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WöchnMiche Bellagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck und Verlag. g^K ^^UnivnstätS-Bu^ruckerei iu Illustriertes Sonntagsblatt. Beiantwortlich« 'SlarSnrg.
M 301.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. —Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Juserationsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Freitag, 23. Dezember 1892.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annonccn-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Mossc in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXVII. Jahrgang.
Zweites Blatt.
Vermischtes.
— Die häufig vorkommenden Petro lenm- «nfälle werden vielfach hauptsächlich dem Ausblasen der Lampe von oben zugeschrieben. Dies trifft jedoch nach dem Ergebnis der auf Antrag der kaiserlichen Normalaichungskommission angestellten behördlichen Ermittelungen nicht zu. Es hat sich herauSgestellt, daß die Exploflouen, die durch das Ausblasen der Lampe von oben infolge plötzlicher Verbrennung von Dampfgemischen im Bassin entstehen, sehr selten find und kaum 1 Prozent aller Unfälle auSmachen. Die meisten Explosionen sind auf äußere Umstände, als Umwerfen, schnelle Bewegung oder Schiefhalten der Lampe u. s. w. und auf eine Ueberhitzung der Lampe zurückzuführen, wodurch sehr leicht eine Entzündung der Dämpfe im Jnnem des Brenners und im Oelbehälter hcrvor- gerufen wird. Nach den Feststellungen der Normal aichungSkommisfion übersteigt schon unter normalen Verhältnissen die Temperatur des Dampfgemisches im Brenner tutb im Oelbehälter die Zimmertemperatur bedeuteud. Um nuu Explosionen vorzubeugen, sind folgende Regeln zu beachten: 1. Die Lampe muß einen breiten und schweren Fuß haben, damit sie nicht umfalle. 2. Die Oelbehälter aus Metall find denen von Glas oder Porzellan vorzuziehen. 3. Der Zylinder muß gut paffen und so aufgesetzt werden, daß die Lust nicht seitwärts an die Flammen gelangen kann. 4. Der Brennring muß fest aufsttzen. 5. Der Docht soll weich und nicht zu dicht sein und eine solche Breite haben, daß er leicht eingezogen werden kann. 6. Der Oelbehälter ist vor dem Gebrauch der Lampe gauz zu füllen und bei der Füllung darf nicht eine brennende Lampe in der Nähe sein. 7. Die Lampe ist stets rein zu halten. 8. Das AuSlöscheu hat nach Hinabdrehen des Dochtes bis zur Höhe des Brenners durch Blasen über den Zylinder hinweg zu erfolgen. 9. Die brennende Lampe ist nicht der Zuglust auszusetzen, also vermeide mau, mit ihr zu gehen.
— Nach einer Hamburger Meldung ist der Dampfer „Platessa" in der Nacht zum Dienstag an den abgehenden britffchen Dampfer „Kingslynn" bet Luhe gerannt und gesunken. Die Mannschaft ist gerettet. Das englische Fahrzeug ist mit einem Loch am Bug nach Hamburg zurückgekehrt.
— In Stettin ist ein Kaufmann Leo Cohn, der erst fett acht Tagen mit der Tochter einer achtbaren Familie verheiratet ist, unter dem Verdacht verhaftet, daß er seine frühere Geliebte habe vergiften wollen, die als Köchin im Hause seiner Eltern bedienstet war.
— Eine deutsche Schuhmacher-Ausstellung, veranstaltet vom Bunde dmtscher Schuhmacher-Innungen in Berlin soll im Juli k. I. daselbst abgehalten werden. Alle Anstagen find z« richten an den Hoflieferanten R. Effer, Berlin C., Alexanderstraße 55.
— Der bekannte Meisterringer Karl Abs hat fich neuerdings einer von seiner bisherigen abweichenden Beschäftigung zugewandt. Er fordert allabendlich das Tierreich in die Schranken, indem er in der Flora zu Hamburg einen 1500 Pfund schweren Elephanten vom Erdboden hebt.
— In Peterwardein ist unter der Mannschaft des 29. Infanterieregiments die Cholera in erschreckender Weise ausgebrochen und richtet große Verheerungen an.
— Auf dem „Glückhilf-Schacht" bei Neustadt stürzten zwei Bergleute infolge Bruch eines Brettes, auf dem fie standen, ca. 100 Meter tief in den Schacht und waren auf der Stelle tot.
— Von der Stettiner Strafkammer wurde der Küster Göttert wegen Unterschlagung kirchlicher Gelder in 20 Fällen zu 9 Monaten Gefängnis und 1 Jahr Ehrverlust verurteilt.
— In Zerbst ist der Stadtrat Rißmann, welcher seit acht Jahren sein Mandat inne hat, verhaftet worden. Er soll 2000 Mk. von der Flurkasse entwendet haben.
— Ein großes Feuer, welches in der Esfinghamstreet in Liverpool ausbrach, vernichtete mehrere fiebenstöckige Waarenmagazine. Der Gesamtschaden beträgt zwei Millionen Mark. Unter Anderem verbrannten 5000 Ballen Baumwolle, 15 000 Sack Mehl und eine große Menge Oelkuchen.
— (Weibliche Postbeamte.) Die fran- zösische Postverwaltung geht damit vor, alle Postämter mit weiblichen Beamten zu besetzen. Dieselben erhalten 800 Fr. Gehalt, sind aber nur 7 Stunden täglich beschäftigt, da zwei Belegschaften fich ablösen. Die Postbeamten, an deren Stelle sie treten, mußten 12—14 Stunden auf dem Posten sein, bezogen 1800 bis 2400 Fr. Gehalt. Die kleinen Poststellen auf dem Lande und in kleinen, die von einer Person besorgt werden können, sind von jeher mit Frauen besetzt, meist Wittwen oder unversorgte Töchter von Beamten und Offizieren.
— 280 Millionen Francs Fidibus.) Die „Nat. Ztg." schreibt: „Zweihundertachtzig Millionen Frcs. passierten am Sonnabend unter dem Geleit mehrerer russischer Beamten auf dem Wege von Paris an das russische Finanzministerium Berlin. Die Kasten wurden in Koupees 1. Klasse mit den Beamten befördert." So meldet ein Berliner Blatt. Die Thatsache ist richtig. Aber es ist vergessen worden, hinzuzufügen, daß diese 280 Mill. Frcs. — es sollen genau nur etwas mehr als 200 gewesen sein — einen wirklichen Wert von altem Zeitungspapier darstellten und fich allenfalls noch zu Fidibussen verwerten lassen. Als s. Z. die russische Anleihe in Paris aufgelegt wurde, kam von dort die Nachricht von einer vielfachen Ueberzeichnung, die darauf folgende Begeisterung war grenzenlos. Hinterher hat sich aber herausgestellt, daß die Ueberzeichnung eitel Schwindel war. Die russische Regierung war gezwungen, etwa 200 Mill, zurückzukaufen, und diese Obligationen nun sind es gewesen, die am Sonnabend durch Berlin kamen.
— (Frauen als Tierärzte.) In Rußland steht gegenwärtig die Zulassung der Frauen zur tier
ärztlichen Praxis auf der Tagesordnung, nachdem weibliche Aerzte schon lange keine Seltenheit mehr im Zarenreiche find. Ein Fräulein Dobrowoilskaja, Tochter eines Grundbesitzers im Gouvernement Cherson, hat unlängst ihre Studien an der tierärztlichen Hochschule in Zürich beendet und hält fich gegenwärtig in Dessa auf, um späterhin ihr Staatsexamen als Tierarzt in Charkow abzulegen. Die Charkower Universttatsbehörde hat fich bereit erklärt, der jungen Dame nach bestandener Prüfung ein Diplom als Tierarzt ausstelleu. Allem Anschein nach wird also Rußland bald einen weiblichen Tierarzt haben.
— Ein Distanzfahren zwischen Wien und Berlin soll im Mai 1893 abgehaltm werden. Jeder Teilnehmer soll aber verpflichtet werden, seinem Pferde eine mindestens achtstündige Ruhe pro Nacht zu gönnen. — So geht die Sache auch schon etwas besser.
Monte-Carlo hat abermals Opfer gefordert. Ein junger Franzose erschoß fich, zwei Bankiers fallierten, nachdem fie über eine Million Francs verloren hatten.
— (Renommage.) „Merkwürdig, der Herr Privaüer geht immer mit zwei Hunden auf die Jagd und nur mit einem kommt er wieder heim!" — „Das ist ganz einfach! Seinen Dackel hat er auf dem Heimweg stets im Rucksack, damit die Leut' glauben sollen, er habe 'was geschossen!"
— (Ich dachte mir's wohl.) Frau (zu ihrem von der Jagd heimkehrenden Mann): „Wie, ohne einen einzigen Hasen kommst Du diesmal? — Sonntagsjäger: „Ich habe Pech gehabt, Anna!" — Frau: „Dachte mir's wohl. Du hast Dein Portemonnaie zu Haus gelassen!"
— (Mißverständnis.) Lehrer: Kennst Du den Abendstern, Moritz?" — Moritz: „Wie haißt? Werd' ich doch kennen meinen Vetter!"
An unsere verehrlichen Abonnenten!
In der im Verlage der Karl SiegiSmund'schen Kunsthandlung erscheinenden „Porträt-Gallerte der regierenden Fürsten und Fürstinnen" find u. a. auch die Porträts
Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm II. radiert von Hentschel,
Ihrer Majestät der Kaiserin Auguste Viktoria radiert von Lindner,
mit den Namenszügen derselben in Facfimtle erschienen.
Die Radierungen, welche uns vorliegen, sind von tadelloser Schönheit, hochkünstlerischem Effekt und größter Porträtähnlichkeit, da die Vorlagen, nach denen die Porträts ausgeführt sind, von den Hohen Herrschaften selbst ausgewählt wurden.
Die „Gallerte", ein Meisterwerk des deutschen Kunstgewerbes, ist vom Könige Karl von Wüttemberg mit der Großen Goldenen Medaille für Kunst und Wiffenschast und jüngst wieder auf der Allgemeinen Ausstellung in Amsterdam durch eine Medaille ausgezeichnet worden.
Die Blattgröße beträgt 37X46 cm.
Wir glaubten nun im Sinne unserer Abonnenten zu handeln, wenn wir uns mit der Verlagsbuchhandlung ins Einvernehmen setzten, wodurch wir nach Herabsetzung des früheren Ladenpreises von Mk. 12.— in der Lage find, den Abnehmern unserer Zeitung diese Kunstblätter zum Preise von nur ä, Mk. 2 — zur Verfügung zu stellen.
Wir machen unsere Leser ans dieses Angebot ganz besonders aufmerksam und bemerken, daß die Blätter in unserer Expedition ausgestellt find, wohin wir auch die Bestellungen zu richten bitten. Bei Versendung nach Auswärts wird das Porto und für Verpackung 25 Pfg. mit dem Verkaufspreis durch die Post nachgenommen.
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