MchM MM itC, Wöchenttichk Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck lmd Verlag: Joh» Aug. Koch, Umverfitär^Buchdruckerei m Marburg. AÄÜflt'H" Verantwortlicher Redakteur: Christoph RautenhauS in Marburg
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Marburg,
Mittwoch, 9. November 1892.
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W. Merlin, 8. Novbr. Der Kaiser und die Kaiserin sind am Montag Morgen von der Wildparkstation aus über Berlin und vom dortigen Stettiner Bahnhofe aus um 9 Uhr mittels Sonder- zages nach Stettin gereist, wo die Ankunft um 11 Uhr Vormittags erfolgte. Auf dem Bahnhofe wurden die kaiserlichen Majestäten vom Oberpräsidenten von Puttkamer und dem Geh. Kommerzienrat Schlutow empfangen. Sodann wurde die Fahrt nach der Werft des „Vulkan" mittels Dampfer angetreten, woselbst der Kaiser und die Kaiserin von den Direktoren begrüßt wurden und gemeinschaftlich längere Zeit die „Hohenzollern", ferner den Aviso und den Panzer „Brandenburg" besichtigten. Mi l1/2 Uhr kehrten die kaiserlichen Majestäten nach Stettin zurück und traten unter den enthusiastischen Kundgebungen der Bevölkerung die Weiterreise nach Kiel an. Dort wird der Kaiser heute, Dienstag, der Rekrutenvereidigung persönlich beiwohnen. Von Kiel aus gedenkt das Kaiserpaar auf Schloß Grünholz der Schwester der Kaiserin einen Besuch abzu- statteu. — Der Kaiser hat bestimmt, daß das 3. Karde-Grenadierregiment Königin Elisabeth fortan „Königin Elisabeth G arde-Gr.en adier- regiment Nr. 3" benannt wird. — Für das in Friesen zu errichtende Denkmal Friedrich I. hat der Kaiser einen Beitrag von 1000 Mk. bewilligt. — Fürst Bismarck widmet dem verstorbenen Lothar Bucher in den „Hamb. Nachr." einen Artikel, der tudessen Neues nicht bietet. Bucher sei nicht nur sein treuster und selbstlosester Mtarbeiter gewesen, mit dem ihn enge Freundschaft verbunden habe, sondern wch einer seiner besten. Bucher habe weit mehr geleistet, als mancher Herr mit großem Namen. — lleber seinen Zug mit Emin Pascha durch Zentralafrika sprach Leutnannt Dr. Stuhlman in einer Berliner Versammlung. Darnach hat Emin Pascha richt in seiner früheren ägyptischen Provinz bleiben, sondern quer durch den Erdteil nach der west- astikanischen Küste ziehen wollen. Die Unlust seiner früheren Soldaten und eine schwere Hungersnot vereitelten diesen Plan. Als dann noch eine Pocken- Epidemie ausbrach, trennten sich Emin und Stuhl- waun. Möglich ist es, daß Ersterer nach dem Kongo zieht. — Ein Marsailler Journal veröffentlicht den Brief eines deutschen Handelsagenten in Weidah an einen früher dort ansässig gewesenen französischen Kaufmann, worin die Anschuldigungen französischer Blätter bezüglich angeblicher deutscher Waffen-
Veronika.
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Roman von Jenny Piorkowska sRachdruck verboten.] (Fousegirug.)
Katharine Brandon war offen in Gedanken, Worten und Thaten; sie war aufrichtig, hingebend, großherzig, ein wenig unduldsam und vorurteilsvoll und besaß einen edlen Stolz. Sie war keine Schwärmerin, aber sie ließ sich rasch zu dem tiefsten Mitkd hinreißen.
Ihr ganzes, kurzes, schattenloses Leben lang hatte man sie „die Erbin von Schloß Brandon" Smannt. Sie war glücklich, sie war stolz auf ihre Stellung im Leben. Sie liebte die schöne muntere Welt und vor allem liebte sie ihren eigenen Teil daran. Sie erklärte, sie sei lieber die Erbin von Schloß Brandon, als die Königin von England Sie liebte ihr Heim und genoß die Ehrm und Vorzüge ihrer Stellung.
Der große Unterschied mit ihrer Mutter war, daß Lady Brandon den Reichtum, die Pracht und die Ehren der Welt verehrte, Ehrend Katharine deren Hesterkeit und Vergnügungen liebte.
Sir Jasper hing mit großer Innigkeit an »einer Tochter; seine Gemahlin erinnerte ihn nie an feine verlorene Liebe, wohl aber seine Tochter. Etwas von ihrer frohen, heiteren Jugend, in ihrem nmnteren Lachen, ihren glänzenden Augen erinnerte lhn M die schöne Venetianerin, die er so geliebt hatte. In feinen späteren Jahren konzentrierte sich die Liebe seines Lebens in seiner Tochter. Das Wenige, dessen er sich erfreute, kam von ihr, — bei ihr vergaß er seinen lebenslänglichen Schmerz, bei ihr fand er Ruhe. Sie war die Erbin von Schloß Brandon. Er hatte den größten Stolz, die Näßte Fürsorge in ihre Erziehung gesetzt. Dieselbe
Iteferungen an den König Dahomey von Dahomey in der eingehendsten Weise zurückgewiesen werden. Gleich den Deutschen hätten auch Portugiesen, Engländer und Franzosen Ausschußwaffen an Königin Behanzin verkauft. Das französische Schiff „Taygöte" habe noch bei seiner vorletzten Fahrt 25 Kisten mit Chassepot- und Gras-Gewehren gelandet. Wenn die Dahomeer Präzisionswaffen besäßen, so seien letztere aus Manchester, Lissabon und Lagos gekommen. Die vielbesprochenen Kruppschen Kanonen seien an einen gewissen Cardido Rodriguez verkauft worden, welcher eine Bestellung durch die katholische Mission für den Egbasil-Stamm erhalten hat. Die Deutschen hätten von dem Gouverneur von Togo den Befehl gehabt, in ihren Beziehungen mit König Behanzin die größte Zurückhaltung zu beobachten. Dreimal habe dieser Geschenke angeboten und das Ansuchen um Ueber- nahme des Protektorates gestellt. Das ftagliche Ansuchen sei indeß nicht einmal nach Berlin Übermittelt worden.
Kiek, 7. Novbr. In der Nordsee stieß das deutsche Kriegsschiff „Gneiseuau" mit einem schwedischen Schooner zusammen, dessen Signallichte sich nicht in Ordnung befanden. Obgleich der Schooner sich noch nicht in Gefahr befand, verließ dessen Mannschaft doch sofort das Schiff. Der „Gneisenan" bemühte sich, das Fahrzeug in einen Hafen zu schleppen. Es trat aber so hohe See ein, daß das deutsche Kriegsschiff im Interesse der eigenen Sicherheit auf dies Vorhaben verzichten mußte.
Stuttgart, 7. Novbr. Das große Vermögen, welches die verstorbene Königin Olga von Württemberg hinterlassen hat, und dessen Zinsen ihre Verwendung bei den Wohlthätigkeitsanstalten in Württemberg fanden, geht, wie man hört, durch Erbschaft auf ihre Nichte, die Herzogin Vera, eine Tochter ihres verstorbenen Bruders, des Großfürsten Konstantin, und auf deren Töchter, die Herzoginnen Elsa und Olga von Württemberg, über. Das Testament liegt in Petersburg und wird dort eröffnet werden. — Der verstorbenen Königin Olga von Württemberg, von welcher es bekannt ist, daß sie sich, trotzdem sie die Tochter einer preußischen Prinzessin war, nur sehr schwer mit der Neugestaltung der Dinge in Deutschland befreundete, wird folgendes Wort zugeschrieben: „Wenn Bismarck sein Wort: „Wir gehen nicht nach Canossa!" nicht hält, so wollen mein Gemahl und ich wenigstens unser Wort halten: „Wir gehen nicht nach Berlin". Dies Wort ist in der That gehalten. Hingegen ist Kaiser Wilhelm I. wiederholt in Stuttgart gewesen, und ebenso sein Nachfolger und Enkel.
war vollendet im wahren Sinne des Wortes. Sie sprach französich, italienisch und deutsch. Sie sang reizend, sie tanzte graziös und war eine talentvolle Malerin.
Ihr erstes Auftreten in der Gesellschaft war ein glänzendes, aller Augen hatten freundlich auf dem schönen, jugendlichen Gesicht geruht. Sie hatte unzählige Verehrer; eine Schönheit, eine reiche Erbin, talentvoll, munter und graziös — fein Wunder, — daß mehrere der Auserwähltesten der Gesellschaft ihr zu Füßen lagen. Vorläufig lachte sie nur über dieselben, es war die Zeit des Lächelns; die Thränen würden später kommen.
Wenn sie einem von ihnen den Vorzug gab, so war es Lord Walton, der zweite Sohn des Grafen von Woodwyn, des ärmsten Grafen in ganz England. Lord Walton war hübsch und talentvoll. Er hatte einen harten Kampf mit der Welt zu bestehen, denn es war ihm schwer, mit einem geringen Einkommen feiner Stellung gemäß zu leben; aber er vergaß feine Armut und alles Andere, als er fich in die reizende Katharine Brandon verliebte.
Würde sie feine Neigung je erwidern? Jetzt lag der Unterschied in ihrem Benehmen gegen ihn und die anderen Verehrer darin, daß sie über ihn mehr lachte, fich gleichgiltiger gegen ihn stellte, ihn nie anfah und bei Erwähnung seines Namens rot wurde.
Gerade in diesem Jahre war Sir Jasper sehr mit Arbeit überhäuft; er war so leidend, daß er den Arzt zu Rat ziehen mußte. Diefer erklärte ihm, daß, wenn er sich am Leben erhalten wolle, er die viele Arbeit aufgeben und einige Zeit ruhen müsse. Um das zu thun, beschloß der berühmte Staatsmann, nach Schloß Brandon zu gehen, das er so sehr liebte. Die ganze Familie begab fich dorthin.
Hessen-Nassau.
Marvurg, 8. Novbr. Des Königs Majestät haben Allerguädigst geruht: den Provinzial- Landtag der Provinz Hessen-Nassau zum 22. November d. I. nach der Stadt Cassel, sowie den Kommunal-Landiag des Regierungsbezirks Cassel im unmittelbaren Anschluß an die Sitzungen des Proviuzial-Landtags ebenfalls nach der Stadt Cassel zu berufen.
Marburg, 8. Novbr. (Lut her fei er.) Für die morgen Mittwoch Abend im Saalbau stattfindende Lutherfeier ist folgendes Programm aufgestellt worden: 1. Choral „Erhalt uns Deine Lehre", gesungen vom Studentenverein „Friedericiana"; 2. Einleitung, von Professor D. Achelis; 3. Gesang der Versammlung „Eine feste Burg ist unser Gott", Vers 1—3; 4. Vortrag über das Wittenbergfest, von Professor D. Mirbt; 5. Gesang der Versammlung „Eine feste Burg ist unser Gott", Vers 4; 6. Musikalische Vorträge des „Lutherischen Kirchenchors" und des Studenten-Gesangvereins „Friedericiana."
Marburg, 8. Novbr. (Ernst Wilhelm Kornern ann f.) Nach einer gestern aus Paris erhaltenen Mitteilung ist daselbst der JnstttutSvorsteher Dr. Emst Wilh. Komemann gestorben. Der Verblichene war gebürtig von Fronhausen, wo sein Vater knrfürstl. Amtsgerichtsaktuar war. Komemann besuchte das Gymnasium zu Cassel und studierte auf hiesiger Universität Philosophie. Besonders wandte er sich germanistischen Studien zu. Nach seiner Promotion als Dr. ph.il. (Dissertation über Gottlieb Weise) ging er nach Paris, gründete daselbst ein Pensionat, das einen Weltmf genoß. Mit irdischen Gütern reich gesegnet, stiftete er an dem Casseler Gymnasium ein Stipendium zur Unterstützung befähigter Schüler. Ein ähnliches Institut wie sein Pariser hatte er auch in Rudolstadt errichtet. Mancher Kurhefse hat bei ihm in Paris nicht nur fteundliche Aufnahme, sondern auch wohlwollende Unterstützung bei fortzusetzenden Studien erhalten. Sein Andenken wird bei vielen in Ehren bleiben.
Marburg, 8. Novbr. (Theater.) Der „neue Herr" von E. v. Wildenbruch ist ohne Zweifel ein kraftvolles Drama, wenn es auch andererseits etwas den wärmeren Ton vermissen läßt, womit die Dramatiker von sonst und jetzt tragische Handlungen zu versüßen pflegen und der in der liebevollen Vereinigung zweier Herzen sowie in heiteren Neben- vorgängen seinen Ausdruck findet. Allein — aburteilen ist leichter als beurteilen, wie wir es noch
Sir Jasper lud zum Weihnachtsfeste eine Anzahl Freunde zu sich ein. Bis dahin wollte er der vollen Ruhe pflegen.
Es war Anfangs Oktober, als er einen Brief erhielt, der den Lauf seines Lebens vollständig änderte. Der Brief war von Assunta di Cintha auf ihrem Sterbelager geschrieben. Ihr nahestehendes Ende hatte fie erkennen lassen, daß sie mancherlei falsch beurteilt hatte. Sie schrieb dem Manne, gegen den sie einen tätlichen Haß gehegt hatte und der Inhalt des Briefes klang freundlicher, als sie jemals zu ihm gesprochen hatte.
Sie schrieb ihm, daß sie bald ihrer Schwester — Brandon's erster Frau, die er so innig geliebt hatte — in s Grab folgen werde und daß sie nicht eher sterben könne, bis fie deren Kind versorgt habe. „Wenn ich selbst Geld hätte," schriebe sie, „würde ich Sie nicht betätigen, aber ich habe nichts; mein Besitztum erlischt mit mir und der alte Palast, der meine Heimat war, geht in andere Hände über. Ich kann meiner schönen Veronika nichts überlassen. Sie müffen sie zu sich nehmen. Sie ist schön und begabt, aber sie ist nicht wie andere junge Mädchen, denn fie hat ein sehr einsames Leben geführt.
Sie ist der Meinung, ihr Vater fei tot. Sie weiß nichts von ihrer Verwandtschaft und ihrer Geburt. Ich habe sie gelehrt, die Engländer zu hassen. Der Himmel vergebe mir, wenn ich Unrecht ge- than habe.
Meine Lehre trägt vielleicht böse, vielleicht gute Früchte, ich weiß es nicht. Ich verstehe das Mädchen, wie niemand es verstehen kann und sage Ihnen ganz entschieden, wenn Sie je ihr Herz gewinnen wollen, so dürfen Sie fie nicht gleich damit erschrecken, daß Sie sich ihr als ihren Vater entdecken. Bedenken Sie, daß ihr gelehrt worden ist,
kürzlich in Aussätzen des „General-Anzeigers" erfahren haben, und daher mag es noch einmal gesagt sein, daß, Alles in Allem, der „neue Herr" ein kraftvolles Drama ist, mit festgefügter Handlung, ttagischer Entwickelung und beftiedigendem, gerechtem Abschluß. Wir erfreuen uns an dem thatkrästigen jungen Kurprinzen, späteren Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der mit energischer Hand die Fesseln zerreißt, welche der Graf von Schwarzenberg, der sich durch List und Tücke zum Statthalter von Brandenburg aufgeschwungen, ihm auferlegen möchte. Er ist es, der uns Brandenburgs Selbstständigkeit verbürgt, gegenüber der Abhängigkeit von Habsburg, gegenüber der Absicht, die streitbare Landesmacht in den Vasallendienst des Kaisers von Oesterreich zu stellen, gegenüber endlich der geplanten Einverleibung Brandenburgs in Oesterreich. In der That ist es hohe Zeit, einzugreifen, da bereits eine Vorstadt Berlins diesen Plänen zulieb in Asche gelegt werden soll und damit das traurige Elend der dortigen Bewohner heraufbeschworen ist, wie es uns an einem Wirtshausbesitzer gezeigt wird. Diesen hat außerdem noch dadurch doppeltes Elend getroffen, daß seine Tochter in die sehr bedenklichen, Dienste eines Obersten von Rochow getreten, welcher gerade derjenige ist, welcher sich am eifrigsten der Anerkennung des „neuen Herrn", des Kurfürsten Friedrich Wilhelm widersetzt. Als der Wirt es nun verweigert, gelegentlich der Einkehr einiger Soldaten aus Rochows Regiment in sein Haus, diesen einen Trunk zu verabfolgen, kommt es zu heftigen Auftritten, denen zufolge einer derselben von jenem erstochen wird. Dies ist die Veranlassung zu einem allgemeinen Aufruhr, welcher indeß durch das zielbewußte Einschreiten des Kurfürsten derart beigelegt wird, daß Graf von Schwarzenberg zurückweicht, resp. dem neuen Herrn sich ergiebt. Seinem Beispiele folgen die übrigen bis auf Rochow, der nunmehr feiner Widersetzlichkeit wegen erschossen wird. — Die Rolle des Kurfürsten wurde sehr edel und vornehm von Herrn Sturmhoff durchgeführt, ebenso diejenige des Grafen v. Schwarzenberg durch Herrn Franck, dem im Gegensatz zu seinem herrischen Auftreten im ersten Akt auch die niedergeschmetterte Haltung im vierten Sitte sehr gut gelang. Herr 3Ilgen als August v. Rochow brachte die charakterlose Widersetzlichkeit gegen feinen Freund und Kurfürsten recht drasttsch zur Geltung und fast nicht minder gut gelang, umgekehrt, Henn Müller die Wiedergabe der Ergebenheit an sein angestammtes Herrscherhaus Brandenburg. Auch Hen Winzer als Wirt Jakob Blechschmidt war seiner Rolle, vor
die Engländer zu hassen und daß ihr Vater tot sei. Erst möge sie Sie kennen und lieben lernen, dann können Sie es ihr sagen, wann Sie wollen. Das lege ich Ihnen an's Herz, denn ich kenne das Mädchen genau. Ich werde Ihnen durch sie alle Papiere, die zum Beweis ihrer Geburt nötig find, zukommen lassen. Lassen Sie Veronika sofort holen. Ich weiß, daß ich nur noch wenige Stunden zu leben habe."
Er saß im Wohnzimmer auf Schloß Brandon, als ihm dieser Brief gebracht wurde. Seine Tochter Katharine saß am Klavier und fang eine ungemein melodische englische Ballade. Lady Brandon lag, in einen Roman vertieft, auf dem Sofa. Ein helles Feuer brannte im Kamin und die Lust war von Blumenduft durchzogen. Sein Gesicht ward bleich, als er die Zeilen las. Gerechter Gott, was sollte er thun? Er hatte fast das Dafein des Kindes vergessen. Dasselbe war ihm beinahe aus dem Gedächtnis geschwunden.
Seine leidenschaftliche Liebe zu ihrer schönm Mutter war noch so rege wie immer, aber von dem Kinde hatte er nichts wissen mögen, benn das Kind hatte der Mutter das Leben gekostet. Warum hatte Assunta ihr den schönen traurigen Namen Veronika gegeben? Was sollte er mit ihr anfangen, wenn sie kam? t
Er sah zu seiner zweiten Gemahlin mit dem edlen Gesicht und der stolzen Miene herüber, er schaute auf feine liebliche junge Tochter und ließ dm Kopf voll Verzweiflung wieder finken.
All' die Jahre hindurch hatte er das Kind fast vergessen; Assunta hatte sie zu sich genommen, um fie zu behalten. Sie hatte seine Hülfe zurückge- wiesen, fie wollte nichts von ihm haben.
Sie hatte gesagt, er müsse sich vollständig von dem Kinde losfagen und das hatte er gethan Wenn er