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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in _ *
Frankfutt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVII. SfrUDTCKlItn. Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. v "
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. —Quattal-Abonncments-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (extt. Bestellgelds Jnserationsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Mittwoch. ‘21. Dezember 1893.
Wöchentliche Bellngm: Krris Blatt für die Meise Marburg und Kirchhain.
Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei in Marburg VCVerantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg. Redaktion und Expeditton: Martt 21. Redaktion und Expedstion: Marv 21.
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Erstes Blatt.
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Deutsches Reich
tsdam nach Berlin, wo der Kaiser den Vortrag Reichskanzlers entgegennahm. Am Abend wurde Theater besucht. — lieber das National- enkmal für Kaiser Wilhelm I. in Berlin gt die „Nordd. Allg. Ztg." folgende Mitteilungen, die bisherigen Angaben richttg stellen sollen. An Thatsache, daß der Kaiser vor Kurzem eine neue dellskizze zu dem Nationaldenkmal für Kaiser Helm I. in Augenschein genommen und mit der üeren Durcharbeitung dieses Entwurfs durch Prof, al sich einverstanden erklärt hat, knüpfen ver- edene Zeitungen berests Mutmaßungen über die he der Kosten der ganzen Denkmalsanlage. Da Vorarbeiten über den Entwurf einer Skizze noch t hinausgekommen find, so liegt eS auf der Hand, für eine einigermaßen zuverlässige Kostenberech-
oldenefang die Voraussetzungen noch fehlen. Wenn gleich« ille ac »hl geschrieben wird, daß die Kosten der Ausführung llungei trab 16 Millionen Mark betragen würden, so darf
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Gesuj W. Aerki«, 20. Dezbr. Unser Kaiser arbeitete ich dm «n Montag mit dem Chef des Zivilkabinetts, sowie Veltri «it dem kommandierenden Admiral Frhrn. v. d. Goltz das i mb mit dem Staatssekretär des Reichs-Marineamtes die na Hollmann und den Chef des Marinekabinetts. Am chmittag kamen der Kaiser und die Kaiserin von
nd yoi ies ohne Weiteres als eine ganz ungerechtferttgte Italia Übertreibung bezeichnet werden. Wollte man die en Ie< losten aufgrund der vorliegenden Skizze annähernd nt Ver< schätzen, so würde sicherlich auch nur die Hälfte jener »eichet ßumme nicht erreicht werden. — Der langjährige
Verleihung des Sternes und des Kreuzes der Groß- dmthure des Hausordens von Hohenzollern. — Unter
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ndern. m g$Orfi6 des Staatssekretärs v. Bötticher fand
in un- hochverdiente Unterstaatssekretär im preußischen heilten tinifterium für Landwirtschaft, Dr. v. Marcard, Welt, t gestorben. Der Minister von Heyden widmet dem heilen, nährten Beamten einen sehr warm empfundene» liegen ^ruf. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Wunsch Abberufung des bisherigen deutschen Botschafters in on de-Petersburg, Generals v. Schweinitz unter liehen. * ~ '
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— m Montag im Reichsamt des Innern eine Sitzung es Reichsbank-Kuratoriums statt. — Wie sich jetzt versehen läßt, ist die gesamte deutsche Presse mit üleiniger Ausnahme der ftetfinnigen und demokratischen P Hütter vollständig einig in der Verurteilung des Falles
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Unter -er Königstaune.
Preisgekrönter Roman von M. Th. May.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
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' Freifrau von Balten stand am Fenster des Sloten Zimmers," als ihre Nichte vor dem Schlöffe c edles, tadellos gebautes Pferd von glänzend
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ad einschlug, welcher dicht am Walde entlang hrte, so daß die schöne Reiterin das Schloß zu ter Linken hatte, das mit seinen blinkenden Fenstern «> vergoldeten Dachgiebelspitzen bald ihrem Auge
«schwand.
- Die Freiftau von Balten hatte das Fenster ge- sfnet, gedankenvoll ihrer Nichte nachgeblickt, so Mge diese noch gesehen werden konnte.
Am Portale des Vorgartens hatte die Baroneffe toi, m feinen Kopf gewandt, deffen goldene Lockensülle tzt ein Netz von brauner Seide zusammenhielt und Üte, da Re die Tante bemerkte, grüßend die zier che Reitgerte gesenkt. Dabei streifte die junge Same zufällig die dürren Zweige des Schlehdorns in Gitter und die letzten welken Blätter fielen
warzer Farbe bestieg und, von einem Diener ge- :r zw lgt, quer über den Wiesengrund ritt, der rechts führte das Schloß grenzte und bannjoen schmalen
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ife zu Boden.
„Welkes Laub und welkes Hoffen!" sprach die lte Dame wehmütig vor sich hin, als sie das rnster schloß.
Die Baronesse ritt langsam in den Wald hinein, H dem heute keine leisen, süßen Stimmen erklangen, sie so oft an lichten Sommertagen. Wie gern patte sie sonst vom würzigen Walkeshauch die Traum- estalten ihrer Seele wecken lassen und ein ganzes jauberreich war ihr dann oft entstanden, voll von Duft und Glanz, das freilich auch tnit einem Schlage
Löwe-Boulanger. Der „Neuen Stettiner Zeitung" wird von hier telegraphiert: Wie aus zuverlässiger Quelle gemeldet wird, ist jene Firma, welche schon feit Jahren in Gemeinschaft mit amerikanischen Waffenfabriken fast den gesamten Teil ihrer Fabrikation an Gewehren und sonstigem Kriegsmaterial an Frankreich liefert, die Firma Steinlen in Mülhausen im Elsaß. Wir geben diese Nachricht unter allem Vorbehalt wieder. In dem Fall Löwe-Boulanger handelt es sich nicht um „Gewehre und sonstiges Kriegsmaterial", sondern um Maschinen zur Fabrikation der Lebelgewehre. Jedenfalls wird die Firma Steinlen die Frage wohl aufklären. — Zu der Nachricht, daß es gelungen sei, den Stamm der Bakoko im Süden des Schutzgebiets von Kamerun zu züchtigen, wird weiter mttgeteilt: Die Bakoko, welche mit den Kamerunleuten schon längere Zeit in Un- ftieden lebten, hatten, wie schon ftüher einmal, die Europäer zum Verlassen der Faktoreien genötigt. Die Regierung schickte den Flußdampfer „Soden" mit der Polizeitruppe den Samaga vorauf, während die Duallas in größerer Anzahl Cannes folgten. Die verbündeten Eingeborenen kehrten aber bald nach Verlust einiger Todten zurück und zwar mit der Nachricht, daß die Feinde dem „Soden" durch Hereinschaffen von Baumstämmen in den Fluß den Rückweg abgeschnitten hätten, was sich als falsch erwies. Wenn nun auch die Bakoko bestegt find, so find die Zustände doch weit davon entfernt, befriebigenb zu sein, wenn man sich vergegenwärttgt, daß die Südexpedition nichts erreicht hat, die Bafut frecher als sonst und die Bued- leute immer noch nicht bestraft find. Nach aus Kamerun kommenden Mttteilungen steht das Ansehen der Deutschen daselbst auf noch recht schwachen Füßen, und man giebt die Schuld daran zumteil den dortigen Behörden, welche jeden Versuch von ©eiten der Kolonisten, das Ansehen der Weißen bei den Schwarzen zu heben, durch häufig recht sonderbare Mittel zu vereiteln wissen.
— (Die Stimmung in der Politik.) Der Nationalzeitung entnehmen wir folgende Zeilen: „Bei dem zeitweiligen Niedergange des Handels und der Gewerbethätigkeit ist der politische Pessimismus, diese Influenza des Gemütes, eine durchaus natürliche, ja notwendige Erscheinung. Aus Allem, was geschieht, saugt er seine Nahrung. Die Männer, welche die Leitung der Staatsgeschäste in der Hand haben, erscheinen überall der Not und den Forderungen der Zeit nicht gewachsen. Dasselbe Mißtrauen begegnet ihnen in Rußland, wie in Ungarn und Oesterreich, in Deutschland und England, bi Frankreich, wie Italien. Der Hanptvorwurf, den ihnen der
Pessimismus macht, entspringt weniger aus ben wirklichen Mißgriffen, die sie begangen haben, aus falschen Maßregeln und Unterlassungssünden, als aus ihrer Unfähigkeit, das schlechte Wetter in gutes zu verwandeln. Der Unzuttäglichkeiten und der Gebrechlichkeiten des Irdischen gab es auch genug in unserer großen Zeit von 1866 bis 1880, gerade so viele Börsenkrache, so viele bedenkliche Gründungen, Untersuchungs-Kommisfionen und Verleumdungs-Broschüren, wie jetzt, ober der Grundakkord der Volks- stimmnng war ein mutiger und hoher. In der Freude an der Begründung des Reiches, in bei Arbeit an dem Ausbau seiner Einrichtungen und Gesetze setzten sich die Deutschen, in der Wiederherstellung ihres zusammengebrochenen Vaterlandes sich die Franzosen über die Mängel, Verdrießlichkeiten und liebel des Tages hinweg. Reichlich lohnte damals die Aussicht auf das glänzende Ziel die Mühen des Weges zu ihm. Die Stimmung in der Politik ist wie der Anstatt in der Musik. Sie kann die Natur der Dinge nicht ändern, so wenig wie der Anschlag die Natur des Klaviers, aber sie giebt ihnen die Farbe und den Ton. Wie sie nicht plötzlich über uns hereingebrochen ist, wird die pessimistische Stimmung auch nicht plötzlich durch einen frischen Windhauch verschwinden. Um so notwendiger ist es, sie immer von Neuem bei den Parteien, wie bei den Massen zu bekämpfen. Die Zustände keines Volkes find völlig verzweifelt, wenn wir uns aus der Katastrophe von Jena innerhalb sieben Jahre, wenn die Franzosen sich aus der Niederlage von Sedan und aus dem Aufftande der Pariser Kommune sich innerhalb eines Jahrzehnts erheben konnten, so beweist dies eine Energie des Willens, eine innere, ungebrochene Kraft der Volksseele, welche, sobald sie nur einmal geweckt ist, die gegenwärtigen Hindernisse und Besorgnisse spielend betoältigen müßte. Um ihres Mißmutes und ihrer politischen Abspannung, ihres angeblich heranrückenden Greisentums Herr zu werden, brauchen die Völker nur der Kämpfe, Leiden und Nöten zu gedenken, welche sie glorreich überwunden haben."
Sigmaringe«, 19. Dezbr. Die Hochzeit des Kronprinzen Ferdinand von Rumänien mit der Prinzessin Marie von England, die am 10. Januar in Sigmaringen gefeiert wird, soll ohne Entfaltung größeren Prunkes im engsten Rahmen und Familienkreise abgehalten werden.
Kamvurg, 19. Dezember. Zu Hamburg sind zwei am 12. bezw. 13. d. M. vorgekommene neue Cholerafälle nachttäglich festgestellt worden.
versank, sobald das junge Mädchen aus dem Bann- kreise gelangte.
Ja, heute schwieg der Wald, müde vom gestrigen Sturme. Der Rappe ging mit gesenktem Kopfe vorsichtig Schritt für Schritt auf dem mit Tannennadeln besäeten Boden, den eine spiegelnde Reisschichte noch glätter machte und nur manchmal schüttelte das Pferd seine lange glänzende Mähne, wenn ein paar kleine Tannenmeisen erschreckt über seinem Kopfe hinflogen und sich in den dichten Aesten einer atten Tanne bargen.
Immer enger wurde der Pfad, immer dichter fer Wald und mehr und mehr hob sich der Boden. Auf einzelnen lichten Stellen lagen riesige graue Findlingsblöcke, überwuchert von Moos und wehenden Farren, die kühn ihr Haus auf dem Rücken des Fremdlings gebaut hatten und sich nicht darum kümmerten, daß er finster und trotzig dalag, als grolle er noch feit Jahrtausenden dem Geschicke, daß es ihn wie einen Spielball aus seiner nordischen Heimat auf starrem Eisschiffe hierher geringen hatte, hierher, wo er nie mehr den grellen Ruf des Tauchers, nie das Lachen der Monatt vernahm, nie mehr in erhabener Schöne das Nordlicht flammen fah!
Steiniger, felsiger wurde der Boden und die Pferde kletterten mühsam den schmalen Steig )inauf.
Der Diener war ein wenig zurückgeblieben, in einem Gesichte war die Verwunderung darüber, daß feine junge Gebieterin diesen beschwerlichen Weg zu ihrem Spazierrttte einschlug, sehr deutlich zu lesen.
Die Baronesse kümmerte sich natürlich nicht darum, ob ihr Diener fick wunderte oder nicht, sondern ritt im finsteren Schweigen durch die mächtigen Tannen, bis sie mertte, daß sich der Boden
wieder allmählich zu senken begann. Da hielt sie ihr Pferd an und lauschte.
Wett, weit entfernt klopfte der Specht au die Bäume, daß es laut schallte, der scharfe Schrei eines Raubvogels gellte durch die Luft, der eigentümlich feuchte Duft modernden Mooses stieg vom Boden zu ihr auf, schwer und drückend legte sich der Hauch des Novembers um ihre Schläfe und nun hörte sie auch deutlich das Rieseln und Plätschern des Waldbaches. Sie hatte sich nicht im Wege geirrt, wie gut kannte sie ja die Berge und Wälder ihrer Heimat.
Langsam wendete die Baronesse ihr Pferd nach links und begann nun vorsichtig den sich hier stark nach dem Bache zu senkenden felsigen Boden durchzuklettern.
Nur einzelne Fichten hatten an dieser Stelle ihre Wurzeln tief in den steinernen Leib geschlagen, zumeist jedoch hatten die im Frühjahr häufig niederstürzenden Regengüsse das Erdreich von der Berglehne geschwemmt, die jetzt in der ganzen trostlosen Nacktheit des beginnenden Winters wild und zerklüftet genug aussah.
Die Zügel kurz gefaßt in den feinen und doch so kraftvollen Händen ritt die Baronesse, ohne mit )er Wimper zu zucken, den gefährlichen Abhang hinab; daß der Diener nicht folgte, schien die kühne Reiterin nicht zu bemerken.
Endlich war sie glücklich unten angelangt. Dank ihrem Tiere, das allerdings seit langem an ähnliche Bergtouren gewöhnt, den Weg mit Sicherheit und Vorsicht zu finden wußte. Jetzt stand aber das Tier bis zu den feinen Fesseln in dem krystallklaren Wasser des Rotheimbaches, der hier knapp am Fuße des Berges vorüberschoß. Ein Schlag und das prächtige Tier flog mit einem Satze auf das jensei-
Ausland.
Hesterreich - Ilngarrt Die Wiener Arbeitslosen beginnen eine drohende Sprache anzunehmen. Die Behörden haben umfangreiche Vorsichtsmaßregeln angeordnet. — In Ungarn ist im letzten Betriebsjahr, dem dritten seit Einfiihrung des Zonentarifs, die Zahl der Reisenden auf über 28 Millionen gegen 16 Millionen im ersten Jahre gestiegen. Die Einnahmen haben sich verdoppelt, fteilich nicht der Ueberschuß.
Itakie«. In Rom droht ebenfalls ein politischer Skandal. Wie verlautet, hat eine Revision bei der Banca di Roma bedeutende Unregelmäßigkeiten ergeben, welche den Ausbruch eines politischen Skandales befürchten lassen. Die Regierung beabsichtigt daher, den Gesetzentwurf wegen Neuordnung des Zettelbankwesens zurückzuziehen, um Zeit zu gewinnen. — Garibaldi's Tochter Tereflta, die Frau des Generals Canzio, hat gegen ben Verkauf der Insel Capreva, auf der ihr Vater starb und der von den übrigen Erben mit dem italienischen Staate vereinbart war, Protest erhoben und darin vom Gericht Recht erhalten. — Ein großes fteimaurerisches Festmahl fand in Neapel statt, auf dem in entschiedener Weise gegen die in der letzten päpstlichen Encyllika enthaltenen Ans- fühmngen gegen das Freimanrertum protestiert wurde.
Arankreich. Gegen ein halbes Dutzend Abgeordnete wird Sttafantrag wegen Bestechung erhoben werden. Die verhafteten Verwaltungsräte der Panamagesellschaft find verschiedenen Verhören unterworfen, doch gelangt über den Inhalt derselben selbstverständlich nichts weiter in die Oeffentlichkeit. Haussuchungen haben wiederum bei verschiedenen kompromittierten Personen ftattgefunben. Der Abg. Sirene hat ben früheren Pariser Polizeipräfetten Anbrieux geforbert, weil Letzterer ausgeplaudert, baß Sirene sich hat bestechen lassen. Auch über bie Veröffentlichung des Briefes der Berliner Firma Löwe an Soulanger droht eine Zwistigkeit auszubrechen. Denn da der Brief an Boulanger als Kriegsminister gerichtet war, gehört er selbstverständlich zu den Ministerialattm. Mit großem Nachdruck wird ein Gerücht verbrettet, daß die Regierung, ohne Namen zu nennen, die zeitweilige Aufhebung der Abgeordnetenunverletzlichkett von der Deputiertenkammer fordern werde, um dann gegen alle beschuldigten Parlamentarier ohne besondere Ermächtigung vorgehen zu können. — Der aus Tonttn nach Paris zurückgekehrte General Reste schildert die Lage dort als äußerst gefährlich. Er behauptet, es werde Alles verloren gehen, wenn nicht
tige, zwar schmale, aber ziemlich flache Ufer, wo allerdings wieder mächtiger Wald begann.
Nun erst wandte die Amazone den Kopf und fah mit einer gewissen Genugthuung auf den gefährlichen Weg, den sie zurückgelegt hatte. Und jetzt erst ward ihr die Abwesenheit des Dieners inne. Schon setzte sie eine kleine silberne Pfeife, welche sie an einem Bändchen um den Hals trug, an bie Lippen, um bem Diener die Richtung anzudeuten, wo sie sich befand, aber rasch ließ sie das kleine Instrument fallen. „Er wagt sich doch nicht da herunter," dachte sie, indeß ein geringschätziges Lächeln ihre Lippe hob.
Della wendete ihr Pferd, um den bequemen Reitweg aufzusuchen, der, wie sie wußte, auf diesem Teils der Waldung direkt in den Schloßpark zurückführte. Sie ritt einige Schritte unter den überhängenden Aesten der Tannen und Fichten am Bache entlang, bis sie zu einer kleinen, nach dem Bache zu offenen Lichtung gelangte, in deren Mitte sich eine wahre Riesentanne erhob. Die Baronesse war beim Paß und vor sich hatte sie die Königstanne.
Unter dieser Tanne hatte gestern Strehlen den Direktor Rolf Siegfried getroffen. Das blasse, schöne Gesicht der Baronesse flammte in zornigem Unmut auf; war es doch gerade, als ob es schon in ganz Rotheim keine Stelle mehr gebe, wo sie nicht an den Mann erinnert wurde, durch ben so plötzlich ihr Helles sonniges Leben bunkel unb farblos geworben war, burch ben sie erfahren hatte, was Schmerz und Sorge fei, der die Harmonie ihres glücklichen Familienlebens mit einer schneidenden Dissonanz verstummen gemacht hatte.
Aber war denn ihr Leben wirklich von goldenem Sonnenschein erhellt, war sie wirklich glücklich gewesen? Ist kühle Gleichgültigkeit denn Glück?