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XXI. Jahrgang.

Nr. 1

UNIVERSITÄTS­

BIBLIOTHEK

Illustriertes Sonntagsblatt

Wöchentliche Beilagen: Amtlicher Anzeiger f. d. Kreise Marburg u. Kirchhain. -

Expedition: Marit 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Ang. Koch.

Erscheint täglich außer an Werktagen iucO Sonn und Feiertagen. Quartal- Rbonnements-Breis bei der Expedition 21/* '>"L. bei den Postämter 2 Wk. r O Pfg. lexcl. Bestellgeld). Jnsertions.'ebübr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Reklam n für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte-, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstcin undBogler in Frankfurt a. M , Cassel, Magdeburg und Wien, Rudolf Masse in Frankfurt a M-, Berlin,München und Köln; G. L. Daube und i-'o. in Frankfurt a. M- Berlin, Hannover u.PariS

, Marburg, Freitag, 1. Januar 1886.

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Mit dem 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf die in ihren 21. Jahrgang tretende Oberhessische Zeitung nebst deren Beiblätter

Amtliche Nachrichten für die Kreise Marburg u. Kirchhain und

Illustriertes Sonntagsblatt.

Wir bitten die Bestellungen bei den Postämtern gefälligst bald machen zu wollen, damit in der Uebersen- dung keine Unterbrechung stattfindet. Der Nr. 1 d. I. wird ein Wand­kalender beigefügt.

Der Quartalspreis bei den Post­ämtern betrügt M. 2,50 und Bestell­geld 40 Pfg.

1886.

Wir stehen au der Schwelle des neuen Jahres; eine kurze Frist noch, und sie ist überschritten. Was hinter uns liegt, ist unwiderbringlich dahin, und wn widmen unsere Kräfte nunmehr den kommenden Tagen und den Aufgaben, welche sie bringen. Das verflossene ^ahr war uns ein Lehrmeister und ein Zuchtmeister zuaeich; an weisen Lehren hat cs eben so wenig fehlen lass«, wie an scharfen Mahnungen; daß es nicht gut ist, alles, das ganze Resultat der Arbeit unserer Hände, auf:ine Karte zu setzen. Gar mancher hat es erfahren, dem das letzte Jahr war ungewöhnlich reich an aufregender und schä­digenden Zwischenfällen. Wenn wir jetzt zum Jrhresschluß erfreut konstatieren können, daß alle die drchenden Ge­witterwolken im östentlichen Leben und im Leben der Staaten und Bölker unser deutsches Vaterland nicht so schwer heimgesucht, daß die ganre Nation davor betroffen worden, so giebt das der Erinnerung an 188? einen ver­söhnenden Schimmer. Unruhig und beunrchigend war das Jahr zur Genüge, und wir können nur den Wunsch aussprechen, daß in dieser Beziehung 1886seinem Vor­gänger nicht ähneln möge. Wollen wir hostn, daß das

Neujahr 1886.

Komm, du liebes neue- Jahr, Komm herangeschritten. Mache du uns allen wahr. Was wir uns erbitten.

Doch du kannst ja selbst unS nichts Kannst kein Gut gewähren Unser Vater, Gott des Licht-, Kann nur Glück bescheren, Kann Gesundheit uns verleih'», Leben uns erhalten, Ueberall, jahraus, jahrein. Alles wohl gestalten,

Geben unser täglich Brot, Stärken alle Müden, Retten aus Gefahr und Not» Segnen uns mit Frieden, Trösten, welche traurig find, Lindern Gram und Schmerzen. Gnädig ist er und gelind, Sucht ihn nur von Herzen Darum sollst du, Christ, dich fruen An de- Jahres Schwelle.

Dunkle Nacht wird Gott zerstr-en, Schaffen Tageshelle.

Aus der Nacht zum Licht emp<! Sei der Wahlspruch allen. Dankerfüllt, o Kirchenchor, Laß dein Lied erschallen!

Jung und alt, von Haus zu »u-. Eins ist unS von nölen: Schütten wir die herzen ouS Ruhig in Gebeten!

neue Jahr nicht abermalige Verwicklungen unter den Staaten Europas bringen wird, davon können wir aber überzeugt sein, daß die schwere Arbeit des Ausbaues des Deutschen Reiches andauern, daß sie noch manche heiße Erörterungen herbeiführen wird. Doch das letztere kann die Sicherheit unseres Vaterlandes selbst nicht beeinträch­tigen; mögen die Ansichten noch so verschieden feilt,, noch so weit auseinandergehen, in einem Punkte find wir alle einig, in der Losung:Hie Kaiser und Reich!"

Wenn uns das Jahr 1885 die Erhaltung des Frie­dens gebracht, so verdanken wir das zumeist unserem ehr­würdigen Kaiser, der in seinem hohen Greisenalter noch unermüdet thätig gewesen ist, sein deutsches Volk vor allen Kriegsleiden zu bewahren. Wir haben Anlaß, dem greifen Herrn gerade jetzt zum Jahreswechsel in ganz besonderer Weise zu danken, denn der zweite Tag des neuen Jahres ist ein Ehrentag Kaiser Wilhelms, ein Fest- und Danktag für das preußische Volk nicht nur, nein, für das ganze Deutsche Reich; der zweite Januar ist der Tag, an welchem Kaiser Wilhelm vor 25 Jahren als Nachfolger feines Bruders Friedrich Wilhelm IV. die Regierung des König­reichs Preußen antrat, in einem Alter, in welchem die Menschen gern von den Arbeiten des Lebens ausruhen. Das Jubiläum, welches der Kaiserliche Herr in seiner Anspruchslosigkeit am Sountag, deu 3. Januar, nur in einfacher Weise gefeiert zu sehen wünscht, ist kein preu­ßisches allein; die fünfundzwanzig Jahre der Regierung des Kaisers als König von Preußen fassen die Geschichte von ganz Deutschland in sich, was in ihnen geschehen, sichert dem Monarchen den Dank und die tiefe Hingabe und Treue des ganzen deutschen Volkes. Darum nennen wir mit gutem Recht das preußische Negierungsjubiläum des Kaisers einen deutschen Festtag und daß wir ebenso wie die Angehörigen der deutschen Zunge auf dem ganzen Erdball seiner gedenken, ist nur recht und billig: Kaiser Wilhelm hat das um Deutschland in reichem Maße verdient.

Wir wollen unseren Lesern an dieser Stelle keine historische Uebersicht über dies Vierteljahrhundert deutscher Geschichte geben, welches die Regierung des ersten Hohen- zollern-Kaisers einschließt. Es ist unnötig; die Ereignisse sind zu fest in unseren Herzen eingezeichnet, als daß wir nötig hätten, sie aufzuzählen. Aber das wollen wir sagen, das müssen wir hervorheben, was Deutschland vor 25 Jahren war, was es beute geworden. Zu jener Zeit ein Bündel von Staaten, die einander mit eifersüchtigem Miß­trauen gegenüberstanden im Staatenwesen, das im Ausland vollständig über die Achsel angesehen war, dessen Glieder ihre Nationalität nicht selten sogar verheimlichten. Heute, nach gemeinsamem Kampfe, gemeinsamer Bluttaufe, sind wir Deutsche unbestritten das erste Volk der Erde, aber wir überheben uns dessen nicht, doch freuen wir uns der allgemeinen Achtung, die dem deutschen Namen gezollt

Vtabnt dazu nicht Glockenklang? Still vernehmt das Läuten.

68 geziemt, mit ernstem Gang, Ein ins Jahr zu schreiten.

Frohgestimmt, wie Brauch und Pflicht, Sei da- Herz erhoben!

Aber, wenn das Jahr anbricht. Lasser Lärm und Toben! D.

Es war uns nicht möglich, vor Jahres!chluß noch den Schluß dieses Romans zu bringen, doch wird derselbe nur noch wenige Nummern beanspruchen. Die Red.

Heitzer Siir«.

Roman von Theodor Küster.

(Fortsetzung.)

Sie hatte als Künstlerin keine dornenvolle Bahn zu durchlaufen gehabt, wie die Mehrzahl ihrer Genossinnen; eine sorglich-liebevolle Hand hatte sie so sicher, mit so viel Einsicht auf dem Wege geleitet, ans welchem so manch un- geschütztes junges Talent zum Straucheln, ja zum Falle ge­kommen war, ehe es sich noch hatte entfalten können.

Selma wußte Nichts von den Gefahren, welche junge und schöne Künstlerinnen auf allen Seiten umgeben. Ein glücklicher Stein hatte über ihrem Leben geleuchtet und jeden Schein des Anstoßes von ihrem Pfade entfernt.

Gewaltsam riß sie sich endlich heraus aus diesem Meer von Gedanken und ging nach Reinhards Zimmer, nm ihm zn sagen daß sie nun bereit sei.

Beide sprachen sehr wenig: der bevorstehende Abschied lag schwer auf ihnen. Der ernste Mann half de« jungen Mädchen, die ihm lieb gewordenen Gegenstände meist Geschenke von ihm zusammensuchen und einpacken.

Wenn William nicht wäre, wie würde ich Sie verlassen

wird, sind wir stolz auf die Bewunderung, welche die Mensch­heit unserem Kaiser entgegenbringt. Kaiser Wilhelm, der Sieg­reiche, so hießen wir ihn noch 1870'71; ob ihn aber nicht später der Beiname krönen wird: Der Friedens­schützer? Kaum jemals hat ein Monarch, dem das Schwert so reiche Lorbeeren gebracht, sich eifriger bemüht, zu verhüten, daß von neuem das Schwert zur Herrschaft gelangt. Die Erklärung dafür ist sehr einfach: Nicht seinen Ruhm hat der Kaiser erstrebt, sondern die Wohl­fahrt seines Volkes.

Der Kaiser hat für Deutschland und das deutsche Volk nach bestem Wissen und Willen gesorgt und thättg gear­beitet, ohne Schonung seiner selbst folgt er heute noch allem, was zu unserem Besten dienen kann. Ohne Schonung seiner selbst ist der Kaiser im hohen Greisenalter in das Kriegsgetümmel gezogen, und hat ihn da die Vorsehung bewahrt, daheim auf deutschem Boden haben ihn die Kugeln eines tückischen Mordbuben erreicht. Doch der Kaiser blieb uns erhalten, sichtlich hat Gottes Hand ihn beschirmt; wir aber haben das Bewußtsein, daß auch sein Blut für Deutschland geflqjsen, und das schlingt die Bande zwischen dem ehrwürdigen Herrscher und der deutschen Nation noch enger. Wohin Kaiser Wilhelm gekommen, in Nord- deutschlaud, wie tief im Süden des Reiches, überall sind ihm begeisterte Huldigungen dargebracht, ihm ist der Zoll des Dankes in reichstem Maße gespendet.Hoch unser Kaiser!" so ist es ihm aller Orten entgegengeklungen, und der gleiche Ruf wird im neuen Jahre ertönen, wenn es die Feier des Ehrentages dessen gilt, dem wir die Wieder­errichtung des deutschen Reiches verdanken, der es zu un­geahnter Macht und Herrlichkeit emporgehoben hat. Gerade zum Jahresanfang fällt das Regierungsjubiläum des Kaisers; es soll uns ein gutes Vorzeichen für das neue Jahr sein, eine Bürgschaft des Friedens <unb der friedlichen Arbeit._____________________________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Dez. Der Kaiser widmete sich auch gestern in erfreulicher körperlicher Frische den Regierungs­geschäften, empfing eine Reihe von höherer Offizieren und Beamten und unternahm am Nachmittage eine Spazier­fahrt. Später fand bei den Kaiserlichen Majestäten ein Diner von etwa 30 Gedecken statt, zu dem Einladungen an den Grafen.von Moltke und andere Personen von Distinktion ergangen waren. Zur Jubiläumsfeier des Kaisers werden auch der Prinz und die Prinzessin Albrecht aus Braunschweig in Berlin erwartet. Die Nachricht, daß Prinz Albrecht eine Armee-Inspektion erhalten werde, wird von derKreuzztg." als einemindestens sehr verfrühte Kombination" bezeichnet. Der ..Reichsanzeiger" veröffent­licht folgenden an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz gerichteten und den übrigen Oberpräsidenten abschriftlich mitgeteilten ministeriellen Erlaß: Ew. Excellenz lasse ich

können?! sagte Selma innig, Reinhard beide Hande hin- reichend.

Ich freue mich herzlich und anftichttg Deines Glücks, meine Hebe Selma; aber nun komm, denn Dein Oheim, Deine liebenswürdige Cousine Frieda und Allen voran William werden Dich längst schon sehnsüchtig erwartet haben.

Ein Wagen war vorgefahren, eine mit zwei prächtigen Rappen bespannte Equipage, und der Freiherr mit William entstiegen derselben.

Ah!" rief Reinhard.Dort kommt schon Dein Oheim, Selma und William ist mit ihm!"

Prüfend waren Herrn v. Rospangens Augen auf die jugendlich-liebliche Erscheinung der Künstlerin gerichtet, die bewegt und befangen ihm gegenübertrat. Er erkannte in dem Gesicht Selmas die Züge seiner verewigten Schwester auf den ersten Blick wieder; er mußte sich sagen: )a, fie ist eine Rospangen! ± , n ,

Gerührt umarmte er seine Nichte und sagte herzlich:

Ich danke Gott, daß ich Dich endlich gefunden habe, meine Hebe Selma Dich, das einzige Kind, meiner uu- vergeßllichen, geliebten Schwester! Hätte ich fie und meinen Vater doch auch wiederfinden dürfen! Es nagt mir am Herzen, daß sie Beide so verlassen, so arm und elend sterben mußten.....*

Dann ergriff er Williams Hand und legte die Selmas hinein.

Er wird Dich glücklich machen und wir Sffle wollen Dich lieben und Dich vergessen lassen, waS Du armes Kind selbst hast erdulden müssen in Deiner entbehrungsreichen frühesten Jugend."

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen, lieber Oheim," erwiderte Selma,für Ihre Liebe und Gute; doch diesem edlen Mann danke ich es vor allen Dingen, daß ich mate