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WöchenWHe BeUagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
”•Illustriertes SonntagsNatt.
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etwa durchschnittlich 1000 Mark jährlich. Davon
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rt Stelle Hebel damit ausspielen zu können, daß er für den
Zall der Ermäßigung der Gehälter der Redakteure
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tjt Stelle „Vorwärts" deren Uebertritt in das Lager an-
md, daß Herr Liebknecht eine große Familie hat. i, gar mancher Arbeiter ist doch in derselben Lage
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derer Parteien in Aussicht stellte. Nach den Berichten einzelner Blätter hat er eine solche Aussicht ganz unmittelbar eröffnet, aber auch aus dem Berichte des „Vorwärts" läßt sich dieselbe Anschauung mittelbar entnehmen. Das müssen wir denn doch ein starkes Stück nennen. Also, wenn den Herren sozialdemokratischen Führern nicht große Gehälter gezahlt werden, so schwenken sie in andere Lager ab. Was sagen die Arbeiter dazu, welche bisher geglaubt haben, daß die Führer sich aus Ueberzeugung für die Vortrefflichkeit der von ihnen vertretenen Ideen an die Spitze der Sozialdemokratie gestellt haben? Die Führer stellen sich einfach auf den Standpunkt des reinen Geldmannes, der seine Arbeit dem verkauft, der ihm das Meiste zahlt. Wenn also die anderen politischen Parteien den Herren Redakteuren des „Vorwärts" mehr bezahlen wollten, als die letzteren gegenwärtig erhalten, so könnten sie dieselben wohl jetzt schon von der sozialdemokratischen Seite abbringen. Natürlich würden sich andere Parteien bedanken, so unsichere Kantonisten zu sich herüberziehen zu wollen, die, je nachdem ihnen Gehälter geboten werden, heute diesem, morgen jenem dienen möchten. Der sozialdemokratische Parteitag hat einen guten Anfang gehabt. Er hat über die Frage des Geschäftssozialismus das geeignete Licht verbreitet.
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Gegensatz zu verdecken, strengte sich Herr Bebel vergebens an. Was hat er nicht alles herbeigezogen, ttm den Arbeitern das 7000 Mark-Gehalt des Herrn
noch ein Fünkchen Vernunft innewohnt, wird so argumentieren: Ihr Führer, welche die sozialdemokratischen Lehren aufgestellt habt, bezeichnet es in diesen
Bercnlwortlicher Redakteur: <Lyrist„ph Rautenhaui in Marburg Redaktion und Expedition: Markt 21.
Beileidstelegramm gesandt: „Ich spreche Ihnen zu dem Tode Ihres von Mir sehr geschätzten Vaters Mein aufrichtiges Beileid aus. Neues Palais. Wilhelm I. R." — Dem Bundesrat in Berlin ist jetzt auch das Reichshaushaltsgesetz zugegangen. Der Haushalt für 1893/94 balanziert in Einnahme und Ausgabe auf rund 1277 000 000 Mk. Die fortdauernden Ausgaben betragen rund 1 Milliarde 6 Millionen Mk. Die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Voranschlags erreichen eine Höhe von rund 821I2 Mill, und die einmaligen Ausgaben des außerordentlichen Voranschlags betragen rund 188 Mill. Mark. Mit dem Haushalt wird gleichzeitig dem Reichstag, wie in früheren Jahren, ein Anleihegesetz für Zwecke der Armee, der Marine und der Reichseisenbahnen, sowie zur Erhöhung des Betriebsfonds der Reichskaffe zugehen. Die Höhe der Anleihe dürfte sich auf etwa 149 Mill. Mk. belaufen. Wie bereits mitgeteilt, erfolgt auch die Vorlage eines Haushaltsgesetzes für die Schutzgebiete Kamerun, Togo und Südwestafrika, wonach diese Voranschläge balanzieren mit 580 000 bezw. 143 000 und 273 300 Mk. — Auf Grund des Gesetzes betr. die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften muß das Reich die den Lieferungsverbänden der einzelnen Bundesstaaten erwachsenen Kosten erstatten. Zu diesem Zwecke dürfte in den nächstjährigen Etat zum ersten Male eine Summe und zwar in Höhe von 2 Mill, eingestellt werden. — Ein weiterer Fortschritt auf dem Gebiete der Justizverwaltung steht insofern bevor, als die Zuständigkeit der Amtsrichter erweitert werden soll, und zwar namentlich nach der Richtung hin, daß dieselben auch für Klageobjekte über 300 Mark hinaus zuständig sein sollen. Die Grenze soll bis zu 800 Mark hinauf in Aussicht genommen, eine endgtltige Festsetzung in dieser Beziehung aber noch nicht erfolgt sein und erst nach dem Ergebnis der angestellten Erhebungen stattfinden. — Die erste Beratung der neuen preußischen Steuerreformgesetze wird heute Freitag im Abgeordnetenhause beginnen. Die Stellung der Parteien zu den Vorlagen wird also bald in klarer und deutlicher Weise zum Ausdruck kommen, und ebenso, was die Staatsregierung bezüglich der mehrfachen Abänderungswünsche denkt. Die Detailberatung in der Kommission wird ein blutsaures Stück Arbeit werden, aber schließlich wird man doch zur Einigung kommen. — Das preußische Staatsministerium, welches am Mittwoch eine Sitzung abhielt, hat in derselben den Gesetzentwurf betr. die Besserung der Lage der Volksschullehrer an-
Auf dem sozialdemokratischen Parteitage
H als erster Gegenstand von Bedeutung die Krage behandelt worden, ob die Parteiführer die^hohen Gehälter zu Recht bezögen oder nicht. Die voraus
genommen. Der Entwurf geht nun an den Kaiser zur Unterschrift. — In der „Nat.-Ztg." finden sich folgende Zeilen: „In den letzten Tagen sind wiederholt durch ein Preß organ der Volksschullehre r Mitteilungen veröffentlicht worden, wonach Lehrer, welche zur Ausbildung als Ersatzreservisten eingezogen waren, von Offizieren schwer beschimpft worden seien. In allen diesen Fällen werden die krassen Ausdrücke, welche gegen die Lehrer gebraucht seien, wiedergegeben, aber weder die Namen der Letzteren, noch die Truppenteile, bei denen diese Vorgänge sich ereignet haben sollen, genannt, und von den Namen der betr. Offiziere werden nur die Anfangsbuchstaben mitgeteilt. Wir finden dieses ganze Verfahren, sowohl der angeblich beschimpften Lehrer, als ihres Organs, höchst verfehlt. Von einem Lehrer kann man verlangen, daß er, entweder alsbald oder dock spätestens nach Beendigung des Ersatzreservisten - Dienstes den Weg der Beschwerde betrete. Es ist wiederholt und nachdrücklich von den höchsten Stellen der Heeresleitung aus erklärt worden, daß Ausschreitungen von Vorgesetzten gegen Untergebene auf das Strengste geahndet werden sollen; aber dazu gehört, daß dienstliche Beschwerde erhoben wftd, und es scheint unS wenig würdig von gebildeten Leuten, diese zu unterlassen und dafür hinterher in der Presse in der oben geschilderten Art Klage zu führen".
— Das großartigste Schwindelunternehmen der Neuzeit. Aus Paris wird über daS Wiederaufnehmen der Versuche mit dem Panamakanalprojekt geschrieben: Es bedarf kaum des Nachweises, daß der Panamakanal das großartigste, ungeheuerlichste Schwindelunternehmen ist, das wir in unserer, hierin so reichen Zeit zu verzeichnen haben. Und doch wird jetzt der Plan einer Neuherstellung des Panamaunternehmens veröffentlicht. Der Vizepräsident der Pariser Handelskammer, Hielard, ist dessen Urheber und führt dabei aus: Verfügbare Mittel sind etwa 50 Millionen vorhanden, in Aktien der Panamabahn und in dem Restbestand der noch nicht begebenen Schuldscheine, die jedoch schwer flüssig zu machen sind. Dem stehen 321 Mill. Schulden gegenüber für die ausgegebenen Schuldscheine. Der Kanal mit Schleusen kann aber binnen 8 Jahren hergestellt werden. Hierzu sind noch 160 Mill. Kosten und Zinsen zu rechnen, so daß im Ganzen 645 Mill, erforderlich sind. Ein Drittel dieser Summe genügt, um die zwei zuerst notwendigen Aufgaben zu erledigen: Durchstich des Culebragebirges und Bewältigung der Wasser des Chagres. Wenn die neue Gesellschaft diese Arbeiten vollbringt, so kann sie sich dann mit
geradezu auffälliger Weise gegen die von Euch lbst gepredigten Lehren. Ihr müßt deshalb mit uren Gehältern heruntergehen. So haben auch ne Vereine gedacht, welche die Anträge auf Ver- ingerung der Parteigehälter gestellt haben. Jedoch ie Herren Führer wollen nur in der Theorie mit en Arbeitern gleich gestellt sein, in der Praxis wollen e es mit der vielgeschmähten Wirtschaftsordnung er „Bourgeois" halten. Um diesen auffälligen
Deutsches Reich.
W. Aerlm, 18. Novbr. Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen am Mittwoch Nachmittag eine Spazierfahrt in der Umgegend von Potsdam. Am Abend sahen die kaiserlichen Majestäten den Oberstleutnant im Kriegsministerium v. Schele, den Leutnant der Schutztruppe in Ostafrika v. Tettenborn, und den Professor v. Helmholtz rc. als Gäste bei sich zur Tafel. Am Donnerstag Vormittag konferierte der Kaiser mit dem Kriegsminister von Kaltenborn, nahm Vorträge entgegen und arbeitete mit dem Chef des Militärkabinetts worauf der ncu- ernannte württembergische Milttärbevollmächtige am Berliner Hofe, v. Matter, die Ehre des Empfanges hatte. Am Nachmittag empfing der Kaiser im Neuen Palais den aus Paris eingetroffenen Großfürsten Wladimir von Rußland. Am Abend fand Tafel statt, an welcher auch das russische Botschafterpaar teilnahmen. Heute, Freitag, gedenkt sich der Kaiser mit dem Großfürsten Wladimir zur Teilnahme an Hofjagden nach der Göhrde zu begeben. — Der Kaiser hat an die Hinterbliebenen des verstorbenen Bürgermeisters Dr. Petersen von Hamburg folgendes
«d muß mit seinem weit niedrigeren Einkommen teil nichtMskommen. Den besten Trumpf aber glaubte Herr
als erstrebenswertes Ziel, wenn sämtliche Arbeit als (689! gleichwertig bewachtet würde und Jedem ohne Unter« mber: schied seiner Stellung der gleiche Anteil an den Ge- mßgütern znfiele. Nun erhalten wir gegenwärtig
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Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXV11. ^C(11)10(1110 Masse in Frankfurt a. M., Berlin, Dlünchen u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
geben wir einen beträchtlichen Teil an die Partei ab.
Hiervon werdet Ihr Führer bezahlt, Wenn Ihr v. Mosel! nun Gehälter in Höhe von 7000 Mark und -------- ' "6er aus diesen Mitteln festsetzt, so verstoßt Ihr
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bezüglichen Anträge, deren wir schon früher Er- Vähnung thaten, waren zwar noch nicht auf die Tagesordnung gestellt, die Führer fühlten jedoch wohl heraus, daß hier der schwächste Punkt ihrer Stellung liegt und daß sie deshalb Oel in die in Bewegung geratenden Wellen zu gießen bemüht sein müßten. Uhr, i Deshalb hat Herr Bebel bei der ersten Gelegenheit (688 Herm Liebknecht und die Redakteure des „Vorwärts"
wegen der von diesen bezogenen Gehälter in Schutz genommen und erwartet von diesen natürlich den gleichen Gegendienst. Jedoch Herr Bebel wird mit seinen Ausführungen auf denkende Arbeiter keinen Eindruck machen. Jeder Arbeiter, welchem auch nur
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Roman von Jenny Piorkowska (Nachdruck verboten-j (Fortsetzung.)
. Veronika bedenke, was es für ein Schlag für atharine sein wird! Er wird sie töten," sagte Lady Landon. Ein heftiges Zittern umspielte ihre Lippen. £)u kennst auch meine Familie, die Valdoraines, lcht. Sie sind das stolzeste Geschlecht in ganz ngland; ich wage nicht, daran zu denken, was sie >gen und thun werden, wenn sie hören, daß meine iochter enterbt ist. Ich darf ihnen nie wieder be- )gnen. O, ich wünschte, ich wäre gestorben, bevor | das erleben mußte "
i Sie barg das Gesicht in ihre Hände, während konifa sie teilnahmsvoll betrachtete. „Arme l/iharine," .fuhr Lady Brandon nach einer Pause t , „so glücklich im Gedanken an die Zukunft und k i so furchtbar enttäuscht! Mein armes Kind, \ mit habe ich das verdient! Ich bin mein ganzes f >en hindurch meinem Gatten eine gute, treue Frau swefen. Wird Katharine ihren Vater darum hassen rd die Erinnerung an ihn verwünschen?"
„Nein, dafür ist sie zu edel," erwiderte
103i, l^eronika.
77s/ $I „Haben Sie vergessen, was er am Abend vor 801/8 Einern Tode zu ihr sprach?"
96i/, I „Nein, ich hab' es nicht vergessen, aber Veronika, 100-/8 sich kann es ihr nicht sagen, ich kann es um alles 396V» |n der Welt nicht- Sie hat ihr ganzes Leben hindurch
-keinen Kummer, keine Sorge gehabt Wie kann 945/* ?ch, ihre eigene Mutter, zu ihr gehen und ihr sagen, 1011/* Daß sie und ich in dem Hause, das wir als unser
„Sie vergessen, daß Lord Walton sie nicht verlassen wird," entgegnete Veronika sanft.
„O nein, das vergesse ich nicht, darin sehe ich nur neuen Kummer. Ich weiß, daß er sie liebt, aber feine Angehörigen sind stolz; sie werden sich seiner Verbindung mit einer enterbten Braut widersetzen. Sie wird mit ihrem Vermögen auch ihren Verlobten verlieren. Ach Veronika, ich kann es nicht ertragen!" Und sie trat näher an das Mädchen heran. „Du liebst sie, Veronika. Ich weiß, daß Du sie liebst, — ich habe es Dich oftmals sagen hören Du sagtest — ja, ich entsinne mich der Worte — Du würdest Dein Leben für sie hingeben, wenn es nötig fein sollte, weil sie die Erste war, die Dir Liebe entgegenbrachte. Du sagtest, Dn wolltest zwischen sie und jede Sorge treten, ein Pfeil, der ihrem Herzen bestimmt sei, solle erst das Deine durchbohren. Das sagtest Du, Veronika."
Lady Brandon trat ihr noch einen Schritt näher Veronika schien es, als ob eine Ohnmacht ihre Sinne zu umnachten drohte. „Sie braucht Dein Leben nicht, Veronika, selbst wenn Du es ihr geben wolltest, es könnte ihr zu nichts helfen. Willst Du ihr von Nutzen sein, wie Du einst versprachest? Willst Du, daß der für sie bestimmte Pfeil Dein Herz verwunde?"
„Ja," antwortete Veronika, „Sie wissen, daß ich es will."
„Willst Du ihre Jugend, ihre Liebe, ihre Hoffnung schonen? Willst Du ihr das bisherige Glück bewahren? Willst Du ihr treu und aufrichtig dienen, wie Du es einst sagtest?"
„Ja," wiederholte das Mädchen.
Lady Brandon neigte ihr Antlitz zu dem Veronika's hinab- „Du willst das alles thun?" flüsterte sie mit vor Aufregung zitternder Stimme,
„bann Veronika, verbrenne das Testament, — verbrenne es und bewahre dos Geheimnis bis zu Deinem Tode."
Veronika trat bleich und zitternd einen Schritt zurück. „Das Testament verbrennen!" wiederholte sie mit matter Stimme. „Das können Sie nicht von mir wollen! Wie könnte ich das wagen?" Das junge Mädchen vermochte sich kaum zu fassen; ein solcher Gedanke war ihr nicht gekommen. „Das Testament verbrennen!" wiederholte sie träumerisch. „O, Lady Brandon, alles will ich thun — nur das nicht!"
„Du kannst es, wenn Du es willst," erklärte Lady Brandon hastig. „Wer weiß davon außer Dir und mir? Niemand. Wer kennt das Ge. heimnis außer uns Beiden? Niemand. O, Veronika, wenn Du Deinem Versprechen, Deinem Worte treu bleiben willst, so verbrenne das Testament und vergiß es!"
„Aber das wäre den Wünschen des Verstorbenen zuwider gehandelt!" sagte Veronika; „mir ist, als wäre ich nicht meine eigene Herrin- Muß ich meines Vaters Befehlen, seinen Wünschen, nicht gehorchen? Muß ich nicht all' seine Pläne und Absichten ausführen?"
Lady Brandon stand hoch aufgerichtet vor ihr; ihre Züge sprachen beredt von der Leidenschaft ihrer Worte. „Veronika, hege keine Bedenken, habe keine Zweifel. Bist Du um Katharinens, um ihrer Liebe willen dieses großen Opfers fähig? Es ist ein großes Opfer, ich weiß es wohl. Hast Du die Großmut, den Edelmut dazu? Du sagtest, Du würdest freudig für sie sterben, für meinen schönen Liebling Du solltest ihr Dein Leben weihen und könntest ihr dennoch dieses versagen?"
„Ich bin überrascht und verwirrt," erwiderte
Veronika „und weiß nicht, was ich Ihnen antworten soll."
„Komm' mit mir," sprach Lady Brandon, „geh' leise, Veronika. Katharine schläft, komm' folge mir."
Und beide Frauen verließen mit einander Veronika's Zimmer- Lady Brandon schritt voran, auf Katharinens Boudoir zu; leise öffnete sie die Thür und beide traten in das Gemach ein.
Katharine hatte die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden Sir Jasper's überwältigt. Der Tod ihres Vaters war der erste Kummer in ihrem Leben, die erste Wolke, die jemals ihren Himmel getrübt hatte, der erste Schmerz, der ihren Augen heiße Thränen entströmen ließ.
Erschöpft vom vielen Weinen hatte sie sich auf ihr Lager niedergelassen und war vor Ermattung eingeschlafen. Ihr goldblondes Haar lag in malerischer Unordnung auf den Kiffen, der eine weiße, runde Arm war um ihren Kopf geschlungen und selbst im tiefen Schlafe entrangen sich ihren zitternden Lippen schwere Seufzer. Das junge Mädchen befand sich in einem Zustande zu großer Abspannung, als daß irgend ein Laut in der Nähe sie gestört haben würde. Lady Brandon ergriff Veronika's Hand und führte sie an das Lager.
„Sieh," sprach sie, „sieh, Veronika, wie jung und wie schön, wie unschuldig und hflflos sie ist. Bedenke, wie alles sie von jeher geschützt und geliebt hat; überliefere sie nicht der Erbarmungslosigkeit der kalten Welt. Veronika, wenn Du über dieser zarten, weißen Brust ein Schwert hängen sähest, Du würdest es bei Seite schleudern. Schaue sie an, Veronika. Noch hat keine bange Ahnung ihr das ganze Unglück zugeflüstert, das ihr bevorsteht. Willst Du sie wecken, um ihr zu sagen, daß Du