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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Druck Mb Verlag: Johi Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei in Marburg. (S rtttttfrö ff Verantwortlicher Redakteur: Christoph Rautenhaui in Marburg

Redaktion und Expedition: Markt 81. wV Redaktion und Expedition: Markt 21.

M 260.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Soun- und Feiertagen. Ouartal-Abonnementr-Prei« bei der Expe­dition 8 Mk., bei allen Postämtern 8 SS. 86 Psg. (exkl. Bestellgeld). JnsertiouSgebuhr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 86 Pfgi

Marburg,

Sonnabend, 5. November 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpedition dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in ,

Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXV11. ^cQDTQQtlÜ Moste hi Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Fürst Bismarck Militärvorlage.

DieReuest. Nacht." veröffentlichen einen aus­führlichen Bericht über den Besuch des Führers der Rationalliberalen in Leipzig, Rechtsanwalt Hans Blum, bei dem Fürsten Bismarck am vergangenen Sonntag, lieber die Militärvorlage äußerte sich der Fürst wie folgt: Zur unbedingten Annahme der Borlage fehle die erste Voraussetzung, nämlich die Notwendigkeit der geforderten Aenderungen. Die Be­gründung der Vorlage mit der Vermehrung der Streitkräfte unserer Nachbarn im Osten und Westen sei nicht angängig. Mit unserer jetzigen Heeresstärke würden wir auch sogar gegen zwei Fronten siegreich sein können. Auch der zweite Grund, daß eine un­mittelbare Kriegsgefahr vorhanden, sei hinfällig. Nach seiner Ansicht werde vor Ablauf von zwei bis drei Zähren überhaupt kein Krieg ausbrechen, denn Frank­reich sei ungleich weniger kriegerisch gesinnt und weniger schlagbereit, wie im Jahre 1888. Auch Rußland könne vor drei Jahren an keinen Krieg denken, da es mit seiner neuen Ausrüstung früher nicht fertig sein werde. Zudem wollten sowohl der Zar wie das Volk keinen Krieg; nur die Presse, die Polen und Juden hetzten dort. Die zwei­jährige Dienstzeit, welche die Militärvorlage schmackhaft machen solle, sei eine höchst bedenkliche Operation. Die beabsichtige Elitetruppe von drei­jährig gedienten Soldaten werde in den Augen der Rekruten an Achtung einbüßen, da man sie als Leute, die wegen schlechten und straffälligen Verhaltens länger als zwei Jahre bei der Fahne zu behalten seien, von oben herab ansehen werde. Auch sei keine Angabe in der Vorlage über die Deckung an Kosten gemacht. Der Versuch, den Einzelstaaten die Mehr- belastung aufzubürden, sei für die nationale Sache äußerst gefährlich. Die Mängel unserer jetzigen Militäreinrichtungen beständen nicht in der zu geringen Anzahl der Truppen, sondern in der ungenügenden 1 Zahl der Unteroffiziere, Offiziere und Pferde. Die einzige Lösung der ganzen Frage sei die, daß der Reichstag die Vorlage nicht unbedingt ablehne, sondern ihren Mängeln abhelfe und sie annehme, falls die Möglichkeit der Deckung der Kosten in annehmbarer Weise nachgewiesen werde. Er (Fürst Bismarck) habe bisher nicht die Absicht, im Reichstage zu er­scheinen; die Mehrheit würde ihn wie einen Pest­kranken fliehen; auch wolle er nicht den Ministern seines Kaisers Opposition machen, da er als Offizier in Uniform erscheinen müsse. In der äußersten ! Rot werde er aber auch dies thun.

i . Auf Wronkermühle.

K Original-Roman von 6. D. H. Brandrup.

I * (Nachdruck verboten )

(Schluß)

) Karl blickte gerührt um sich und sagte: Der Pole 6 mich auch bei dieser Ueberzeugung und ich wäre t dazu gelangt, dahinter zu kommen, was meine örderung Dir angethan, wenn ich nicht im aufe dieses Winters Herrn Rittergutsbesitzer Stelzer I 1 Italien getroffen hätte, wohin mich mein Arzt | bsandt hatte.

Wir logierten in einem Hause und schloffen Hins eng aneinander. Ich war außer mir und kwf sofort alle Anstalten, zu Dir zu reisen, um gut zu machen, was ich begangen. Wilhelm und nun bin ich bei Dir und bitte Dich, nimm wenigstens den größten Teil deffen zurück, was Du mir ge­geben. Laß mich dagegen aber bis zu meinem ,Tode eine Freistätte an Deinem Herde finden | eine"

I Er konnte nicht weiter sprechen. Leidenschaft- Riches Schluchzen erstickte seine Stimme. Aber der Müde Kopf des Mannes, der so lange heimatlos Tin der Welt umhergeirrt lag auf der Schulter -desBruders, welcher jetzt auchThränen der Mhruug vergoß.

'Altes Haus," rief Wilhelm dann. Und die Hände des Tiefgebeugten heftig drückend, setzte et hinzu:Ja, ja, bei mir sollst Du bleiben, bis sich die Grube fiir uns aufthut. Aber das Geld nehme ich nicht zurück. Was soll es mir. Ist ja [ alles mit dem Brylower versiegelt und ich habe mich 5 längst an den Gedanken gewöhnt, daß er das Gut a nimmt, wenn ich sterbe. Mein Kind hat mit seiner 6 zweiten Heirat eine glänzende Partie gemacht.

Der Schwiegersohn aber plant absolut nicht, Wronker-

Warnm muß Deutschland seine Wehrmacht ver­stärken? In einem Artikel mit dieser Ueberschrist schreibt dieNordd. Allg. Ztg.":Die jährliche Rekrutenzahl Frankreichs einschließlich Marinetruppen und Flotte übersteigt diejenige Deutschlands um etwa 45 000 Mann, obgleich Frankreich- 10 Millionen Einwohner weniger zählt als Deutschland. Hieraus ergiebt sich aber auch die Thatsache, daß, wenn Deutschland seiner größeren Bevölkerungsziffer ent­sprechend mehr Wehrfähige einstellt und das be­zweckt die Militärvorlage ihm Frankreich darin nicht weiter nachfolgen kann. In Frankreich hat man schon öfters der Ansicht Ausdruck gegeben, daß Deutschland auf die Dauer finanziell nicht in der Lage sei, den militärischen Anstrengungen jenseits der Vogesen zu folgen. Diese Rechnung wird sich als falsch erweisen; dagegen sind wir jetzt in der Lage, genau übersehen zu können, welche Anstrengungen noch nötig sind, um Frankreich auf Jahrzehnte hinaus jeden weiteren Vorsprung in seiner Heeresstärke un­möglich zu machen. Und diese Anstrengungen wollen wir gleich so ausgiebig machen, daß weitere Opfer nicht mehr nötig sind. Auch das will die Militär­vorlage bezwecken: sie will allen diesen fortgesetzten politischen Anstrengungen und Streifigkeiten um und wegen militärischer Forderungen ein Ende machen."

Personen, welche den Anspruch erheben, als unterrichtet zu gelten, versichern in derMünch. Allg. Ztg.", daß die Militärvorlage an den größeren deufichen Höfen mit ernsten Bedenken ausgenommen worden sei, sowohl wegen der Kosten, als wegen des darin zugesagten Uebergangs zur zweijährigen Dienstzeit. Als die Souveräne, welche namentlich in letzterer Beziehung nicht ohne Sorgen sind, werden ob mit Recht oder Unrecht bleibt dahingestellt die Könige von Sachsen und Württemberg und der Großherzog von Baden bezeichnet.

Deutsches Reich.

W. Aerki«, 4. November. Unser Kaiser hat sich am Donnerstag früh von Potsdam aus mittelst Sonderzuges zu den heute, Freitag, statt­findenden Beisetzungsfeierlichkeiten nach Stuttgart be­geben, wo die Ankunft Abends erfolgte. Von Stuttgart wird der Kaiser am Freitag Abend über Osterburken, Ritschenhausen, Landersleben und Belleben direkt nach Piesdorf reisen, um, einer Einladung des Grafen v. Wedel-Piesdorf enfiprechend, an den von demselben veranstalteten großen Jagden teilzunehmen. Am Sonntag Nachmittag wird Se. Majestät wieder

mühle zu vergrößern, indem er Mloneck seinem Be­sitz anschließt.

Doch das können wir ja alles später besprechen, Karl, sagte Herr Wilhelm,vorerst laß' Dich nur erst willkommen in der Heimat heißen und Dir sagen, daß nun zum Donnerwetter! nun, daß ich mich freuen will, wenn Du es Dir auf Mloneck behaglich machst. Platz genug haben wir hier auch für Dich, nachdem Lieschen wieder verheiratet ist und ... ."

Aber ich kann nicht bei Dir bleiben," erwiderte Karl traurigwenn Du keinerlei Entschädigung für meinen Unterhalt nehmen willst."

Blitz nich'mal hast Du so meine Weigerung ausgenommen, lachte der Mlonecker laut auf und dann die Hand schwer auf den Arm des Bruders legend, setzte er hinzu:Hör' mal, mein Junge, da bist Du denn doch arg auf dem Holzwege. Der Wilhelm Wald ist ein viel zu guter Geschäftsmann, um einen Rentner wie Dich, der ohne Weib und Kind zu besitzen, jährlich über ein Einkommen von tausend Thalern verfügt, auch noch freie Station aufdrängen zu wollen behüte bezahle nur Dein Effen und Trinken, Wohnung und Bedienung, aber mache den Preis mit meiner Schwägerin ab, die mir die Wirtschaft führt, seit ich Witwer ge­worden.

So, Alter, und jetzt sind wir auch über diesen Punkt einig. Gerade zur rechten Zeit, denn eben fährt der Wagen vor, der mich zur Taufe nach Wronkermühle führen soll.

Thue mir nun den Gefallen und begleite uns. Ich sehe, Du bist in Visitentoilette und also auch äußerlich ganz dazu angethan, an dem Feste teil­zunehmen."

Karl Wald, der in polnisch C. Logis genommen

in Potsdam zurückerwartet. Am Montag gedenkt der Monarch sich nach Kiel bezw. auch nach Stettin zu begeben, um dort der Vereidigung der Marine­truppen beizuwohnen. Wie aus Wernigerode ge­meldet wird, wird der Kaiser einer Einladung des Fürsten Stolberg zu dm am 15. d. M. dort statt­findenden Jagden entsprechen. Der Minister­präsident Graf Eulenburg und der Finanzminister Miquel haben am Mittwoch dem Kaiser über die Landtagsvorlagen Vorttag gehalten. Die drei Stenerreformvorlagen betr. die Vermögensstmer, die Ueberweisung der Realsteuer an die Gemeinden und das Kommunalsteuergesetz sind, wie diePost" mitteilt, mit der kaiserlichen Unterschrift versehen worden und somit zur sofortigen Einbringung im Landtage nach dessen Eröffnung bereitgestellt. Wie demHamb. Korr." berichtet wird, ist die Untersuchung wegen der unrechtmäßigen Veröffentlichung der neuen Militärvorlage durch dieKöln. Ztg." ein­gestellt wordm. In derKreuzztg." ist zu lesen: Wie vor einigen Monaten, so zerbrachen sich auch jüngst wieder die Blätter den Kopf über allerlei Reisen, die der Kultusminister Dr. Bosse zu unternehmen beabsichtige. Es ist ja natürlich, daß der Minister das Bedürfnis empfindet, sein Ressort gründlich auch durch persönliche Anschauung kennen zu lernen. Ebenso natürlich ist es aber, daß alle etwaigen Reisepläne von den Arbeiten, die den Minister in Berlin fesseln, abhängig sind. Daraus ergiebt sich, daß alle ost recht detaillierten Angaben über feine angeblich bevorstehenden Reisen noch ganz in der Lust schweben. Bestimmte Entschließungen find bis jetzt nicht gefaßt. Für die behufs Bessemng der Lage des Handwerks beabsichtigten Ge- setzenkwürse werden gegenwärtig die Grundzüge auf- gestellt. Dieselben sollen jedoch, nach denBerliner Pol. Nachr.", nicht eher zu Gesetzentwürfen ausge­arbeitet werden, bevor sich nicht über dieselben in der Praxis stehende Sachverständige geäußert haben, und dürsten demgemäß wohl schon tit naher Zeit solche Sachverständige gehört werden. Endlich scheint die preußische Regierung die Wünsche der Schul- und Lehrervereine nach Verttetuug der Lehrer im Schulvorstände als berechfigt zu erachten. In der oberschlesischen Gemeinde Dombrowka war der Hauptlehrer Buchal in den Schulvorstand gewählt worden und erhielt auch von der Regierung die Bestäfigung seiner Wahl. Kreis­schulinspektor Di. Krönig führte den Lehrer in sein Amt ein und hob in seiner Ansprache hervor, daß er sich freue, der erste Kreisschulinspektor zu fein, der

hatte und von dort nach Mloneck herübergefahren war, dem Bruder seinen Besuch zu machen, um vorerst die Meinung desselben über sich zu erforschen, ehe er mit seinem ganzen Gepäck nach der Heimat zurückkehrte zeigte sich mit Freuden bereit, der Einladung Herrn Wilhelms zu folgen. Er ging auch sofort hinaus, um vorerst das Cer Gefährt, mit welchem er gekommen war, abzulohnen. Als er dies besorgt und wieder in das Empfangszimmer trat, fand er auch Tante Bertha daselbst vor. Er wurde von der Dame auf das liebenswürdigste be­grüßt, nachdem Wilhelm die Herrschaften mit ein­ander bekannt gemacht hatte.

Wenige Minuten später warm die drei benn auch auf dem Wege nach Wronkermühle. Schon von weitem zeigte Wilhelm mit sichtbarem Stolz feinem Bruder die gewaltigen Fabrikgebäude, welche sich jetzt auf dem Nachbargute erhoben und daneben auch eine reizende Villa.Dort wohnt meine Liefe," rief Wald freudigund ich sage Dir, Karl, das kleine Frauenzimmer hat wirklich einen wahren Engel von Mann."

Und nun begann Wilhelm ein Loblied auf Ernst Brenner zu singen, wie man es diesen Lippen gar nicht zugetraut hätte. Aber wie unaufhörlich der sonderbare Kauz auch die guten Eigenschaften seines Schwiegersohnes pries, Karl hörte ihm geduldig zu unb dachte nicht daran, empfindlich betrübet zu fein, baß ber jüngere Sohn seines Vaters in biefer ersten Stunbe bes Wiedersehens kein anderes Thema wußte, er nicht vor allem fragte:Wie schlugst Du dich durch bas Leben, mein Stuber ?" Enblich aber wat auch Herr Wilhelm zu bem Bewußtsein ge­kommen, baß er sich bem Heimgekehrten gegenüber teilnahmslos zeigte, benn er stampfte plötzlich zornig mit bem Fuße unb schrie:

den ersten Lehrer als stimmberechfigtes Mitglied in den Schulvorstand einführen könne. Von diesem neuen Kurs des Kultusministers ist die Lehrer­schaft freudig überrascht; sie hofft, daß dem­nächst in der ganzen Monarchie dem Lehrer Sitz und Sfimme im Schulvorstande gegeben werde. Die Pariser Z eitun gen sind schon wieder einmal übergeschnappt. Dieselben erheben ein großes Ge­schrei über die angeblich festgestellte Anwesenheit von Deutschen in dm Reihen der Dahomeer. Es sollm ihrer sechs sein, und man giebt sogar ihre Namen an, nämlich: Krauß, Böhringer, Ochdanz, Wendel, Groß und Fröhlich. Dießanterne" fordert in einem wutschäumenden Artikel, daß Oberst Dodds sie totschießen lasse. Dasselbe kluge Blatt hat auch heraus gebracht, daß der Berliner Kriegsschatz die Kriegskosten des Königs Behanzin von Dahomey bestreite.

Leipzig, 3. Novbr. Wie dasLeipz. Tgbl." berichtet, hat eine Abordnung katholischer Männer wegen Beschaffung einer genügend großen Lokalität zur Abhaltung eines deutschen Katholikentages in Leipzig und zwar noch während des Monats Novem­ber verhandelt. Die Herren Gras Ballestrem, Frhr. v. Schorlemer-Alst, Dr. Lieber und andere hervor­ragende Mitglieder der Zenttumspartei haben ihr Erscheinen zugesagt. Die Direktion desKrystall- palastes" hat die Einräumung der Alberthalle unb anderer Räume ihres Etablissements zu dem ge­dachten Zweck verweigert und es ist dadurch die Verwirklichung des Unternehmens auf große Schwierig­keiten gestoßen.

Hessen-Nassau.

Marburg, 4. Novbr. (Litterarhistorische Vorträge.) Auf mehrfach geäußerten Wunsch hat sich Herr Professor Dr. Köster entschlossen, int No­vember und Dezember dieses Jahres fünf populäre Vorträge über Göthes Jugenddichtungen zu halten. Dieselben finden in der Universitäts-Aula statt und ist deren Ertrag für wissenschaftliche und wohlthäfige Zwecke bestimmt. (Siehe Inserat.)

Marburg, 4. Novbr. (Militärisches.) Beim hiesigen Jägerbataillou wurden heute 180 Rekruten eingestellt. Am 27. Oktober d. IS. traten bei demselben bereits 20 gelernte Jäger zur Ab­solvierung ihrer Militärdienstpflicht ein.

Marburg, 4. Novbr. (Theater.) Man kann es von vomherein derGroßstadtluft", womit gestem Herr Direktor Winzer resp. das

Donnerwetter, aber was fällt mir denn ein, daß ich Dir nur von dem Gatten meiner Tochter rede. Na, nichts für ungut, mein Junge.

Ich glaube, der Groll, mit welchem ich dazumal die Ankunft Deines Bevollmächtigten begrüßte lebt noch ein bischen in mir unb bämmt bie brüder­lichen Gefühle. Doch bas wirb sich geben. Unb nun erzähle uns auch, was Du bie langen Iahte hinbutch getrieben hast, ba mir auch nicht bas Ge­ringste von Dir hörten."

Da aber auch Frau Volkmann bem Wunsche bes Schwagers beipflichtete, so begann Karl Wald jetzt wirklich über sein vergangenes Leben zu be­richten.

Die Zeit verging ben Zuhörern wie im Fluge. Unb ehe sie es sich versahen, waten sie in Wronker­mühle. Ernst wartete schon auf ber Freitreppe unb begrüßte sie auf bas Herzlichste. Natürlich war fein Erstaunen groß, als Herr Wilhelm ben Fremden als Onkel Karl vorstellte. Auch für diesen neuen Verwandten hatte ber junge Mann ein freundliches Willkommen."

Dann führte er bie Gäste in bas Haus, wo Lieschen ihnen schon im Vestibül ben Täufling ent* gegenbtachte.

Die junge Frau mit bem Täufling auf den Armen glich einem Madonnenbilde. Selbst den weichherzigen Vater rührte ber halbe Anblick. Feuchten Auges watschelte er auf bie reizende Frau zu und sie mit dem Kinde zugleich in bie Arme schließend, rief er:Das Weib wird alle Tage hübscher unb was Dich anbetrifft, Du kleiner Bengel," setzte er hinzu, ben Kleinen tätschelnd,habe ich noch nie einen so vernünftigen Balg gesehen."

O, Väterchen, unb babei sagt alle Welt, ber Kleine sähe Dir ähnlich," rief bie junge Frau.