenheiten so oft erfahren, und welche sich auch HII in dem gegenwärtigen zwiefachen Anlaß des Jahreswende Acten mb Meines Jubiläums wiederum in der mannigfaltigsten . herzlichsten Weise bekundet hat. Richt blos aus Meiner isverka Konarchie, aus dem ganzen deutschen Vaterlande und weit \ iber dessen Grenzen hinaus, soweit die deutsche Zunge

* (mal fttit fiMTimininfpH mth firrftfifhpit

tarbui Heißer Sirr«.

t. 40. v Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

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Dr. Grell wußte sehr wohl, wohin diese Frage in Wirk-

_... Graf Dernburg war nun schon seit mehreren Jahren 102-/°! kkgelmäßiger Sommerbesucher in Bergenau gewesen; sobald ::i Frühling sich etnstellte, kam auch er und blieb so lange 104- s ntt immer möglich. Die schönen grünen Berge mit ihrer 98-/i östlichen Luft so pflegte er zu sagen hatten es ihm ioi3/i igttban: ganz im Stillen und unausgesprochen fühlte er , »dessen die Kraft eines anderen Magnets, der ihn nach dem M dhllischen Badeorte hinzog, wo er sich als Kurgast gerierte, _e§ zu fein.

Herzlich wurde Graf Dernburg von Walter empfangen,

100-/1 tt ihm entgegenging und seine Hand freundschaftlich-kräftig

104-/1 Kttelte.

IOC3// .Also doch uns treu geblieben, lieber Graf!* sagte der

Mso doch uns treu geblieben, lieber Graf!* sagte der »oktor.Das ist brav von Ihnen!"

.Ja, Doctor, am liebsten wäre ich schon auch den Winter 9qR 1 »r hier geblieben, aber Sie behaupteten ja selbst, daß es {, <>%, önschenswert für mich fei, ja notwendig sogar, die Zer- 1 215 kenungen der Großstadt für den Winter zu suchen. Sie 117-/1 tt Arzt müssen ja am besten wissen, was uns armen, (quälten Menschenkindern not thut. Sobald es aber tanfeen grün zu werden anfing, da dachte ich an Bergenau ..... J Wb machte mich ohne Säumen auf die Reise. Da bin ich ___ - in, spät gestern Abend angekommen, und mein erster Be- ,, ich gilt Ihnen, lieber Doktor. Wie ists denn hier den T ^Ie9 Sinter über gegangen? Hat sich im Kreise unser Be- izeig< ernten nichts Neues zugetragen?"

Die preußischen Minister unter König Wilhelm I.

6. November 1858. Ministerium Hohenzollerm Präsi­dent Anton Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen, Inneres: Flottwell; Staatsminifter (ohne Amt): Oberpräsident a. D. Rnd. v. Auerswald; Auswärtiges: Wirkl. Geh. Rat Alex. Frhr. v. Schleinitz; Krieg: Generalleutnant v. Benin, Kommandeur des 7. Armeekorps; Finanzen: Wirkl. Geh. Leg.-Rat a. D. Erasmus Rob. Frhr. v. Patow; Land­wirtschaftliche Angelegenheiten: Rcg.-Präs. Graf v. Pückler; Kultus: Geh. Ober-Reg.-Rat Dr. Max Aug. v. Bethmann- Hollweg; Handel: v. d. Heydt (seit 6. Dezember 1848); Justiz: Ur. Ludwig Simons seit 11. April 1849 (letztere beiden Minister wurden von dem demissionierenden Mini- fterium Manteuffel übernommen).

3. Juli 1859. Maximilian Gräf v. Schwerin-Putzar tritt als Minister des Innern an die Stelle Flottwells.

5. Dezember 1859. Generalleutnant Albr. Th. Emil v. Roon tritt als Kriegsminister an die Stelle v. Bonins (vom 16. April 1861 ab auch Minister der Marine).

17. Dezember 1860. Rücktritt des Justizministers Simons und Berufung des Chefpräsidenten des Appellations­gerichts in Posen Ang. Max Ludwig Heinrich v. Bernuth zum Justizminister.

12. Oktober 1861. Berufung Albr. Grafen v. Bern­storff zum Minister des Auswärtigen an Stelle A. von Schleinitz.

10. März 1862. Genehmigung des Entlassungsgesuchs des Kultusministers Dr. v. Bethrnann - Hollweg.

11. März 1862. Auflösung des Ministeriums Hohen- zollern und Berufung des Prinzen zu Hohenlohe-Ingelfingen, Präsidenten des Herrenhauses, zum Ministerpräsidenten.

18. März 1862. Ministerium Hohenlohe-Ingelfingen. Inneres: v. Jagow; Auswärtiges: Albr. Graf v. Bern- storff (seit 12. Oktober 1861); Krieg: von Roon (seit 5. Dezember 1859); Finanzen: Aug. v. d. Heydt (seit 6. Dezember 1848 Handelsminister); Landwirtschaft: Heinr. Graf von Jtzenplitz (seit Oktober auch Handel); Kultus: Dr. Heinrich v.Mühler; Justiz: Leopold Graf zur Lippe.

20. Mai 1862. Berufung v. Holzbrinks zum Handels­minister bis Oktober 1862.

23. September 1862. Berufung des Gesandten von Bismarck-Schönhausen zum interimistischen Vorsitzenden des Staatsministeriums, Entlaffung des Finanzministers Ang. v. d. Heydt.

3. Oktober 1862. Berufung des Staatsministers a. D. v. Bodelichwingh-Belmede zum Finanzminister.

9. Oktober 1862. Otto v. Bismarck, Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen.

9. Dezember 1862. Definitive Berufung des land­wirtschaftlichen Ministers Heinrich Grafen von Jtzenplitz zum Handelsminister, des Ober - Präsidenten ». Selchow zum landwirtschaftlichen Minister, und des Gesandten Le­gationsrates Friedrich Albrecht Grafen zu Eulenburg zum Minister des Innern.

lichkett zielte: Graf Dernburg war zuerst zu ihm geeilt, um durch ihn Nachrichten über seine Schwägerin Adele von Soden zu erhalten, zu erfahren, ob sie noch dieselbe fei. Walter kannte ja die Liebe des Grafen für Adele, und Dernburg wußte, wie großen Anteil der Doctor an ihm nahm. Mit schlecht verhehlter Unruhe wartete er auf die Antwort.

Nun," erwiderte endlich Walter,wir haben im Ganzen einen recht vergnügten Winter verlebt das heißt meine Frau und ich hier in Bergenau nur dessen zweite Hälfte, da wir nach unserer Vermählung ziemlich lange auf Reisen waren. Uebrigens ist hier so ziemlich Alles beim Alten geblieben: es haben keine Sie, lieber Graf, interessirenden Verlobungen, Sterbefälle und dergleichen stattgefunden, noch hat sich innerhalb Ihres Bekanntenkreises irgend ein nennens­wertes Ereignis zugetragen."

Graf Dernburg atmete auf: Adele war also doch noch frei! So lange sie einem Andern nicht ihr Herz ge­schenkt, durfte er der Hoffnung nicht entsagen.

Meine Schwägerin," fuhr Walter fort,befindet sich schon seit einigen Wochen, einem Versprechen treu, das sie Weihnachten Frau v. Brunner gegeben, bei dieser und ihren Eltern in Recklingen zu Besuch, wird jedoch Ende dieser Woche mit ihrer Freundin und deren Knaben wieder hier eintreffen." *

Der Graf war etwas nachdenklich geworden: seine Ge­danken weilten bei Adele. Er hatte im Laufe des Winters in der Residenz manch, strahlende Schönheit, manch' an- muthige und auch geistvolle Dame kennen gelernt, allein keine von Allen hatten Adele aus seinem Herzen zv ver­drängen vermocht, in welchem diese nach wie vor allem herrschte.

2. Juni 1866. Berufung August Frhrn. v. d. Heydt an Stelle des am 28. Mai desselben Jahres demissionierten Frhrn. v. Bodelschwingh zum Finanzminister. .

5. Dezember 1867. Entlaffung des Justizministers Grafen zur Lippe und Berufung Di. Leonhardts zum Justiz­minister.

1868. Ernennung des Präsidenten des Bundeskanzler­amtesStart. Frdr. Rud. Delbrück zum Mitglied des Staats­ministeriums. *)

26. Oktober 1869. Rücktritt des Finanzministers Frei­herrn v. d. Heydt und Berufung Otto Camphaufens zum Finanzminister.

31. Dezember 1871. Der Kriegsminister Genera von Roon legt die Leitung des Marineministeriums nieder.

22. Januar 1872. Rücktritt des Kultusministers Dr. v. Mühler und Berufung Dr. Falks zum Kultusminister.

1. Januar 1873. Berufung des Generalfeldmarschalls Grafen v. Roon an Stelle des Fürsten v. Bismarck zum Ministerpräsidenten. Generalleutnant von Kameke, in­terimistischer Kriegsminister.

13. Mai 1873. Berufung Dr. Achenbachs an Stelle des zurücktretenden Handelsministers Grafen v. Jtzenplitz zum Handelsminister und interimistischer Minister der land­wirtschaftlichen Angelegenheiten an Stelle v. Selchows.

9. November 1873. Wiederberufung des Fürsten von Bismarck zum Ministerpräsidenten. Ernennung des Finanz­ministers Camphausen zum Vizepräsidenten des Staatsmini­steriums und des Generalleutnants v. Kameke zum defini­tiven Kriegsminister an Stelle des zurücktretenden Feld­marschalls Grafen v. Roon.

19. September 1874. Dr. Friedr. Friedenthal, defini­tiver Landwirtschaftsminister.

1. Juni 1876. Rücktritt des Präsidenten des Reichs­kanzler-Amtes Staatsminister Delbrück.

7. Juni 1876 Ernennung des Präsidenten des Reichskanzleramtes Hofmann und des Staatssekretärs des Ansrvärtigen von Bülow zu Mitgliedern des Staats- minifteriums.

12. Oktober 1877. Der Minister des Innern Friedr. Albr. Graf zn Eulenburg verlangt seine Entlassung.

16. Oktober 1877. Der König lehnt das Entlassungs­gesuch des Grafen zu Eulenburg ab, gewährt demselben aber einen sechsmonatlichen Urlaub und überträgt dem Landwirtschaftsminister Dr Friedenthal die Stellvertretung Eulenburgs als Minister des Innern mit voller Verant­wortlichkeit.

23. März 1878. Rücktritt des Finanzministers Otto Camphansen.

25. März 1878. Rücktritt des Handelsministers Dr. Achenbach.

*) Hi« ist berichtigend zu bemerken, daß der Präsident deS Reichskanzleramtes Delbrück zur angegebenen Zett allerdings den Charakter als preußischer Etaatsmimster erhielt, daß er aber im Staatsministerium weder Sitz noch Stimme hatte.

Ella kam bann auch und bald war die lebhafteste Unter­haltung im Gange. Graf Dernburg fühlte sich überaus wohl im Kreise der lieben guten Menschen und nahm des­halb die Einladung der liebenswüidigen Hausftau, für den Mittag ihr Gast zu bleiben, gern an.

Graf Dernburg war ein feiner Weltmann, außerdem ein gediegener, geistig hochstehender Mensch; fein Umgang, feine Unterhaltung verriethen feine Weltkenntnis, sowie den Denker.

Nachdem der Graf sich einstweilen wieder entfernt, blickten Walter und Ella ihm noch lange nach. Als ihre Augen sich dann wieder begegneten, lächelten Beide; sie errieten ihre Gedanken gegenseitig und diese konzentrierten sich in ihrem gemeinschaftlichen Wünschen und Hoffen.

In dem Hause des Freiherrn v. Rospangen hatte Selma Spaug, die Sängerin, jetzt Baroneffe v. Blankenberg, eine Heimat gesunden, wie sie eine solche sich nie auch in ihren stolzesten Wünschen unb Hoffnungen nicht ge­träumt hatte.

Seit die junge Künstlerin in der Familie des Freiherrn weifte, war ein ganz anderes Leben dort eingezogen. Herr v. Rospangen der Vater war erleichtert von einer Last, die feine Brust lange bedrückt, ihn seines Reich­tums nie hatte recht froh werden lassen; jetzt endlich chatte er Gewißheit über die Geschicke seines Vaters und seiner Schwester, der Baronin v. Blankenberg.

(Fortsetzung folgt.)