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Wöchenlliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Druck » g^ebtfion^lRarft M. **’ Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion und ^kxpeditton: Markt 21.
JK 256.
S lchetot täglich «tzer an Werktagen nach teetm» uub Feiertagen. — Qnart-l-«b-nnementt-Prei» bei der Expe- btttott 2 ML, bei allen Postämtern 2 ML 85 Pfg. (exkL Bestellgeld). JnsertionSgebuhr für die gespaltene Zelle 10 Reklamen ftte dir Zeile 96 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 30. Oktober 1892.
«nzergen mmmt entgegen fite «rrpebtnort dieses Blattes, sowie die Annoncm-Bureaur von Haasenstein u. Vogler in VVTTTI Frankfurt a. M., Casiel, Magdeburg und Wien; Rudolf XXV11. . C'QnTQOttQ.
Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Neubestellungen auf die „Ober- hesfische Zeitung" für die Monate November und Dezember werden von allen Postanstalten, dm Landbriefträgern, in der Expedition Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Neustadt, Wetter und Gladenbach entgegengenommen.
Die Exped. der „Oberhess. Ztg."
Wochenschau.
DaS lange gehütete Geheimnis, dessen Enthüllung stit Wochen und Monaten mit Spannung erwartet worden ist, ist nun bekannt: Die Militär-Borlage, welche gegenwärtig in den Ausschüssen des Bundesrates des Deutschen Reiches zur Beratung steht und erst nach ihrer Genehmigung durch diese Körperschaft weiteren Kreisen zugängig gemacht werden sollte, ist nunmehr durch eine Indiskretion veröffentlicht. In diesem Falle ist es ja belanglos, ob die Veröffentlichung etwas ftüher oder später erfolgte; es wäre aber doch gut, wenn wichtige Reichs-Dokumente, die vollständig oder bis zu einem gewissen Moment geheim gehalten werden sollen, auch wirklich in Zukunft geheim gehalten werden. Solche Publikationen können unter Umständen eine recht peinliche Wirkung haben, die vielleicht nicht beabsichtigt ist, aber doch eintritt. Was nun den Inhalt der neuen Militärvorlage cm« betrifft, die unsere Heeresorganisation auf wesentlich andere Fundamente stellen will, um den militärischen Rüstungen Frankreichs und Rußlands gleichzukommen, fo fordert sie, unter Gewährung der zweijährigen Dienstzeit für die Fußftuppen, eine Armeeverstärkung str den Friedensstand um rund 86 000 Mann, eine Neuerung, deren jährliche Kosten etwa 64 Millionen Mark betragen werden. Die Schwierigkeiten, diese Lorlage im Reichstage zur Genehmigung zu bringen, Verden nirgends verkannt, und es wird deshalb mit um so größerer Erwartung den Erläuterungen cnt- gegengesehen, welche der Reichskanzler Graf Caprivr im Reichstage geben wird. Thatsache ist jedenfalls, daß eine so gewaltige Militärvorlage seit dem Bestehen des Deutschen Reiches das Reichsparlament »och nicht beschäftigt hat, und mit berechtigter Teilnahme muß man der Entwickelung der Frage ent- grgensehen. Mit dem Zusammentritt des Reichstages verbleibt eS bei dem 22. November, während am 9. November der Landtag der preußischen Monarchie - seine Arbeiten wieder aufnimmt. Nachdem es eine
Auf Wronkermühle.
Original-Roman von L. D. H. Brandrnp.
^Nachdruck verboten.)
(Fortfetznag.)
»Ja, fetzen Sie in Gottesnamen den Kaufvertrag auf," Herr Justizrat, rief Herr Gottlieb entschlossen und setzte dann hinzu: „Zahlt der Käufer wirklich sechszigtausend Dhaler, so verbleiben mir ja auch noch nach Berichtigung meiner Verpflichtungen rund fünfuntywanzigtausend — und mit diesen ist mir und meinem Sohne geholfen. Ich für meine Person behalte mir nur die Zinsen von zehntausend Thalern vor. Mit fünfundzwanzigtausend Thalern Anzahlung bekömmt aber Fritz gut und gerne ein anderes Gut, auf dem er sein Auskommen haben kann."
Nachdem beide Herren noch einiges Notwendige besprochen, verabschiedete sich Herr Wronker wieder. Er hatte jedoch das Verspreche gegeben, sich Nachmittags 4 Uhr zur Vollziehung des Gutsverkaufs erneuert im Hause des Notars einzufinden.
Pläne für die Zukunft schmiedend, die ihm wieder hell und sonnebestrahlt erschien, war der alte Herr dann im Geschwindschritt seinem Heim zugeeilt, als er bereits in der Nähe desselben war, warf er zufällig einen Blick zur Linken. Und nun stehen bleibend, hielt er sich die Hand vor die Augen, um beffer der Sonne entgegensehen zu können:
„Wenn das nicht das Wronkermühler Fuhrwerk ist, laß ich mich aufhängen," murmelte er jetzt vor sich hin und setzte dann noch hinzu: „Der arme Junge wird keine Ruhe zu Hause gefunden haben über die schlechten Nachrichten, die er gestern von mir erhalten. Nun, heute stehen die Sachen schon ganz anders und es ist gut, daß er kömmt. Will ihm nur gleich entgegengehen."
Zeitlang hieß, Ministerpräsident Graf Eulenburg werde die preußische Landesverttetung eröffnen, heißt es lnun doch wieder, daß der Kaiser diesen feierlichen Aft in Pcrion vornehmen wird. Finanzminister Miquel, der für die Sitzungen des Abgeordnetenhauses die Hauptperson sein wird, ist von seiner Er- ftankung so ziemlich wiederhergestellt. Seine Sorgen hat der Minister, denn der Stand der preußischen Finanzlage ist infolge eines sehr starken Rückganges bei den Eisenbahneinnahmen wirklich kein rosiger.
Am Kaiserhofe ist unter Teilnahme zahlreicher Fürstlichkeiten der Geburtstag der Kaiserin Augusta Vittoria und die Taufe der jüngst geborenen Kaisertochter festlich begangen. Für über vierhundert weibliche Verurteilte wurde an diesem Tage ein kaiserlicher Amnestieerlaß publiziert. Unser Kaiser entsprach in dieser Woche mehreren Jagdeinladungen und wird am 31. Oktober mit zahlreichen Fürsten und Herren der Einweihung der Lutherkirche in Wittenberg beiwohnen, die sich zu einem außerordentlich großartigen Feste zu gestalten verspricht. Es wird für diesen Festtag eine besondere Kundgebung erwartet.
Unsere deutsche Polittk wurde selbstverständlich fast ausschließlich durch die Veröffentlichung der Militärvorlage in Anspruch genommen; es war auch nur recht wenig vorhanden, was im Stande gewesen wäre, weiteren Kreisen Interesse einzuflößen. Mit Befriedigung wird das allmähliche, aber stetige Verschwinden der Cholera beobachtet, wenngleich im Osten noch strenge Wacht gegen eine Wiedereinschleppung auS Rußland gehalten werden muß. In Russisch-Polen tritt die Epidemie trotz der so sehr gesunkenen Temperatur noch recht heftig auf, und die zahlreichen russischen Flösser, die nach Deutschland kommen, bedeuten keine zu unterschätzende Gefahr. Der Stadt Hamburg hat die Epidemie rund drei Millionen Mark, ganz abgesehen noch von den be- ttächtlichen Waisen- und Armengeldern, gekostet. Was hätte man für diese drei Millionen nicht alles haben können, wenn man sie im gesundheitlichen Interesse rechtzeitig ausgegeben hätte? Im Bundesrate des deutschen Reiches ist die Beratung der für den Reichstag bestimmten wetteren Gesetzesvorlagen begonnen worden, zu welchen sich noch Vorlagen bett, eine schärfere Bestrafung des Wuchers und bett, die Neuregulierung des Wesens der Abzahlungsgeschäfte gesellt haben. Im preußischen Staatsministerium werden die Vorlagen für den Landtag der Monarchie fertiggestellt. Sett Beginn dieser Woche tagt in Berlin auch der Deutsche Kolontalrat. Seine Haupt-
Bei den letzten Worten schritt Herr Gottlieb denn auch schon dem sich langsam nähernden Wagen zu.
„Aber was bedeutet das?" flüsterte der Alte jetzt wieder „Täuschen mich meine Augen, oder ist das wirklich nur Lieschen, die da kommt? Sollte Fritz krank geworden sein? — Ein Wunder wär's freilich nicht." Und nun seine Schritte beschleunigend, stand Herr Gottlieb auch schon in wenigen Minuten neben dem jetzt stillhaltenden Fuhrwerk.
„Lieschen, erbarm' Dich, wie verweint siehst Du aus. Sollte Fritz vielleicht erkrankt sein?" stieß Herr Wronker hastig hervor, als er in das Gesicht der Schwiegertochter schaute.
Die junge Frau war bei der Anrede de» Alten plötzlich zusammengefahren. Hatte sie in ihrem Kummer doch gar nicht bemerkt, wie er sich dem Wagen genähert. Traurig blickte sie jetzt auf den erregten Mann neben sich herunter, dann sagte sie nur: „Ja — ja, Vater, Fritz ist sehr krank! Doch komm' zu mir hinauf und setze Dich neben mich, dann will ich Dir erzählen, was geschehen."
Herr Gottlieb that, wie Lieschen es gewünscht. Kaum aber hatte er neben ihr Platz genommen, als sie dem Kutscher auch zurief: „Fahre hier links die Feldstraße hinunter, Johann und bleibe eine Weile auf dem eingeschlagenen Wege!"
Der Mann folgte diesem Befehle, ohne sich über denselben zu wundern. Die treue Seele wußte ja, weshalb es die junge Herrin nach der Einsamkeit verlangte.
Aber auch Herr Gottlieb fragte nicht, warum der Wagen die Stadt verlassen sollte. Schmerz, Angst und eine jäh aufgetauchte unheimliche Ahnung hatten ihn ja stumm gemacht.
Erst nachdem das Fuhrwerk die letzten Häuser
beschäfttgung gilt der Beratung der Etats der einzelnen Kolonieen.
In Oesterreich-Ungarn find die Delegations-Verhandlungen zu Ende. Dafür kam die Meldung von einer schweren Krisis im ungarischen Staatsministerium, deren Vorhandensein zwar bestritten wurde, doch haben die Angaben keinen rechten Glauben gefunden. Das exzentrische Magyarentum fühlt sich zu sehr in seinem Fahrwasser, und der gegenwärtige Ministerpräsident Graf Szapary wttd wohl noch manchen bitteren Trunk zu trinken haben. Die Cholera ist auch in Wien aufgerieten, indessen nur in einzelnen von Budapest her eingeschleppten Fällen. Aus Ungarns Nachbarland Serbien kommen ungemütliche Meldungen über die sich fortwährend verschärfende Finanzkrisis. In Montenegro sind die Söhne der Schwarzen Berge des brutalen Regiments ihres Fürsten Nikolaus überdrüssig und haben in einer Bittschrift den ms- fischen Zaren, ihren Schutzherrn ersucht, er möge seinem „einzigen Freunde" einen Wink geben, vom Throne herabzusteigen und diesen seinem Sohne zu überlassen. Die Mißwirtschaft in Cettinje soll fürchterlich sein. In Griechenland begeht König Georg in stiller Weise, denn auch der Geldbeutel der Hellenen ist entsetzlich dürre gewordm, seine silbeme Hochzeit.
Die Franzosen sind mit ihrem Dahomeykrieg noch immer nicht zu Ende und jetzt eingegangene Privatberichte beweisen, daß die Dahomeykrieger ihren Feinden das Siegen nicht leicht machen. So ist die ftanzösische Kolonne in einer Nacht von den Schwarzen überfallen und nur einem glücklichen Ungefähr ist es zn danken, daß nicht die ganze Expedition niedergemetzelt worden ist. Der zum Brigadegeneral ernannte Oberst DoddS, ist übrigens auch ein Schwarzer und wird als ein recht tüchttgcr Offizier geschildert, wenn er gleich von der Eitelkeit seiner weißen Mitbürger auch nicht frei geblieben ist. Zur Beilegung des Bergarbettersrieiks in Carmaux hat der als Schiedsrichter angerufene Premierminister Loubet seinen Spruch gefällt, worin er es beiden Teilen Recht zu machen sucht. Wie stets, ist aber das Gegenteil eingerieten von dem, welches man erwartet hat. Die Arbeiter sind durchaus nicht mit dem Schiedssprüche zufrieden, weil durch denselben solche Arbeiter, die wegen Teilnahme an Srieikttawallm bestraft wurden, von der Wiederanstellung ausgeschlossen find. Der Ausstand wird also wohl noch fortbauern und zu neuen Erörterungen in der Kammer Anlaß geben. In England herrscht immer noch große polttische Sülle. Demnächst wird aber der feierliche Amtsantritt des neuen Lordmayors von London erfolgen, bei welcher
B—s hinter sich hatte, begann die junge Witwe — den Kopf an die Schulter des alten Herrn gelehnt, mit ihrem traurigen Bericht Anfangs schien Herr Gottlieb sie jedoch gar nicht zu verstehen. Dann aber faßte er plötzlich die ganze fürchterliche Sachlage und lauschte stöhnend und mit gerungenen Händen den Mitteilungen seines ..geliebten Töchterleins." Durch keine Silbe unterbrach er dabei aber die Erzählende an seiner Seite. Ja, auch als Lieschen längst geendet, verharrte er noch in diesem unheimlichen Schweigen. Endlich aber ranzen sich doch die Worte Über seine Lippen:
„O Gott, Gott, Allmächtiger! Wie soll ich das tragen? Am liebsten ginge ich dahin, woher keine Wiederkehr möglich." —
Dann gebot er dem Kutscher, nach seiner Wohnung zu lenken. Eine halbe Stunde später wußte auch Frau Louise, daß ihr einziger Sohn auf dem Wege zu der Badestelle mit der Brustwehr des Brettersteigs in den Fluß gestürzt und dabei ertrunken sei. —
Die irdischen Ueberreste Fritz Wronkers waren zur letzten Ruhe bestattet worden. Die junge Witwe des Toten verweilte jedoch nach wie vor aus Wronkermühle, ttotzdem das Gut wirklich schon wenige Tage nach dem Begräbnis verkauft worden war — ein Umstand übrigens, welcher Lieschen erst durch den Justizrat mitgetcilt wurde. Auf die fchonendste Weise hatte der alte Herr der Ahnung- losen erklärt, wodurch Gottlieb Wronker gelungen worden, sich seines Besitzes zu entäußern. Lieschen zeigte sich einen Augenblick vollständig konfternirrt über diese Nachricht. Dann aber meinte sie auch schon, daß sie unter solchenUmständen sofort ihre Sachen zusammenpacken wolle, um nach Mloneck zu chrem Vater zurückzukehren.
Gelegenheit der Kabinetlschef eine politische Programmrede zu halten pflegt. Herr Gladstone kann also seine Weisheit vom Stapel lassen.
Die Wahlbeweguug zu den allgemeinen Neuwahlen ist in Italien in vollem Schwünge. Fast jeder Tag bringt Wahlreden hervorragender Polttiker, in welchen das am Ruder befindliche Ministerium Giolitü im Ganzen recht günstig fortkommt. Auf seine Firma wird der Ministerpräsident wohl eine parlamentarische Mehrheit vereinigen, ob dieselbe aber lange anhält, ist die Frage. Denn, um das Wort des alten Römers zu variiren, veränderlich und launisch ist das ttalienische Parlament. Die Insel Sardinien ist von einem furchtbaren Wolkenbruch heimgesucht worden, mehr als hundert Menschen sind umgekommen. Der kleine König Alfonso von Spanien soll nun wieder völlig gesund sein, soweit man eben von Gesundheit bei dem sehr schwächlichen Knaben sprechen kann. In Portugal haben wieder einmal Neuwahlen zur Volksvertretung stattgefunden, droht wieder einmal Ministerttifis und fehlt, wie stets, Geld.
Aus Rußland kommen schlechte Nachrichten: Das Defizit aus dem vorigen Jahre beträgt 180 Millionen Rubel, der Getreidehandel liegt vollständig wegen Mangel an Abnehmern darnieder und aus ben von ungünstiger Ernte betroffenen Bezirken schreien bte Bewohner vergebens nach Staatshilfe. Daneben schreitet bie Armeeverstärkung ununterbrochen fort, bis es einmal an allen Ecken unb Enden nicht blos knacken, sondern auch ttachen wird. Das mächttge Rußland bekommt heute schon kein Geld mehr geborgt, während die russische Wirtschaft fortdauert. Vielleicht sehen wir Übers Jahr schon nette Dinge. In Nordamerika feiert man immer noch ColumbuS- fefte, von denen der Präsident Harrison allerdings »egen des Todes seiner Gattin fernbleiben muß. In Südamerika giebt es wieder Revolution, besonders in Argenünien.
Deutsches Reich.
W. erlitt, 29. Oktober. Unser Kaiser kam am Donnerstag Nachmittag von Potsdam nach Berlin unb nahm im „Kaiserhof" an bem alljährlich ftattfinbenben Festessen zu Ehren bes Prinzen Friedrich Karl von Preußen teil. Der Kaiser begab sich darauf nach dem Stettiner Bahnhofe, von wo aus die Abreise nach Liebenberg erfolgte, wo der Monarch an ben vom Grafen Eulenburg veranstalteten Jagden teilnehmen wird. — Nach der „H. Z." wird der Kaiser einer Einladung des Herrn von Wedell-Piesdorf
Nur den dringenden Bitten Horns, welcher die neuesten»Ereignisse auf Wronkermühle sofort an Ernst telegraphiert hatte, war es hernach ja doch gelungen, die junge Witwe zu veranlaffen, noch für einige Zeit die innere Wirtschaft auf dem Mühlengute weiter zu führen. Für die äußere hatte er einen Inspektor engagiert.
Es waren vierzehn Tage nach dem jähen Tode Fritz Wronkers vergangen, als Lieschen in dem sogenannten Stübchen an ben Schreibsekretär des Heimgegangenen trat, um eine kleine Ausgabe in das Wirtschaftsbuch einzutragen. Die Stahlfeder, welche sie hierzu benutzen wollte, zeigte sich jedoch unbrauchbar und so zog die junge Witwe eine Schublade auf in der ihr verstorbener Gatte allerlei- Schreibmaterialien aufzubewahren pflegte. Sie fand auch, was sie suchte und schon wollte die junge Frau den Behälter wieder in sein Fach zurückschieben, als ihr der Deckel einer kleinen Schachtel in die Augen fiel. Nur einen Blick warf sie auf die Aufschrift desselben, dann stieß sie einen leisen Schrei aus und der Ausdruck des Entsetzens lagerte sich auf das liebliche Frauenantlitz: „Das Strychnin," stöhnte sie bann, indem sie ben Keinen Behälter mit bebenden Fingern öffnete- —
Die Schachtel ist leer. — O allmächttger Gott — und ich weiß doch — daß Fritz das entsetzliche Gift, welches er zur Ausrottung der Füchse gekauft, zu diesem Zwecke gar nicht benutzt hatte. Erst am Tage vor seinem Tode habe ich ja das Schächtelchm mit seinem ganzen Inhalte gefunben. Ich erinnere mich dessen genau, denn damals —"das junge Weib schauderte in sich zusammen — „damals kam mir die sündhafte Idee, das Gift an mir selbst zu probieren, um —" sie beendete den Satz nicht, sondern fuhr indem vorherigen Gedankengange fort: