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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

6 ÄebSltton^rab ^Ptdition^Mortt H. ,teta* Illustriertes Sonntagsblatt. Redaktion nnd Expeditton: Markt 21.

M 255.

Grlchetut täglich außer au Werktage» »ach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnementr-PretS bei der Expe­dition 2 M., bei allm Postämtern 8 Mk. 86 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 26 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 29. Oktober 1892.

Anzeigen nimmt entgegen die Erpeditton dieses Blattes, sowie die Annoncen-Bureanx von Haasenstein u. Vogler in Frankfurt o. M., Cassel, Magdeburg und Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari«.

XXVII. Jahrgang.

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Neubestellungen auf die „Ober- hesfische Zeitung" für die Monate November und Dezember werden von allen Postanstalten, dm Landbriefträgern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expe­ditionen in Kirchhain, Neustadt, Wetter und Gladenbach entgegengenommen.

Die Exped. der „Oberhefs. Ztg."

Eine Verschärfung des Wucher- Gesetzes

wird, wie wir unseren Lesern bereits mitteilten, dem Reichstage in der kommenden neuen Session ebenfalls unterbreitet werden. Soviel bekannt, werden die Sttafen für die wucherische Ausbeutung einer Notlage, von Leichtsinn und Unerfahrenheit nicht nur verschärft, es werden auch Mittel und Wege gesucht werden, Jeden, der wucherischen Neigungen huldigt, das Ein­sangen von neuen Opfern zu erschweren. Freilich, auch dies neue Gesetz wird den Wucher nicht aus­rotten, der so alt ist wie Geld und Geldeswert, der sich bis in graue Zeiten hinein verfolgen läßt. Immerhin kann eine schärfere Bestrafung des Wuchers, eine Erschwerung des Wucher-Gewerbes, denn davon kann man ja leider schon reden, nützen und dazu beittagen, manchen Menschen vor einem der schlimmsten uud unheilvollsten Schicksalsschläge zu bewahren, die man sich denken kann. Es ist bei dem Wucher ja nicht allein damit gethan, daß die wirtschaftliche -Existenz eines Einzelnen vernichtet wird. Dem Zu­sammenbruch gehen Wochen und Monate des Jammers und der Qual voraus, und es folgen ihm neue Wochen und Monate des Kummers, der Angst und der Sorge. Mtt dem Familienoberhaupte leiden die Familienglieder, eine ganze Anzahl Menschen werden schließlich durch die erbarmungslose Habgier zu Grunde gerichtet. Und nicht blos Geld und Gut, Haus und Besitz gehen verloren, auch die geistigen Fähigkeiten und die moralischen Eigenschaften leiden, wenn die Verzweiflung, von des Wucherers Hand geführt, das Heim betritt. Es ist einer der widerlichsten, ab­stoßendsten Charakterfiguren, welche die menschliche Gesellschaft kennt, die der Wucherer bietet. Niemand wird man es verargen, wenn er verdienen will, man wird es ihm auch nicht verdenken, wenn er viel zu verdienen, in naher Zeit ein reicher Mann zu werden wünscht. Mag Jeder, der da aufrecht steht im ge- schäftüchen Leben und Treiben, zusehen, daß er nicht

Aus Wronkermühle.

Original-Roman von E. D. H. Brandrup.

(Nachdruck verboten) (Fortietzung.)

Schnell entschlossen, die noch glühende Eisenstange zu Boden werfend, eilte Raddatz auch schon quer durch das sich vor ihm ausbreitende Kartoffelfeld der Gegend zu, aus der immer kläglicher das Ge­heul Bergmanns herübertönte. In wenigen Minuten hatte der rüstige Mann die ihm wohlbekannte Bade­stelle erreicht. Ein rascher Blick auf den Hund und die zerbrochene Geländerstange belehrte ihn über das Geschehene. Einen Augenblick später stand der Schmied bis an die Brust im Flüßchen. Tief beugte er sich nun zu dem Grunde hinab. Einen Moment ver­schwand er vollständig im Wasser. Dann rauschte dasselbe mächtig auf und Raddatz mit dem Körper Fritz Wronkers in den starken Armen wurde wieder sichtbar. Nachdem der brave Mann tief Atem ge­schöpft, trug er seine Last an das niedere Ufer, wo rr sie sanft auf den Rasen niederlegte.

„Was man doch alles erleben muß!" stöhnte der Alte, während er sich hernach zu dem starren Körper niederbeugte, um nach Symptomen etwaigen Lebens zu forschen.

Nach einer Weile richtete Raddatz sich wieder in die Höhe: .Hier ist nichts mehr zu machen," flüsterte er dann. — „So viel ich mich darauf ver­stehe, muß der arme Mensch schon eine halbe Stunde im Wasser gelegen haben, ehe ich kam. In solch einem elenden Loch zu ersaufen, pfui Teufel! Ihn wird aber der Schlag gerührt haben, so wie er nur über die zusammenbrechende Stange in das Wasser gefallen. Doch war nun? Ah darf die Leiche doch Nicht so mir nichts — dir nichts der jungen Madame in das Haus schleppen," setzte der Schmied in halber

falle. Nur wird kein ehrlicher Mann sein Glück mst dem Unglück, mit den L hränen und dem Jammer anderer Menschen erkaufen, nicht ihm gleichstehende Wesen wie wilde Tiere hin- und herhetzen, bis ihnen endlich die Kraft zum Widerstande erlischt und sie kraftlos dem Verfolger erliegen. Das ist der Gang der Wuchergeschäfte, die Prozedur, durch welche Tausende ruiniert, zu Bettlern und noch Schlimmerem geworden sind. Scheinbare Freundlichkeit und ver­trauensvolles Anschließen des Wucherers zieht so manchen armen Schelm an, und ist den Bedrohten jede Möglichkeit geschwunden, sich aus dem mtt teuflischer Geschicklichkeit gewebten Netze zu befteien, dann wird die Maske abgeworfcn, das in der Schlinge befindliche Wild allen und jeden Anforderungen, allen und jeden Demütigungen ausgesetzt. Und nach einem schrecklichen Leben folgt dann zum Schluß ein schreck­liches Ende. Der Wucher gehört zu jenen Verbrechen gegen den Mitmenschen, denn ein Verbrechen muß er unbedingt genannt werden, die im Allgemeinen nicht sehr in die Oeffentlichkeit treten. Der Wucherer hütet sich, zu sprechen, und die Opfer seiner „Ge­schäftskunde", wie er es nennt, schweigen meist aus Scham. Man geht aber fehl, wolle man annehmen, der Wucher habe abgenommen, dann und wann fällt in Gerichtsverhandlungen ein kurzes, aber um so grelleres Stteiflicht auf das Treiben unter der Oberfläche des Geschäftslebens und Ausrufe der Ent­rüstung und des Entsetzens werden laut. Aber es liegt auch prakttsches Material vor: Die Begründung zum neuen Gesetz weist klipp und klar nach, daß seit dem letzten Wuchergesetz das Thun der Wucherer nicht nachgelassen hat, sondern höchstens mehr als bisher aus der Oeffentlichkeit geschwunden ist. Und man hat nicht nötig, diesen Elementen gegenüber eine weitgehende Schonung walten zu lassen, ihnen gegen­über, denen das Wort Schonung, Mitleid und Rück­sichtnahme vielleicht die unbekanntesten der deutschen Sprache find. Es sei wiederholt: Kem Gesetz der Welt wird das wucherische Treiben ganz und gar vernichten können, wohl aber ist es noch bedeutend einzuschränken und aus diesem Grunde find alle neuen gesetzgeberischen Schritte mit Freuden zu be­grüßen. Allerdings ist auch zu wünschen, daß etwas mehr geschäftlicher Scharfblick im Publikum Platz greift, denn eine ganz übermäßige Verttaumsduselei erleichtert heute in der That manchem Wucherer fein Treiben.___________________________________________

Deutsches Reich.

W. Nerlitt, 28. Oktober. Unser Kaiser

Verzweiflung hinzu — Frau Lieschen könnte ja auf der Stelle den Tod davon haben. Nein, nein, hier gilt es die äußerst behutsamste Vorbereitung." Damit schnallte er sich auch schon das riesige Schurz­fell ab und bedeckte dann den Totm mit demselben. „Du, kleiner Bursche, halte gute Wacht bei Deinem armen Herrn," sagte er jetzt zu dem treuen noch mmer winselnden Teckel — „damit er nicht in einer Ruhe gestört wird."

Noch einen letzten Blick warf Raddatz auf die Zurückbleibenden, dann machte er sich auch schon, wenn auch schweren Herzens auf den Weg, seine Hiobsbotschaft weiter zu tragen. . . .

Als der Schmied nach einer Weile das Guts- MS erreicht, traf er Lieschen gerade dabei, den Frühstückstifch für den Gatten zu bestellen. Verwundert »lickte die junge Frau von ihrer Beschäftigung auf, als der noch vom Wasser fast triefende Alte zu ihr in die Stube trat.

„Um GotteSwillm, Raddatz, wie sehen Sie denn aus?" rief sie jetzt auch. „Sind Sie in den Fluß gefallen und —"

„Ich — ich — nein, ich gerade nicht,aber—" iammelte der Schmied — „aber —"

„Mensch, erbarmen Sie sich und sagen Sie mir, was geschehen ist?" fragte jetzt aber die junge Frau und faßte, von böser Ahnung ergriffen, den Arm des Durchnäßten. Und als dieser nach den passenden Worten suchend, verlegen vor sich nieder- chaute, streckte sie ihm flehend die Hände entgegen und wiederholte mit einer Stimme, durch die ganze Angst ihrer Seele vibrierte: „Erbarmen Sie sich und sagen Sie mir endlich war geschehen ist."

Der Schmied hob das Auge. Mit unendlichem Mitleid blickte er in da» zuckende Gesicht der jungen Frau. Dann aber faßte er sich auch und teilte

unternahm am Donnerstag Vormittag einen Spazier­ritt in die Umgegend von Potsdam und wohnte an: dem Bornstedter Felde einem Abteilungsreiten bei. Darauf hatte der Kaiser ttn Neuen Palais eine Unterredung mtt dem Kriegsminister v. Kaltenborn, und empfing den Generalinspekteur der Festungen Generalleutnant Goltz. Mtttags erteilte der Monarch dem Hauptmann ä la suite der Armee Grafen Ru­dolph zur Lippe-Bisterfeld, sowie dem Professor Dr. Virchow und dem oldenburgischen Geh. Rat Selk- manu die nachgesuchten Audienzen. Nachmittags kam der Kaiser nach Berlin und wohnte der Prinz Fried- rich-Karlfeier im „Kaiserhof" bei. Am Abend be­gab sich Se. Majestät vom Stettiner Bahnhofe aus nach Liebenberg, um dort, einer Einladung des Gesandten Grafen Eulenburg entsprechend, sich an den von diesem veranstalteten großen Jagden zu be­teiligen. — Aus Berliner Hofkreisen wird der „Nordd. Allg. Ztg." mttgeteilt, daß der Kaiser, der sich au das Lebhafteste fürdieWittenberger Jubelfeier interessiert, in diesen Tagen wiederholt der Begeisterung gedachte, mit welcher sein hochseliger Vater die Pläne für den Ausbau der Lutherkirche verfolgte, sein tiefstes Bedauern aussprach, daß es Kaiser Friedrich nicht vergönnt ward, Hefen Ehren- und Jubeltag der evange- lffchen Christenheit miterleben zu können. — An den Feierlichkeiten wird auch der König von Württemberg persönlich teilnehmen. — Der Reichskanzler veröffent­licht eine kaiserliche Ordre, durch welche der Reichs­tag auf den 22. November einberufen wird. Das Schriftstück lautet: „Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen 2c., verordnen aufgrund des Artikels 12 der Verfassung, im Namen des Reichs, was folgt: Der Reichstag wird berufen, am 22. November dieses Jahres in Berlin zusammenzutteten, und beauftragen wir den Reichskanzler, mit den zu diesem Zweck nötigen Vor­bereitungen. Urkundlich unter Unserer Höchsteigen- händigen Unterschrift und beigedrncktem kaiserlichen Jnsiegel. Gegeben im Neuen Palais, den 26. Ok­tober 1892. L. 8.) Wilhelm, v. Bötticher. — In der Donnerstagssitzung des Bundesrats wurde vor Eintritt in die Tagesordnung durch den Staats­sekretär v. Bötticher die ttotz der beschlossenen Geheim­haltung erfolgte Veröffentlichung der Mili­tärvorlage zur Sprache gebracht und mitgeteilt, daß von Amtswegen sttenge Untersuchung deswegen beschlossen und bereits eingeleitet ist. Durch den Reichskanzler ist ferner angeordnet worden, daß fort­an sämtliche Drucksachen des Bundesrats, auch die Tagesordnungen, als geheim zu behandeln find. —

ihr so rücksichtsvoll, als es ihm möglich war, mit, was Schreckliches passiert. Lieschen war während dieses Berichtes auf einen Stuhl gesunken und weinte in die vor ihr Gesicht gehaltenen Hände Wie schlecht auch Fritz gegen sie gehandelt, hatte sie ihm a ein solches Ende doch nicht gewünscht.

„Und wie — wie mag das Entsetzliche geschehen ein?" stammelte sie nun.

„O, Madame, das liegt doch auf der Hand," erwiderte der Alte und setzte dann erklärend hinzu: „Der junge Herr wollte zum Baden gehen. Ans dem Brettersteg beugte er sich über das morsche Stangengeländer. Dieses, zu schwach, trug eine Last nicht und brach. Mit seinen Trümmern ugleich aber stürzte der arme Herr kopfüber in das Wasser und — und wurde jedenfalls sofort vom Schlage gerührt," ftlhr Raddatz eifrig fort. „Denn sonst hätte er ja nicht den Tod in dem flachen Wasser finden können, das —."

Der Schmied unterbrach fich Erschrocken blickte er in das Gesicht der jungen Frau, in dem es wie in einer jäh erwachenden neuen Sorge zu zucken »egann. Hatte er ein Wort gesagt, das nicht für ihre Ohren paßte? Er wußte es nicht. Wie konnte »er Alte auch ahnen, welche Ueberzeugung seine letzte Bemerkung in der Seele der armen Witwe weckte, die jetzt abwehrend die Hände erhob und mit fast versagender Stimme flüsterte: „Und jetzt, lieber Raddatz, was beginnen wir jetzt?"

„Jetzt — Madame? — Nun, ich werde mir vor allem den Werkmeister aus der Mühle holen >ehen, damit er mir hilft, den Verunglüäften hier- erzuschaffen, dann aber denke ich, ist e« zunächst unsere Pflicht, die alten Herrschaften in der Stadt von dem Unglücksfall in Kenntnis zu setzen. Auch dem Doktor muß ein Bote gesandt werden, damit

Das preußische Staatsministcrium hat Anlaß ge­nommen, sich mit den in letzter Zeit so häufig vor­gekommenen Unterschlagungen von Verwaltern öffentlicher Kassen zu beschäftigen. Da er­sichtlich die Konttolle nicht mit der nötigen Sorg­falt vorgenommen ist, sind erneute strenge Vor­schriften deshalb ergangen. — Die „Nordd. Allg. Zeitung" konstatiert, daß sich Frankreich im Jahre 1885 verpflichtet habe, keinen Schritt Über die damals vereinbarte Grenzlinie im Hinterlande von Kamerun hinaus zu thun oder einen von Franzosen gethanen Schritt zu billigen. Durch diese Abmachung ist Deutschland der Weg zum Tschadsee unzweifelhaft dauernd sicher. — Leutnant Brüning, der bei dem letzten Gefecht in Deutsch- Ostafrika gefallene Offizier, ist nach einer dem Vater des Toten gewordenen Meldung in Fort Kilossa mit militärischen Ehren bestattet. Seine Leiche ist also nicht in die Hände der Wilden gefallen. — Die „Kreuzztg." kündigt einen Stellenwechsel in der Leitung des deut sch-o st afrikanischen Schutzge­biets an. Das genannte Blatt schreibt: Die Kommandierung des Oberstleutnants Frhrn. v. Schele aus dem Kriegsministerium zum Stellvertteter des Gouverneurs von Ostafrika, womit die Stellung eines Kommandeurs der Schutzttmppe verbunden ist, kann wohl als das erste amtliche Anzeichen für die ge­plante Umänderung in der Verwaltung des Schutz­gebiets angesehen werden. Die auf sechs Monate berechnete Stellvertretung darf wohl als eine Probe­zeit gelten, die fich gegebenenfalls in eine dauernde Ernennung verwandeln würde. Gerade vor einem Jahre wurde Korvettenkapitän Rüdiger zum Stell­vertteter des Gouverneurs; zu Anfang Juni 1892 trat er einen mehrmonatlichen Urlaub an und be­findet sich noch auf deutschem Boden. Der Umstand, daß ein Stabsoffizier zu seiner Stellvertretung kom­mandiert ist, beweist, daß Rüdiger zunächst nicht nach Ostafrika zurückkehren und wahrscheinlich seine bisherige Stellung nicht wieder einnehmen wird.

Hessen - Nassau.

Maröurg, 28. Oktober. (Zur Feier in Wittenberg.) Se. Majestät der Kaiser hat die theologische Fakultät der hiesigen Universität (wie alle evangelisch-theologischen Fakultäten Preußens) einge­laden, durch einen Vertreter aus ihrer Mitte fich an den Feierlichkeiten in Wtttenberg am 31. Oktober d- 3. zu beteiligen. Die Fakultät hat dazu ihren gegenwärtigen Dekan Herrn Professor Dr. Mirbt gewählt.

er den Totenschein ausstellt. — Erbarm' sich, was nur die armen Eltern zu diesem jähen Ende ihres einzigen Sohnes sagen werden?!"

Die junge Frau schluchzte laut auf. Dann legte sie die Hand auf den Arm des Alten. „Das Ent­setzliche muß den Bedauernswerten so schonend als möglich mitgeteilt werden," sagte sie nun. „Ich — ich selbst will mich deshalb auch der Aufgabe unterziehen, ihnen die Trauerbotschaft zu über­bringen."

* • *

Justizrat Horn hatte seiner Zett die Der» rauensvollen Mitteilungen Ernst Brenners eben o umschweiflos und ausführlich beantwortet. Hier- ms war ihm fast umgehend ein erneutes Schreiben »e» jungen Ingenieurs zugegangen, in welchem der« elbe sich in den leidenschaftlichsten Worten über die Thatsache erging, daß feine Pflegeeltern fich von ihm vergessen geglaubt hatten.

„Es war meine Absicht," schrieb Ernst, „mich gleich nach Empfang Ihres werten Briefes an meine Tante zu wenden, um ihr mitzuteilen, daß wir alle unzweifelhaft das Opfer eines schändlichen Verrates geworden. Aber ich gab diesen Plan so« ort wieder auf und ziehe es nun vor, mich erst »ersönlich mit den teueren Menschen auszusprechen, wenn ich in drei bi» vier Monaten nach der Hei« mal zurückkehre. Eher lassen fich leider meine dienstlichen Verhältnisse nicht zum Abschluß bringen, wie sehr es mich auch dazu drängt, schon früher zu reisen, um die Machinationen eines Elenden aufzudecken, welche mich nicht blos zu einem charakterlosen und undankbaren Menschen gestempelt, sondern — auch um alle geträumte Glückseligkeit meines Lebens be­trogen haben."

Wetter hatte Ernst Brenner noch von feinen