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Wöchnttliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

D«ck «d llerteg: Jvh, Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei in Marburg, Verantwortlicher Redakteur: Chrift >. ph Rautenhaut in Marburg

Redaktion und Expedition: Markt 21. wU U Redaktion und Expedition: Markt 21.

M 259.

Erscheint täglich nutzer an Werktagen nach Soun» und Feiertagen. Onartal-Abonnemeutg-Preir bei der Expe­dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Ml. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Mg., Reklamen kür die Zeile 25 öfe;

Marburg,

Freitag, 4. November 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition dieses Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Cafiel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVII. Jahrgang.

Deutsches Reich.

W. Aerki», 3. November. Unser Kaiser unternahm am Mittwoch Vormittag einen längeren Spazierritt in die Umgegend von Potsdam. Von demselben nach dem Neuen Palais zurückgekehrt, arbeitete der Monarch mit dem Chef des Zivil­kabinetts, konferierte Mittags mit dem Ministerpräsi­denten Grafen Eulenburg und dem Finanzmintster Dr. Miquel und empfing den Chef des General- stabes, General Graf Schlieffen II., welcher von seinem Urlaub zurückgekehrt ist. Zur Tafel sahen die kaiserlichen Majestäten die Prinzessin Friedrich Karl von Preußen, den Grafen Schlieffen und den Major Grafen Jork v. Wartenburg rc. als Gäste bei sich. Am Freitag wird sich der Kaiser zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Stuttgart begeben. Zur neuen Militär-Vorlage schreibt das Militär-Wochenblatt":Kein Flickwerk, sondern eine große That! Mag auch das finanzielle Opfer schwer sein, welches uns naturgemäß auferlegt werden mußte, es handelt sich darum, endlich einmal der ganzen Welt das Gefühl der Sicherheit wiederzugeben, das fie seit langen Jahren mehr oder weniger entbehrt hat. Wie lähmend die unsicheren Verhältnisse auf Industrie und Handel eingewirkt haben, ist allgemein bekannt, daß aber die zu erhoffende umfassende Re­organisation der deutschen Armee eine Schraube ohne Ende sei, wird Niemand behaupten dürfen. Frank­reich ist bereits am Ende seiner Leistungsfähigkeit augelaugt, Rußland aber wird durch mannigfache, hier nicht zu erörternde Verhältnisse daran verhindert werden, seine augenblicklich vorhandene Wehrkraft noch in besonderem Grade zu steigern. Es läßt sich mithin durchaus nicht erwarten, daß eine neue Steigerung der deutschen Wehrkraft erforderlich werden sollte. Also eine umfassende Heeresorganisation, wie Kaiser Wilhelm I. sie als Prinzregent vornahm. Ein «euer Baum muß gepflanzt werden, unter dessen Schatten die jetzige Generation die Früchte der großen Thaten genießen kann, welche ihre Väter unter Kaiser Wilhelm dem Siegreichen so ruhmvoll vollbracht haben". In verschiedenen Landesteilen, so im südlichen Baden in Freiburg, in Stuttgart, in Aachen, in München rc. haben in den letzten Tagen politische Lersammlungensehr verschiedenen Parteicharakters sich außer mit anderen Dingen, auch mit der Militär­vorlage beschäftigt. Die dabei zu beobachtende Er­scheinung, daß sowohl dem Zentrum wie der national­liberalen Partei angehörende Reichstagsabgeordnete sich in ganz anderem Sinne aussprachen, als diejenigen

Auf Wronkermühle.

Original-Roman von E. D. H. Brandrnp.

(Nachdruck verboten.^ (Fortsetzung.)

Das junge Paar gab dem braven Alten voll­ständig recht und so wurde beschloffen, daß sich Ernst erst drei Monate nach Ablauf des Trauerjahres um Lieschms Hand bewerben, inzwischen aber häufig Mloneck besuchen sollte.

Schon in den nächsten Tagen erklärte der Ingenieur dagegen seinen Pflegeeltern in der rück­sichtsvollsten Weise, daß er der geheimnisvolle Besitzer von Wronkermühle sei und die Absicht habe, eine Zuckerfabrik auf dem Gute zu erbauen. Wenn das alte Pärchen nun auch vorerst ein wenig konsterniert über die ungeahnte Sachlage war, so fügte es sich doch gar zu gern in die neue Thatsache.

Herr Gottlieb zeigte sich dem Neffen auch jetzt wieder als ein gutmeinender Berater. Er hatte hierzu auch die beste Gelegenheit, da Ernst vorerst im Haushalt der lieben Verwandten blieb.

Schon während der Wintermonate ließ nun der neue Herr Wronkermüller die Materialien zu dem Bau nach seinem Besitze schaffen und fuhr selbst fast täglich von B nach Wronkermühle hinüber, »m die Lieferungen daselbst abzunehmen. Bei der Gelegenheft sahen sich die Liebenden dann natürlich fast immer wie sie glaubten, ohne daß die alten Bronkerr ihre Beziehungen zu einander ahnten. Hierin irrten fie sich aber, wenigstens was Frau Louise anbetrifst.

Frauenaugen blicken in solchen Sachen scharf, und so wußte die Gute auch nur zu bald, wie es mit dem Herzen ihres Neffen beschaffen sei. Sie freute sich aber dieser Entdeckung und resolut, wie

Parteiorgane, deren Nein dieFreisinnige Zeitung" des Abg. Eugen Richter tagtäglich mit Fleiß und Eifer verzeichnet, verdient wohl Beachtung. Zur Judenfrage bringt die parteioffizielleKonser­vative Korrespondenz" einen längeren Arfikel, worin fie schreibt:Thatsache ist es, daß durchschnittlich von tausend Christen nur 120, von tausend Juden aber 829 Söhne die höheren Lehranstalten Preußens besuchen. Unter den Studierenden aber ist der Prozent­satz für die Christen noch ungünstiger." Die Wittenberger Lutherfeier hallt mit ihren Einzelheiten in den Teilnehmern noch lebhaft wieder. Alle sind voll von der Großartigkeit des Festes und seiner gelungenen Durchführung. Bedauert wird allerseits, daß der König von Württemberg die Fahrt nach Wittenberg unterbrechen mußte. So fehlte nicht nur der einzige König, der seine persönliche Beteiligung zugesagt hatte, sondern es entstand auch eine Lücke in dem gesamten Festprogramm. Der König Wilhelm sollte nämlich dem Kaiser auf die Ansprache beim Fest­mahle antworten; nunmehr unterblieb die Entgeg- nung aus der Mitte der evangelischen Fürsten. Die dem Vatikan nahestehendeVoce della verita" widmet der Wittenberger Rede des Kaisers einen mit überaus scharfen Ausfällen gewürzten Leit­artikel. Das Jesuitenorgan greift den Kaiser, der einen Rebellen und Deserteur verherrliche und dessen Verbündete heute den Papst gefangen halten, heftig an. Die deutschen Katholiken dürften die Aus­lassungen des Kaisers nicht gleichgiltig hinnehmen. Zum Glück stehe heute der Papst als Triumphator da und die römische Kirche sei mächtiger als je, während der Protestantismus längst gestorben sei. Nachdem das Radfahren im Heere an Umfang zugenommen hat und in einzelnen Garnisonen die Benutzung des Fahrrades für dienstliche Zwecke zur Einführnng gelangt, ist nunmehr amtlich den Offi­zieren und Mannschaften der Gebrauch des Fahrrades sowohl im Dienst, wie außer Dienst gestattet worden. Ueber das Tragen der Seitengewehre beim Radfahren sind allgemeine Anhaltspunfte gegeben, ohne sie in die Form einer bestimmten Vorschrift zu fassen. Inwieweit das Radfahren in den Straßen und auf Promenaden zugelassen ist, hängt von den verschiedenen örtlichen Verhältnissen ab und wird durch die Gouverneure bezw. Kommatidanten besttmmt werden. Nach dem Ergebnisse von Versuchen, welche seit einer Reihe von Jahren in mehreren Eisenlahn- Direktionsbezirken gemacht worden sind, kann vielfach ein erhöhter Schutz der von der Eisenbahn durch­schnittenen Waldungen, insbesondere der Nadelholz-

die Matrone nun einmal war, beschloß sie auch, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen und sie zu fördern, aus Dank für die Achtung, welche der junge Ingenieur den Gefühlen der vereinsamten Eltern seines verstorbenen Vetters zollte.

Die erste Gelegenheit hierzu beim Schopfe nehmend sprach Tante Louise ein aufrichtiges Wort mit dem teueren Pflegesohn. Sie sagte Ernst, in­dem sie zärtlich seinen Kopf in chre Hände nahm, daß sie und der Onkel weit entfernt davon seien, den Wunsch zu hegen, Lieschen möchte ewig um den Gatten trauern. Im Gegenteil könnte es sie nur beruhigen, wenn die junge Witwe sich baldigst zum zweitenmal wieder vermählen wollte und die neue Ehe eine dauernde und glückliche würde. Unter solchen Um­ständen möge Ernst sich also ohne Weiteres um die Geliebte bewerben und Lieschen dürfe sich aus Rücksicht für die Schwiegereltern ebenfalls nicht weigern, ihre Hand in die seine zu legen wenn man auch bis zum Abschluß des Trauerjahres mit der offiziellen Verlobung warten müffe."

Wer war glücklicher als Ernst?! Schon zu Mitte des April wurde dann auch in Mlofieck im engsten Familienkreis der Herzensbund der viel­geprüften Liebesleute gefeiert und die Verlobten hatten von nun an nicht mehr nötig, vor den braven Wronkers Kommödie zu spielen, wenn sie sich der Welt gegenüber auch erst um einige Monate später als Brautpaar präsentierten.

Zwei Jahre waren nach dem jähen Tode Fritz Wronkers vergangen, als vor dem Gutshause in Mloneck ein schlichtes Fuhrwerk hieft, welchem ein alter, äußerst hinfällig aussehender Herr entstieg. Mühsam, Schritt für Schritt nur bewegte sich der Greis bis zu der weit aufstehenden Hausthür des

Waldungen, gegen Entzündung durch Funken­auswurf der Lokomotiven damit erreicht werden, daß die vorhandenen Forstschutzstteifen mit Laubholz in niederem Umttiebe aufgeforstet werden. Derartige Anpflanzungen sind geeignet, sowohl die Funken aufzufangen und unschädlich zu machen, als auch das Wachstum feuerempfänglicher Vegetatton auf dem Erdboden hintanzuhalten. Es bedarf hierzu der Erzielung möglichst dichten Laubwerks in solcher Höhe, wie sie die Rücksicht auf den Schutz der Eisenbahn gegen Gefährdung durch Windbruch zuläßt. Die einzelnen Bäume müssen in solcher Anordnung und in solchen Abständen von einander angepflanzt werden, daß das nicht ganz vermeidliche Aufbrechen des Bodens und das Entfernen des trockenen Landes möglichst erleichtert wird. Mehrfach wird außerdem das Wundhalten eines etwa 2 m breiten Streifens oder die Anlegung eines Grabens zwischen der Laubholzanpflanzung und dem zu schützenden Forste empfohlen. Welche Holzart sich für den angegebenen Zweck am besten eignet, hängt selbstverständlich von den örtlichen Verhältnissen im Einzelfalle ab und wird zweckmäßigerweise nicht ohne Zuziehung eines Forstsachverständigen zu prüfen sein. Im allgemeinen scheinen sich Birken und Weiden am meisten zu be­währen, weniger Buchen, Eichen und Akazien; Ver­suche mit Weißerlen sind noch nicht abgeschlossen, ebenso solche mit Anpflanzungen von schottischer Zaunrose und schwedischem Bocksdorn. Durch Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten sind die Eisenbahn-Direkttonen von diesen Ergebnissen in Kenntnis gesetzt worden.

Wummeksvurg, 1. Novbr. Fürst Bismarck hat am letzten Freitag einer Sitzung des Kreistages Rummelsburg in Pommern beigewohnt. Auf die Begrüßungsrede des Landrats antwortete er nach derRummelsb. Ztg." mit einer langem Aus­führung, in der es u. a. heißt:Meine 77 Jahre, welche ich mit mir hernmttage, sind mir schon oft recht unbequem. Meine ftühere Amtsthättgkeit ist auch nicht spurlos an mir vorübergegangen; die oft rapide auf mich einstürmenden verantwortungsvollen Momente haben häufig in vierundzwanzig Stunden Nerveneindrücke bei mir hervorgerufen, wie sie mancher Sterbliche in einem Jahre nicht erleben mag. Ich habe mich stets mit meiner ganzen Persönlichkeit für dasjenige verantwortlich gefühlt, was mir in meinem Amte zu thun oblag, und habe niemals geglaubt, daß ich meiner Verantwottung für die Folge ent­hoben sei, wenn ich die Unterschrift Sr. Majestät erlangt hatte. Nun ist es aber doch immer ein

ländlichen Gebäudes. In seinen verwitterten Zügen zuckte es dabei und die tief in ihren Höhlen liegenden Augen sprachen von grenzenloser, nur ge­waltsam niedergehaltener Erregung.

Ehe der Alte in das Haus trat, aus dem ihm keine Menschenseele entgegenkam, drückte er die Hand auf das Herz. Einen Moment hemmte er auch die Schritte. Dann aber hob ein tiefer Atemzug seine Brust und mit den geflüsterten Worten:Mut nur Mut!" schritt er nun über die Schwelle des hübschen Landhauses.

Da endlich wurde auch im Innern desselben eine Thür geöffnet hörte der Fremde eine laut­schallende Stimme, welche nach dem Hof hinausrief: Schlag' nicht 'mal, Jakob! Hast Du denn noch nicht angespannt? Himmelkreuzmillionendonnerwetter, soll ich wirklich erst kommen und Dir Beine machen. Brauchst Dich nicht danach zu sehnen, Du donner- wetterscher Lümmel. Denn komm' ich erst einmal auf den Hof, dann kriegt auch der Peitfchenstiel wieder Bewegung und der Tanz, den er auf Deinem Rücken beginnen möchte, könnte Dir möglicherweise doch nicht gefallen "

~ Schon bei ben letzten Worten hatten sich schwere Schritte der vorderen Hausthür gmähert. Jetzt aber stand Herr Wilhelm Wald in seiner besten Toilette den schwarzen Kirchgehanzug vor dem Gast, über dessen Gesicht sich bei der Annäherung des Mühlengutsbefitzers eine fast leichenhaste Bläffe ge­breitet hatte.

Schockmillion," rief Herr Wilhelm unwill­kürlich, als er sich plötzlich einer ftemden Erscheinung gegenüber sah. Dann aber faßte er sich und die Verbeugung des alten Herrn in seiner grotesken Weise erwidernd, fragte er nach dem Begehr desselben.

schweres Ding, für Sachen verantwortlich zu fern, deren Entwickelung und Ende man von vornherein zu übersehen nicht im Stande ist." Bei dem Fest­mahl trat Fürst Bismarck für die Interessen der Landwirtschaft ein:Die von der Landwittschast bis dahin stets geübte Bescheidenheit dürfte für immer nicht am Platze sein; denn:Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen!" Wir wollen und dürfen uns aber nicht grün machen, wenn wir bestehen wollen! Tritt mir jemand auf die Zehe, dann schreie ich, aber nicht allein, weil mich der Tritt schmerzt, sondern damit sich der Andere für die Zukunft vorsieht. Wir Landwirte müssen uns rühren und auch laut unsere Stimme erheben, wenn wir unsere Interessen wahren wollen."

Hessen-Nassau.

Marönrg, 3. Novbr. (Sitzung des Bürger-Ausschusses.) In der gestrigen Sitzung des Bürger - Ausschusses, an welcher 20 Mitglieder teilnahmen, wurde folgende Tagesordnung erledigt:

I.Wahl eines Ausschußmitgliedes. Anstelle des verstorbenen Mitgliedes Hrch. Klee wurde und zwar mit 18 von 20 abgegebenen Stimmen Herr Kaufmann Johannes Baum gewählt.

II. Ausführung des Kanalisations­projektes. Die Veranlassung zu diesem Puntte der Tagesordnung gab folgende uuterm 13. August d. Js. an die hiesige Stadtverwaltung gerichtete Zuschrift der Kgl. Regiernng:Auf den gefälligen Bericht vom 23. Septbr. v. Js. teile ich Ew. Hoch­wohlgeboren ergebenst mit, daß die Herren Minister des Innern, der öffentlichen Arbeiten und geistlichen Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten durch Er­laß vom 20. Juli d. Js. inbetreff des vom Stadt­baurat Lindley zu Frankfurt a. M. aufgestellten Kanalisationsprojekts für Marburg bestimmt haben, der Ausfühmng des Entwässerungsentwurfs den Hoch- wasserftand vom Jahre 1841 zugrunde zu legen. Dem­zufolge muß die Aufhöhung der Frankfurterftraße zur Ausfühmng kommen. Von einer Erhöhung der Sttaßeam Grün" soll vorläufig abgesehen werden, unter der Bedingung, daß der Stadt zur Pflicht ge­macht wird, bei Hochwassergefahr für die rechtzeitige Aufführung eines Notdeiches im Zuge der Straße am Grün" bis zur Frankfurterstraße hin Sorge zu tragen. Die Aufhöhung dieser Sttaße soll dann später bei Abbruch der alten Häuser daselbst be­gonnen werden. Jeder einzelne Einfallschacht:c. deS Entwässerungskanals an dieser Sttaße, der nicht

Ich konime nur, um mir eine kurze Unter­redung mit Herrn Wilhelm Wald zu erbitten," er­widerte der Fremde mit einer Stimme, welche dem Gutsbesitzer merkwürdig bekannt vorkam, ohne daß er sich doch zu sagen vermocht hätte, wo er schon einmal ein gleiches Organ vernommen.

Der Wilhelm Wald bin ich," sagte er jetzt aber. Und rasch eine Thür zu seiner Rechten öffnend, setzte er, so höflich es ihm seine Art er­laubte, hinzu:Bitte, treten Sie nur hier hinein, wenn Sie mir etwas mitzuteilen haben. Leider kann ich Ihnen keine längere Zeit zur Verfügung stellen, denn ich bin genötigt, auszufahren."

Ueber das ganze Gesicht grinzend, fuhr Herr Wald fort:Es giebt heute ein besonderes Familien­fest zu begehen die Taufe meines ersten Enkels nämlich, welche auf Wronkermühle, dem Besitztum meines Schwiegersohnes, des Fabrikbesitzers Brenner, begangen wird."

So, so die Taufe des ersten Enkelkindes," wiederholte der Fremde. Und wieder klang die Stimme desselben Herrn Wilhelm gleich einer Mah­nung an längst vergangene Zeiten, ohne daß er doch in den verwitterten Zügen des Gastes auch nur einen bekannten Zug gefunden haben würde.

Er schMelte denn auch ärgerlich den Kopf. Dann aber den Fremden plötzlich in feiner unbe» schreiblichen Urwüchsigkeit an den Schultern fassend, rief er jetzt:Zum Donnerwetter, Herr! wer find Sie denn eigentlich? Sie sprechen mir so merk­würdig bekannt und doch kann ich mich nicht er­innern, Ihr Geficht irgend wann und irgend wo gesehen zu haben."

O!" der alte Mann ihm gegenüber griff mit beiden Händen nach der Lehne feines Stuhles, hinter welchem er stand:Also kein Zug mehr von meinem