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aus dem Reichstage selbst stammenden Gesetzentwürfen voraus, so daß an eine Beratung dieses Antrages in absehbarer Zeit nicht zu denken ist. Jedenfalls wird die Entscheidung hierüber nicht vor der über die Militärvorlage fallen können. Aber selbst den ganz unwahrscheinlichen Fall vorausgesetzt, daß der Jesuitenantrag vor der Militärvorlage debattiert würde, so ist der Reichskanzler doch durch seine früheren Aeußerungen gebunden. Das bekannte Wort:So lange ich an der Spitze der Reichsregierung zu stehen die Ehre habe, wird in politischen Fragen kein Handelsgeschäft getrieben!", sagt klipp und klar, daß der heutige Reichskanzler dem Jesuitenantrage auch dann nicht zustimmen würde, wenn er die berechtigte Hoffnung hätte, durch dies Zugeständnis die An­nahme der neuen Militärvorlage zu sichern. Militär- Vorlage und Jesuitenantrag muß man also aus­einander halten, sie haben thatsächlich nichts mit einander gemein. Es ist auch schwer, zu erörtern, welches Schicksal der Jesuitenantrag im Reichstage haben wird. Die katholischen Abgeordneten, sowie die Sozialdemokraten werden dafür stimmen, aber die Annahme ist ausgeschlossen, wenn nicht eine große Anzahl von protestantischen Abgeordneten dafür ein­tritt, und hier gehen die Ansichten recht erheblich auseinander. Eine Anzahl der protestantischen Reichstagsmitglieder ist für die Aufhebung des Jesuitengcsetzes, weil sie der Ansicht sind, daß jede Kirchengemeinschaft ihre volle Freiheit haben solle, und weder das Deutsche Reich, noch die evangelische Kirche etwas zu befürchten habe, wenn nun wirklich fünfzig oder hundert Jesuiten nach Deutschland kommen. Die Mehrzahl der protestantischen Abge­ordneten nimmt aber aus dem schon oben erwähnten Grunde eine ablehnende Stellung ein. Im Jntereffe unseres inneren Friedens ist es wohl zu wünschen, daß über den Jesuitenantrag ein entscheidendes Wort gesprochen wird, damit die Angehörigen der beiden Konfessionen wissen, woran sie sind, und nicht Jahr für Jahr um der Jesuiten willen ein neuer Kampf der Geister zu entstehen braucht. Und wir haben s. Z. beim Volksschulgesetz gesehen, daß der Streit um kirchliche und lirchenpolitische Angelegenheiten noch ein viel, viel heftigerer ist, als ein solcher um rein politische Fragen. Daraus entsteht die berechtigte Erwartung, der Reichstag möge in dieser Angelegen­heit gründlich reinen Tisch machen.

Deutsches Reich.

Aerkm, 30. Novbr. Der Kaiser gedenkt

Freitag, den 2. Dezember, Mittags 12^/z Uhr, von der Station Wildpark zum Besuch am sächsischen Hofe nach Dresden abzureisen; die Ankunft in der Königlichen Villa zu Strehlen erfolgt 4 Uhr 5 Min. Nachmittags. Nach Beendigung der Hoftafel ist ein Besuch des Altstädter Hoftheaters geplant, wo der zweite Akt aus Tannhäuser und Cavalleria rusticana zur Aufführung gelangen. Am 3. Dezember, wo größere Jagden im Moritzburger Revier stattfinden, kehrt der Kaiser nach beendetem Jagd-Diner mittelst Sonderzuges von der Station Coswig aus direkt nach Potsdam zurück. Die Kaiserin kam am Montag Abend mit ihrer nächsten Umgebung nach Berlin, wohnte dem Konzerte in der Philharmonie bei und kehrte um IO1/? Ufor mit dem fahrplanmäßigen Zuge wieder nach der Wildparkstation zurück. Prinz Heinrich hat am Montag Abend Berlin wieder verlassen, um mit dem ihn begleitenden Hof­marschall Frhrn. v. Seckendorff vom hiesigen Lehrter Bahnhofe aus nach Kiel zurückzukehren. Die Frau Prinzessin Heinrich verweilte während der letzten Zeit zum Besuch bei der Großherzoglichen Familie in Darmstadt. In diesen Tagen sind, wie diePost" meldet, die Bevollmächtigten des Landgrafen von Hessen hier eingetroffen, um mit den betreffenden Räten des Ministeriums des Königlichen Hauses die Ehepakten für den Bruder des Landgrafen, den Prinzen Friedrich Karl von Hessen, und die Prin­zessin Margarethe zu vereinbaren. Dieser Tage ist Professor v. Angely aus Wien hier eingetroffen, um für die Kaiserin Friedrich das Bild der Prin­zessin Margarethe vor deren Verheiratung zu malen. Der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung für die Vorbereitung einer Wahl des Zweiten B ü r g e r m e i st e r s beschloß mit 11 gegen 2 Stimmen, den Rechtsanwalt Kirschner in Breslau für das Amt vorzuschlagen. DieNordd. Allgem. Ztg." ver­öffentlicht den Wortlaut der Erklärung des Reichs­bankdirektors Hartung auf der Brüsseler Münz- konferenz, worin gegenüber der Behauptung in der Allardschen Denkschrift, daß die Deutsche Reichs­bank sich im Jahre 1888 weigerte, ohne Weiteres in Gold zu zahlen, kategorisch konstatiert wird daß die Deutsche Reichsbank niemals, bei keiner Gelegenheit und unter keinem Vorwande die Einlösung ihrer Noten in Gold verweigerte. DieNordd. Allgem. Ztg." fügt hinzu, es sei zu hoffen, daß mit dieser bündigen Er­klärung das von gewissen Seiten geflissentlich ver­breitete Gerücht, die Reichsbank habe zeitweise Schwierigkeiten gemacht, ihre Noten in Gold einzu­lösen, nun für immer in das Gebiet der Märchen

verwiesen worden sei. Vom deutschen Botschafter in Madrid und dem spanischen Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten ist gestern eine Deklaration wegen Verlängerung des zwischen Deutschland und Spanien bestehenden provisorischen Handels­abkommens auf die Zeit vom 1. Dezember bis 31. März 1893, unterzeichnet worden. Danach genießt während dieser Zeit die spanische Einfuhr in Deutsch­land den deutschen Konventionaltarif, während anderer­seits den deutschen Waren bei der Einfuhr nach der spanischen Halbinsel und den anliegenden Inseln die Gleichstellung mit allen übrigen Ländern und bei der Einfuhr nach Cuba, Puerto Rico und den Philippinen die Gleichstellung mit den übrigen europäischen Ländern gewährt ist.

Die Kommission zur Beratung der Steuerreform-Gesetzentwürfe, und zwar des Gesetzentwurfs wegen Aufhebung direkter Staatssteuern nebst Denkschrift sowie der Entwürfe eines Ergänzungssteuergesetzes und eines Kommunalabgabengesetzes, besteht aus 28 Abgeordneten und hat sich gestern folgendermaßen konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde gewählt der Abg. Freiherr von Huene (Zcntr.), zum Stellvertreter des Vorsitzenden der Abg. Dr. Sattler (nl.), zu Schriftführern die Abgg. von Buch (kons.), Hoeppner (kons.), Dr. Friedberg (nl.), Dr. Krause (nl.), Dr. Bachem (Zentr.), Reichsgraf von und zu Hoensbroech (Zentr.) und Dr. Wuermling (Zentr.). Ferner gehören der Kom­mission an die Abgeordneten: von Bismarck, Frei­herr von Hammerstein, von Jagow, von Kröcher, Lamprecht, Graf zu Limburg - Stirum (kons.); die Abgg. Schladitz, Stengel, von Tiedemann - Bomst, Freiherr von Zedlitz und Neukirch (fteikons.); die Abgg. Dr. Enneccerus, von Eynern, Schoof (nl.); die Abgg. Herold, Dr. Lieber, Sperlich (Zentr.); der Abg. Schroeder (Pole); die Abgg. Broemel und Dr. Meyer - Berlin (dfr.). Der gestrigen ersten Sitzung der Kommission wohnten der Präsident des Staatsministeriums, Minister des Jnnem Graf zu Eulenburg und der Finanzminister Dr. Miquel mit mehreren Kommissarien bei. Auf Vorschlag des Vor­sitzenden Freiherr» von Huene soll zunächst die prinzipielle Frage erörtert werden, ob die ganze Ueberweisung angenommen werden solle; demnächst soll prinzipiell entschieden werden, ob eine Ergänzung in der geforderten Höhe notwendig sei, und dann sollen nacheinander das Vermögenssteuer-, das Ueber- weisungs- und das Kommunalsteuergesetz diskutiert werden. Der Abg. von Eynern (nl.) hatte den Antrag gestellt:Die Kommission wolle beschließen.

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öchenüichr Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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D«ck e» »erleg: Zok» «»,. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei in Marburg ***<& Verantwortlicher Redakteur: Christoph RaulenhauS in Marburg

Redaktion und Expedition: Markt,1. Redaktion und Expedition: Markt 21.

M 282.

«rscheiut täglich außer an Werktagen nach Son», xnb Feiertagen. ORartal-«b«me»eut»-Prei» bei der Erve. Mtien 8 Mk., bei allen PestLnttern 8 Mk. 88 Pfg, (erkl. Bestellgeld). JnsertionrgebWr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile £5 $fgi

Der Jesuiten-Antrag.

Erst die neue Schulvorlage im preußischen Land-

Marburg,

Donnerstag, 1. Dezember 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedttion dieses Blattes, sowie die Annoncen-Buream von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Caffel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. & Daube u. Co. in Frankfutt tu M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVII. Jahrgang.

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>s:

jage zum Beginne dieses Jahres, gegenwärtig die gt)Ie Militärvorlage im Reichstage und in Zukunft btr im Reichstage von der Zentrumspartei eingebrachle gjttrag wegen Aufhebung des Reichsgesetzes, durch Welchen dem Jesuitenorden im deutschen Reiche der Zutritt verwehrt wird, das sind drei politische Fragen, fie, weil sie weit über den Kreis der Politik hinaus- greifen, in zweiten Kreisen der Bevölkerung große Bewegung schon hervorgerufen haben resp. noch Hervorrufen werden. Der Antrag der Zentrums- Partei auf Wiederzulassung des Jesuitenordens in Deutschland ist schon einmal im Reichstage eingebracht Worden, die gleiche Forderung ist auch schon oft in

ange der

Htholikenversammlungen erhoben. Praktische Wirkung hatten bisher weder der Antrag, noch die Forderungen, tarn eine Erörterung darüber halte bis zur Stunde

hu Reichstage nicht stattgefunden. Es ist bekannt, vie bei dem früheren Einbringen des Anttages im

Parlament von katholischer, wie von protestantischer Leite zahlreiche Petitionen an den Reichstag gerichtet

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Müden; von katholischer Seite erbat man die An- uahme des Anttages, von evangelischer Seite protestterte MU dagegen mit der Motivierung, daß die Rückkehr

ingen

hes Jesuitenordens nach Deutschland eine Beleidigung

tat von für die deutsche protestantische Kirche bedeute, wei r. her Zweck und die Aufgabe der Jesuiten die Be-

ih re»

Mpfung des Protestantismus seien. Die Erörterungen über diese Frage waren schon ungemein lebhaft, als

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her Jesuiten-Anttag im Reichstage zurückgenommen Wurde. Graf Caprivi hatte aber damals doch er=

>. klären können, daß, wenn der Reichstag den Anttag

ßf. sind -Buch- (7124 nschaft- sttmmt.

genehmigen sollte, die preußische Regierung im Bundes­rat dagegen stimmen würde. Man nahm damals «, daß der zurückgezogene Jesuiten-Anttag nun für immer verschwinden würde, weil daraus doch nur mue schwere Mißhelligkeiten zwischen den beiden tftiftlichen Kttchen im deutschen Reiche erwachsen

3m Reichstag werden die Anträge aus dem Hause in der

Hessen- Nhenfolge ihrer Einbringung erledigtund demJesuiten- (7125 hgtrage gehen bereits eine ganze Reihe von anderweiteu

bürden. Auf dem diesjährigen deutschen Katholiken­tage in Mainz wurde dann aber augekündigt, daß w der Forderung der Rückkehr der Jesuiten nach stutschland unentwegt werde festgehaten werden und ieser Ankündigung entsprechend ist nun auch der tue Antrag gekommen. Er ist mit der Militärvor- lge in Verbindung gebracht; diese Vermutung lag Üerdings recht nahe, ist aber doch nicht zutteffend.

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Eine unheimliche Ueberraschung.

Humoreske von B C o r o n y.

(Nachdruck verboten.)

An einem wunderschönen Herbftabende lag Herr f ffmann Mopler mit zornrotem Gesicht, halb mächtig in einem Lehnstuhl und war Gegenstand zärtlichsten Fürsorge seiner Gattin, Tochter und &in.

Er hatte eben wieder wie leider schon oft einen erbitterten Streit mit feinem Kommis rrnz Hecht gehabt, sich aber endlich zu einer vßen That aufgerafft und dem Störenfried, der «hrhaft teuflisches Vergnügen darin suchte, chn l ärgern, die Thüre gewiesen. Sieger war er k-mal geblieben aber welch ein Kamps! Welche «sregungen! Die wasserblauen Aeuglein quollen m förmlich aus dem Kopfe und er mußte sich mit «em Zeitungsblatte Lust zufächeln, um nicht noch »chträglich vor Wut zu ersticken.

Sei doch zufrieden, daß;®u den abscheu­chen Menschen los bist," tröftete Rosalinde, seine ettin.

S'is o guat, daß er draußten is!" stimmte ffi, die Köchin, bei, welche durch eine seltsame Ver­jüng von Umständen von Oesterreich nach Treuen- Netzen verschlagen worden war, nachdem ihre Herr- chast, die sich erst in der Reichshauptstadt nieder­sten wollte, es plötzlich vorg^ogen hatte, über das Ker zu schiffen.

Ja, ja Gottlob! Ich bin befreit er­st!" seufzte der Hausherr, tief aufatmend.

Herr Mopler lieber Herr Mopler! Sie ti» doch nicht etwa krank? Soll ich Ihnen viel- jchl in Brausepulver einrühren?" fragte eine Kmme von dem Fenster der im Erdgeschoß ge- Henen Wohnung her.

Vater, Mutter und Tochter schrieen laut aus vor Entrüstung Da wagte der Uiwerf tarnte den Kops in's Zimmer zu stecken und dabei so höhnisch zu lächeln, daß sein von borstigem roten Haar umrahmtes Gesicht wirklich etwas koboldartiges bekam.

Welche Dreistigkeit! Das ist denn doch zu arg! Wollen Sie sich jetzt augenblicklich fort» packen? tönte es wirr durcheinander.

Wann's nöd schau'n, daß weiter kommen, her- nacher hol' i d' Polizei!" schaltete Rest ein.

Ja wohl, meine Herrschaften, ich habe nur etwas vergessen!"

Was denn?"

Meinen verehrten Ches um eine Locke seines Haares als Andenken zu bitten."

Welche Frechheit!" stöhnte Herr Mopler.

Na, so was thät' ich mi nöd amal trauen!" rief die Köchin.

..Sie versagen mir also diese Gabe?" fragte Hecht mit empörendem Hohn.Gut! dann sollen Sie sich überzeugen, daß ich liebenswürdiger bin als Sie, denn ich beabsichtige Ihnen demnächst eine ganz entzückende Ueberraschung zu bereiten Deckenhoch werden Sie springen vor Vergnügen deckenhoch! Ha, ha, ha! Freuen Sie sich nur einst­weilen. Ich halte Wort. Bevor dieses Jahr zu Ende geht, hören Sie von mir."

Er war verschwunden. Frau Rosalinde beeilte ich, das Fenster zu schließen und die Vorhänge zu- suziehen. *

Denken wir nun nicht mehr an dieses Um (ebener!" sagte sie.Die Sache ist abgethan. Suchen wir zu vergessen, daß es jemals einenHecht" ge­geben hat."

Ja, Du hast recht!" stimmte Herr jMopler

bei, welcher sich zu erholen anfing und fügte zu seiner Tochter gewendet hinzu:Hole eine Flasche Punschextrakt, wir wollen heute so recht seelenver­gnügt sein"

Hannchen flog davon, den Befehl zu erfüllen, wechselte aber bei dieser Gelegenheit einige viel­sagende Blicke mit dem jungen Droguisten Paul Frank, d.r in der geöffneten Thür seines Ladens stehend, zärtlich herüber lächelte.

Daß auch der Vater von dem Paul nichts wissen wollte! Daß er sich durchaus den Herrn Amtmann als Schwiegersohn ersehnte, der doch so­gar um fünf Monate älter war als er selbst und so dürr und langbeinig, daß es aussah, als ob er auf zwei Hopfenstangen durch das Leben stelzte. Doch jetzt war nicht der geeignete Moment über die beklagenswerten Verirrungen des väterlichen Ge­schmackes nachzudenken, es hätte sonst leicht ein Donnerwetter bei blauem Himmel setzen können.

Das hübsche Mädchen winkte dem Gegenüber noch einmal grüßend zu und lief bann in die Stube zurück

Bald stand eine herrliche Bowle aus dem Tisch und als wenige Minuten später zu Hannchentz Schrecken Amtmann Lerche eintraf, Hangen die Gläser eifrig aneinander und Herr Mopler kam in so rosige Laune, daß eine zweite und endlich sogar eine dritte Flasche Extrakt geholt wurde und der Jubel etwas bacchanalisches annahm.

Am nächsten Morgen jedoch zeigte der Haus- jerr eine auffallend düstere Stimmung, welche die ©einigen aber auf Rechnung eines Heinen, unschul­digen Katers setzten; denn es ist eine bekannte und unanfechtbare Thatsache, daß solche Tierchen gerne aus den Düften einer wohlgebrauten Bowle her vorzukriechen pflegen.

Allein die Melancholie wollte nicht weichen, sie wurde im Gegenteil schwärzer und schwärzer und endlich geradezu besorgniserregend Das sonst so feiste, in schönster Purpurglut strahlende Gesicht des Herrn Mopler war von fahler Blässe bedeckt, seine trüben Augen erzählten von schlaflosen Nächten und bei jedem noch so unverdächtigen Ge­räusche fuhr er mit entsetzter Miene von seinem Stuhl empor.

Frau Rosalinde beobachtete ihn erst schweigend, aber als Wochen vorüberzogen und der beun­ruhigende Zustand sich immer noch verschlimmerte, hielt sie es doch für dringend geboten, den Ursachen dieses geheimen Grames nachzuforschen.

Lange setzte der mit Fragen Bestürmte seiner Gattin düsteres Schweigen entgegen, doch da sie nicht abließ, in ihn zu bringen, stieß er endlich einen tiefen Seufzer aus und sagte mit hohlklingenber Stimme:

Dieser Hecht bringt mich unter die Erbe."

Um Gotteswillen Theobalb Mann was ist benn neuerdings vorgefallen?" rief die Er­schrockene.

Neuerdings? nichts! Aber erinnerst Du Dich noch der letzten Worte, die dieser Satan in Menschengestalt mir zurief?"

D ja! Es war das albernste, konfuseste Zeug, das ich jemals hörte."

Albernes Zeug? So dachte auch ich an* änglich; doch seitdem ist mir der versteckte, furcht­bare Sinn seiner Rede klar geworden. Er sprach von einer Ueberraschung, die er uns und speziell mir bereiten wollte und fügte hinzu: wir würden noch ehe dieses Jahr um ist, von ihm hören. stosalinde, ich zweifle nicht mehr, baß er einen sin­teren, verabscheuungswürbigen Plan schmiebet und