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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

- *te-: Illustriertes Sonntagsblatt. -6-

M 269.

«rschriut täglich außer au toerttagen muh S»m»» Fei«t«grrk Quartal-AbsmiementS-PrtiS bei der Expe- bitten 8 SRt, bei alten Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionggebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg

Marburg,

Mittwoch, 16. November 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Amwncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in _ _

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXVII. 5t(1111(1 (111(1.

Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. *O *7

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

weil man nicht glaubt, daß Kaiser Alexander soweit seine früheren selbstherrlichen Anschauungen verleugnen wird, um mit einer radikalen Republik in aller Form zu paktieren. Man meint deshalb, daß es sich nur um einen neuen Versuch handelt, die französischen Geldkreise dahin zu beeinflussen, daß sie Rußland einen weiteren Kredit gewähren. Es fehlt freilich in Petersburg wie in Paris nicht an Bemühungen, einen festen Vertragsabschluß zwischen den beiden Staaten zu Stande zu bringen, und wenn Kaiser Alexander auch den besten Willen haben, nicht zu Allem zu beeinflussen sein mag, daß er zu Manchem bestimmt werden kann, was für unwahrscheinlich ge­halten worden ist, hat die Geschichte der letzten Jahre bewiesen. Der Umstand, daß der russische Kronprinz zur Zeit dem Kaiser Franz Joseph in Wien einen Besuch abstattet, straft noch nicht die anderweitigen Meldungen Lügen. Es ist bekannt, daß zur selben Zeit, wo der Zar dem deutschen Kaiser in Kiel einen Besuch abstattete, er in demonstrativer Weise einen russischen Großfürsten nach Nancy schickte, als der Präsident Carnot dort anwesend war. Jedenfalls würde es also von Bedeutung sein. Authentisches darüber, wie Rußland und Frankreich heute zu einander stehen, zu hören.

Deutsches Reich.

W. ZLerli«, 15. Novbr. Am Montag Vormittag kamen der Kaiser und die Kaiserin von Pots­dam nach Berlin und begaben sich sofort nach dem Palais der Kaiserin Friedrich, um daselbst die Kaiserin Friedrich, welche von ihrer Reise nach Italien wieder zurückgekehrt war, zu begrüßen. Demnächst begaben sich die kaiserlichen Majestäten ins königliche Schloß, woselbst der Kaiser die Vorträge des Chefs des Zivilkabinets und die Marinevorträge entgegennahm und die Präsidenten des preußischen Landtags empfing. Sodann kehrten der Kaiser und die Kaiserin nach Potsdam zurück und statteten dem Prinzen Friedrich Leopold auf Jagdschloß Glienicke zu seinem Geburts­tage einen Gratulationsbesuch ab und nahmen an der zur Feier des Tages veranstalteten Tafel teil. Am Nachmittag reiste Se. Majestät mittels Sonderzuges von Potsdam aus über Magdeburg und Halberstadt nach Wernigerode, um, einer Einladung des Fürsten Otto zu Stollberg-Wemigerode entsprechend, an den von demselben veranstalteten großen Jagden teil­zunehmen. In Wernigerode, woselbst die Ankunft Abends 6 Uhr erfolgte, wurde dem Kaiser ein glänzender Empfang zu Teil. Heute, Dienstag Abend

wird die Rückreise nach Potsdam erfolgen. Empfang der Präsidenten der beiden Häuser des preußischen Landtags durch den Kaiser. Die Präsidien beider Häuser des preußischen Land- tags wurden am Montag Mittag 12 Uhr im Ber­liner Schlosse vom Kaiser empfangen. Vom Abge­ordnetenhause waren die Herren v. Köller, Frhr. v. Heeremann und v. Benda, vom Herrenhause nur die Vizepräsidenten Frhr. v. Manteuffel und Ober­bürgermeister Bötticher-Magdeburg erschienen, da der Herzog von Ratibor noch durch Krankheit ans Zimmer gefesselt ist. Der Kaiser erkundigte sich sehr teil­nahmsvoll nach dem Befinden des Herzogs und gab der Erwartung Ausdruck, daß die parlamentarischen Arbeiten insbesondere betreffs der Reform der Steuer­gesetzgebung, guten Fortgang nehmen würden. Der Landtag sei ja mit Rücksicht auf diese schwierige Auf­gabe in diesem Jahre besonders früh berufen worden. Unmittelbar nach der Audienz beim Kaiser wurden die Herren auch von der Kaiserin empfangen. Wie derReichsanzeiger vernimmt, bestebt die Absicht, dem Reichstag sogleich nach seinem Zusammentritt den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen, wodurch die dem Bundesrat erteilte Ermächtigung zur Gewährung des deutschen Vertrags-Zolltarifs an nicht meistbegünstigte Staaten bis zum 1. April 1893 verlängert wird. Die Einführung der mitteleuropäischen Zeit erfolgt, wie nun­mehr feststeht, auch im äußeren Dienste der preußi­schen Staatsbahnen am 1. April 1893. Von diesem Zeitpunkte werden also die gegenwärtigen, auf Ortszeit lautenden Winter - Fahrpläne und Kurs­bücher hinfällig und müssen durch neue, auf mitteleuropäische Zeit lautende ersetzt werden. Dem Bundesrat in Berlin ist ein Antrag Bayerns in Gestalt eines Gesetzentwurfes zugegangen, welcher die Abänderung der Gewerbeordnung in Bezug auf den Hausierhandel bezweckt und nicht un­erhebliche Beschränkungen desselben anstrebt. Folgendes sind die wichtigsten Bestimmungen des Antrags: Der Hausierschein, der für die Dauer des Kalenderjahres erteilt wird, berechtigt den Inhaber, sein Gewerbe im Umherziehen im Bezirke derjenigen Behörden zu be­treiben, die den Wandergewerbeschein erteilt hat. Zur Ausdehnung des Wandergewerbescheins auf einen anderen Bezirk ist die Zustimmung der zuständige« Behörde des anderen Bezirks erforderlich. Die Aus­stellung der Scheine kann auf kürzere Zeit als für das Kalenderjahr oder für bestimmte Tage desselben erfolgen. Soweit das Feilbieten von geistigen Ge­tränken im Falle besonderen Bedürfnisses vorüber-

Wie stehen Beide zu einander?

Es liegt auf der Hand, daß die Betrachtungen zber die neue Militärvorlage einen nicht unwesentlich anderen Charakter annehmen würden, wenn sich plötzlich bewahrheitete, was von Paris aus schon so häufig als ein heißer Wunsch ausgesprochen ist, wenn zwischen Rußland und Frankreich ein garz bestimmtes Schutz- und Trutzbündnis abgeschlossen würde. Eine solche Allianz würde ein ganz anderes Bild gewähren, als beispielsweise diejenige, welche zwischen dem deutschen Reiche und Oesterreich - Ungarn besteht. Dieser Unterschied würde selbst in dem Falle vor­handen sein, daß als Ziel der russisch-französischen Lerbindung die Erhaltung des Friedens und des heute bestehenden europäischen Gleichgewichtes ange­geben würde. Der Grund, weshalb die Verhältnisse im letzteren Fall ganz anders liegen würden, als im ersteren, ist leicht zu erkennen, ja sofort auch für einen Jeden zu erkennen, der sich nicht fortdauernd mit politischen Haarspaltereien beschäftigt. Im deutsch- österreichischen Bündnis herrscht eine unbedingte, i. vollständige Harmonie. Da steht nicht nur auf dem Papier, daß der Bund ein Friedensbund ist, daß er allenfalls nur der Verteidigung gegen einen frevlen Angriff dienen soll, mehr noch, da wollen die Monarchen, die Regierungen, die Völker allesamt und ohne Neben­gedanken nur den Frieden, nichts anderes, als die Sicherung der friedlichen Arbeit. Diese durch keinerlei Einwand geschmälerte, durch nichts Fremdes gestörte Harmonie der Fürsten, Regierungen und Völker ist, es, welche dem Friedensbunde seine rechte Kraft, seinen Vertretern ein wuchtiges Ansehen verleiht. Ganz anders aber stellen sich die Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich dar, ganz anders würde die Bedeutung eines Bündnisses zwischen diesen beiden Staaten zu erklären sein, auch wenn dies Bündnis ebenfalls den Namen Friedensbund haben sollte. Daß Kaiser Alexander II. von Rußland den Frieden haben will, sagt Fürst Bismarck, der mit dem Zaren wiederholte vertrauliche Unterredungen gehabt hat, heute noch und wir wollen ihm glauben. Hingegen find die Bemühungen Fürst Bismarcks während der letzten Jahre seiner Reichskanzlerschaft, zwischen Deutschland und Rußland wieder ein engeres Ver­hältnis herzustellen, durchaus erfolglos geblieben und es ist auch unter seinem Nachfolger in dieser Hinsicht teinerlei bessere Wirkung erzielt. Fürst Bismarck hat schon gesagt:Wir laufen Niemanden nach!" und diese mit Bezug auf Rußland gesprochenen Worte müssen dem Zarenreiche gegenüber der Leitfaden für

die deutsche Politik bleiben. Den Präsidenten Carnol das Oberhaupt der französischen Republik, hat mai lange Zeit hindurch einen Träger des Friedens ge nannt; seine diesjährigen Reisereden haben bewiesen daß der Präsident von der Revanchelust auch nich mehr frei ist und jedenfalls wird er sich nicht gege den Krieg stemmen, wenn das französische Volk bei Krieg will. In den beiderseitigen Regierungen sin neben friedliebenden Ministern solche, die für bei Krieg nicht blos arbeiten, sonbern auch im Geheimei agitieren. Die Namen der betreffenben Herren sin kein Geheimnis, man kann sie aber unausgesprochei lassen, ba bas Faktum auch so ein unerschütter liches ist. Daß bie russische Armee sehr viele Kriegs fanatiker zählt, ist nur zu bekannt unb auch in de französischen Armee sind sie nicht geringer, wenngleit im Allgemeinen die französischen Offiziere fich doc nicht solche tollen Reben herausgenommen haben, wi ihre russischen Kameraben. Unb nun bie beibei Völker! J Es giebt viele Russen, welche in ben Deutschen ben Quell alles Unheils sehen, es gieb viele Franzosen, bie nicht leben können, ohne burd Wort und Schrift gegen Deutschland zu hetzen Neben diesen Tollköpfen giebt es noch sehr viele be sonnene, friedliebende Rusfen und Franzosen, denn die Exzentrizitäten ihrer Landsleute ein Greuel sind die aber nichts sagen, und auch nichts sagen können wenn sie nicht den tollen Mob auf ihre Fersen ge­hetzt sehen wollen, unb bie in jebem Falle außei Staube sinb, gegen einen Krieg zu protestieren, wem bieser von ber exaltierten Zahl ihrer Lanbsleut- herbeigeführt werben sollte. So liegen bie Ding in Wahrheit. Unb was bedeutete also einFriedens bündnis" zwischen Frankreich und Rußland ? Gar nichts denn es wären keinerlei wirksame Garantieen dafür vor Händen, daß das unverbrüchlich für alle Zeiten ge halten würde, was heute auf dem Papier steht. In Gegenteil würde ein solcher Bund den friedensfeind lichen Elementen Oberwasser geben, sie zu vermehrtei Thätigkeit anspornen, den Frieden zu brechen. Au beiden Seiten hätte man ja dann eine gewisse Bürg schäft dafür, daß ein Krieg nicht Kopf uni Kragen kosten könnte, wenn er nicht bis aufs Messer durchgeführt wäre. Von Paris aus wird augenblicklich in ganz bestimmtem Tone bii Melbmig verbreitet, in Petersburg sei bie Unter­zeichnung eines Protokolls erfolgt, unter welcher Bebingnngen Frankreich unb Rußlanb ein Bündnis abschließen könnten. Von Paris aus ist bieser An­gabe ebensowenig wiebersprochen, wie von Petersburg, aber trotzdem wird sie für unbegründet gehalten,

Veronika.

Roman von Jenny Piorkowska

(Nachdruck o erboten.]

(Sortierung.)

Sie werden England noch lieben lernen, Veronika," sprach Carcyll-Ich liebe es schon jetzt," entgegnete sie;ich möchte fast an einen geheimnis­vollen Zauber glauben, weshalb mein Herz sich so pl demselben hingezogen fühlt. Mir kommt Eng­land jetzt schon mehr wie eine Heimat vor, als Venedig."

Er sah sie mit seinen strahlenden Augen finffchend an.So werden Sie sich nicht mehr nach Venedig zuriicksehnen? Sie würden gern ihr ganzes Leben in England bleiben?" Sie erhob ihr schönes Antlitz; ihre dunklen Augen blickten nach dem blauen winterlichen Nachthimmel, auf die stille, schneebedeckte Erde, auf die wunderlichen Schatten, die der Mond durch die Bäume warf und dann »andte sie sich zu Sir Marc.

Hiernach würde mir Venedig wie ein Gefängnis vorkommen," sagte sie; und als sie das sagte, wun­derte sie sich, weshalb er so erfreut aussah.Ich wünschte, Sie könnten mein Daheim sehen;" be. werkte er,ich glaube, es ist noch schöner, als Schloß Brandon, es steht mitten im Suffex. Nicht wett davon ist die See und in weiter Ferne zur Rechten erstreckt sich eine Hügelkette, hinter welcher die Sonne allabendlich rotgolden untergeht. Ich liebe meine Heimat leidenschastlich."

Sie schwieg und er fuhr fort:Und da lebe ich, Miß Veronika, ganz allein. Können Sie sich das vorstellen? Ich habe keine Mutter, keine Schwester. Ich habe eine große Dienerschaft, bin aber recht Einsam. Meinem Hause fehlt, was die Dichter einen Engel nennen."

Was heißt das?" fragte Veronika.In ein­fachen Worten: eine Gattin," entgegnete er unb ihr schönes Antlitz senkte sich vor seinem Blick. Ihr Herz Hopfte bang, eine seltsame Empfindung schien ihre ungeduldige Seele zu durchzittern.Ich muß Sie verlassen," sagte sie hastig,ich bin überzeugt, daß Katharine mich sucht."

Wohin Sie auch gehen, ich folge Ihnen," er­klärte Sir Marc und er hielt Wort. Er war stets in ihrer Nähe. Veronika befand sich in einer neuen, seltsamen Stimmung. Sie war geliebt, wie ie es stets gewünscht, geträumt hatte und doch war is ihr, als ständen ihr in Zukunft schwere Prüfungen bevor.

6. Kapitel.

Für Veronika brach ein neues Leben an, ein herrliches, glückliches, hoffnungsvolles Leben voll Poesie und Romantik. Woher kam es, daß sie vom Morgen bis Abend und vom Abend bis zum Morgen nur ein Gedanke erfüllte, an Marc Carcyll? Weihnachten war vorüber und der Frühling hatte sich eingestellt. Die Lust war milde und von Blumenduft durchwürzt, aber Sir Jasper hatte nur ein wenig von der früheren Kraft wieder gewonnen. Die Aerzte wollten nicht erlauben, daß er seine Äheren Pflichten wieder aufnehme. Wenn er dem 'eben erhalten bleiben wollte, müßte er sich völlige Ruhe gönnen.

Vergebens widersetzte sich der thätige, energische Staatsmann diesem Verlangen des Arztes, aber bald äh er selbst die dringende Notwendigkeit hierfür ein. Und nun erkannte er auch, daß Lord Wal­ton chm von großem Nutzen sein konnte. Der- elbe war nach Hnrstwood zurückgekehrt und hatte eine Antrittsrede gehalten, die zu jedermanns Ver­

wunderung ein wahres Meisterstück von Beredsam­keit gewesen.

Sir Jasper übertrug einige seiner Pflichten dem jungen Politiker, dem man eine große Zukunft prophezeite. Der Baron war sehr erfreut darüber. Es hatte ihn oft bekümmert, daß er keinen Sohn besaß, der ihm in seinen Ehrenämtern folgen würde; er liebte den braven jungen Edelmann, mit dem Katharinens ganzes Glück so eng verbunden war. Wenn ihn jetzt traurige Gedanken beschlichen, so tröstete er sich damit, daß er einen Nachfolger haben würde. Er bestand darauf, daß Lady Brandon mit Veronika und Katharine während der Saison wenigstens auf einige Zeit nach London gehe und nichts erfreute ihn mehr, als er bald nach der Abreise der Damen bereits in den Briefen feiner Gemahlin von Vero- nika's Triumphen und Erfolgen lesen konnte.

Das Mädchen kann heiraten, wen sie will," chrieb Lady Brandon:Ihre wunderbare Schön- )eit läßt sie der Verehrung aller teilhaftig werden, aber sie scheint an keinem ein besonderes Interesse zu nehmen."

Veronika war urplötzlich wie ein lichter Stern am Himmel der Londoner Saison aufgetaucht. Ihre eltsame Schönheit, wie die bezaubernde Anmut und die herrliche Stimme, die ihr eigen war, hatten rasch aller Aufmerksamkeit auf sie gezogen. Jeder mann bewunderte sie.

Lady Brandon war erst wenige Wochen in ber Stadt, als sie bereits wieder daran dachte, nach Schloß Brandon zurückzukehren. Sir Jasper's Be- indm war nicht besser und man hielt es für ratsam, ätzen Arzt zu Rate zu ziehen. Sie kehrten wieder jeim und beim Anblick feiner beiden Töchter schien Sir Jasper's Kraft sich von neuem zu beleben. Die wenigen Wochen in ber Stabt hatten Veronika

auffallenb verschönert, sie hatten ihr eine vollen­dete Eleganz verliehen, bie nur ber Verkehr mit ber vornehmsten Gesellschaft hervorbringen kann. Ihr Aufenthalt in ber Stabt hatte ihr nicht so große Freube gemacht, weil Sir Marc fern war. Die Saison hatte nur wenig Anziehungskraft für ihn. Er war kein großer Freunb von Gesellschaften; eine Reise nach Norwegen hatte mehr Reiz für ihn, als eine Saison in London. Er hatte ge­schrieben, er gedenke im Juli oder August durch Hustwood zu kommen und würde sehr gerne ein paar Tage dort zubringen, worauf Sir Jasper, der wohl ahnen mochte, was ihn nach dem Schlosse zog, ihm mit einer sehr liebenswürdigen Einladung antwortete. In der Aussicht auf diesen Besuch war Veronika gegen alle ihr dargebrachten Huldigungen völlig gleichgiltig.

In Sir Jasper tobte noch immer ber alte bittere Kampf. Was sollte er thun? Immer neue Zweifel unb Befürchtungen folterten fein Herz. Kaum eine Stunde am Tage verging, wo er nicht wieder unb roieber all' feine Gründe unb Besorg­nisse burchbachte.

Was er auch that, eine von ihnen mußte bar- unter leiben. Sollte es Katharine sein, bas schöne, muntere Kinb, ber Sprößling ber flohen Val- üoraines ober Veronika, die mit ben Augen feiner oten Giulia zu ihm ausblickte? Welche von beiden ollte es fein? Gern hätte er fein Leben hinge­geben, um sie beide glücklich zu sehen. Endlich hatte er einen raschen Entschluß gefaßt und ausgeführt. Er hatte einen fremden Advokaten kommen lassen und ein anderes Testament aufgesetzt, in welchem er Mi Geheimnis von Veronikas Geburt entdeckte unb ihr Schloß Brandon und Hnrstwood hinterließ.

Der Gedanke an das Vorhandensein eines solchen