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mit den Begriffen von abeiiger Ehre nicht verträgt,
Herr Direktor. Baron Solberg ist der Verlobte meiner einzigen Tochter, das mag Ihnen Beweis sein, wie sehr ich diesen Mann schätze. Daher gestatten Sie wohl, daß wir diese Unterredung abbrechen, deren Zweck ich nicht einzusehen vermag Alle weiteren geschäftlichen Auskünfte wird Ihnen Herr v. Salberg geben, der wohl in spätestens zwei Stunden zurück sein wird."
Der Baron hatte, während er sprach, es konsequent vermieden, den Direktor anzusehen, der so fett und unbeirrt seinen Blick auf ihn gerichtet hielt. Der Schloßherr fühlte sehr gut, daß vor diesem klaren Blick seine stolze Sicherheit nicht Stand gehalten hätte. Jetzt neigte er leicht sein Haupt zum Zeichen, daß Siegfried entlasten fei und schaute dann wie verwundert auf, weßhalb dieser nicht gehe. Der Direktor war aufgestanden, die Stirn, welche sich so drohend gefurcht hatte, als der Baron von illoyalem Vorgehen sprach, war wieder ernst und glatt wie zuvor. „Ich bedauere sehr, Herr Baron," sagte er mit klarer, fester Stimme, daß ich Ihrem Winke, mich zu entfernen, nicht Folge leisten darf. Meine Pflicht verbietet es mir. Ich werde den Auftrag, den ich von Herrn Theodor Schröder erhalten, aus» führen, außer Sie machen es mir unmöglich, was Sie aber nicht thun werden. Herr Theodor Schröder hat mich beauftragt, mir einen möglichst genauen Einblick in Ihren Vermögensstand zu verschaffen und im Falle mir dieser Einblick verwehrt ist würde das Bankhaus sich zu seinem Bedauern genötigt sehen, Ihnen sämtliche Hypotheken zu kündigen."
““ Das klang so ruhig, so gar nicht im Tone der Drohung, aber es lag eine Sicherheit in dieser Voraussagung, welche fürchten ließ, Wort und That würden eins sein.
Erscheint tätlich «her en tttrftegen nach Kenn- enb Aetntegen. — Ouattal-Abomiemeatr-Prei» bei da Grtze- bttiro 9 »L, bei «Ha " ““ “ axl-
Unter der Königs tarne.
Preisgekrönter Roman von M. Th. May.
(Nachdruck verboten.)
(Forifetzuug.)
„Was für Staatsschuldverschreibungen sind das?" fragte der Baron sich mühsam beherrschend, da der Diener eben mit dem gewünschten Buche zurückkam.
„Welche Staatsschuldverschreibungen?" wiederholte Siegfried, als der Diener sich wieder entfernt hatte. „In den letzten zwei Zinsquartalen sind dem Bankhause anstatt der vollen Jnterestensumme in Barem jedesmal von Ihrem Gutsverwalter, dem Herrn Baron Salberg, in Ihrem Namen solche Staatspapiere pfandweise als vorläufige Deckun der Jntereffenschuld eingesandt worden. Der Re war jedesmal in Valuta beigeschlossen. Die Papiere tragen die Nummern 26,501 bis 26,5(8."
Der Baron strich sich wiederholt mit der Hand über die Augen, als trübe etwas seinen hellen Blick. „Die Zinsen find stets in Barem gezahlt worden," sagte er endlich fest: „was man mit diesen Papieren von mir will, begreife ich nicht. Meine Tochter besitzt allerdings 20 Stück solcher Papiere, die sich aber in meiner Verwahrung befinden. Dort in der Wertheimkaste liegen sie. Zu dieser habe nur
ich den Schlüssel."
„Wollen Sie sich vielleicht einmal überzeugen, Herr Baron, ob diese Papiere noch vollzählig vorhanden sind?" sagte Rolf Siegfried und legte feine Hand auf das Hauptbuch, das auf dem Tische lag.
„Nein, Herr Direktor, das werde ich nicht," sagte der Baron und richtete sich stolz auf. „Das wäre ein Akt des größten Mißtrauens gegen meinen Gutsverwalter, den Herrn Baron von Salberg; es wäre ein durchaus unloyales Vorgehen, welches sie)
Der Baron fchrack zusammen. „Sie können jeden Augenblick den gewünschten Einblick gewinnen, falls das dem Herrn Schröder so nötig scheint, ich habe nichts dagegen," sagte er finster. „Salberg wird Sie —"
„Nichts von Herrn Baron Salberg," unterbrach aber der Direktor entschieden. „Mit ihm will und werde ich niemals etwas zu thun haben. Nur Sie, Herr Baron, möchte ich vor jedem Nachteil bewahren und ich hoffe, daß es in meiner Macht steht. Sie werden auch, ich weiß es, um Ihres adeligen Namens und um Ihrer Tochter willen, meine Hilfe nicht zurückweisen, denn wir sind nun einmal so weit, daß höfliche Zurückhaltung ein Versteckenspielen wäre — es steht schlimm um Sie, Herr Baron. Ich bedauere, dies sagen zu wüsten Soll es aber bester werden — und dies ist durchaus nicht möglich — so ist eine erste Bedingung, daß, so lange ich hier bin, Baron Salberg das Schloß nicht betritt."
„Weßhalb?" rief der Baron heftig.
„Weßhalb, Herr Baron? Ich verkehre nicht mit einem Betrüger und Urkundenfälfcher!*
Ein unartikulierter Laut rang sich von ben Lippen des Barons. „Herr, das müsten Sie beweisen," schrie er mit zorngerötetem Gesichte, — „einen Abwesenden zu beschimpfen, ist schmählich."
„Mäßigen Sie sich, Herr Baron, ich bin bereit, jedes meiner Worte zu beweisen, vor wem Sie wollen," entgegnete der Direktor und sein Ton war jetzt von der faltblütigen Ruhe eines Richters gegenüber einem zornigen Angeklagten.
„Die Unterschrift des Briefes, den ich Ihnen zeigte, Herr Baron, war gefälscht, wie diejenige einer ganzen Reche von Briesen an Theodor Schröder. Ich habe sie alle hier, der Inhalt wird Ihnen aut > beweisen, daß Baron Salberg chatsächlich die Schuld
in einer Reichstagskommisfion nach der Lesung im Plenum scheint unerläßlich. — Der Seniorenkonvent beS Reichstages setzte den Beginn der Weih nacht s- :erien auf den 16. Dezember fest, bis zu welchem Termine die ersten Beratungen der Militärvorlage und der Steuervorlage erledigt sein sollen. — Die Vorgänge im Ahlwardt-Prozeß werden naturgemäß viel besprochen. In einer ganzen Reihe von antisemitischen Versammlungen sind Ahlwardt und sein Verteidiger Hertwig sehr gefeiert, den Letzteren will man im Königreich Sachsen bei erster Gelegenheit sogar als Reichstagsabgeordneten aufstellen, während das Verhalten des Gerichtshofes scharfer ftritif unterzogen wird. Von den politischen Parteien sprechen sich Nationalliberale und Freisinnige entschieden gegen Ahlwardt aus, während die konser- vattve Partei bekanntlich eint stärkere Strömung zu Gunsten des Antisemitismus ausweist. — Die Heidelberger Delegierten - Versammlung der nationalliberalen Partei hat bei der Berliner Parteileitung beantragt, daß von der Partei die liberalen Grundsätze wieder auf das Schärfste betont und in den Vordergrund gestellt werden. — Der Londoner Morgenpost zufolge ging dort die Meldung ein, Emin Pascha sei im März am Jiuriflusse von den Manyema getötet worden. Die Meldung rühre von einem Aegypter, namens Awad, her, der mit Emin bei Mosamboni (südlich vom Albert Nyanza) gewesen sei. Seinen Mitteilungen zufolge brach Emin am 9. März mit einigen Manyema nach dem Kongo auf, nachdem er mit einem Araber, namens Kowana, Blutsbrüderschast geschlossen hatte. Der Aegypter verließ sodann Mosamboni, hielt sich aber 28 Tage bei Kitungi, dem obersten Häuptling am Südende des Albert-Nyanza auf. Am 1. April hörte Awad, einige Manyema, die Eifelbein von Mosamboni gekauft, hätten die Nachricht überbracht, Emin und sein ganzes Gefolge wären von den Manyema unter Ismael am Jturi ermordet worden. — Die Expedition der deutschen Koloniallotterie unter dem Befehl des Leutnants Langheld verläßt am 21. Dezember auf dem Reichspostdampfer „Bundesrat" Neapel, um nach Deutsch- Ostaftika zu gehen. Don Bagamoyo aus wird die Expeditton [im Eilmarsch den Viktoria Nyanza zu erreichen suchen.
— (P r e ß st i m m e n.) Zum Prozeß Ahlwardt schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." am Schlüsse eines längeren Artikels: „Darüber dürfen wtt uns nicht täuschen: in dem Entwickelungsgange des Ahl- wardtschen Treibens wie in dem dessen Auswüchse
Antisemittsmus vor den Patteiwagen zu spannen, was zu der Berücksichttgung der Judenftage in dem neuen Programm gefühtt bat. Die dringendste Notwendigkeit lag vielmehr für die Konservativen vor, hier ein klares, offenes Wort zu sprechen. Wir find zwar nicht optimistisch genug, um mit dem Delegierten Dr. Klasing - Bielefeld zu glauben, daß die große Masse nur warte, bis die konservattve Pattei )ie Führung in dem Kampfe gegen den zersetzenden üdischen Einfluß nehme, um bann sofort den Aus- chrtttungen des „reinen" Antisemitismus Halt zu gebieten; aber der jubelnde einmütige Beifall, der jedem Redner zu teil wurde, der diesem Programmpunkte gegenüber sich zustimmend äußerte, und der Umstand, daß auch nicht ein einziger Einwand dagegen laut wurde, bewies haarscharf, daß die Stellungnahme zur Judenfrage geboten war, wenn nicht die konservative Partei Gefahr laufen wollte, sich ihre Anhänger in weiten Schichten des Volkes zu entfremben. Von einem Teil unserer Gesinnungsgenossen im Laube wirb freilich ber Umstand lebhaft bebauert werden, daß der Passus des Programm-Entwurfs, ber sich gegen die Ausschreitungen des Antisemitismus ttchtete, gefallen ist. Allein die abweisende Ktttik aus dem Lager der Parteimitglieder sowohl wie der Gegner, die sich an jenen Punkt knüpfte,. war so treffend, daß der Parteitag mit fast einstimmiger Mehrheit diese Stteichung beschloß. Auch die Abänderung des gegen die Sozialdemokratie gerichteten Satzes im Entwurf kann vielleicht in unserer Pattei hie und da mißverstanden werden. Unrichtig dabei ist aber anzunehmen, daß die sozialdemokratischen gegen Altar und Thron gerichteten Bestrebungen, die man Dank ber bürgerlichen Demokratie heute schon beinahe offiziell als „gleichberechtigt" anerkennt, von uns nicht nach wie vor mit aller Schärfe bekämpft werden würden.
Knufveurn», 11. Dezbr. Btt ber Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Kaufbeuren-Rüdelheim, in ber auch ber bekannte Münchener Preußenfresser Sigl toieber als Kandidat ausgestellt worden war, ist ber Zentrmnskailbibat Stabt gewählt worben.
Ariedeverg, 11. Dezbr. Herr von Bornstebt, ber Landrat von Friedeberg, dem ber Minister des Innern seine ernste Mißbilligung wegen der Unterzeichnung des Wahlaufrufes für Ahlwardt ausgesprochen hat, soll nach der „Staatsb.-Ztg." gegen sich die Einleitung ber Disziplinär - Untersuchung beantragt haben.
nur noch krasser zn Tage förbernben Verlaufe des wider chn eingeleiteten Prozeßverfahrens ist ein Mißtrauen , eine Achtnngsleere und eine Unbotmäßigkeit bemerkt worden, die nicht weiter um sich greifen darf, und der mit Selbstachtung, aber auch mit fester Hand ben Zügel anzulegen Pflicht aller Derer ist, welche es wohl mit unserer Nation meinen, und die sie zum Rechten zu weisen berufen, sei es sich fühlen, sei es Wittlich sind. In diesem Sinne kann der Prozeß Ahlwardt zu einem Gewitter werden, dessen das Land durchfegenden Sturm die Luft reinigen und den gesunden Stan im Volke stärken möge". — Die „Köl n.|31 g." sagt: Die Friedeberger Wahl habe den Freifinnigen einen derben Denkzettel erteilt und fährt bann fort: „Der Radikalismus ist in Deutschland mehr und mehr zu einer Schutztruppe ber schlechten Elemente des Jubenthums geworben; er beschönigt aufs Eifrigste bie Auswüchse in Handel und Gewerbe, die Ausschreitungen ber Börsenspekulation, welche ber Volkstasttakt vorwiegenb ben entarteten Mitgliedern des Judenthums schuld giebt". — lieber den konservativen Parteitag ist bie freisinnige Presse sehr erbittert unb macht u. a. bas „Berliner T age- blatt" seinem Merger in folgenben Worten Lust: „Die sieben Anstänbigen unter ben Teilnehmern an jenem Parteitage werben es hoffentlich bei ihrer Abstimmung nicht betoenben lassen. Unseres Dafürhaltens bleibt ihnen gar nichts Anderes übrig, als aus bfr Gemeinschaft von Politikern und Patteigenoffen auszuscheiben, bie nach ihrer erklärten Zugehörigkeit zu einem Ahlwarbt unb Konsorten baS Recht verwirtt haben, zu ben politischen ©entfernen gezählt zu werben. Mit einer unverhaltenen Schadenfreude sehen wir diesem Selbstvernichtungsvorgange unter den fälschlich konservativ genannten Patteianhängern Ahlwardts zu. Dieser Verwesungsprozeß im sogenannten konservativen Lager wird sich sehr bald im ganzen Lande spürbar machen und es wttd schließlich doch manchen anständig empfindenden konservativen Mann bei dem ekelerregenden Anblick solch eines in Fäulnis übergegangenen Kadavers ein Grauen überkommen vor der Genossenschaft, inmitten welcher er selber bisher sein politisches Leben zugebracht". — Die „Konservative Korresp." giebt zu den auf dem Parteitag gefaßten Beschlüssen folgende Erläuterung: „Außer dem Bestreben jedes einzelnen ber Delegierten, bie Einigkeit unb Geschlossenheit ber konservativen Partei zu wahren, gab dem Parteitage bie Stellungsnahme zur Jubenstage eine besondere Signatur. Es ist nicht Oppottunismus, wie bie Gegner meinen, oder das Bestreben, den populären
Deutsches Reich.
W. Stettin, 12. Dezbr. Unser Kaiser ist am Sonnabend Spätabend von den Hosjagden in Springe im besten Wohlsein wieder im Neuen Palais ttagetroffen. Mit dem Kaiser traf auch Prinz Ludwig von Bayern aus Springe ein. Am Sonntag Vormittag wohnten die kaiserlichen Majestäten dem Gottesdienst in der Potsdamer Friedenskirche bei. Mittags empfing ber Kaiser den Generalstabschef Grafen Schlieffen II. und hatte eine Konferenz mit dem Reichskanzler. Am Nachmittag fand bei ben kaiserlichen Majestäten in ber Jaspisgallcrie _ des Neuen Palais Tafel von einigen 30 Gedecken statt, an welcher der Prinz Ludwig von Bapern, die in Berlin anwesenden fremden Kriegsminister und höhere Militärpersonen teilnahmen. Heute, Montag, gedenkt -der Kaiser einer Einladung des Amtsrates v. Dietze- Barby zur Jagd zu entsprechen. Am Abend erfolgt bann die Weiterreise von Barby nach Neugattersleben zur Jagd. — Die Reichsregierung wird heute Montag, wie es heißt, zur Interpellation Buhl über unser Jnfanteriegewehr int Reichstage erklären lassen, baß auch nach bem Judenflintenyrozeß zu tagend welchen Bedenken gar kein Anlaß vorliegt. Unsere Gewehre find durchaus kriegsbrauchbar. — Die erste Beratung der neuen Mi 1 itärvorla ge im deutschen Reichstage hat auf Grund der Erklärung des bekannten Führers bei Zentrumspartei, des Abg. Frhr. v. Hüne, die Gewißheit gebracht, daß die Militärvorlage so, wie sie heute ist, vom Parlament nicht genehmigt werden wird. Wenn nun aber die Ansicht anstaucht, es werde überhaupt nichts bewilligt, der Reichstag aufgelöst werden, oder gar der Reichskanzler zurücktreten, so schießt das sehr weit über das Ziel hinaus. Im Gegenteil bauern bie Versuche zu einer Verstänbigung fort, unb man meint, sie würben in ber Kommission bald greifbar auftreten. Das Enbe ist noch nicht abzusehen, aber der ruhige Ton, in welchem die Rttchstagsdebatten gefühtt werden, läßt hier und da die Anschauung austauchen, daß wir einer Vereinbarung näher find, als mancher glauben mag. Konfliktsstimmung herrscht nicht im Reichstage und nicht btt der Regierung. — Eine Vorbesprechung von Mitgliedern aller Fraktionen des Reichstags über ben Entwurf eines Auswanderungsgesetzes hat am Sonnabend im Reichstags- gebäube unter Zuziehung von Sachverständigen aus Handel unb Industrie stattgefunden. Die allgemeine Anschauung war, daß der Gesetzentwurf in der vor- gelegten Form unannehmbar sei. Die Umarbeitung
Marburg,
SST«, Dienstag. 13. Dezember 1892.
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etMittb). JnsertionSgebi 10 Bffc, Reklamen
Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Aummeen-Bureaur von Haasensteta u. Vo^er ta yYVTI cyrtferArttirt Frankfurt a. M„ Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf ÄÄV1L Mofse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube m Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
MchevKiche Beilage«: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
....... <. —. ZMstriertes SonntWsblatt. *-1-
Verschreibungen einsandte, von deren Fehlen Sie sich nicht überzeugen wollen. Ich hatte Ihre Schrift oft gesehen, als ich noch in Ihren Diensten stand. Ihre eigentümlich geformten Schriftzüge habe ich nicht vergeffen; ich habe auch noch ein Zeugnis von Ihnen. Als ich die Unterschrift in den Briefen sah, vermißte ich den sicheren Schwung der Züge, nahm eine Lupe, mit der Leute meines Amtes um# zugehen wissen und sah, daß die einzelnen Buchstaben erst mit Bleistift aufs Feinste vorgezogen waren, welchen aber die Tinte für bas bewaffnete Auge nicht immer völlig beckte. Daß bie Staats« papiere, von deren Absendung Sie nichts wissen, Ihnen entwendet worden sind, dessen bin ich ebenfalls sicher; jedes trägt in der oberen Ecke die Buchstaben G. v. R."
Mit einer hastigen Bewegung wandte sich der Baron zu dem Wertfchranke in der Ecke des Zimmers und entnahm einem Fache desselben ttn ziemlich umfangreiches Packet, löste mit zitternden Fingern die blaue Schnur, welches es zusammenhielt und begann die einzelnen, mit dem weißen Halbbogen nach außen einfach gebrochenen Bogen der Wettpapiere zu zählen; es waren 20.
„Es fehlt keines, Herr Direktor," sagte der Baron aufatmend, „zählen Sie selbst."
Der Direktor folgte der Aufforderung, entfaltete aber einen Bogen nach dem andern. Der zweite Bogen samt der Einlage war einfaches, starkes, weißes Papier, ebenso der vierte, der sechste und so fort. „Es fehlen nicht 7, sondern sogar 10 Nummern," sagte ber Direktor.
(Fortsetzung folgt.)