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)em bekannten „Tivoli" allabendlich auftrat, hatte nach den Vorstellungen einen wetten Heimweg zurück« zulegen. Sie war eine reizende Erscheinung, und obald sie Abends den Fuß auf die Straße gesetzt >atte, hefteten sich eine Menge „Nachtfalter" an ihre Fersen und jeder trug ihr mit vielen schönen Redensarten Arm und Geleit an. Um diese Gefolgschaft von sich abzuschütteln, versuchte sie Vieles, aber eS half nichts: kein Vermummen, keine beschleunigte Gangart, kein bittendes, kein unwilliges Wort, die Mter der Nacht zeigten eine merkwürdige Beharrlichkeit. BiS an die Hausthur gingen sie mit und schieden erst, als ihnen die Thür vor der Nase zugeschlagen wurde. Diese ewige Bedrängnis ward unserer Sängerin endlich zu lästig. Sie ging ans die Polizei. Dort kam man der Dame sehr freundlich entgegen und versprach ihr Schutz und Hüfe. Es verstrich eine Woche, die Sängerin dachte gar nicht mehr an ihr Hilfsgesuch bei der Polizei, um so weniger, als die Belästigungen nachgelassen hatten. Da ging sie eines Abends wieder heim und ärgerte sich nicht wenig, als ihr dicht auf den Fersen ein Mann folgte. Sie ging rascher, er auch. Sie auf die andere Seite, er auch. Sie blieb stehen, um ihn vorbeizulassen, er blieb auch stehen. Dann ging sie wieder rasch davon, der Mann auch. Jetzt war sie nicht weit von ihrem Hause, aber ihre Geduld war auch zu Ende und wütend drehte sie sich um und versetzte ihrem Verfolger mit dem Griffe ihres Regensschirms einen gewaltigen Schlag ins Gesicht. In demselbm Augenblick ergriff sie entsetzliche Angst über ihre kühne That, und aus Leibeskräften rannte sie davon. Der Unheimliche ihr spornstreichs nach, und er holte sie gerade vor der Hausthür ein, die die Dame vor Herzensangst nicht aufzuschließen vermochte. Zitternd vor Furcht stand sie da, den Regenschirm kampfbereit erhoben. Ihr Schreck löste sich in Beschämung, all der unheimliche Mann höflich seinen Hut zog und lächelnd sagte: „Mein Fräulein! Sie haben mir heute die Ausübung meines Dienstes sehr erschwert. Ich bin nämlich der Geheimpolizist K. und war zu Ihrem Schutze ans Ihre neuliche Bitte bestimmt. In Anbetracht der Gefährlichkeit dieses Amtes und Ihrer erprobten Schlagfertigkeit werde ich um Enthebung von diesem meinem Dienste nachsuchen. Sie sind Manns genug, sich allein zu schützen. Schlafen Sie wohl, mein Fräulein!" Spruchs und verschwand.
— Nme Entdeckungen über die Entstehung der Cholera werden aus Petersburg berichtet: Russische Aerzte haben nach mühevollen Versuchen aus den Ausleerungen der Cholerakranken zwei ganz neue Mikroben ausgeschieden. Weitere Versuche ergaben, daß weder der Kochsche Kommabazillus, noch die beiden anderen Mikroorganismen, von einander getrennt, irgend eine Wirkung ausüben, doch zusammen charakteristische Cholerasymptome erzeugen und den Tod bewirken. Damit wäre auch erklärt, wie die Professoren Pettenkofer und Emmerich in München Reinkulturen der Kommabazillen ohne Nachteil für ihre Gesundheit verschlucken konnte«.
— In den chemischen Fabriken in Uhlenhorst bet Hamburg wütete am Mittwoch eine starke Feuer!« bnmst, welche beträchtlichen Schaden augerichtet hat.
— (Vorsichtig.) Frau: „Aber lieber Otto, welche Idee, heute, wo ich zum ersten Male allein koche, einen Freund von Dir einzuladen I" — Gatte: „Es ist nur der Vorsicht wegen, liebe Elise — er ist nämlich Arzt!"
freigegeben worden, weil die Frau Gräfin, welche rechtlich für die Schulden ihres Mannes nicht aufzukommen braucht, sofort ihr Jnterventtonsrecht geltend gemacht hat, und die Gläubiger eine aussichtslose Klage nicht anstrengen wollen.
— Das Reichsgericht in Leipzig hat die folgende, für das Gebiet der Fleischbeschauung nicht unwichfige Entscheidung getroffen. Der Angeklagte A., welcher als Fleischbeschauer nicht für seinen Wohnort, die Stadt B., sondern für benachbarte Gemeinden gestellt war, hatte auf Ersuchen der Eigentümer in seinem Wohnorte zwei Schweine mikroskopisch und auf Wunsch der Beteiligten die Abstempelung des Fleisches und die Ausstellung der Atteste unterlassen, eine Gebühr für seine Thätigkeit weder gefordert, noch erhalten und die Untersuchung auch nicht in sein Schaubuch eingetragen. Die Strafkammer sprach A. von der Beschuldigung einer Ueber- tretung des § 132 des Strafgesetzbuches frei, welcher Denjenigen mit Strafe bedroht, der unbefugt sich mit der Ausübung eines öffentlichen Amtes befaßt oder eine Handlung vornimmt, welche nur Kraft eines öffentlichen Amtes vorgenommen werden kann. Die hiergegen von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht verworfen. Denn die bloße Untersuchung eines Schweines, ohne daß die Beteiligten eine Abstempelung des Fleisches und ein Attest über den Befund verlangten, müsse als eine nicht verbotene, Jedem erlaubte Thäfigkeit angesehen werden. Aus den Feststellungen der Vorinstanz ergebe sich, daß der Angeklagte nur als Bekannter der Beteiligten die Untersuchung vorgenommen habe und daß Letztere keine amtliche, sondern nur eine private Untersuchung verlangt und Alles abgelehnt hätten, was der Untersuchung den Charakter einer amtlichen hätte geben können. Mit Recht habe daher der Vorderrichter den 8 132 außer Anwendung gelassen und den Angeklagten fteigesprochen.
— Die Heizung der Personenzüge mit Dampf, der durch Schläuche von der Lokomotive aus in die Koupees geleitet wird, bedeutete, wie jeder Reisende an sich erfahren haben wird, einen wesentlichen Fortschritt gegen die ftühere Heizung mit Preßkohlen. Ein Uebelstand war nur, daß bei stärkerer Kälte und langen Zügen der Dampf unterwegs zu sehr abge- kühlt wurde und schließlich nicht mehr ausreichte, die mittleren und letzten Wagen genügend zu erwärmen. Um diesem Mangel zu begegnen, hat die preußische Staatseisenbahnverwaltung versuchsweise besondere Dampfkeffelwagen eingerichtet, die an den Schluß des Zuges gestellt werden, so daß im letzteren der erste Teil von der Lokomottve aus, der letzte Teil vom Dampfkesselwagen aus geheizt wttd. Die Einstellung der Dampfkesselwagen erfolgt, wenn die Außentemperatur auf Minus 10° Celsius gesunken ist. ; Das Publikum hat das Regulieren der Wärme in den Koupees selbst in der Hand. Die in den letzteren angebrachten Vorrichtungen zum Abstellen und zur ; Zuführung der Wärme wirken vorttefflich und fast ' unmittelbar, wenigstens ist man damit im Stande, : sich vor zu großer Wärme unbedingt zu schützen. Die aus den eingangs gedachten Gründen bisher ost i mangelhafte und nicht ausreichende Zuführung von ‘ Wärme wird voraussichtlich durch die neue Einrichtung : der Dampfkesselwagen zu beseitigen sein.
— Aus dem Leben eines dänischen Geheimpolizisten teilt die „Straßb. Post" folgende Geschichte mit. Eine Kopenhagener Sängerin, die in
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertage». — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestülgeldst Jnserationsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.
Zeitung".
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Neu eintretende hiesige Bezieher erhalten da« Blatt bis zum Schlüsse des laufenden Monats unentgeltlich.
Der Nr. 1 des neuen Quartals wird ein hübsch ausgestatteter „Wandkalender für das Jahr 1893" beigefügt werben.
Die Exped. der „Oberheff. Ztg."
Vermischtes.
Berlin, 17. Dezember. Aus dem Leben der Großstadt. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: In der C.-Sttaße, dicht am Dennewitzplatz, wohnte bisher eine verwittwete Frau Baronin v. K., eine sehr schneidige Sportsfteundin, die Aller Augen auf sich lenkte, wenn sie ihren feurigen Traber in einem eleganten „Selbstfahrer" durch die Straßen des Westens oder des Tiergartens dirigierte. Die Frau Baronin ging auf Freiersfüßen und ward als „gute Partte" beurteilt, denn sie besaß selbst ein Haus im fashionablen Westen, das sie indeß nicht selbst
bewohnte. Zunächst warb sich ein höherer Beamter - um die Hand der reizenden Wittwe, aber dieses Ver- ' hältnis zerschlug sich, als der Frau Baronin Aussicht ; wurde, zur Gräfin zu avancieren. Graf D. wurde । — nachdem die beiderseits eingeholten Auskünfte , günstig ausgefallen waren — nach kurzer Bewerbung erklärter Bräutigam. Um den langweiligen Vorbedingungen einer Verehelichung in Deutschland zu entgehen, reiste das Paar nach England und ließ sich dort hauen. Nachdem die jungen Eheleute nach Berlin zurückgekehrt waren, sollte in der Hedwigs- kirche die priesterliche Einsegnung stattfinden und im Anschluß daran ein imposantes Hochzeitsfest in der bisherigen Wohnung der Frau Baronin gefeiert werden. Sei dieser Gelegenheit konnten dann auch die Gäste die stilgerechte Einrichtung der Wohnung bewundern. Ein vierspänniger Hochzeitswagen mit Kutscher und drei gallonierten Dienern, einer neben dem Kutscher, zwei hinten auf dem Tritt, fuhr vor, um das hohe Brautpaar nach der Kttche zu fahren, und dem Brautwagen entsprach der Glanz der Equipagen, deren sich die Hochzeitsgäste bedienten. Nachdem der pompöse Aufzug von der Kirche zurückgekehrt war, nahm die glänzende Hochzeitsgesellschaft in gehobener Stimmung an einer prachtvoll gedeckten Tafel Platz, um das auserlesene Hochzeitsmahl einzunehmen. Da fuhr, wie ein Gerichtsreferent berichtet, gegen 8 Uhr Abends noch ein einzelner Gast vor. Seine „Equipage" war keineswegs glänzend zu nennen, sie sah einem Berliner Möbelwagen verzweifelt ähnlich. Auch das Gewand des verspäteten Gastes war kein hochzeitliches, unter seinem Ueberzieher lugte statt des Fracks ein Dienstrock vor, auf dem Haupte trug er eine Mütze mit einem blauen Sammetrand. Trotz dieser Gewandung erzwang er sich den Eintritt in der Festversammlung. Sein Erscheinen wirkte wie eine explodierende Bombe, und als er sich gar als Gerichtsvollzieher vorstellte und eine auf den Grafen lautende ausgeklagte und sofort vollstteckbare Wechselforderung vorwies, als er ferner erklärte, strikte Ordre zu haben, Alles zu versiegeln und auch sofort abzuholen, da war die ganze Gesellschaft außer Rand und Band. Die Bemühungen der Gäste, durch Zusammenlegen der in ihren Taschen befindlichen Baarbestände den Störenfried los zu werden, scheiterten an der Höhe der Forderung und dem guten Willen oder Können der Gäste. Geld gab es also nicht, der Herr und die Frau Gräfin bewogen schließlich durch Bitten beziehungsweise Thränen den Mann des Gesetzes, mit der Pfändung bis zum nächsten Morgen zu warten. Wie sich darauf die Gesellschaft des Weiteren amüsiert hat, darüber schweigt des Sängers Höflichkett. Am anderen Morgen punkt 8 Uhr war der Gerichtsvollzieher wieder zur Stelle, bis 12 Uhr Mittags hatte er zu pfänden und zu protokollieren, bann wanderten alle die schönen Möbel auf den Wagen. Unterdessen hatten sich auch verschiedene andere Gläubiger ein- : gefunden, denen man sagte, der Herr Graf sei „verreist", ; die Frau Gräfin sei ausgegangen." Die meisten : derselben ließen sich damit abspeisen, nur die Blumeu- : lieferantin nicht, welche den Myrtenkranz und die i Arrangements für die Hochzeitstafel geliefert hatte, i sie drang in die Wohnung, fand dort zwar den Herrn i Grafen, wurde von demselben wegen HauSsriedeus- i bruchs bedroht und hinausgeworfen. Als sämtliche : Räume leer waren, verließ auch der Herr Graf die- i selben, sich ftöstelud in seinen Hohenzollerumantel t hüllend. Die gepfändeten Möbel sind jedoch inzwischen
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«Jet um 1892. mberr
mg, tg) Marburg
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck und Verlag. Joh^ug.^K^ch^Umverstats-Buchdruckern in M r g JMstriertes Sonntagsblatt. Verantwortlicher ^"^n'und^ Expedttwn: Markt 2h 6
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Gediegene Leitartikel und politische Corre- spondenzen werden die Leser der „Ober- hessischen Zeitung" über alle Fragen und Vorgänge von allgemeiner Bedeutung auf dem Laufenden erhalten. Den Vorgängen in unserer Stadt wie in der Provinz und den angrenzenden Landesteilen widmet die „Oberhessische Zeitung" eine besondere Aufmerksamkeit. Der fmilletonistische Teil der „Oberheff. Ztg." bringt interessante Erzählungen von guten Autoren und das „Illustrierte Sonntagsblatt" wird wie bisher den Lesern eine angenehme Unterhaltung bieten.
Inserate finden in keinem anderen täglich Achtung erscheinenden Blatte Oberheffens eine so große Mm. Verbreitung wie durch die „Oberhessische
rni . Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes,
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